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14.11.2009

Was der Beamte Enno Schmitz diese Woche zu erledigen hat

OB anrufen, Handy
Frau Ende anrufen (englisch?)
KSTA anrufen (Pappenheim)
80.000 Birnen?
Klaviermarken sortieren
- alphabetisch
- nach Herkunft
- nach Qualität (Preis!)
- Bilder nicht vergessen
Vermerk Bösendorfer!!!
Sitzung OdWG vorbereiten
StVergAbG lesen
Übersicht Rathenauplatz
Heidecker über Gegenstände???
Franzose über die Ordnung der Dinge???
Umstellen: HGOdWG §35 und §37b
Geld überweisen: Griet
Griet anrufen (schwanger?)
Reisekosten sortieren
Vorstand CDU-Köln schreiben
Protokoll lesen!!!
Und Düsseldorf?
Karte 1. FC für Maik (Bayern)
Maik anrufen (Griet schwanger?)
Medikamente
Auto waschen
Winterreifen!!!
Maik fragen?
Geburtstag Gertrud!!! (Freitag)

10.11.2009

Was hat er vor? Der Klavierspieler Johann reist morgen ab

Notizen Bösendorfer
Brief Mary Ending
Notizbuch (kaufen!!!)
Füller (von Magdalena)
Stift (von Alexander)
englisches Wörterbuch
Kalender
Lupe
Nagelschere
Notbrille
iPod
Arvo Pärth (downloaden)
Sting Wintersongs (???)
Goerke
die kleine Ikone (plus Kerze)
die neuen Socken
schwarze Hose
schwarze Unterhosen
die schwarzen Sportschuhe (sauber machen!!!)
Filzhut (suchen!!!)
Reisepass
Reiseführer
Zehn Blaue
Reiseaschenbecher
Feuerzeuge (drei)
Karte Devon
Fahrkarte Köln - London
Ticket London – Exeter
Hotel confirmation (noch ausdrucken)
Führerschein (nicht vergessen!!!)
Kreditkarte Dresdner Bank
Bargeld 100 Pfund Sterling
Hei 65
Malte
Handy (cell-phone)
Und: Adapter!!!
Ass 100
Procolaran
Leberwurst, fünf (REWE, Ja)

07.06.2009

Der Klavierspieler Johann spricht heute mit einer tüchtigen Reporterin

Im Stadtanzeiger hatte Johann flüchtig etwas über das Vorhaben des Oberbürgermeisters, die „wichtigen Gegenstände in der Stadt zu registrieren“, gelesen. Er erinnerte sich noch an den Satz: „Über den amtlichen Status der unterschiedlichen Gegenstände wird noch verhandelt“. Die Beamten um den Bürgermeister herum schienen sich nicht darüber einigen zu können, um welche Gegenstände es genau gehen sollte & wie sie eingeordnet werden müssten. Ein hoher Beamter meinte: „Klar ist, dass es sich vor allem auch um Kunstwerke, Musikinstrumente, Altäre, alte Bücher, Schmuck und Zelte aus der Mongolei handelt“.

Damals hatte die Sache Johann nicht besonders interessiert, jetzt aber wollte er sich erkundigen. Nach ein paar Telefonaten wurde ihm deutlich, dass tatsächlich das Amt des Oberbürgermeisters dafür zuständig war. Das sogenannte Gegenstands-Anerkennungs-und- Registrierungs-Monopol lag von A bis Z im Rathaus – nicht einmal das Finanzamt war in die Sache eingebunden. „Die Registrierungspflicht der unbekannten Gegenstände ist Chefsache“, wurde Johann mitgeteilt. Mehr wollte der Sekretär am Telefon aber nicht sagen, nicht einmal, welche offiziellen Unterlagen vorlagen & wie man sie erhalten könnte.

Ein Anruf beim Stadtanzeiger brachte mehr Erfolg. Die Stimme der Reporterin klang klar und kräftig: „Nein, am Telefon können wir über diese Sache nicht reden. Das geht gar nicht. Habe ich gut verstanden, dass Sie persönlich von RUG betroffen sind?“ „RUG?“ fragte Johann. „Ja“, sagte die Reporterin, „von der Registrierungspflicht der unbekannten Gegenstände“. „Ja“, sagte Johann, „sie wollen alles über einen Flügel wissen, der mir nicht einmal gehört“. „Verstehe!“, sagte die Frau, und sie nannte den Namen einer Kneipe am Alten Markt. „Können wir uns dort heute um fünf Uhr treffen?“

Die Reporterin war klein, aber wortgewaltig. Sie trank Bier, rauchte Davidoff-classic & schrieb & schrieb & schrieb. Sie schaffte es, alle wichtigen & unwichtigen Aussagen von Johann („Nein, bitte kein Bier – dann kann ich nicht mehr denken!“) auf das Papier zu kriegen. Ihre rechte Hand tanzte mit Johanns Lippen mit. Und ihre Fragen waren unausweichlich. Erst nach einer halben Stunde fand Johann die Gelegenheit seine Frage zu stellen: „Erzählen Sie mir bitte, was das alles auf sich hat.“

„Ich blicke ganz & gar nicht durch“, antwortete die Reporterin. „Ich weiß nur, dass RUG der dritte Schritt einer politischen Kampagne ist. Der erste Schritt wurde im Oktober vorigen Jahres durchgeführt, als der Oberbürgermeister in einer Rede an der Universität betonte, dass seine Aufmerksamkeit sich mehr & mehr & mehr auf die metropolische Gemeinschaft richten würde. So nannte er es: die metropolische Gemeinschaft... Ihm schien es wichtig zu sein, den Begriff ´metropolische Gemeinschaft´ in die Köpfe der Leute zu rammen. Seitdem redet man überall in der Stadt von der MPG. Die MPG soll das & das tun, das & das gerade nicht tun, das & das verstehen, das & das für wichtig halten.“

„Der zweite Schritt vollzog sich zwischen Weihnachten und Silvester. Der Oberbürgermeister hielt wieder eine Rede an der Universität, diesmal mit dem Titel: ´Der Wert der Gegenstände für die metropolische Gemeinschaft`. Er zitierte eine Reihe von Philosophen: Plato war dabei & Descartes & Kirchengarten & Heidegger. Ich kann nicht behaupten, dass ich verstanden hätte, was er alles sagte. Irgendwie schien er zu meinen, dass der moderne Mensch gerade dadurch ein moderner Mensch geworden sei, dass er Gegenstände wahrnehmen könne. So etwas. Der Oberbürgermeister sprach vom ´Gegenstands-Bewusstsein` der heutigen Menschheit. ´Wir müssen lernen`, sagte er, `die Gegenstände zu schätzen, weil wir ohne sie gar nichts sind `. So etwas.“

„Und dann kam RUG. Das war Anfang Februar. Ich war zu einer Pressekonferenz ins Rathaus eingeladen worden & dort waren der Oberbürgermeister & ein Beamter namens Schmitz & noch eine Menge Leute mehr. PowerPoint mäßig wurde von RUG 1 & RUG 2 & RUG 3 berichtet – irgendwie schien sich diese Nummerierung auf Kategorien zu beziehen: wirksame Gegenstände & gefährliche Gegenstände & nicht eindeutige Gegenstände... So etwas... Es ging irgendwie darum, die Gegenstände ins kollektive Bewusstsein der MPG zu heben. ´Bis jetzt`, sagte der Oberbürgermeister, ´ist das Wahrnehmen der Gegenstände leider nur eine individuelle Angelegenheit gewesen. Wir sind aber dabei, die Bedeutung der Gegenstände auf eine kollektive Ebene zu heben`. Der Beamte Schmitz hat dann eine Stunde lang über Beobachtung & Dokumentation gesprochen & irgendwie schien vor allem der Philosoph Heidegger diesbezüglich wichtig zu sein. Schmitz sprach davon, dass die Dinge in die Dunkelheit geworfen worden seien & dass dringend eine Lichtung gebraucht werde. ´Es geht ja eindeutig um die Ordnung der Dinge´, meinte er.“

„Ich gehe mal davon aus“, sagte die Reporterin noch, „dass der Oberbürgermeister mit MPG & RUG versucht, die politische Debatte neu zu bestimmen. Er will von der Finanzkrise & der Wirtschaftskrise & der Arbeitslosigkeit & der Kinderbetreuung weg. Alles was er nicht im Griff hat, soll hinter einer übergeordneten Sache verschwinden, die niemand versteht. Wir müssen also wach sein!“

Mit Dank an Sophie Pannitschka

01.06.2009

Der Klavierspieler Johann und der Flügel

(Im voraus: dieser Text gehört zu dem Text von letzter Woche und den Kommentaren dazu. JvdM)



Der Klavierspieler Johann saß auf dem Klappstuhl, den er vorher für den Beamten Schmitz hingestellt hatte. Seine großen Hände lagen auf seinen großen Knien, seine langen Beine waren weit auseinander gespreizt & sein Kopf hing nach hinten. Der Beamte hat recht, dachte er, es wird Zeit, dass ich mir ein paar Fragen stelle.

Was soll ich jetzt machen? Denken?

Die Geschichten meines Lebens treiben wie Schiffe auf dem Innensee meiner Seele: große & kleine & mit weißen Segeln & mit braunen Segeln & mit kleinen Motoren & eben ohne irgendetwas, sogar ohne Paddel... Von manchen Schiffen weiß ich nicht, woher sie kommen & ob ich sie erfunden habe & wer sie steuert & wohin sie überhaupt wollen. Meine Seele sieht schon ein bisschen so aus, wie die Bucht bei Hoorn an einem windigen, warmen Samstagmittag.

Und jetzt soll ich mir die Geschichten anschauen, vor allem die über den Flügel? Das wird schwierig sein. Ich kann mich nicht einmal auf einen Begriff einlassen: ist das Ding wirklich ein Flügel? Oder ein Klavier? Oder ist das Ding einfach „das Ding“ - das schwarz schimmernde Ding, das immer da war & immer bleiben wird?

Wo ich auch hinschaue, das Ding steht immer da. Über das Ding bin ich in die Welt eingetaucht. Die Tasten, die Saiten, die Fuß pedale, die spiegelnde Fläche, die perfekten Kurven rufen überall in der Welt Tasten, Saiten, Pedale, spiegelnde Flächen & Kurven hervor. Die schwarze Kiste ist ein Körper & wenn meine Ohren groß werden & ich die Tasten richtig berühre, dann steigt Musik auf: Chopin oder Oscar Peterson oder... Ich meine: wenn ich in die Kneipe gehe, nehme ich die schwarze Kiste innerlich mit & weite meine Ohren über die Menschen aus, so dass sie sich in meinen Ohren bewegen & aufstehen & ich berühre mit meinen Händen die Tasten & mit meinen Füßen die Pedale – da ganz unten...

Und was erklingt ist Musik.

25.05.2009

Der Klavierspieler und der Beamte

Der Flügel war groß & schwarz. Er stand inmitten eines Zimmers mit weißen Wänden & weißen Bodenfliesen & weißen Gardinen. Ohne auch nur einmal mit seinen Augen zu blinzeln, schaute der Beamte mit einem skeptischen Blick auf das Instrument und fragte: „Woher kommt das Ding?“ Der Klavierspieler faltete seine enorm großen Hände, schüttelte kräftig seinen Kopf – die langen Haare flatterten um ihn herum – und sagte: „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen“.
„Ach so!“, sagte der Beamte. Er holte ein Notizbuch aus der Seitentasche seines Jacketts und kritzelte etwas hinein. „Das können Sie mir leider nicht sagen“, wiederholte er. Er schaute nochmals auf den Flügel, schwieg eine Weile und stellte dann fest: „Sie haben ein Problem!“ Er schaute kurz in sein Notizbuch, hob seinen Kopf und sagte: „Dann brauchen wir ein bisschen Zeit. Können Sie mir einen Stuhl bringen?“
Der Klavierspieler nickte, verschwand und kam unmittelbar mit einem Klappstuhl wieder zurück, den er gewandt ausklappte & hinstellte. „Machen Sie es sich gemütlich“, sagte er. Der Beamte tat so, als ob er nichts gehört hätte – hatte er vielleicht auch nicht – setzte sich hin & schwieg. Er schien all seine Erfahrungen & all sein amtliches Wissen zu sammeln, um herauszufinden, was in dieser schwierigen Lage der richtige Schritt wäre.
„Also“, sagte er, „erst müssen wir die genaue Bedeutung ihrer Aussage klären. Wissen Sie nicht woher das Klavier kommt? Oder gibt es einen anderen Grund, warum Sie mich nicht informieren können? Betrifft es vielleicht ein Geheimnis?“ Der Klavierspieler faltete wieder seine enorm großen Hände und sagte leise: „Ich weiß es nicht. Es ist aber eigentlich auch ein Geheimnis.“
Mit lauter Stimme, als wollte er betonen, dass Flüstern nicht passte, sagte der Beamte: „Es tut mir Leid, Geheimnisse können wir aber nicht dulden. Das wissen Sie wohl!“ Er öffnete sein Notizbuch, nahm den Stift in die Hand & wartete. „Bitte“, sagte er, „geben Sie mir jetzt ohne Umwege eine klare Erklärung.“
„Der Flügel war schon immer hier“, sagte der Klavierspieler.
„Immer, immer? Wieso immer? Nichts war schon immer da!“
„Doch, als ich hierher kam, war der Flügel schon da.“
„Jetzt müssen Sie aufpassen“, sagte der Beamte verärgert. „Alle Gegenstände haben eine Geschichte & meine Aufgabe ist es, die Geschichten der Gegenstände in dieser Stadt zu dokumentieren. Die Zeit ist vorbei, dass Gegenstände ohne Vermerke existieren können. Seien Sie also bitte so lieb und...“
„Der Flügel war schon immer da“, wiederholte der Klavierspieler. „Als ich hierher kam, war ich vier Jahre alt. Als ich fünf war, entdeckte ich das Zimmer – ich bin einfach hinein gegangen & habe das Klavier gefunden & seitdem mache ich Musik darauf. Und niemand konnte mir sagen, wem das Instrument gehört. Ja, ein Geheimnis ist es schon...“
„Warten Sie mal!“, sagte der Beamte. „Sie behaupten also, dass das Ding schon da war, als Sie als Kind hier einzogen? Und dass es damals niemanden gab, der Bescheid wusste? Ist es das, was Sie versuchen mir zu übermitteln?“
„Ja“, sagte der Klavierspieler leise.
„Und ihre Eltern?“
„Was ist mit meinen Eltern?“
„Nun, wussten sie auch nicht Bescheid?“
„Meine Eltern, meine Eltern...“ begann der Klavierspieler zögernd, „meine Eltern haben erst nach vielen Jahren mitbekommen, dass es das Zimmer mit dem Flügel überhaupt gab. Wieso hätten sie das auch wissen können? Beide sind übrigens bald danach gestorben.“
Der Beamte stand auf. Er lief auf das Fenster zu, schob die Gardinen zur Seite & schaute nach draußen. „Es regnet“, sagte er nachdenklich. Dann drehte er sich um, presste kurz und kräftig seine Lippen aufeinander und sagte: „Diese Geschichte gefällt mir gar nicht. Etwas stimmt hier nicht.“ Er nahm sein Notizbuch in die Hand und wollte etwas schreiben, hielt dann inne und sagte vor sich hin: „Was soll ich denn aufschreiben?“
„Nun ja, vielleicht die Wahrheit“, sagte der Klavierspieler.
„Reden Sie bitte nicht von der Wahrheit! Die Wahrheit in Bezug auf dieses Ding hier“ - sein Zeigefinger wies in die Richtung des Flügels - „muss noch aufgedeckt werden. Was Sie mir erzählen, kann nicht als vollständige & hinreichende & befriedigende Wahrheit gelten. Halbe Wahrheiten soll & darf & kann man nicht dokumentieren!“
„Sie scheinen das Ding hier nicht besonders zu mögen“, sagte der Klavierspieler.
„Bitte?“
„Den Flügel, meine ich...“
„Was soll denn das? Mir ist das Ding scheißegal. Was mir nicht gefällt, ist die Geschichte, die Sie erzählen. Ich meine...“
„Man kann Gegenstände nicht von ihren Geschichten trennen.“
„Gegenstände, Gegenstände...“ rief der Beamte. „Sie haben keine Ahnung von Gegenständen. Wissen Sie, heute geht es um ein Klavier, gestern war es eine alte Dampfmachine, vorgestern, ja, was war es vorgestern? Ach ja, ein holländisches Gemälde mit Windmühlen & Bauern & Schiffen & Wolken & Heringen... Was die Holländer sich nicht alles zusammen malen – nicht zu fassen! Sie haben aber recht: Gegenstände soll man nicht von ihren Geschichten trennen! Und deswegen...“
„Die Geschichte des Flügels ist leider ein Geheimnis“, sagte der Klavierspieler.
„Unfug“, sagte der Beamte, „wenn man will, kann man alles erklären.“ Er nahm sein Notizbuch & schrieb etwas hinein. „In sechs Wochen komme ich wieder“, sagte er dann. „Nutzen Sie die Zeit bis dahin bitte, um die Wahrheit aufzudecken.“