Ein Dialog. Über die holländische und die deutsche Sprache
Beste Ruthild Soltau, we hebben afgesproken dat we samen op mijn weblog een kleine tweetalige dialoog gaan voeren over de verschillen tussen het Nederlands en het Duits. We doen dit omdat we al enige tijd steeds weer spontaan in gesprek raken over de eigenheden van jouw en mijn moedertaal. Ik begin maar met een vraag. Als jij iemand Nederlands hoort spreken, welke indruk maakt dat op jou? Hartelijk, Jelle
Lieber Jelle! Ich habe eine spontane Sympathie mit der holländischen Sprache! Sie klingt gemütlich, warm. aber auch irgendwie bodenständig, handfest, ja, irgendwie zum Anfassen. Sie ist ganz zu Hause, scheint mir, im Fühlen, in dem, was zwischen den Menschen webt. Und es kommt mir so vor, als ob ich als Fremde gleich ins Wohnzimmer eingeladen werde. Ich kann nicht alles, was ich erlebe erfassen, noch weniger beschreiben, ich würde gern auch noch mehr die Sprache hören... Liebe Grüße, Ruthild
Het valt niet mee een afstand tot je eigen moedertaal te scheppen. Je zwemt in je eigen taal als een vis in het water. Maar iets van je beschrijvingen kan ik wel meevoelen. Het is me wel gebeurd dat ik bij het overstappen op het station van Arnhem voor een kort moment de Nederlandse taal als „vreemd“ ervoer. Wat ik dan beleefde is inderdaad zoiets als een gemakkelijkheid en een ongedwongenheid. Wat me vaak opvalt is, dat het Nederlands veel beelden heeft, zoals: een oog in het zeil houden. Het Duits is meer op begrippen orienteert.
Ja, ich habe auch bemerkt, dass Niederländer sehr auf das Sehen, auf die Wahrnehmung durch die Augen orientiert sind. Man hört an der Sprache fast so was wie Schmecken, eine subtile Ernährung durch die Augen kann bemerkt werden. Auch die Ausdrücke zeigen das, z. B. "lekker weertje vandaag" (schönes Wetter heute). Ich liebe meine Muttersprache, aber ich könnte nicht sagen, dass ich in ihr schwimme. Das Sprechen ist für mich immer mit einem inneren Hören verbunden. Die deutsche Sprache lebt sehr mit Begriffen, sie öffnet sich der Begrifflichkeit und im Satzbau sind verschiedenste Verknüpfungen, Verbindungen von Begriffen möglich. Aber darin liegt auch eine große Gefahr. Ich habe einige Jahre Germanistik studiert und wissenschaftliche Texte gelesen, viel Literatur über Literatur. Ich habe sehr gerungen mit vielen Texten, nicht mit dem Verständnis, sondern mit dem, was ich dabei erlebte: Wie mit Sprache umgegangen wird. Die Sprache kann für inhaltsleere, komplizierte, abstrakte Geflechte verwendet werden, ein großer Dünkel ist oft damit verbunden und man bekommt den Eindruck : die Kompliziertheit der Begriffskombinationen und der Satzgeflechte sollen die Garantie für Wissenschaftlichkeit sein! Begriffe haben etwas Wesenhaftes und "wo keine Götter walten, walten Gespenster". Die Sprache kann so sehr manipulieren! Das ist ja gerade in Deutschland in so schlimmer Weise geschehen. In die Sprache können Dämonen einziehen. Wir Deutschen haben auch wie die Niederländer viele Bilder in der Sprache, in sprachlichen Wendungen, in der Dichtung, in Märchen... Ich habe das Gefühl, dass es der deutschen Sprache gut tut, wenn Niederländer deutsch sprechen.
Ik ervaar de Duitse taal als „architectonisch“. Ik bedoel: woorden en zinnen en teksten lijken een beetje op bouwsels die een inhoud omsluiten. Als je aanklopt, doen de woorden hun deuren open en geven hun inhoud prijs. Ook ken ik de merkwaardige ervaring, iets wat ik in het Nederlands heb geschreven, in Duitse vertaling te lezen. Het klinkt dan veel serieuzer.
Die Charakterisierung "architektonisch" finde ich für die Schriftsprache stimmig, aber diese Charakterisierung sagt ja noch nichts über die Qualität der Architektur aus. Es gibt architektonische Kunstwerke und phantasielose, riesige Einheitsbauten, die lieblos hingeklotzt werden und die freie Sicht versperren. Es gibt auch viel "Pfusch am Bau" der sprachlichen und gedanklichen Gebäude, die der Wirklichkeit nicht standhalten. Wenn die "Baufehler" nicht erkannt werden, kann damit sehr viel Schlimmes in sozialen und politischen Zusammenhängen angerichtet werden. Du findest die deutsche Sprache ernst? Ja, ich empfinde so etwas wie einen heiligen Ernst, die Sprache ist eine Gabe hoher geistiger Wesen - "Im Urbeginne war das Wort..." Und als Kinderhausmutter empfinde ich eine große Verantwortung beim Sprechen. Ich bemühe mich für die Kinder ein Vorbild zu sein, so wahrhaftig zu sprechen, dass sie ihre Sprachfähigkeit an mir bilden können. Aber in der deutschen Sprache lebt nicht nur Ernst, sondern auch ganz viel Humor. Kinder brauchen für ihre seelische Gesundheit die Freude, die Lust am Sprechen, den Humor genauso nötig wie den Ernst. Eine humorlose Sprache wird bitter.
Ik sluit met Gerrit Achterberg af, een zeer hollandse dichter. „Woorden, ontwaak, ik ben uw naam,/ ik ben uw enige bestaan./ Ik zie mij ongeboren aan.“