<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593</id><updated>2012-01-30T21:13:20.115+01:00</updated><category term='Pannitschka Sophie'/><category term='Shelley Percy Bysshe'/><category term='Poliziano Angelo'/><category term='Seminar Köln'/><category term='Nähe'/><category term='Köhler Henning'/><category term='Opfer und Täter'/><category term='Schenkgeld'/><category term='Saßmannshausen Wolfgang'/><category term='Köln'/><category term='Lauschen'/><category term='Doppelgänger'/><category term='Gastkemper Michel'/><category term='Körper und Bewusstsein'/><category term='Unternehmung Sil'/><category term='Steiner Rudolf'/><category term='Marisch Anne'/><category term='Achterberg Gerrit'/><category term='Selbst und Subjekt'/><category term='Foucault Michel'/><category term='Babel Turm von'/><category term='Parzival'/><category term='Merleau-Ponty Maurice'/><category term='Schmidt Brabant Manfred'/><category term='Holocaust'/><category term='Rilke Rainer Maria'/><category term='Kölner Dom'/><category term='Koopmans Ate'/><category term='Derrida Jacques'/><category term='Dylan Bob'/><category term='Komitee (unsichtbares)'/><category term='Waldorferzieherin'/><category term='Giovannini Johanna'/><category term='projekt.zeitung'/><category term='August und Merel'/><category term='Werkstatt Soziales Leben'/><category term='Arabien Umbruch'/><category term='Archiv der Zukunft'/><category term='Waldorfkindergärten'/><category term='Tod und Betroffenheit'/><category term='Amares'/><category term='Rosen'/><category term='Novalis'/><category term='Kali'/><category term='Quantensprung des Bewusstseins'/><category term='World Wide Web'/><category term='Aristoteles'/><category term='Kinder unter drei'/><category term='Gedicht'/><category term='Kultur des Herzens'/><category term='Rauchen'/><category term='Europa'/><category term='Vorlesen zum'/><category term='Aristoteliker'/><category term='Goerke Joachim'/><category term='Elias Initiativ Gemeinschaft'/><category term='Fünfzig plus'/><category term='Sloterdijk Peter'/><category term='Stüttgen Johannes'/><category term='Conens Joshua'/><category term='Kognitionswissenschaft'/><category term='Barfield Owen'/><category term='Michelangelo'/><category term='Wagner - Zavaglia Ute'/><category term='Finanzkrise'/><category term='LSD'/><category term='Lück Florian'/><category term='Kinderhaus'/><category term='Guns N` Roses'/><category term='Welburn Andrew'/><category term='Gronbach Sebastian'/><category term='Rhein der'/><category term='Gral'/><category term='Altwindeck'/><category term='Meulen Harm van der'/><category term='Vliet Roland van'/><category term='Neruda Pablo'/><category term='Angst'/><category term='Integration'/><category term='Eco Umberto'/><category term='Herzinfarkt'/><category term='Tuberkulose'/><category term='Station 4'/><category term='Menschliche Gestalt'/><category term='Klauen'/><category term='Deutsche Leitkultur'/><category term='Zukunftsstiftung Soziales Leben'/><category term='Buber Martin'/><category term='Nietzsche Friedrich'/><category term='Keye Lothar'/><category term='Lima'/><category term='Ballivet Christine'/><category term='Behinderung'/><category term='Abgrund'/><category term='Initiation'/><category term='Singapur'/><category term='Pico della Mirandola'/><category term='Armut'/><category term='Erotik'/><category term='Kahl Reinhard'/><category term='Sturm Susanne'/><category term='Platoniker'/><category term='Lievegoed Bernard'/><category term='Islam'/><category term='Kuhfuss Werner'/><category term='Hermans Willem Frederik'/><category term='Winterhoff Michael'/><category term='Poli'/><category term='Kindheit'/><category term='Freundschaft'/><category term='Benjamin Walter'/><category term='Penner'/><category term='Johann und Schmitz'/><category term='Beuys Joseph'/><category term='Fußball'/><category term='Boorder Tjeerd de'/><category term='Kerze'/><category term='Coleridge Samuel Taylor'/><category term='Biographie'/><category term='Christus'/><category term='Schulen'/><category term='Demokratie'/><category term='Rembrandt van Rijn'/><category term='Zerreißprobe'/><category term='Aly Götz'/><category term='samuel und sammy'/><category term='Adventura'/><category term='Sprache'/><title type='text'>Weblog Jelle van der Meulen</title><subtitle type='html'>Jede Woche eine neue Story</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><link rel='next' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default?start-index=101&amp;max-results=100'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>247</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4644154393980682734</id><published>2012-01-29T11:12:00.003+01:00</published><updated>2012-01-29T17:47:00.599+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Welburn Andrew'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Gral'/><title type='text'>Drei große Fragen, die ich nicht beantworten kann</title><content type='html'>Eine Freundin schrieb mir in einer Email: „Feirefiz konnte den Gral nicht sehen, weil er nicht getauft war. Was ist der Gral-in-mir, den ich nicht sehe, weil ich nicht getauft bin?“ Und: „Wie kommt ein Mensch dazu, etwas zu initiieren, etwas beginnen zu können, das ohne ihn nicht in Erscheinung träte?“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Große Fragen also, die ich nicht beantworten kann, was allerdings nicht heißt, dass ich mich mit ihnen nicht beschäftigen müsste. Die Fragen umfassen ein paar große Themen. Erstens ist da Feirefiz, der Halbbruder von Parzival. Er ist aus der ersten Ehe von Parzivals Vater Gahmuret mit der „Mohrenkönigin“ Belakane hervorgegangen und ist muslimisch erzogen worden. Sein Name bedeutet so ungefähr: „schwarz-weiß “. Ganz am Ende der Gralserzählung von Wolfram von Eschenbach wird er getauft und in die Gralsgemeinschaft aufgenommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweitens ist da die Frage der Taufe. Im Neuen Testament wird von einer Kindertaufe gar nicht gesprochen. Angenommen wird allerdings, dass etwa ab 200 nach Christi Geburt in bestimmten Gemeinden die Kindertaufe praktiziert wurde. Aus dem sehr interessanten Buch „Am Ursprung des Christentums“ von Andrew Welburn geht übrigens hervor, dass – anders als von den meisten Theologen angenommen – in den Evangelien und den apostolischen Texten implizit wohl eine Art „Tauflehre“ vorhanden ist, die sich allerdings auf Erwachsene bezieht und recht dramatische Ansprüche hat. Welburn stellt die Taufe als eine richtige „Einweihung“ dar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann ist da drittens natürlich der Gral (und der Gral-in-mir), dieses mythische „Dinc“, das bis in die heutige Zeit die Aufmerksamkeit der Menschen immer wieder fesselt. Was ist mit dem Gral gemeint? In den beiden Fragen meiner Freundin wird der Gral offenbar mit einer Quelle in jedem von uns verknüpft, die ermöglicht, dass der einzelne Mensch etwas initiiert, „das ohne ihn nicht in Erscheinung träte“. Der Gral ist einerseits ganz allgemein für alle Menschen da, hat andererseits eine höchst persönliche Bedeutung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Wunsch für die nächsten Wochen ist, dass wir – ich und die Leser meiner Blogtexte – versuchen uns an die drei Fragen heran zu tasten. Die alten christlichen Vorstellungen der Taufe und des Grals haben gemeinsam, dass sie sich auf eine von uns gespürte „Schnittstelle“ zwischen allgemein-menschlichen Gegebenheiten und sehr individuellen Prägungen und Möglichkeiten beziehen. Hier liegt ein Paradoxon vor, das „philosophisch“ vielleicht zu denken, im Leben allerdings manchmal schwer zu handhaben ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es lautet etwa: Der einzelne Mensch wird allgemein Mensch, wenn er die Begründung seines Handelns in sich findet, oder ein bisschen überspitzt gesagt: Der Mensch wird allgemein, wenn er damit aufhört, allgemein sein zu wollen, und somit auch umgekehrt: er wird einzigartig, wenn er damit aufhört, einzigartig sein zu wollen. Ich würde mich freuen, wenn ihr – die Leserinnen und Leser also – euch, in welcher Form auch immer, zu den drei Themen äußert: zur Taufe, zum Gral und zur Initiation.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um sie handgreiflich zu machen, habe ich die Fragen differenziert. Sie können zum Beispiel auch so gestellt werden: Bin ich getauft worden? Und egal ob ja oder nein: Was bedeutet mir das? Gibt es im Leben spontane Vorgänge, die man als „Taufe“ bezeichnen könnte? Oder ist die Taufe immer ein bewusstes Ritual? Kenne ich die Taufe als „Einweihung“? Welche Vorstellungen tauchen in mir auf, wenn ich an den Gral denke? Kann ich das „Dinc“ (in mir, in der Welt) irgendwie „lokalisieren“? Habe ich den Gral „gefunden“? Und was hat das mit mir gemacht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muss man ein „Christ“ sein, um den Gral finden zu können? (In der Urzeit des Christentums meinten manche Christen, man müsste Jude sein, das heißt: die jüdischen Gesetze anerkennen, um ein Christ zu werden.) Was bedeutet es überhaupt „Christ“ zu sein? Und dann: Habe ich mal etwas in meinem Leben initiiert, das ohne mich so nicht in Erscheinung getreten wäre? Wie kam das zustande? Welche seelisch-geistig-soziale Verfassung braucht man, um „Urheber“ zu werden? Ist Initiieren von äußeren Umständen abhängig? Und geht es dabei nur um die „großen“ Dinge, oder kann es sich auch auf die „kleinen“ Momente im Leben beziehen? Könnte ich solche Momente beschreiben? Und was haben sie mit mir gemacht? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich freue mich auf Beiträge, poetische, praktische, philosophische, biographische, journalistische, entschiedene, tastende, begreifliche und vor allen auch unbegreifliche...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4644154393980682734?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4644154393980682734/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4644154393980682734' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4644154393980682734'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4644154393980682734'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2012/01/drei-groe-fragen-die-ich-nicht.html' title='Drei große Fragen, die ich nicht beantworten kann'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4174955337836985072</id><published>2012-01-22T10:24:00.003+01:00</published><updated>2012-01-22T10:25:37.654+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Köln'/><title type='text'>Wie bist du eingestuft? Die Geheimnisse der Rating-Agenturen</title><content type='html'>Ich weiß nicht wie es mit euch steht, ich wurde in meinem Leben allerdings nie als AAA eingestuft. So etwas wie Solidität habe ich auf der finanziellen Ebene bislang nicht erreichen können, laut meinen Kindern, werde ich das auch nie, weil ich es nicht einmal ernsthaft in Erwägung gezogen habe. Solidität als Konzept hat sich mir leider nicht einverleibt. Meinem jüngsten Sohn war dies bereits klar, als er sechzehn Jahre alt war. Er bot damals an, mein „Geschäftsführer“ zu werden, „natürlich ehrenamtlich“ fügte er gnädig hinzu. Ich war so dumm, sein Angebot abzulehnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin von den Rating-Agenturen als AB+ eingestuft, hänge also gerade hinter Rumänien, der TAZ und Christian Wulff. Dass es überhaupt noch ein A in meinem Bonitätskode gibt, hängt wohl damit zusammen, dass ich als „kreativ“ gelte, ich kriege es jeden Monat über links oder über rechts immer wieder hin, meine Miete zu bezahlen. Einen Willen zur Verlässlichkeit gibt es also.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das B steht für die Tatsache, dass ich zwar jeden Monat meine Gehälter (ich habe zwei Jobs) überwiesen kriege, feste und verlässliche Beträge also, worüber die Banken sich freuen, in meinen Ausgaben allerdings manchmal unvorhersehbar bin. Wenn ich mich zum Beispiel in einen Teppich verliebe, zögere ich nicht, egal was mein Konto mir sagt. Eine Sucht ist es nicht, das wäre C gewesen, solche Taten untergraben jedoch unbemerkt – von mir, nicht von den Agenturen – den Willen zur Verlässlichkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das + steht für Hoffnung. Die Agenturen meinen, dass ich verbesserungsfähig bin, weil ich über die Waldorfpädagogik das Prinzip der Selbsterziehung kennen gelernt habe. Ich erwecke den Eindruck, dass ich an mir arbeite, dass ich kritisch auf mich schaue, dass ich mich manchmal öffentlich ein bisschen prügele. Ich persönlich sehe das übrigens einen Tick anders. An dieser Stelle scheint mir meine Fähigkeit zu sein, immer wieder die richtigen Worte zu finden. Ich betrachte mich als ein Meister der Entschuldigung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich blicke immer gerne auf die Listen der Agenturen, um zu schauen, welche Länder, Unternehmungen und Personen auch als AB+ eingestuft, also meine finanziellen Schicksalsgenossen sind. Ganz viele Künstler befinden sich in meiner Kategorie, Leute also, die bonitätsmäßig nicht so richtig einzuordnen sind. Fast alle Rapper haben AB+, und auch ganz viele Dichter und Vortragsredner. Irgendwie hat die Kategorie AB+ mit dem schönen Schein zu tun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Stadt Köln hat AB+, was natürlich keine Überraschung ist. Alle richtigen Kölner sind nun einmal lockere Redner, die ihren Aussagen ständig mit einem + hier, da einem + und da noch einem + eine funkelnde Aura des geschmeidigen Versprechens verleihen. Ich meine, das + und das + und das + glitzern überall in der Domstadt wie kleine Sternchen zwischen den Worten, vor allem, wenn es sich um die Tragik des 1. FC handelt. Und egal wie tief die Manuskripte in der Grube gestürzt sind, überall blinken unverschämt die Sternchen der lockeren Entschuldigung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Recht schön wird die Liste, wenn es noch weiter runter geht. Bei BB+ stehen zum Beispiel: Stuttgart (hat ein unlösbares Problem, wo nur +++ noch helfen würde, dieser Kode existiert allerdings nicht), Gregor Gysi (hat die verkehrte Partei gewählt, kann jedoch wie Gott daran vorbei reden) und die Vereinigung der Waldorfkindergärten (die sich gerade so hält, weil es immerhin die Kinder noch gibt, alle Erwachsenen haben bereits aufgegeben.).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ganz eigenartig ist das Goetheanum in Dornach eingestuft. Die Agenturen haben einen Kode entwickelt, der widersprüchlicher nicht sein könnte: C+A. (Nein, hat nichts mit dem Klamotten-laden zu tun.) Das C steht klar für: nicht mehr zu helfen, abgründig verpeilt... Das A bedeutet: das Unmögliche versprechend, und zwar so, dass es die Experten für möglich halten, dass das Unmögliche tatsächlich einmal möglich wird (ist doch der Kern der Anthroposophie, oder?). Und das + steht natürlich für die Kneipe am Fuß des Dornacher Hügels, in der die Frühlingsrevolution bereits voll im Gange ist.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4174955337836985072?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4174955337836985072/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4174955337836985072' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4174955337836985072'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4174955337836985072'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2012/01/wie-bist-du-eingestuft-die-geheimnisse.html' title='Wie bist du eingestuft? Die Geheimnisse der Rating-Agenturen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-6212044645738939932</id><published>2012-01-15T11:43:00.001+01:00</published><updated>2012-01-15T11:45:09.705+01:00</updated><title type='text'>Durchsage</title><content type='html'>Wegen eimer Augenentzündung diese Woche keine Story&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-6212044645738939932?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/6212044645738939932/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=6212044645738939932' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6212044645738939932'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6212044645738939932'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2012/01/durchsage.html' title='Durchsage'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-6003273905565924123</id><published>2012-01-07T11:11:00.003+01:00</published><updated>2012-01-07T11:15:44.031+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Angst'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Für Dich. Die Angst braucht es, in der Stille geliebt zu werden</title><content type='html'>Für Dich, mein Gegenüber, für Dich diesen Text, diese Worte, diesen Versuch. Für Dich, mein Gegenüber-in-mir, weil ich mit Dir rede, immer wieder, über Sachen die uns beide betreffen, Dich und mich, sehr alte Sachen, sehr neue Sachen, Sachen, die mit uns verknotet sind. Für Dich, mein Freund, mein Feind, sind diese Worte geschrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und für mich, weil Deine Sachen und meine Sachen nicht getrennt werden können. Wenn ich mit Dir rede, in mir, rede ich auch mit mir. Redest Du in Dir auch mit mir? Ja, du tust es, ich weiß es... Du brauchst es mir nicht zu sagen... Und wie gelange ich an diese Stelle in Dir, wo Du mit mir redest? Wie sieht es aus in Dir, wo du mit mir sprichst? Bei mir, wo ich mit Dir rede, sieht es manchmal dunkel aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe Angst. Ich bin nicht sicher, ob Du es aushältst, dieses Hin und Her über die Sprache hinaus, dieses Gespräch in der Stille, diese Berührung ohne äußere Bestätigungen, ohne klare Koordinaten, ohne Anrufe, Briefe und Geschenke. Die Stille ist von einer Geschichte getragen, die wir beide nicht kennen, ich meine: vielleicht irgendwie schon ahnend erkennen, allerdings nicht erzählen und somit verstehen können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe Angst, weil Du zu mir gehörst. Du könntest Dich zurückziehen, was heißen würde, dass ich wie ein Krüppel weitergehen müsste. Nein, Angst vor einer Verletzung habe ich nicht, ich bin bereits verletzt, manchmal habe ich das Gefühl, dass gerade die Wunden in Dir und die Wunden in mir unsere Geschichte ausmachen. Vielleicht warten wir auf die Einsicht, dass es nur um eine Wunde geht, die an zwei Stellen weh tut, an einer Stelle in Dir und an einer Stelle in mir?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hast Du Angst vor mir? Ja, du hast es, ich weiß es... Du kannst es aber nicht sagen, so wie ich nicht sagen kann, dass ich Angst vor Dir habe. Ich kann es in diesem Text nur schreiben, weil Du anonym bleibst, eine Person ohne Eigennamen bist. Merkwürdig, oder? Haben nicht gerade Freunde und Feinde immer einen Eigennamen? Sind nicht gerade Freunde und Feinde nie anonym? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du kannst es mir nicht sagen, weil es Dich verletzbar machen würde. Eigenartig an der Angst ist, dass sie sich immer auf sich selbst bezieht und sich nie von sich selber befreien kann. Angst verselbstständigt sich, vergräbt sich, richtet sich unmittelbar eine definitive Wohnung ein. Und am Ende wissen wir nicht mehr, wovon wir uns befreien wollen, von der Angst oder von den Tatsachen, die sie geweckt hat? Die Angst lässt die Tatsachen verschwinden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deine Angst vor mir ist berechtigt, weil ich eine berechtigte Angst vor Dir habe. Ich anerkenne Deine Angst vor mir, allerdings ohne es auszusprechen. Ich sage es Dir, ohne es Dir zu sagen. Und meine Bitte an Dich ist heute, es mir zu sagen, ohne es mir zu sagen. Ich meine: sage es mir bitte in Dir, ich werde es merken... Und vielleicht wird es einmal einen Tag geben, wo wir befreit sagen können: „Ja, ich habe eine Angst, die es gar nicht gibt.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ohne Dein inneres Geständnis komme ich mit Dir nicht weiter, weil an Dir, genau wie an mir, ein paar Unmöglichkeiten haften. Nicht die Unmöglichkeiten als solche machen es mir unmöglich, mit Dir weiter zu machen, nein, denke bitte nicht, dass es meine Unmöglichkeiten sind, die es Dir unmöglich machen. Was uns trennt, ist die Angst, die sich an zwei Stellen breit macht, an einer Stelle in Dir und an einer Stelle in mir. Die Angst braucht es, in der Stille geliebt zu werden.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-6003273905565924123?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/6003273905565924123/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=6003273905565924123' title='11 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6003273905565924123'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6003273905565924123'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2012/01/fur-dich-die-angst-braucht-es-in-der.html' title='Für Dich. Die Angst braucht es, in der Stille geliebt zu werden'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>11</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-2286487107033688434</id><published>2011-12-30T11:18:00.003+01:00</published><updated>2011-12-30T12:14:04.627+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Aristoteliker'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Platoniker'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Koopmans Ate'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Bild mit Worten für Andrea. (3) Die Freundschaft zwischen Platonikern und Aristotelikern</title><content type='html'>Leben Platoniker und Aristoteliker in unterschiedlichen Welten? Geht es bei ihnen um zwei Arten des Erkennens, um zwei Entwürfe des erkennenden Verhaltens, die nicht vereinbar sind, die einander ausschließen und sich deswegen gegenseitig ignorieren oder bekämpfen müssen? Oder gibt es zwischen den beiden eine Mitte, einen Raum der Berührung, einen Ort, wo sie sich treffen und finden können?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beide gehen von einer Mitte aus. Der Platoniker vollzieht in seiner Seele eine Art fließende Bewegung, die im Herzen anfängt, sich quasi wie ein Vogel von seiner vertrauten Stecke abhebt, erst behutsam nach vorne schwenkt, nicht weit – höchstens zwei Meter – und die Umgebung in sich aufnimmt, nicht so sehr die scharfen Konturen der Dinge, sondern mehr ihre strahlende Wirkung, vor allem auch ihre konzentrierte Weite hinter der Nähe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann schwenkt der Platoniker mit kräftigen Flügelschlägen nach oben, wo er die eigentlichen Quellen des Lebens spürt, wo die Ideen-hinter-den-Dingen pulsieren und vibrieren, sich mäandernd konzentrieren wie die tausend Sonnen von Van Gogh. Er fliegt da zwischen den moralischen und ästhetischen „Wahrheiten“, und wenn er nach einer Weile wieder zurückkehrt – zurückkehren muss er leider immer – fühlt er sich bereichert. Er hat die Welt „verstanden“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Aristoteliker ist vielleicht auch ein Vogel, er kann allerdings nicht fliegen (wie Laufenten). Von seinem Herzen aus gibt es eine kleine Treppe, die ihn sofort dorthin bringt, wo er sein möchte, nämlich zwischen den Dingen. Nach oben strebt er erst gar nicht, weil aus seiner Sicht im Blauen alles verschwindet, aufhört zu sein, irgendwie so göttlich sauber gewaschen wird, dass nichts mehr übrig bleibt. (Van Gogh scheint ihm ein Hysteriker zu sein, eine durchgedrehte Waschmaschine.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er sucht in seinen Bewegungen immer die gleiche Augenhöhe, eine Nähe ohne ausdehnende Weite und Breite. Er neigt sich eher nach unten, fängt sich im Leise-nach-unten-Gehen selber immer wieder elegant auf, ergreift sich in seinem Körper wie ein Schwan, der aufs Wasser gelangt ist. Wenn er nach einer Weile wieder in seine Stätte zurückgekehrt ist, fühlt er sich bereichert, weil er die Welt „kennengelernt“ hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beide gehen vom Urgrund des Herzen aus. Wenn Platoniker und Aristoteliker Freunde werden, treffen sie sich an diesem Ort gelegentlich, zum Beispiel morgens früh, bevor der Tag anfängt, oder vielleicht eher am Abend, wenn die Reichtümer des Tages bereits versammelt sind. Und sie versuchen eine gemeinsame Sprache zu finden, eine Sprache des Herzens, für die jeweiligen Erfahrungen, Abenteuer und Entdeckungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tagsüber sind Platoniker und der Aristoteliker getrennt voneinander unterwegs. Die Freundschaft zwischen den beiden besteht zur einen Hälfte daraus, dass die unterschiedlichen Arten des Erkennens respektiert werden. Der Platoniker wird dabei von einer melancholischen Selbsterkenntnis getragen: Er weiß sowieso, dass er nur die Hälfte der Wirklichkeit ausmacht. der Aristoteliker ist überhaupt im Stande auf  umfassende Wahrheiten zu verzichten.&lt;br /&gt;  &lt;br /&gt;Die andere Hälfte beruht auf einem inneren Dialog, der von einem eher bescheidenen äußeren Dialog unterstützt wird. Solange die beiden noch zu viel miteinander reden – wenn sie den anderen zum Beispiel überzeugen wollen – entsteht nur sehr beschränkt eine gemeinsame Sprache. Erst wenn der Platoniker den aristotelischen Freund in seinem Innenraum als eine innere Gestalt zulässt und mit dieser lebendig gewordenen seelischen Gestalt „spricht“, fangen die Worte und Begriffe an, sich miteinander zu verbinden, sie verschmelzen ineinander. (Und umgekehrt.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was dabei herauskommt, scheint mir ein sozialer Zustand des schwebenden Erkennens zu sein. Die Wahrheit als eine quasi definitive Fixierung in gedanklichen Bildern, die „wissenschaftlich“ oder „journalistisch“ oder „belletristisch“ weitergegeben werden können, kommt an ihr Ende. Die Wahrheit wird (mit Martin Heidegger) zum Ereignis, zur Erfahrung –  im Hier und Jetzt hat sie eine Bedeutung, nein, nicht „nur“ im Hier und Jetzt, sondern „voll“ im Hier und Jetzt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durch die Verschmelzung fangen Platoniker und Aristoteliker endlich an frei erkennend zu leben. Im Grunde genommen führt die Freundschaft zwischen den beiden einen Schritt weit ins Esoterische. Oder wie Ate Koopmans es vor vielen Jahren prägnant  ausdrückte: „Die Worte und Begriffe werden zu Navigationsinstrumenten, die uns helfen, einen Weg ins Geistige zu finden.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-2286487107033688434?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/2286487107033688434/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=2286487107033688434' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2286487107033688434'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2286487107033688434'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/12/bild-mit-worten-fur-andrea-3-die.html' title='Bild mit Worten für Andrea. (3) Die Freundschaft zwischen Platonikern und Aristotelikern'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-2623783975567018164</id><published>2011-12-23T10:26:00.002+01:00</published><updated>2011-12-23T10:28:07.052+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Amares'/><title type='text'>Weihnachten im Hochsommer in Köln. Über die Sichtweise von Kindern</title><content type='html'>Vor fünf Monaten, es war Hochsommer, war ich in einem Kindergarten zu Besuch. Eines der Kinder war dabei, den Kindergarten zu verlassen. Die Kinder aus seiner Gruppe wollten sich von ihm verabschieden und hatten mit Spielständern, Kissen, Decken und Tüchern eine Art Bühne aufgebaut. Zum Abschied sollte also ein Theaterstück gespielt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Stille vor dem Spiel war perfekt. Ich saß an der Wand und wartete. Als dann das Spiel anfing, erschien ein Hirte, er war offensichtlich dringend unterwegs. Er befand sich auf einer Suche, er wollte „ein Kind“ finden, das gerade geboren worden war. Und als das Spiel sich weiter entfaltete, machten sich von den Decken und Tüchern die mir bekannten Gestalten frei, sie lösten sich quasi aus dem wolligen Nichts: der kleine Johann als Josef, Andrea als Maria, Peter als das Kindlein Jesus, Paulo als der Esel...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die  Weihnachtsgeschichte wurde von Anfang bis Ende mit einer großen Intensität gespielt. Draußen schien die Sonne, es war richtig warm, von der winterlichen Wende waren wir damals weit entfernt. Für die Kinder schien das gar kein Problem zu sein, ganz im Gegenteil, souverän und entschieden weckten sie Maria und Josef und Jesus und den Esel aus der Ansammlung von Tüchern und Decken. Als Zuschauer wurde ich in eine weihnachtliche Stimmung mitgenommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und mir war auf einmal ganz weihnachtlich zumute. Ja, ich war ein bisschen verwirrt, irritiert auch, und bemerkte, dass in mir ein Lied gesungen werden wollte, „Stille Nacht, heilige Nacht“, ein Lied, das man bekanntlich normalerweise nur im Winter, etwa in einem Supermarkt, hören muss. Meine Ohren sind im Sommer nicht auf „Stille Nacht, heilige Nacht“ eingestellt, die Nächte sind nur im Winter still und heilig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weihnachten ist ein Fest... Das Wort Fest geht auf das verloren gegangene indogermanische Urwort „fes“ oder „fas“ zurück, das „religiöse Handlung“ bedeutet. Das alte Wort hat sich in seiner Bedeutung wahrscheinlich nicht nur auf einen Moment in der Zeit bezogen, wie das in der heutigen Zeit meistens mit den Jahresfesten der Fall ist, sondern auch auf einen bestimmten Ort. Ein „Fest“ war eine feierliche Handlung, die zeitlich und räumlich definiert war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das heißt, um ein Fest zu feiern, ging man irgendwo hin. Nun ist es natürlich noch immer so, dass Menschen zu Weihnachten in die Kirche gehen, bestimmt nicht alle, vielleicht auch nicht mehr viele, aber immerhin noch einige. Der Gedanke, dass man Weihnachten eigentlich überall feiern kann, hat allerdings über die Jahrhunderte an Kraft gewonnen. Die „geographischen“ Koordinaten des Weihnachtsfestes sind frei geworden. In der Zeit ist Weihnachten noch immer fest fixiert, es wird nie im Hochsommer gefeiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie kamen die Kinder darauf, mitten im Sommer als Abschied ein Weihnachtsspiel zu spielen? Ich weiß es nicht, bin mir aber sicher, dass keine der Erzieherinnen auf diesen Gedanken gekommen ist. Erwachsene können nicht einmal denken, dass im Juli vielleicht Weihnachten ansteht (deswegen nennt man sie wohl Erwachsene.) Die Frage der damaligen Motive der Kinder tauchte in der Adventszeit wieder auf. Wie ist die spontane und entschiedene Wahl der Kinder zu verstehen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ging im Sommer um einen Abschied. Mit einer Geburt ist auch immer ein Abschied verbunden, man kommt nicht nur irgendwo an, man verlässt auch etwas, geht irgendwo weg. Die Kinder haben vielleicht irgendwie sagen wollen: Du wirst uns verlassen und damit kommt eine vertraute Welt an ihr Ende, nicht nur für dich sondern auch für uns... Eine neue Welt fängt an, Neues kommt auf dich zu, und damit auch auf uns, und so wünschen wir dir, dass du vom wachsenden Licht getragen wirst!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also: Weihnachten kann es immer geben...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-2623783975567018164?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/2623783975567018164/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=2623783975567018164' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2623783975567018164'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2623783975567018164'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/12/weihnachten-im-hochsommer-in-koln-uber.html' title='Weihnachten im Hochsommer in Köln. Über die Sichtweise von Kindern'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3445282834095363771</id><published>2011-12-18T10:38:00.003+01:00</published><updated>2011-12-18T10:56:33.458+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Aristoteliker'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Platoniker'/><title type='text'>Bild mit Worten für Andrea. (2) Der Platoniker</title><content type='html'>Der Platoniker wird weniger von einer unbefangen Neugier und eher von einer melancholischen Sehnsucht getrieben. Er spürt, er hat etwas Großes verloren, ein spontanes und unmittelbares Wissen, ohne dies zu leben, einen süß-bitteren Schmerz erzeugt. Sein Aufwachen beruht auf ein Vermissen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch ihm ist klar, dass die Götter sich zurückgezogen haben, dieses Empfinden haben Aristoteliker und Platoniker gemein, spürt allerdings, dass ein letzter Rest der  übersinnlichen  Schöpfungskraft noch vorhanden ist, und zwar in der Wirkung der großen Ideen. Gerechtigkeit, Wahrheit, Schönheit, Liebe und Freiheit sind heiligen geistigen Bestimmungen, inneren Orten, wo die gesamte Ordnung der Dinge zelebriert werden kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Platoniker sagt nie: „Wir haben es nicht gewusst“. Er hat es immer gewusst, seine Momenten des aufwachenden Verstehens sind immer Momente des Rückkehrens. Er kann nicht etwas wissen, was er nicht einmal gewusst hat. Die Gedanke, in seinem Blickfeld auf etwas Neues zu stoßen, zum Beispiel auf einen Elefant aus dem unbekannten Indien, ist ihm fremd. Seine Beziehung zu dem Elefant hat es immer bereits gegeben, auch wenn er nie einen mit seinen Augen gesehen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So wie so sind Elefanten in ihrer äußeren Erscheinung für den Platoniker nicht besonders interessant. Was ihm berührt, ist, was der Elefant „verkörpert“, was der Elefant „inne“ hat. Was könnte das sein? Ich würde sagen: ein schweres und breites und stetiges Tragen, eine „saturnale“ und „tiefgründige“ Präsenz, ein kosmisches Gedächtnis auch... (Um den Platoniker zu verstehen, braucht der Aristoteliker eine Menge Anführungszeichen.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der  Platoniker hört auf Platoniker zu sein, wenn er (vielleicht aus Versehen? Oder aus Verzweiflung?) damit anfängt seine Wahrheiten zu konservieren. Im Moment tun manche Platoniker das, weil der Zeitgeist darum bittet. Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit können allerdings leider nicht konserviert werden, in Konzepten nicht, in Programme nicht, nicht einmal in der Sprache. Die große Ideen gehen wie Elefanten in der geistigen Welt frei herum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Konservieren ist ein platonischer Akt der Selbstzerstörung. Es bedeutet im Grunde genommen, dass den Ideen das Lebenselixier genommen wird, und ja: Auf den Rücken der Elefanten bluten die Streifen der Peitsche. (In der deutschen Politik gibt es im Moment ein klares Beispiel eines Platonikers, der vor dem Abgrund steht, nämlich Oskar Lafontaine. Immer wenn er spricht, muss er jemand weh tun.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manche Platoniker meinen spontan, dass sie beides sind, Platoniker UND Aristoteliker. Das beruht allerdings auf ein Missverständnis aus Arroganz und Ignoranz, das nur bei Platoniker vorkommt. Manchmal meinen sie nämlich zu sein, was sie sich vorstellen können, dass sie sind. Bei Aristoteliker ist das übrigens umgekehrt, sie können sich manchmal nicht einmal vorstellen, dass sie Aristoteliker sind. Der Aristoteliker meint, dass die Idee „Aristoteliker“ nicht existiert. Der Platoniker ist manchmal nichts, weil er meint alles zu sein, der Aristoteliker ist alles, weil er meint nichts zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon ein verrücktes Spiel... Als ich diese Sätze schreibe, sitze ich in einem Bar in Gandia, eine Kleinstadt in Spanien. Der Kellner ist Idee-sei-dank ein Platoniker, er  präsentiert mir mein café solo nicht nur, als wäre es ein Kunstwerk, sondern verspricht mir mit seinen feinen Gebärden den definitiven Rückkehr zu der vollen und runden Idee des Kaffees.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3445282834095363771?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3445282834095363771/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3445282834095363771' title='10 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3445282834095363771'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3445282834095363771'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/12/bild-in-worte-fur-andrea-2-der.html' title='Bild mit Worten für Andrea. (2) Der Platoniker'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>10</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-5115331393596948808</id><published>2011-12-10T00:33:00.001+01:00</published><updated>2011-12-18T10:43:41.262+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Aristoteliker'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Platoniker'/><title type='text'>Bild mit Worten für Andrea. Der Aristoteliker am Abgrund</title><content type='html'>Weil er sich weiter vom Himmlischen entfernt hat, tritt der Aristoteliker erst nach dem Platoniker in der historischen Zeit in Erscheinung. Hinter seinem Rücken liegt ein Raum des Sterbens und des Beendens, er hat sich von den letzten Taten der Götter befreit und von der Erotik der Ideen auch. Wenn Orpheus singt, hält er den Zauber für eine Sache des Herzens, nicht des Denkens oder des Wollens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Aristoteliker fühlt sich von den Göttern beauftragt, die vorhandene Welt mit seinen Händen zu betasten, mit seinen Augen zu berühren, in seinen Ohren erklingen zu lassen. Er lässt sich das Skelett eines verendeten Elefanten in Kisten bringen, sortiert und sortiert, bis er aus den trockenen Gebeinen ein Bild des Tieres gewonnen hat. Er sehnt sich danach, das Tote in seinen Vorstellungen lebendig zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er versteht die Seele des Menschen nicht als einen Vorposten des Geistigen, sondern als einen Ausgangsort für das Physische. Er verbleibt gerne dort wo er ist, nämlich bei sich, in sich, mit sich, versteht sich allerdings als eine gebrochene Einheit in einer Welt der Vielfalt. Nicht ein angeblich ehemaliger Zusammenhang interessiert ihn, nicht die ersten oder die letzten Worte der Götter, sondern die vereinzelten Anfänge der  Eigenheiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Aristoteliker liebt Verwirrungen. Er mag es, wenn er in einem Raum Dinge nebeneinander stehen und liegen und hängen sieht: einen Aschenbecher, eine Radierung von Rembrandt, eine Pflanze aus Plastik (kurz fragt er sich: ist die Pflanze echt? Und sagt dann: natürlich, auch falsche Pflanzen sind echt!), einen Filzhut, eine Bombe, eine Flasche Gerolsteiner, zwei Schuhe (der eine rot, der andere schwarz), eine Uhr aus dem achtzehnten Jahrhundert, ein leeres Handy ohne Adapter, ein Buch von Hannah Arendt...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und er denkt: Irgendwie könnte aus den toll verwirrenden Gegenständen ein Elefant aufstehen... Der Aristoteliker spricht allerdings erst dann von Elefanten (oder Schülern von Beuys, oder Clowns, oder Terroristen – es gibt ja eine Bombe – oder von gestressten Philosophen) wenn er sich sicher ist, dass seine Schlussfolgerung transparent ist. Sein Spiel bezieht sich auf etwas, was tatsächlich vorhanden ist: auf Fett, Salz, Holz, Marmor...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Aristoteliker hört auf Aristoteliker zu sein, wenn er (vielleicht aus Versehen?) damit anfängt seine Wahrheiten zu konstruieren. Im Moment tun manche Aristoteliker das, weil der Zeitgeist das fordert. Elefanten werden allerdings leider nie konstruiert: Sie werden geboren, laufen in den weiten Landschaften in Afrika herum, stehen in unseren Vorstellungen (aus Kisten) auf oder werden durch Bilder an der Wand repräsentiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Konstruieren ist ein aristotelischer Akt der Selbstdestruktion. Im Konstruieren  wird die leer gewordene Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft geschoben. Die Verlängerung des hartnäckigen Schweigens der Götter bis zum übermorgigen Tag wird zwar manchmal „Transparenz“ genannt, bedeutet allerdings, dass auch der Aristoteliker nichts mehr sagen darf. Er nimmt an nichts mehr teil, und konstruiert Brücken für Elefanten, die längst nicht mehr existieren. Und natürlich ist wahr: nichts ist transparenter als nichts, und nichts ist schöner, als eine Brücke ohne Besuch aus Afrika.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Aristoteliker hat einen Feind, der sein Freund ist, nämlich den Platoniker. Auch der Platoniker kommt (aus Versehen?) letztendlich an seinen Abgrund, es dauert nur ein bisschen länger, weil er älter ist. Es ist immer schön dabei zu sein, wenn ein Aristoteliker und ein Platoniker sich treffen und feststellen: Erst am Abgrund merken wir, dass wir Freunde sind. (Darüber vielleicht ein nächstes Mal...)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-5115331393596948808?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/5115331393596948808/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=5115331393596948808' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5115331393596948808'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5115331393596948808'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/12/bild-mit-worten-fur-andrea-der.html' title='Bild mit Worten für Andrea. Der Aristoteliker am Abgrund'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-487206348928859090</id><published>2011-12-04T11:49:00.001+01:00</published><updated>2011-12-04T11:50:52.639+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schmidt Brabant Manfred'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Europa'/><title type='text'>Mittelfeld Deutschland. Über Angela Merkel und Europa</title><content type='html'>Europa, Europa, Europa... Und wieder ist die Debatte über die Rolle Deutschlands in Europa ausgebrochen. Während der vielen Krisen – die natürlich ihre Wurzel in EINER Krise hat, die nicht einmal eine europäische ist – wurde immer wieder betont: Deutschland soll sich mit seiner Führungsrolle anfreunden. Und jetzt wird bedauert: Deutschland bestimmt eigenwillig wo es lang geht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich weiß noch immer nicht, was ich von Frau Angela Merkel diesbezüglich halten soll. Ist sie die Retterin Europas? Oder wird sie am Ende als die Person dastehen, die Europa definitiv in die Zerstückelung gestoßen hat? Einerseits zögert sie ständig, andererseits hält sie hartnäckig an bestimmten Vorstellungen fest; und manchmal wirft sie auf einmal ihre Vorstellungen über Bord und proklamiert etwas Unerwartetes. Beruht ihre Haltung auf Weisheit oder auf Angst?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es dürfte wohl eine Kombination von beidem sein. Ich stelle mir vor, dass sie unter einem immensen Druck steht, und ich nehme an, dass sie nicht so genau wissen wird, woran sie sich halten sollte. In einer französischen Zeitung meinte ein Kommentator, dass Frau Merkel im Grunde genommen in den Strudel geraten ist, der vor hundert Jahren zum Ersten Weltkrieg geführt hat. Diese Bemerkung war nicht positiv gemeint, ganz im Gegenteil, der Typ meinte, dass sie in alten Ängsten „gefangen“ sei. Und: Sie müsse sich unbedingt davon befreien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gefangen oder nicht gefangen, ich kann es nicht sagen, richtig ist, dass die aktuelle Krise eine uralte Krise ist. Ich erinnere mich an Manfred Schmidt-Brabant, der mir vor etwa zwölf Jahren sagte, dass die Entwicklung Europas seit der Zeit Karls des Großen von drei Grundfragen geprägt ist. Die erste Frage lautet: Was ist der Mensch? Die Zweite: Wie verhalten sich Individuum und Gemeinschaft zu einander? Und die Dritte: Wie hängen Bewusstsein und Materie miteinander zusammen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die erste Frage, so meinte Schmidt-Brabant, ist vor allem in den vergangenen südlichen Kulturen gelebt worden: in Griechenland, Italien und Spanien. Die dritte Frage stufte er als zukünftig ein: Um die Ostsee herum werde in der Zukunft eine Kultur entstehen, die sich mit der Frage des Bewusstseins und der Materie beschäftigen werde. Die zweite Frage, so meinte er, gehöre in die Gegenwart. Mit Gegenwart meint er den Zeitraum von der Renaissance bis irgendwann ins zweiundzwanzigste Jahrhundert hinein. Er dachte also ziemlich groß und weit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Individuum und Gemeinschaft... In der aktuellen Krise wird tatsächlich von Gemeinschaft gesprochen, von Europa als „Union“. Die Bestandteile dieser Union scheinen allerdings gar keine Individuen zu sein, sondern Staaten. Die Debatte konzentriert sich im Grunde genommen auf die Frage, in wieweit die beteiligten Staaten ihre Souveränität aufgeben müssen, um eine Gemeinschaft zu realisieren. Leider spielt dabei das Individuum kaum eine Rolle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was macht den europäischen Bürger aus? Rein rechtlich gesprochen existiert ein europäischer Bürger nicht. Als Bürger ist er Deutscher, Franzose, Spanier oder Grieche. Nur auf einer kulturellen-ideellen Ebene könnte eventuell von „dem“ Europäer gesprochen werden. Was den kulturellen Europäer prägt, ist – mit allen Unterschieden zwischen Nord und Süd, Ost und West – nicht so einfach in Worte zu fassen. Man könnte vielleicht sagen, dass die Europäer zumindest eine gemeinsame Geschichte haben, die zur Demokratie, Industrie und Emanzipation (des Arbeiters, des Individuums, der Frau) geführt hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinschaften werden am Ende nicht von wirtschaftlichen oder rechtlichen Wirklichkeiten bestimmt, sondern von Ideen. Interessant ist, dass nicht nur das Individuum, sondern auch die Idee der Idee in der Debatte über Europa kaum eine Rolle spielt. Es scheint, als ob die Ideen nur noch auf einer pragmatischen Ebene wirksam sein dürfen...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;...oder gerade wieder neu geboren werden? Die Europäer scheinen im Moment auf die angeblich leeren Löcher zwischen den Unterschieden – zwischen Merkel und Sarkozy, Nord und Süd, Kapitalismus und Sozialismus – schauen zu müssen, um zu merken: Der Geburtsort der Zukunft liegt immer „zwischen uns“. Und ist das nicht das, was Deutschland ist: ein Mittelfeld?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-487206348928859090?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/487206348928859090/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=487206348928859090' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/487206348928859090'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/487206348928859090'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/12/mittelfeld-deutschland-uber-angela.html' title='Mittelfeld Deutschland. Über Angela Merkel und Europa'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-5009830335191436869</id><published>2011-11-27T10:54:00.001+01:00</published><updated>2011-11-27T10:55:44.014+01:00</updated><title type='text'>Reif fürs Ungewöhnliche. Nicht zu Ende geschrieben...</title><content type='html'>Die Adventszeit kommt auf uns zu. Und diesmal fühle ich mich davon so richtig erwischt. Aus irgendeinem Grund scheinen die Geister des Wetters uns täuschen zu wollen. Es regnet nicht, die Sonne hat in den letzten Wochen golden gestrahlt, der Westwind (Shelley: „Oh wild west wind, thou breath of autumn´s being/ thou, from whose unseen presence the leaves dead / are driven...“) hat sich kaum gezeigt, nur die Mülltonnen im Hof scheinen auf Innerlichkeit vorbereitet zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Blätter auf der Wiese strahlen gelb im Tageslicht, sie scheinen ein zweites Leben zu haben, zwar haben sie sich von den Bäumen verabschiedet, sind allerdings noch gar nicht im Vergehen begriffen, tun etwas, was auch meine Seele tut: sie bilden eine Art Schale für einen Überschuss an Klarheit, einen letzten lichten Traum vor dem Aufwachen. Wollen die Geister des Wetters sagen, dass es noch etwas ganz Bestimmtes zu erfahren gilt, bevor wir für die Dunkelheit reif sind?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reif für die Dunkelheit... Ich kann mir kaum vorstellen, dass wir in etwa vier Wochen den kürzesten Tag des Jahres erreichen werden, die Winterwende, die Umkehrung der Lichtverhältnisse... Und gerade als ich dabei bin diese Sätze zu schreiben – es ist Samstagmorgen – gleitet das Sonnenlicht großzügig über die Mauersteine, über die Hortensien, die Mülltonnen. Ein Zaunkönig hat sich kurz an die Mauer im Hof gehängt, guckt nach oben ins Licht, springt wieder weg. Er ist offenbar sehr beschäftigt, mit irgendetwas...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Welt scheint auf etwas zu warten, etwas muss noch geschehen, bevor wir die Kerzen auf die Tische stellen können. Wenn ich die Mülltonnen befrage schweigen sie, sie wollen sich nicht einmischen, ihr sicheres Wissen nicht bekannt geben. Sie halten die Klappe. Und ich nehme mir vor nach dem Schreiben auf den Flohmarkt um die Ecke zu gehen, sobald wie möglich, um auf die Menschen zu schauen, auf die alte Sachen auch, die sich in der Zeit nicht nach vorne schieben lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich höre mit dem Schreiben auf, obwohl ich nicht angekommen bin. Die bunten Blätter liegen aufmerksam auf dem Boden meiner Seele, reif fürs Ungewöhnliche. Der Wind lässt sie in Ruhe, weil er weiß: sie werden noch gebraucht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-5009830335191436869?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/5009830335191436869/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=5009830335191436869' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5009830335191436869'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5009830335191436869'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/11/reif-furs-ungewohnliche-nicht-zu-ende.html' title='Reif fürs Ungewöhnliche. Nicht zu Ende geschrieben...'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-1197337661743616458</id><published>2011-11-20T10:22:00.001+01:00</published><updated>2011-11-20T10:23:59.146+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Köln'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Holocaust'/><title type='text'>Ein Gedenkbuch. Über Namen, Fakten und Schicksale</title><content type='html'>Das Buch ist schwarz. In weißen Buchstaben steht auf dem Umschlag: „Die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Köln“. Und ganz unten: „Gedenkbuch“. Auf der Rückseite ist ein Bild eines Grabes zu sehen: ein hoher schwarzer Stein mit Namen und Daten, ebenfalls in weißen Buchstaben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Buch umfasst 555 Seiten. Die ersten fünfzehn beinhalten „Inhalt“, „Geleitwort“, „Grußwort“ und „Einleitung“; die letzten fünfzehn „Hinweise zur Benutzung“, „Quellen und Literatur“ und einen kurzen Text unter dem Titel: „Der Weg der Kölner Juden in den Holocaust“. Auf den übrigen 525 Seiten des Buches werden in alphabetischer Reihenfolge die Namen und Daten von  jüdischen Opfern der Nationalsozialisten aus Köln aufgelistet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jede Seite enthält die Daten von etwa fünfzehn Personen. Die Schicksale der Einzelnen werden auf die Grundkoordinaten des Lebens reduziert: Geburtsdatum, Geburtsort, Familienname, Jahr der Deportation und Sterbedatum. Ich gebe drei Bespiele:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jacobsohn, Jetta&lt;br /&gt;geb. Cappel&lt;br /&gt;geb. 27.07. 1864 in Stommeln&lt;br /&gt;gest. 20.03. 1944 in Theresienstadt&lt;br /&gt;Deportation: Theresienstadt (1942)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Moses, Max&lt;br /&gt;geb.: 01.09.1890 in Lessen&lt;br /&gt;gest.: 21.05.1942&lt;br /&gt;Deportation: Lodz (1941)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Silberstein, Eva&lt;br /&gt;geb. Kessler&lt;br /&gt;geb.: 02.04.1906 Köln&lt;br /&gt;gest.:&lt;br /&gt;für tot erklärt&lt;br /&gt;Deportation: Auschwitz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe das Buch letzte Woche in Köln gekauft. Es lag im Schaufenster eines Antiquariats, ich kam vorbei, sah es, wollte es sofort haben. Für meine Entscheidung brauchte ich keine drei Sekunden. Erst als ich es in meinen Händen hatte, wurde mir klar, dass es lauter Namen und Daten von Opfern enthält, also keine historischen Beschreibungen, Analysen, Erläuterungen oder Bewertungen. Mit etwa 7500 Namen in der Hand bin ich dann nach Hause gelaufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Buch ist benutzt worden. An drei Stellen sind Artikel aus Zeitungen gesteckt worden, hier und da ist ein Name mit Bleistift markiert. An einer Stelle ist mit der Hand ein Name hinzugefügt worden: „Hans Kelsen, 11.10.1881, gestorben 19.04.73, 33 Prof in Köln“ Was mit „33“ gemeint ist, kann ich nicht einordnen. Und aus dem Kontext geht nicht hervor, was mit der Ergänzung gemeint ist. An einer anderen Stelle ist nur ein Name eingetragen worden: Jahn, Lilli, geb. Schlücheler.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und damit bewegt sich das Buch in drei Schichten der Zeit. Erstens berührt es die Zeit des Holocaust, worauf sich das Buch-als-Gedenkbuch bezieht. Zweitens hat es mit der Zeit des mir unbekannten Benutzers zu tun, der vermutlich eine Beziehung zu einigen im Buch genannten Personen hatte. Dieser Mann oder diese Frau hat sich mit den Schicksalen einzelner Opfer beschäftigt. Und dann gibt es die Schicht meiner Zeit, in der ich mich frage: Was könnte der Grund sein, dass ich das Buch unbedingt haben wollte?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich lese die Namen, vertiefe mich in die Daten, vergegenwärtige mir, was es heißt, an einem Samstagmorgen zum Bahnhof Deutz-Tief zu gehen, auf dem Gelände der Messe warten zu müssen, in einen Güterzug gepresst zu werden, über Hamm und Breslau Richtung Auschwitz oder Lodz, über Würzburg Richtung Buchenwald oder Theresienstadt weg transportiert zu werden. Ich lese den Namen Nathan Salomon, stelle fest, dass er noch keine sieben Jahre alt war, als er von Köln nach Auschwitz gebracht wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich lebe in der Kölner Innenstadt im Rathenau-Viertel, dort, wo im Dritten Reich viele Juden abgeführt worden sind, und an der Roonstraße noch immer die große Synagoge steht. Täglich komme ich an Häusern vorbei, wo damals vielleicht Nathan Salomon oder Sara Levy oder Johanna Sommer lebten. Und mich bewegt das Empfinden: Sie sind nicht mehr da, noch immer da sind allerdings die Löcher, die sie hinterlassen haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Löcher sind nie leer. Und Löcher gehören nie nur der Vergangenheit an. Löcher können Orte des Aufwachens sein. Und ja, wo und wie können wir Nathan und Sara und Johanna in der Gegenwart finden?  Wo sind sie jetzt? Was machen sie jetzt?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-1197337661743616458?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/1197337661743616458/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=1197337661743616458' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1197337661743616458'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1197337661743616458'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/11/ein-gedenkbuch-uber-namen-fakten-und.html' title='Ein Gedenkbuch. Über Namen, Fakten und Schicksale'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4684005427278353720</id><published>2011-11-12T15:54:00.001+01:00</published><updated>2011-11-12T15:55:33.782+01:00</updated><title type='text'>Hinter der Sprachlosigkeit. Über elitäre Orte des Erwachens</title><content type='html'>Immer wenn es nichts zu sagen gibt, wende ich mich der Sprache zu. In der Sprachlosigkeit vergegenwärtigen die Worte eine letzte Sicht auf große und kleine Bedeutungen, sie wirken wie schwebendes Mobiliar in der bereits dunklen Weite. Bevor die Auflösung sich definitiv und unwiderruflich durchsetzt, ziehen sie die Vergangenheit noch einmal zusammen, bringen zwar nichts mehr auf den Punkt, halten die Bedeutungen aber wie die letzten Wolken vor der nächtlichen Aufklärung noch eine Weile fest.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch heute sind die letzten Worte nicht willkürlich. Sie stammen aus einem Gespräch, das heute stattfand, irgendwo in der Welt, irgendwo in der Zeit, zwischen Menschen die mit sich, mit einander und mit mir unterwegs sind. Nach dem Gespräch sind sie auseinander gegangen, betroffen und vielleicht beunruhigt, bestimmt aber fragend. Ich weiß nicht, wo sie sich im Moment befinden, vielleicht schreiben sie letzte Briefe, lesen Nachrichten, schälen Kartoffeln oder schauen aus dem Fenster in die kommende Nacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute geht es um vier Worte: „elitär“, „Orte“, „des“ und „Aufwachens“, die letzten drei Worte bilden eine vage Einheit: „Orte des Aufwachens“, das erste Wort war wie ein Sprungbrett. Einer der Teilnehmer  hatte im Gespräch gesagt: „Die Tatsache, dass wir uns hier treffen und über unsere Anliegen sprechen können, macht uns elitär. Weitaus die meisten Menschen in der Welt sind dazu gar nicht im Stande.“ Auch wenn seine Bemerkung rot klang, hatte der Mann recht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Blick auf die sieben Milliarden Menschen in der Welt – ich wüsste nicht einmal, wie ich sie ins Auge fassen könnte –  macht sprachlos. Auch die immer bereitwilligen Stichworte wie „Armut“, „Ungerechtigkeit“, „Unterdrückung“, „Unfreiheit“ und „Dummheit“ bieten an dieser Stelle keinen Ausweg. Der chancenlose Versuch sich die Wirklichkeit der Menschen vorzustellen – was passiert gerade mit Mensch Nummer 2.221.320.712, etwa in Hongkong? – bringt uns an eine Grenze, die wir nur überschreiten können, wenn wir Ideologien verstummen lassen und uns in die Sprachlosigkeit hinein begeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Orte des Aufwachens... Richtig ist, dass weitaus die meisten Menschen schlafen, weil sie mit dem Überleben beschäftigt sind. Es ist ein falscher Gedanke, dass jeder Einzelne sich seine Freiheit zur Kreativität  erkämpfen muss, unter dem Motto: Jeder für sich und Gott gegen alle (wie Werner Herzog es mal formuliert hat. Es gibt auch so etwas, wie eine neoliberale Variante der Spiritualität). Es mag sein, dass jeder Mensch ein Künstler ist, genau so richtig ist, dass ohne meine Beteiligung nichts läuft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es dämmert. Die Welt wird sprachlos. Ich weiß nicht, was es heute Abend noch zu sagen gilt. Ich wende mich der Sprache zu, um mich von Worten und Redewendungen zu verabschieden. Ich hoffe, dass über die Worte hinaus, sich ein kleiner Ort des Aufwachens öffnet, für mich, für dich, für Mensch Nummer 2.221.320.712. Und ich nenne diesen Ort einfach „Text“, oder „Herzwerk“ oder „Akt des Schweigens“. Ich verneige mich, denke an meine verstorbene Mutter, an das Kind-im-Kommen, und verzichte auf die Sicherheiten des Verstehens.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4684005427278353720?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4684005427278353720/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4684005427278353720' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4684005427278353720'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4684005427278353720'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/11/hinter-der-sprachlosigkeit-uber-elitare.html' title='Hinter der Sprachlosigkeit. Über elitäre Orte des Erwachens'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3882987045708504524</id><published>2011-11-01T10:02:00.002+01:00</published><updated>2011-11-01T10:04:01.493+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Finanzkrise'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Demokratie'/><title type='text'>Über die Krise der Demokratie. Die Chinesen ticken anders als wir</title><content type='html'>Demokratie ist sehr verletzbar. In den meisten europäischen Staaten wird sie immer noch aufrecht erhalten, allerdings nicht ohne besorgniserregende Begleiterscheinungen. Noch in der letzten Woche hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe der Regierung in Berlin eine Grenze gestellt: Das Vorhaben der Regierung, ein Gremium von neun Personen unter Umständen über wichtige finanzielle Maßnahmen entscheiden zu lassen, wurde als nicht demokratisch eingestuft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlusconi macht in Italien, was er will. Finnland und Dänemark halten sich nicht an Vereinbarungen, die im europäischen Parlament oder von europäischen Staatsführern getroffen wurden. Frankreich, und vor allem Deutschland, erlauben sich, die europäische Führung quasi zu übernehmen, ohne die anderen Staaten groß einzubeziehen. Und die demokratische Legitimierung der Bürokratie in Brüssel ist sowieso fraglich. Solange es keine ‚Vereinigten Staaten von Europa‘ gibt, werden wichtige Sachen in zahllosen undurchsichtigen Gremien beschlossen, die nicht direkt demokratisch zu nennen sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch schwieriger wird es, wenn wir auf unsere direkten südlichen Nachbarn schauen, auf die arabischen Länder. In Tunesien, Ägypten und Libyen sieht es so aus, als ob die Islamisten einen starken politischen Einfluss haben werden. Und damit steht die Frage im Raum, wie die Trennung zwischen Religion und Staat – ein Lehrstück der liberalen Aufklärung! – in diesen Ländern zukünftig gehandhabt werden wird. Der Türkei hat sich mittlerweile von Europa abgewendet (wie hätte das Land es auch anders tun können?) und versucht erfolgreich in der islamischen Welt eine Großmacht zu werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch in den Vereinigten Staaten sieht es mit der Demokratie nicht gerade brillant aus. Erstens bekämpfen die Republikaner und die Demokraten einander heftig, was zu einer allgemeinen Lähmung führt. Zweitens – noch wichtiger! – können mehr als ein Drittel der Amerikaner sich nicht mit den Republikanern oder den Demokraten identifizieren. Dieser „dritte Weg“ hat allerdings wegen der rigiden Wahlgesetze keine Chance, was bedeutet, dass ein wesentlicher Bestandteil der Bevölkerung parlamentarisch nicht vertreten wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann China. Auch wenn es ständig irgendwie umgangen, nicht klar benannt wird, bleibt es eine rote Wahrheit: China wird kommunistisch regiert. China zeigt, dass der Kommunismus alles andere als tot ist, stärker noch, er erscheint frisch in einer Art neuen Gestalt: intern kommunistisch, extern quasi kapitalistisch. Und er hat Erfolg: innerhalb von dreißig Jahren sind mehr als 300 Millionen Chinesen von der Armut befreit worden. Und wegen der enormen Kapitalreserven erscheint China im Moment als der große Retter der europäischen Länder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt freuen wir uns vielleicht darüber, in etwa zehn Jahren wird dieser Umstand uns aber zu schaffen machen, wenn wir uns nicht auf eine intensive Begegnung vorbereiten. Mit dem Geld werden auch Bedingungen kommen, Werte, die uns nicht gefallen, Sichtweisen, die uns stören werden... Auf der Ebene der Menschenrechte ist uns dies bereits deutlich, in Bezug auf die Konsequenzen für das soziale Leben stehen noch große Überraschungen bevor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Soweit ich die Chinesen verstehe, scheint es mir so zu sein, dass sie ein völlig anderes Verständnis von der Beziehung zwischen Kollektivität und Individualität haben. Der individuelle Mensch wird über seine „Peripherie“ erlebt und definiert. Diese komische Murmel, die wir im Westen „Ich“ nennen, gibt es für das chinesische Empfinden ganz und gar nicht. Das Ich wird als eine Erscheinung erlebt, das von außen auf die Menschen zukommt. Sein Selbst empfinden und ergreifen, bedeutet für die Chinesen schlicht und einfach: sich von Anfang an herzlich vom Leben mit all seinen Möglichkeiten bestimmen zu lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und gerade das mögen wir nicht, weil es für unser Verständnis die reine Unfreiheit bedeutet. Die Frage ist allerdings, ob dieses unser Empfinden auch wirklich stimmt. Wir stehen vor einer Entscheidung: entweder glauben wir, dass wir die Chinesen von ihren nicht aufgeklärten Vorstellungen befreien müssen (wird nicht leicht sein!), oder wir nehmen an, dass ihr Dasein in der Welt irgendwie berechtigt ist, auch wenn wir dies nicht verstehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für das Denken über die Demokratie heißt das, dass wir uns an andere Formen &amp; Gesichter &amp; Selbstverständlichkeiten gewöhnen müssen. Die Araber ticken nicht wie wir, das wissen wir bereits, die Chinesen aber erst recht nicht. Wir Europäer machen uns gerade von der wirtschaftlichen Macht der Chinesen abhängig, und ja: wir dürfen uns darüber freuen. Die stille Hoffnung, dass alles weiterhin beim Alten bleibt, wird sich allerdings als eine Illusion erweisen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3882987045708504524?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3882987045708504524/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3882987045708504524' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3882987045708504524'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3882987045708504524'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/11/uber-die-krise-der-demokratie-die.html' title='Über die Krise der Demokratie. Die Chinesen ticken anders als wir'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4572122748871815121</id><published>2011-10-24T12:59:00.001+02:00</published><updated>2011-10-26T11:00:44.182+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Werkstatt Soziales Leben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Foucault Michel'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Steiner Rudolf'/><title type='text'>Herrschaft, Macht und Gewalt. Über himmlische Hierarchien und Menschen</title><content type='html'>Anders als die Begriffe Freiheit, Schönheit oder Gerechtigkeit wird der Begriff Macht, zumindest öffentlich, nicht besonders hoch angesehen. Wenn Menschen Macht suchen oder sie eben ausüben, stehen sie prinzipiell unter Verdacht. Mit Macht ist es wie mit Geld: es scheint irgendwie moralisch sauber zu sein, wenn man davon nicht zu viel hat. Die Volksweisheit meint mit Sicherheit zu wissen, dass Macht „korrumpiert“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ist Macht? In seiner Lehre der himmlischen Hierarchien spricht Dionysius Areopagit (um 500 nach Christus) von den geistigen Wesenheiten, die sich an der Entwicklung der Erde und der Menschen beteiligt haben (und das immer noch tun). Er beschreibt neun Arten von Wesenheiten, die jeweils zu drei Gruppen gehören. Die erste Gruppe umfasst die Wesenheiten, die dem Anblick der Gottheit unmittelbar ausgesetzt sind und das Wollen der Gottheit ohne Einschränkungen entgegen nehmen. Die Wesenheiten dieser ersten Gruppe werden Seraphime, Cherubime und Throne genannt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der dritten Gruppe handelt es sich um Wesenheiten, deren Dasein am unmittelbarsten mit den Menschen verknüpft ist. In der „Leiter“ der Hierarchien stehen sie „unten“, und das heißt, dass sie eine Nähe zu den Beschränkungen von Raum und Zeit denen wir Menschen ausgeliefert sind. Sie sind deswegen im Stande in den Seelen der Menschen zum Beispiel die Liebe zu entzünden. Bei Dionysus Areopagit werden die Wesenheiten dieser Gruppe die Archai, die Archangeloi und die Angeloi genannt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der zweiten Gruppe, die sich zwischen „ganz oben“ und „ganz unten“ befindet, geht es um Wesenheiten, die nicht den unmittelbaren Anblick der Gottheit haben, aber doch den unmittelbaren Impuls haben, den Offenbarungen der Gottheit zu folgen. Sie werden die Kyriotetes, die Dynamis und die Exusiai genannt, oder in der deutschen Sprache: die Herrschaften, die Mächte und die Gewalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herrschaft (und Damenschaft?), Macht und Gewalt werden in der christlichen Kosmologie also in einem Zwischenbereich angesiedelt. Die Kräfte sind dort aktiv, wo es einerseits eine Distanz zu dem Allgemeinen (oder dem Göttlichen), andererseits eine Nähe zu dem Besonderen (oder den individuellen Menschen) gibt. Anknüpfend an Dionysus Areopagit ist Rudolf Steiner in seinen Beschreibungen dieser zweiten Gruppe sehr genau. Er sagt, dass die Wesen der zweiten Hierarchie nicht nur ihr Selbst „offenbaren“; sondern sie sondern das, was sie innerlich erleben, von sich ab, so dass selbständige Wesenheiten entstehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedes Mal, wenn ein solches Absondern stattfindet, wird „Leben“ erzeugt. Rudolf Steiner spricht an dieser Stelle von „Selbsterschaffen“, von einer schöpferischen Tätigkeit also. Interessant ist nun, dass diese spirituelle Beschreibung von Herrschaft, Macht und Gewalt weit - weit - weit entfernt von der heutigen Sicht auf diese Dinge ist. Heutzutage sehen wir manchmal nur die negativen Schattenseiten der Macht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Ausnahme ist allerdings der französische Philosoph Michel Foucault. Er hat versucht, meiner Meinung nach mit Erfolg, den Begriff der Macht von seinen Schatten zu befreien. Mit Recht kann man sagen, dass Foucault die vertikale Ansicht der christlichen Lehre quasi horizontal gemacht hat, anders gesagt: Er hat Macht als ein Phänomen im Mittelbereich zwischen den Menschen verstanden. Und ebenso wie Rudolf Steiner verbindet Foucault den Begriff nicht an erster Stelle mit Staatsmacht, Unterdrückung oder persönlichen Interessen, sondern mit Kreativität, Gestaltungswillen und Mut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Möglichkeit einer Machtentfaltung gibt es immer und überall. Wenn zwei Menschen sich begegnen, sich gegenseitig öffnen und sich anerkennen, kommt sofort eine Kraft frei, die Foucault wohl eine „politische“ Macht nennt. Und er hat auch verstanden, dass Richtung und Qualität der konkreten Machtentfaltung von der Innerlichkeit der Beziehung zwischen den Menschen abhängt. Wenn zwei oder drei oder hundert oder tausend Menschen etwas bewirken, das über diese Menschen hinaus „eine selbständige Wesenheit bekommt“, zählt am Ende die Substanz der Innerlichkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Macht ohne Innerlichkeit erzeugt Terror, egal ob sie von Staaten, Unternehmungen oder sogenannten frustrierten Minderheiten ausgeübt wird. In einer Kultur des Herzens kann es also nicht darum gehen, auf eine gezielte Ausübung der Macht zu verzichten, sondern um eine ständige Vertiefung der Innerlichkeit, die mit einer Machtentfaltung einher gehen müsste.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht ein Verzicht auf Macht, sondern ein Verzicht auf ideologische oder weltanschauliche Abstraktionen und vermeintliche Interessen steht in einer Kultur des Herzens an. Solange wir die Entfaltung einer Macht von der Frage abhängig machen, ob wir gleicher Meinung sind, kommt am Ende nichts Gutes dabei heraus. Das ist der alten christlichen Lehre der himmlischen Hierarchien zu entnehmen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4572122748871815121?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4572122748871815121/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4572122748871815121' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4572122748871815121'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4572122748871815121'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/10/herrschaft-macht-und-gewalt-uber.html' title='Herrschaft, Macht und Gewalt. Über himmlische Hierarchien und Menschen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-5742633236655209229</id><published>2011-10-17T09:42:00.004+02:00</published><updated>2011-10-26T10:59:49.414+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Werkstatt Soziales Leben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Stüttgen Johannes'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Giovannini Johanna'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Zukunftsstiftung Soziales Leben'/><title type='text'>ÜBERS EMPÖREN HINAUS. Von Johanna Giovannini, Jelle van der Meulen und Johannes Stüttgen</title><content type='html'>Wir haben etwas vor. Ihr mögt uns vielleicht noch gar nicht kennen, vielleicht bereits ein bisschen oder eben ziemlich gut. Wir heißen Johanna Giovannini, Jelle van der Meulen und Johannes Stüttgen. Für die Zukunftsstiftung Soziales Leben in der GLS Treuhand (Bochum) haben wir uns zusammengesetzt, um für eine Weile an einer bestimmten Frage zu arbeiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir haben zu dritt eine Werkstatt aufgemacht. Einen geographischen Ort hat diese Werkstatt nicht, sie befindet sich überall, wo Menschen sich treffen und sich austauschen: Auf diesem Weblog, via E-Mails und Briefen, unterwegs auf Bahnhöfen, in Kneipen, Wohnzimmern und Küchen, auf größeren Veranstaltungen (die es noch zu organisieren gilt). Die Werkstatt ist also zu verstehen als ein bewegliches Flechtwerk von Begegnungen, ein unüberschaubares und hoffentlich inspirierendes Geschehen in der Zeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir wollen weg von deftigen Fixierungen, festgefahrenen Ideologien und vorgeschriebenen Bestimmungen. Wir wollen die konkreten Begegnungen der Menschen als Quellen einer noch nicht bekannten Zukunft verstehen. Wir suchen Wege, die sich öffnen, wenn die Beteiligten von Angesicht zu Angesicht stehen, wenn also die Präsenz des anderen – und vielleicht auch fremden – Menschen mit einbezogen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unsere Frage ist delikat. Sie lässt sich nicht in einem Satz festlegen, weil sie eine Frage des Herzens ist. Sie könnte so lauten: Was ist gemeinnützig an einem Menschen? Oder auch: Was ist gemeinnützig an den Menschen? Oder vielleicht besser: Was am Menschen braucht die bedingungslose Förderung einer Gemeinschaft? Oder wie wäre es mit: Wie können Menschen so gefördert werden, dass sie ihre Biographien als Kunstwerke gestalten können?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Fragen sind nicht nur entscheidend für die Zukunft der Zukunftsstiftung Soziales Leben, sondern auch für die Zukunft unserer öffentlichen Gesellschaft. Die Gestaltung des individuellen Lebens wird immer einseitiger verstanden, nämlich als eine wirtschaftliche Angelegenheit. Deswegen wird die Entfaltung neuer „Begabungen“ immer mehr den Einzelnen überlassen, die damit oft überfordert sind. Die Zukunft ist jedoch eine ideelle Angelegenheit, die sich nicht „wirtschaftlich“ finanzieren lässt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Stiftung möchte ein Ort sein, wo individuelle Menschen sich aus Freiheit an der Gestaltung einmaliger biographischer Kunstwerke engagieren. Wir wollen übers Empören hinausgehen, das große Warten (zum Beispiel auf ein bedingungsloses Einkommen) hinter uns lassen, und in konkret gelebten Beziehungen tätig werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wir fangen an der Stelle an, wo wir gerade stehen: Mit unseren offenen Fragen, und freilich mit der Hoffnung, dass ihr mitmacht! Auf unserem Weblog ist mehr zu finden: http://blog.zukunftsstiftung-soziales-leben.de/ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Johanna Giovannini (Bodensee),&lt;br /&gt;Jelle van der Meulen (Köln),&lt;br /&gt;Johannes Stüttgen (Düsseldorf)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-5742633236655209229?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/5742633236655209229/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=5742633236655209229' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5742633236655209229'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5742633236655209229'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/10/ubers-emporen-hinaus_17.html' title='ÜBERS EMPÖREN HINAUS. Von Johanna Giovannini, Jelle van der Meulen und Johannes Stüttgen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-825535288237837888</id><published>2011-10-10T12:08:00.002+02:00</published><updated>2011-10-10T12:10:35.568+02:00</updated><title type='text'>Ereignis in Stolberg. Über eine große Frau im Schatten</title><content type='html'>Es war zehn vor zehn am Donnerstagabend, die Kinderbesprechung im Kinderhaus in Aachen war gerade vorbei, ich schaute auf die Uhr und stellte fest: Wenn ich mich beeile, erwische ich noch den Zug von Stolberg nach Köln. Mein Kollege Ralf war bereit das Schicksal herauszufordern, wir verabschiedeten uns mit einem schnellen Tschüss und rasten in seinem Auto davon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als wir zehn Minuten später den Bahnhof erreichten, stand die Regionalbahn bereits am Bahnsteig. Ich sagte nochmals Tschüss, rannte über den Platz, über die Treppen runter, über die Treppen wieder herauf, kam jedoch gerade eine Sekunde zu spät. Die Türen schlossen sich und als ich mit meinen Fingern auf den Knopf drückte, öffneten sie sich nicht mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zehn Minuten später sollte ein zweiter Zug abfahren, Richtung Düren, wo ich in die Straßenbahn nach Köln-Ehrenfeld umsteigen konnte. Von dort konnte ich dann ein Taxi in die Innenstadt nehmen. Ich lief ruhig zu dem anderen Bahnsteig, rauchte dort eine Zigarette, fühlte mich irgendwie verloren... Als der Bummelzug kam, stieg ich ein. Ich setzte mich hin und merkte dann unmittelbar, dass etwas nicht stimmte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Geldbörse war weg. Mit diesem Umstand bin ich ziemlich vertraut, weil so etwas etwa drei Mal im Jahr passiert. Mein Geldbeutel hat die Neigung sich übersehen zu lassen, oder genauer gesagt: Er wird von einem närrischen Zwerg gehütet, der ihn für mich manchmal unsichtbar macht. Es war noch keine drei Wochen her, dass der Zwerg seinen Trick wieder mal ausgespielt hatte: Ich hatte in einem Kiosk eine Zeitung gekauft und meine Börse dort liegen lassen. Der Kiosk-Inhaber gab mir sie mir am nächsten Tag wieder zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Bummelzug zwischen Stolberg und Eschweiler dachte ich also: „Ach, du liebe Scheiße, bitte nicht schon wieder!“ Als ich drei Mal in all meinen Taschen geschaut hatte – komischerweise will man es nicht glauben – konnte ich nicht mehr darum herum: Meine Börse war definitiv weg, mit meinem Pass, meinen Bankkarten, meiner Bahncard, mit noch ein paar Karten mehr (ich habe mittlerweile für alles Karten), mit etwa vierzig Euro, und mit meinem Selbstvertrauen. Und sofort war mir klar, dass es während meines Spurts zum ersten Zug passiert sein musste, dass sie aus meiner Tasche gesprungen war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach ein paar Anrufen – während solcher Prüfungen bin ich nicht gerne alleine, brauche dringend ein paar tiefere Weisheiten und höhere Einsichten – stieg ich in Eschweiler aus, um mit dem nächsten Bummelzug wieder zurück nach Stolberg zu fahren. Ich sah für mich nur noch eine Möglichkeit, nämlich, daran zu glauben, dass ich meine Börse wieder finden würde. In den quälenden vierzehn Minuten, die ich in Eschweiler zu warten hatte, und in den zehn Minuten der ärgerlich-langsamen-Rückfahrt, sagte der Zwerg mir andauernd: „Ach, du lieber Scheißkerl, das kannst du vergessen, dass sich die Welt dieses Mal nach deinen illusorischen Wünschen richtet“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich wieder in Stolberg eintraf, war der Bahnhof von Gott und jeglichen Menschen verlassen. Mit schnellen Schritten lief ich die Treppen herunter, sah keine Börse, lief durch dem Tunnel, sah keine Börse, lief die Treppen auf der anderen Seite wieder hoch, sah auch keine Börse, und dachte: „Das war es dann wohl! Schluß-Scheiße-Schluß!“ Als ich mich umdrehen wollte, hörte ich jedoch eine wunderschöne Stimme, die fragte: „Suchen Sie etwas?“ Im Schatten stand eine große Frau, zu ihren Füßen lagen bestimmt sechs volle Taschen und Tüten, und ich dachte: „Eine Pennerin!“ Die Schatten um sie herum schienen irgendwie ihre Wohnung auszumachen, ihr Lächeln wirkte allerdings leicht und licht und fröhlich... Und nochmals: Sie war groß und weit und breit...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ich suche eine Geldbörse“, sagte ich. „Das dachte ich mir“, sagte sie, „ich habe gerade eine gefunden“. Sie bückte sich, nahm eine der Tüten und holte meine Börse heraus. Sie schaute auf das Bild in meinem Reisepass, dann auf mich und sagte: „Sie sind es!“ Mit diesen Worten gab sie mir meine Börse zurück. Ich nahm zwanzig Euro heraus und sagte: „Machen Sie etwas Schönes damit“. Sie aber sagte: „Bitte, geben Sie mir zehn Euro, das reicht“, und ich wieder: „Nein, nehmen sie bitte zwanzig!“ Darauf erwiderte sie: „Sie müssen ein bisschen besser auf sie aufpassen!“ Und ich sagte: „Ich werde besser auf mich aufpassen!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann umarmte ich die Frau. Meine Arme wurden irgendwie auf einmal länger, lang genug um ihre ganze Größe und Weite und Breite zu umfassen, und sie umfasste mich, machte mich genauso groß und weit und breit wie sie. Sie wollte mich nicht mehr loslassen, nicht mehr gehen, nicht mehr mit meinem Zwerg alleine lassen. Und sie flüsterte: „Passen Sie bitte ein bisschen besser auf, so kann es doch mit Ihnen nicht weiter gehen...“ Dann ließ sie los. Und noch heute, vier Tage später, fühle ich mich von ihrer Größe getragen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-825535288237837888?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/825535288237837888/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=825535288237837888' title='7 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/825535288237837888'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/825535288237837888'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/10/ereignis-in-stolberg-uber-eine-groe.html' title='Ereignis in Stolberg. Über eine große Frau im Schatten'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>7</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-1556820819542430929</id><published>2011-10-05T10:48:00.001+02:00</published><updated>2011-10-05T10:50:17.062+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Europa'/><title type='text'>Der Weitsicht der Griechen. Über die Vereinigten Freien Staaten von Europa</title><content type='html'>Erst haben die Hellenen versucht ihr Ansinnen, etwa zehn ihrer hübschen Inseln zu verkaufen, durchzusetzen. Das klappte aber nicht, weil kein Spekulant sich zutraute, sich gegen den Willen der Götter zu stellen. Es ist nun einmal so, dass Zeus, Apollo und vor allem Neptun im Mittelmeer noch immer die Drahtzieher und Entscheidungsträger sind. Und zu versuchen, sich etwas anzueignen, was eindeutig den Göttern gehört, führt bekanntlich dazu, dass man am Ende vereinsamt stirbt. Die Griechen haben sich über die Abneigung der Investoren übrigens gar nicht gewundert, ganz im Gegenteil, sie wussten von Anfang an, dass sie mit dem übersinnlichen Widerstand der Firma Zeus &amp; Co. rechnen konnten. (Zwar haben die Chinesen vor ein paar Jahren den Hafen von Piräus gekauft, aus Sicht der Griechen bedeutete dies aber nicht viel, weil diese Stadt bereits vor einer Ewigkeit von den Göttern verlassen worden war.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als dann auch die Weltbank und der IWF endlich verstanden hatten, dass Mythologie sich nicht veräußerlichen lässt, kam der zweite Schritt der Hellenen: Das Vorhaben, etwa 140.000 Beamten zu kündigen. Diese Kündigungen wurden minutiös geplant und genauso minutiös nicht durchgesetzt. Den Griechen war klar, dass es nur darum ging, Frau Merkel und Herrn Schäuble für etwa sechs Wochen in ihrem protestantischen Glauben zu stärken. (Sparmaßnahmen mit Hilfe von Kündigungen durchzusetzen ist laut Max Weber eine Erfindung der Protestanten.) Die hohen Götter konnten sich beruhigt in ihre Sessel auf dem Olymp zurücklehnen und zuschauen, wie die Menschen miteinander nicht auskamen. Merkel und Schäuble brauchten in der Tat sechs Wochen, um den schlauen Trick zu durchschauen: Den Beamten sollte eben nicht nur gekündigt, sondern sie sollten auch noch in Frührente geschickt werden, was bekanntlich bedeutet, dass sie ihr Geld nur auf eine andere Art und Weise bekommen sollten. (Die Griechen wissen noch, was die Protestanten längst vergessen haben: Um zu leben braucht man Geld.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Empörung in der Merkel’schen und der Schäuble‘schen Seele war natürlich groß, die Kraft des protestantischen Glaubens liegt allerdings darin, dass man bei einer bereits gefundenen Lösung bleibt. Seine Meinung zu ändern, ist bekanntlich eine Erbsünde. Und nun ist deswegen für die nächsten sechs Wochen das Thema: Wie können die Renten in Griechenland dramatisch gekürzt werden? Und weil diese Frage eben auch in Deutschland mit bestimmten Empfindlichkeiten einhergeht, ist für die Griechen für eine Weile alles wieder im homerischen Bereich. Um allerdings die nächste Runde vorzubereiten, sind sie jetzt auf den Gedanken gekommen, das Rauchverbot aufzuheben. Die Griechen dürfen in ihren Kneipen wieder qualmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Genialer hätten sie es nicht machen können. Gegen die offizielle Begründung ist nichts einzuwenden, sogar Schäuble bleibt die Spucke weg: Rauchen bringt der Staatskasse viel Geld. Die erwünschten inoffiziellen Nebeneffekte der Maßnahme sind allerdings die Wesentlichen. Sie führen zum Beispiel dazu, dass auf einmal die Bayern (die meisten von ihnen sind Katholiken) in den Griechen ihre wahren Verbündeten sehen. Wie bekannt, wehren die süddeutschen Freistaatler sich innerlich gegen die korrekte grün-rote Einmischung in ihr Privatleben, sie meinen zu Recht, dass Frau Roth in den gemütlichen Dorfwirtschaften nichts zu suchen habe. Die reichen Bayern sind also dabei zu kapieren, warum sie sich an den Rettungsschirmen beteiligen sollten. An dieser Stelle beweist sich der Weitblick der Griechen. Sie verstehen, dass die Vereinigten Freien Staaten von Europa (VFSE) nur eine Chance haben, wenn die Götter oben auf dem Olymp und die Menschen unten in ihren Kneipen in Ruhe gelassen werden.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-1556820819542430929?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/1556820819542430929/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=1556820819542430929' title='7 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1556820819542430929'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1556820819542430929'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/10/der-weitsicht-der-griechen-uber-die.html' title='Der Weitsicht der Griechen. Über die Vereinigten Freien Staaten von Europa'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>7</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-7476560845153104218</id><published>2011-10-01T15:17:00.001+02:00</published><updated>2011-10-01T15:17:40.246+02:00</updated><title type='text'>Über das Anthroposophische und das Kindliche. Sich immer wieder aufrichten wollen</title><content type='html'>„Die Anthroposophie, sagte Steiner, ist wie ein kleines Kind, wie das Kind in der Krippe zu Bethlehem, ihre Geschichte liegt zu allergrößten Teilen noch vor ihr, es lässt sich gar nicht ermessen, was aus ihr in späteren Zeiten wird.“ Und: „Das gilt auch heute, 100 Jahre später, nun ist sie, die Anthroposophie, gerade mal dabei, sprechen zu lernen ... Wir müssen ihr Entwicklungsräume schaffen - FREIE Entwicklungsräume. Sie darf nicht in Ketten gelegt werden. Ich denke, dazu können wir im Bereich der Waldorfpädagogik ein wenig beitragen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit diesem Kommentar reagierte Henning Köhler letzte Woche auf meine „Werbung“ für das Seminar für Waldorfpädagogik in Köln. Seine Worte sind mir aus dem Herzen gesprochen und ich nehme sie in dieser Woche zum Anlass, meine Beziehung zur Anthroposophie zu erläutern. Immer wieder muss ich feststellen, wie groß die Missverständnisse bezüglich der Anthroposophie sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Henning recht hat, dass die Anthroposophie wie ein kleines Kind gerade mal dabei ist, sprechen zu lernen, bedeutet dies, dass sie sich, zumindest anfänglich, „aufgerichtet“ hat. Und wie es so mit dem kindlichen Stehen steht: man kann eigentlich nicht an der wackeligen Schönheit vorbei sehen. Die Kraft der Anthroposophie liegt gar nicht in ihrer Muskulatur, sondern gerade in ihrer behutsamen Innerlichkeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das suchende und verletzbare Stehvermögen der Anthroposophie besteht meines Erachtens darin, dass sie um eine Perspektive im Leben ringt. Sie hat einen Blick ins Offene geöffnet, eine freischwebende Sichtweise erörtert, die es ermöglicht, sich auf eine bestimmte Art und Weise auf das Leben hinzu zu bewegen. Ich würde die Eigenheit dieser Perspektive so beschreiben: Sie nimmt die Erscheinungen in der Welt als zu mir gehörig, sie nimmt die Erscheinungen in mir als zur Welt gehörig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Folgen dieser Entscheidung – man könnte an dieser Stelle wohl sagen: das Anthroposophische in mir WILL es so sehen – sind radikal. Sie führen zum Beispiel dazu, dass ich mich von abstrakten, ideologischen und theoretischen Gedanken verabschiede. Nur Gedanken, die aus einer lebendigen Beziehung zu den Menschen und den Dingen entstehen, zählen. Mit dem kleinen Kind ist es genau so: Es lässt sich uneingeschränkt führen von der Sehnsucht, die Beziehungen zu den Erscheinungen des Lebens zu LEBEN.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Anthroposophie ist ein Versuch, Worte und Begriffe zu finden für das Offene und Weite, für das Unbestimmte und eben „Ungeheurere“ (Nietzsche), sie will sich in eine Sprachlosigkeit hinein begeben, ohne eine kalte Klarheit, die die Geheimnisse des Lebens töten, zu schaffen. Rudolf Steiners Texte wirken oft so, als ob er versuchen würde, große Mysterien zu lüften; im Grunde genommen ging es ihm jedoch darum, sie für das wache Bewusstsein spürbar, erfahrbar und integrierbar zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine freie Sprache ist für das Anthroposophische wesentlich. Immer und unter allen Umständen die bereits anerkannten Worte und Redewendungen wiederholen zu wollen, führt manchmal dazu, dass das Anthroposophische nicht „geschieht“, nicht zum „Ereignis“ wird. Und Ereignisse sind in diesem Sinne als Momente in der Gegenwart zu verstehen, in denen das Zukünftige das Vergangene nicht nur berührt, sondern eben verwandelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die drei großen Vorgänge in den ersten drei Jahren des Lebens eines kleinen Kindes, das Aufrichten, das Sprechen und das Denken, werden in der Anthroposophie nicht als bloße Phasen in der Biographie verstanden, die irgendwann mal mehr oder weniger erfolgreich abgeschlossen sind. Sich immer wieder auf das Mysterium des Lebens einzulassen bedeutet nicht nur, das Kindliche in sich zu bewahren, sondern eben zu stärken.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-7476560845153104218?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/7476560845153104218/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=7476560845153104218' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/7476560845153104218'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/7476560845153104218'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/10/uber-das-anthroposophische-und-das.html' title='Über das Anthroposophische und das Kindliche. Sich immer wieder aufrichten wollen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-7838027236640937409</id><published>2011-09-23T08:33:00.002+02:00</published><updated>2011-09-24T07:54:52.255+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Waldorferzieherin'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Seminar Köln'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Köhler Henning'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kinder unter drei'/><title type='text'>Seminar für Waldorfpädagogik in Köln. Werbung!</title><content type='html'>Ich werde in diesem Blog unverfroren Werbung machen, und zwar für das Seminar für Waldorfpädagogik in Köln, dessen Leitung ich mitgestalte. Montag, 14. November 2011, fangen wir in Köln mit einem neuen Grundkurs an, der über zwei Jahre laufen und ganz sicher eine spannende Angelegenheit sein wird. Ich möchte meine Leserinnen und Leser darum bitten, so laut wie möglich allen Interessierten davon zu erzählen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Grundkurs ist erstens für staatlich anerkannte ErzieherInnen gedacht, die gerne eine Zusatzqualifikation als WaldorferzieherIn erlangen möchten. Zweitens sind alle Menschen herzlich willkommen, die, warum auch immer, eine vertiefte Begegnung mit der anthroposophischen Pädagogik suchen. Uns ist es ein großes Anliegen, auf der Basis der Fragen und Erfahrungen der Einzelnen eine zeitgemäße Sicht auf die pädagogische Praxis zu entwickeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Waldorfpädagogik ist nicht fertig. Ganz im Gegenteil, die Umbrüche in der Gesellschaft machen klipp und klar deutlich, dass auch der anthroposophische Ansatz in Bezug auf Erziehung und Pädagogik um eine neue Orientierung fragt. Das Leben in der Familie ändert sich rasant, die persönlichen und beruflichen Beziehungen werden neu gestaltet, die religiösen und kulturellen Hintergründe vermischen sich, und vor allem eine Frage wird immer brennender: Wie bereiten wir die Kinder auf ein Leben vor, in dem immer mehr Offenheit, Beweglichkeit und Kreativität von Nöten ist?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ziel der Waldorfpädagogik war und ist noch immer: Die Kinder auf eine Freiheit vorzubereiten. Kinder brauchen deswegen Erwachsene, die sich gerade in Bezug auf Freiheit einen bewussten Umgang zutrauen. Für das Seminar in Köln bedeutet dies, dass auf eines der Grundprinzipien der Erwachsenenbildung besonders Wert gelegt wird: Lernen beruht auf einer inneren Verwandlung, die von einer souveränen Person in die Hand genommen und selbst gestaltet wird. Dieses Prinzip entfernt uns definitiv von dem Gedanken, dass ein Erzieher oder eine Erzieherin lernen sollte, bestimmte Rezepte ordentlich „umzusetzen“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Quelle der Waldorfpädagogik liegt nicht in Traditionen, Konventionen und Gepflogenheiten, sondern in einer freien Beziehung zwischen mir und mir, zwischen mir und dir, zwischen mir und euch... Sie ist eine Sache der Beziehung. Nun erleben wir im Moment gerade an dieser Stelle eine neue Aufgabe, weil das ganz kleine Kind sich in den Kindergärten meldet. Und wie eine Erzieherin noch letzte Woche sagte: „Die Kleinen sprengen alle Rahmen!“. Und so ist es: gerade die wunderbar „Ungeregelten“ stellen uns vor die Tatsache, dass Rezepte nicht weiterhelfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir haben uns in Köln dazu entschieden, einen Grundkurs anzubieten, der den ganzen Alters-Regenbogen von null bis sieben umfasst. Diese Entscheidung liegt in der anthroposophischen Pädagogik selber begründet: erst der Überblick über das ganze Kind ermöglicht einen Zugang zu altersbedingten spezifischen Eigenheiten. Wir werden uns also menschenkundlich mit vielen Welten beschäftigen: der Welt des Einjährigen, des Zweijährigen, und so weiter. Und ja, alleine die Welt des Einjährigen besteht aus zwölf Welten...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit dem Heilpädagogen und Autor Henning Köhler. An sechs Wochenenden pro Jahr wird er die TeilnehmerInnen vor allem in das Thema der Inklusion einführen. (Über seine Art und sein Anliegen lese man bitte meinen Blogtext über „Henning Köhler“. Den Link zu dem Text findet man in der Themenliste nebenan.) Was mir an seinem Ansatz so gefällt, ist seine Fähigkeit den souveränen Philosophen in seinen Zuhörern zu erwecken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeit wird in den nächsten zwei Jahren daraus bestehen, dass wir versuchen werden, einen Diskurs über Kindheit zu führen. Die intensive Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Deutschland ermöglicht es uns, am Ende der zwei Jahre ein Zertifikat zu überreichen, das den Erzieher und die Erzieherin für die Arbeit in Waldorfkindergärten qualifiziert. Mehr Infos folgen, wenn man eine Email an Yvonne Rausch vom Freien Bildungswerk in Köln schickt: rausch@fbw-rheinland.de&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich freue mich, möglichst vielen Menschen im Seminar für Waldorfpädagogik in Köln zu begegnen!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-7838027236640937409?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/7838027236640937409/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=7838027236640937409' title='10 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/7838027236640937409'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/7838027236640937409'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/09/seminar-fur-waldorfpadagogik-in-koln.html' title='Seminar für Waldorfpädagogik in Köln. Werbung!'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>10</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-1153443808711696331</id><published>2011-09-17T16:18:00.002+02:00</published><updated>2011-09-17T16:20:32.618+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kognitionswissenschaft'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Selbst und Subjekt'/><title type='text'>Kognitionswissenschaft. Über selbstbildende Ereignisse</title><content type='html'>Die souveräne Existenz des Selbst (oder des Ich) des Menschen lässt sich nicht einwandfrei positiv „beweisen“ oder negativ „verneinen“. In der Kognitionswissenschaft wird gerade das Letztere versucht. Daniel C. Dennet zum Beispiel meint in seinem Buch Philosophie des menschlichen Bewusstseins klar belegen zu können, dass das Selbstbewusstsein nichts Souveränes innehat, sondern eher als eine wilde Ansammlung von willkürlichen „Erzählungen“, die der Mensch sich selbst „erzählt“, um in dem biologisch-evolutionären Prozess zu überleben, zu verstehen wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und der Gehirnforscher John R. Searle kommt in seinem Buch Geist. Eine Einführung zu der Schlussfolgerung: „Zusätzlich zu einer Abfolge von Erlebnissen und dem Körper, in dem diese Erlebnisse stattfinden, gibt es nicht noch so etwas wie das Selbst. Wenn ich versuche, meine Aufmerksamkeit nach innen zu richten und eine Entität zu beobachten, die mich wesentlich ausmacht, dann finde ich [...] nur einzelne Erlebnisse. Da ist kein Selbst zusätzlich zu diesen Erlebnissen“. Dass wir trotzdem so etwas wie eine kontinuierliche Identität erleben, beruht laut Searle auf dem Umstand, dass wir uns an Erlebnisse aus der Vergangenheit erinnern können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist in diesem Text nicht meine Aufgabe, die philosophischen und wissenschaftlichen Überlegungen gegen die Existenz des Selbst zu widerlegen – ich wäre damit auch heillos überfordert. Ich kann aber ein Denkangebot machen, das zwar von Argumenten unterstützt wird, im Grunde genommen aber auf Erfahrungen beruht, auf Erlebnissen also, die, anders als Searle meint, nicht als „zusätzlich“ zu verstehen sind. Die Begegnung mit meiner Hoheit und mit den Hoheiten der anderen Menschen ist aus meiner Sicht ein Ereignis, das als Ereignis keine Begründung braucht, genau wie ein Kuss, ein Krieg, eine Geburt, ein Sterben, ein Blitz vom Himmel oder eine Begegnung mit einem anderen Menschen dies auch nicht braucht, um das zu sein was sie alle sind: Ereignisse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie kämen Dennet und Searle übrigens ohne Ereignisse aus? Auch sie begründen ihre Sichtweisen auf Erlebnisse, die allerdings in einem bestimmten Rahmen angenommen oder eben gerade abgewiesen, beziehungsweise dekonstruiert werden, nicht weil sie aus irgendeinem Grund als Ereignis nicht überzeugen, sondern weil sie Unbehagen erzeugen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anders gesagt: Die Erfahrung des Selbst lässt sich in der Tat schwer denken und einordnen, das heißt, es lässt sich nicht mit anerkannten Mitteln der Wissenschaft in das theoretische Gebäude der Wissenschaft integrieren. Eigentlich würde es schon reichen von der Idee (nicht einmal der Existenz) des Selbst zu sprechen: Sie sprengt alle Rahmen. Sich allerdings von dieser Idee zu verabschieden, würde einfach heißen, dass auch das Buch von Dennet nur „Erzählungen“, die er sich selber zum Überleben erzählt, beinhaltet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein stolzes Buch, mit dem stolzen Titel und dem stolzen Eigennamen würde lediglich die Illusion bieten, die er gerade versucht zu demontieren. Sein Buch als Ereignis beruht auf einem Widerspruch, einfach deshalb, weil auch Dennet nicht ohne selbstbildende Ereignisse auskommt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-1153443808711696331?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/1153443808711696331/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=1153443808711696331' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1153443808711696331'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1153443808711696331'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/09/kognitionswissenschaft-uber.html' title='Kognitionswissenschaft. Über selbstbildende Ereignisse'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4650809073116766588</id><published>2011-09-10T13:14:00.003+02:00</published><updated>2011-09-10T13:22:24.580+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Holocaust'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Aly Götz'/><title type='text'>Götz Aly. "Warum die Deutschen? Warum die Juden?"</title><content type='html'>In seiner vor Kurzem erschienenen Publikation „Warum die Deutschen? Warum die Juden?“ versucht der Historiker und Politikwissenschaftler Götz Aly den Holocaust als eine Beziehungsfrage zu verstehen. Er geht der Thematik nach, was etwa ab 1800 zwischen den Deutschen und den Juden geschehen ist und beschreibt die Spannungen, die dazu geführt haben, dass im Dritten Reich sechs Millionen  Juden umgebracht wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kraft des Buches liegt in seiner Einfachheit. Götz Aly begibt sich kaum in philosophische oder zeitgeschichtliche Überlegungen, verzichtet fast komplett auf „grundlegende“ Fragen über das Gute und das Böse, spekuliert nicht über weltanschauliche Hintergründe, sondern lässt einfach Tatsachen sprechen. Der Leser begegnet einem sauberen Historiker mit trockenen Fingern, der sich durch Hunderte von schriftlichen Quellen gearbeitet hat. Viel mehr als zitieren, macht Götz Aly im Grunde genommen nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein paar Tatsachen reichen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was das Buch beinhaltet. „In Preußen“, stellt Aly beispielsweise fest, „lag der Anteil jüdischer Studenten (an den Universitäten. JvdM) 1886/87 bei knapp zehn Prozent, der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung bei knapp einem Prozent“. Und: „In der Regel begannen Juden das Studium erheblich früher und studierten schneller als die christliche Kommilitonen“. Ein preußischer Statistiker bemerkt in diesen Jahren: „Die jüdischen Studierenden scheinen danach durchschnittlich mehr Befähigung zu besitzen und mehr Fleiß zu entwickeln als die Christen“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und in einem Inspektionsbericht des großherzoglichen badischen Bezirksamts über die Geschicke des südbadischen Gailingen: „Noch vor 40 bis 50 Jahren hatte die große Mehrzahl der Israeliten dem ärmeren Teil der Einwohnerschaft angehört“. Jetzt übertrafen sie die christlichen Bürger „bedeutend an Vermögen.“ Der Inspektor stellt fest: „Fast alle größeren Häuser sind im Besitz von Israeliten“. Die Handelskammer der Stadt Köln beschrieb bereits Anfang 1800 die jüdischen Bürger als „üppiges Schlingkraut". &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Deutschen dagegen zeigten sich als langsam, konservativ, träge. Sie kamen mit den rasanten Entwicklungen in der Gesellschaft nicht mit. Sie waren „die Dümmeren“, die an einem „sich über sich selbst unklaren Gefühl“ litten (Ludwig Bamberger, 1880). Der Zionist Heinrich York-Steiner schreibt 1932: „Das deutsche Selbstempfinden ist das unsicherste aller großen Nationen Europas“. Die Deutschen bleiben in den traditionellen und ländlichen Verhältnissen hängen, die Juden steigen aktiv ins moderne und städtische Leben ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ergebnis war Neid, der sich über Jahrzehnte in vielen Deutschen einnistete. Der Neid wurde – wie ein Hund – ein fester Bestandteil des deutschen Haushalts, wurde eigentlich nicht beachtet, auch nicht wenn er gelegentlich laut gebellt hat. Langsam wurde der Jude zur Karikatur: er ist nicht schlau, sondern listig, nicht fleißig, sondern gierig, nicht wach, sondern herrschend... &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In meinen Worten: Der Neid machte die jüdischen Bürger zu Doppelgängern. Sie wurden nur noch als bedrohende Unwesen wahrgenommen, ohne Seele, ohne Biographie, ohne Berechtigung. Sie sind die Schatten der Deutschen geworden. Ich brauche an dieser Stelle nicht auszuführen, wie in den dreißiger Jahren die Nationalsozialisten das über Jahrzehnte entstandene Schattenreich instrumentalisiert haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Einleitung seines – sehr überzeugenden – Buches spricht Götz Aly von „der Frage aller Fragen“: „Warum ermordeten Deutsche sechs Millionen Männer, Frauen und Kinder, und das aus einem einzigen Grund: weil sie Juden waren?“ Übrig bleibt die Frage: Hat Aly nun mit seinem Buch diese schwerwiegende Frage beantwortet? Ich würde sagen: mehr als halbwegs, allerdings nicht vollständig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Kern seiner Betrachtungen steht der Neid. Um individuell oder kollektiv mit den verheerenden Wirkungen des Neides umgehen zu können, werden erstens Selbsterkenntnis und zweitens Ideen und Begriffe gebraucht. Nicht der Neid alleine war das Problem, sondern auch die Tatsache, dass eine kleinliche weltanschauliche Gesinnung herrschte. In seinen Betrachtungen wird klar, dass im damaligen Deutschland eine sehr beschränkte Auffassung von - zum Beispiel - Freiheit herrschte. Die Deutschen trauten sich eine innere souveräne Freiheit nicht zu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie ist zu verstehen, dass gerade in Deutschland, dem Land der idealistischen Dichter und Philosophen, der großen Ideen und Begriffe, diese Wirkung weitgehend verloren ging? Was hatte dazu geführt, dass dem Neid nicht eine klare Stirn geboten wurde? Mir scheint diese Frage noch immer frei im Raum zu schweben. Und vermutlich ist es so, dass wir gerade auf der gedanklichen Ebene, heute nicht viel weiter sind als damals. Götz Aly hat deswegen auch völlig recht, wenn er am Ende seines Buches schreibt: „Ein Ereignis, das dem Holocaust der Struktur nach ähnlich ist, kann sich wiederholen".&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4650809073116766588?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4650809073116766588/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4650809073116766588' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4650809073116766588'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4650809073116766588'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/09/gotz-aly-warum-die-deutschen-warum-die.html' title='Götz Aly. &quot;Warum die Deutschen? Warum die Juden?&quot;'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-927799011646734370</id><published>2011-09-04T13:53:00.001+02:00</published><updated>2011-09-04T13:53:49.706+02:00</updated><title type='text'>Der ferne Freund</title><content type='html'>Er kommt vorbei, der ferne&lt;br /&gt;Freund, Meister der Hauses,&lt;br /&gt;stündlich immer wieder,&lt;br /&gt;sein Rhythmus ist ein Takt&lt;br /&gt;ohne Ende. Ich höre &lt;br /&gt;seine Stimme nicht, er schweigt;&lt;br /&gt;ich höre die Schlüssel,&lt;br /&gt;die ihn begleiten, die Tür,&lt;br /&gt;die er öffnet. Er geht&lt;br /&gt;stündlich über den Hof,&lt;br /&gt;wie ein Mönch, trägt&lt;br /&gt;seine großen Wahrheiten&lt;br /&gt;in seinem Gang, er hört&lt;br /&gt;einen Gesang in seinen Ohren,&lt;br /&gt;er ist sprachlos von Wahrheit.&lt;br /&gt;Er geht an den Tonnen&lt;br /&gt;vorbei, den Gelben, Grauen&lt;br /&gt;und Blauen, hält inne, flüstert,&lt;br /&gt;versteckt den Schlüsselbund&lt;br /&gt;in seiner schweren Jacke,&lt;br /&gt;hebt den blauen lachenden Deckel,&lt;br /&gt;drückt den Karton nach unten&lt;br /&gt;und murmelt: Klappe halten...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-927799011646734370?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/927799011646734370/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=927799011646734370' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/927799011646734370'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/927799011646734370'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/09/der-ferne-freund.html' title='Der ferne Freund'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-8676236395178921480</id><published>2011-08-27T00:01:00.003+02:00</published><updated>2011-09-03T16:46:05.692+02:00</updated><title type='text'>Die Mülltonnen im Hof</title><content type='html'>Die Mülltonnen warten und&lt;br /&gt;warten, die entschlossenen Deckel&lt;br /&gt;sprechen leise blau und grau&lt;br /&gt;und gelb, und eine lächelt,&lt;br /&gt;sie wird von nassem Karton&lt;br /&gt;ein bisschen aufgehüpft, sie&lt;br /&gt;ist bereits unterwegs. Sechs&lt;br /&gt;Tonnen warten und warten&lt;br /&gt;im Hof, ihre Tage kommen&lt;br /&gt;erst langsam: Dienstag und&lt;br /&gt;Mittwoch und Donnerstag, grau&lt;br /&gt;einmal in der Woche, gelb und blau&lt;br /&gt;zweimal im Monat, der Rhythmus&lt;br /&gt;ist Takt ohne Ende. Sie schweigen,&lt;br /&gt;die Tonnen, sie müssen verbergen,&lt;br /&gt;verhüllen, lügen, sie verteilen&lt;br /&gt;was übrig bleibt in Plastik, Papier&lt;br /&gt;und Restmüll, die Braune stinkt,&lt;br /&gt;die Gelbe bleibt leicht, die Blaue&lt;br /&gt;lächelt sich nach vorne. Ich denke:&lt;br /&gt;sie stehen nicht im Hof, ich habe sie&lt;br /&gt;in meiner Seele aufgestellt.&lt;br /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-8676236395178921480?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/8676236395178921480/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=8676236395178921480' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8676236395178921480'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8676236395178921480'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/08/die-mulltonnen-im-hof.html' title='Die Mülltonnen im Hof'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-6390536938404050793</id><published>2011-08-20T10:12:00.001+02:00</published><updated>2011-08-20T10:14:43.610+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Gedicht'/><title type='text'>Immer Regen im Sommer</title><content type='html'>Du, belebtes Dunkel,&lt;br /&gt;Schatten im August,&lt;br /&gt;du gleitest wie Wasser&lt;br /&gt;in meine Wohnung,&lt;br /&gt;bringst runde Fische&lt;br /&gt;und schweigende Frösche,&lt;br /&gt;du sprichst verhalten&lt;br /&gt;über Hoffnung und lässt&lt;br /&gt;die gelben und grauen&lt;br /&gt;und blauen Mülltonnen&lt;br /&gt;vertieft warten im Hof.&lt;br /&gt;Ich lasse dich an mich&lt;br /&gt;heran, deinen nassen Atem&lt;br /&gt;auf meine Haut, und ich&lt;br /&gt;suche deine Worte. Du sagst:&lt;br /&gt;sei von deiner Zukunft&lt;br /&gt;umgeben und getragen,&lt;br /&gt;vom wartenden Fließen&lt;br /&gt;deines Flusses, vom Wollen&lt;br /&gt;der Liebe im Schatten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-6390536938404050793?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/6390536938404050793/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=6390536938404050793' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6390536938404050793'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6390536938404050793'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/08/immer-regen-im-sommer.html' title='Immer Regen im Sommer'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-2518771264538670109</id><published>2011-08-13T09:27:00.002+02:00</published><updated>2011-08-13T09:29:35.589+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='samuel und sammy'/><title type='text'>Samuel ist unterwegs (7). Ein naiver Schmetterling</title><content type='html'>Die Liebesfähigkeiten des Gottes meines Vaters waren beschränkt. Er war ein kleiner Gott, der auf der trockenen Ecke seines Universums ins Exil geraten war und deswegen meinte, sich ständig rechtfertigen zu müssen. Seine großen Taten lagen in der Vergangenheit: Die Schöpfung (hatte Er in sechs Tagen hingekriegt), die sprachliche Nachschöpfung namens Bibel (dafür hatte Er allerdings Generationen von Menschen gebraucht, die nicht verstanden, was Er geschrieben haben wollte), letztendlich der Tod am Kreuz, die Höllenfahrt  und die Auferstehung im Grab (geschah in drei Tagen).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Gott meines Vaters war immer damit beschäftigt, den Menschen seine Vergangenheit zu erklären. Als Kind bin ich Ihm nie begegnet, ich vermutete damals, dass er einfach zu viel Zeit benötigte, um seine Archive ständig anzupassen. Und als ich meinen Vater fragte, warum unser Gott so viele Namen hätte – Gott, Herr, Messias, Jesus, Christus – meinte er: „Um solche Fragen zu beantworten, muss man Pfarrer werden. Möchtest du das?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich mochte das nicht. (Es ist wohl wahr, hätte ich diesen Wunsch gehabt und wäre ihm nachgegangen: mein Leben wäre glänzend verlaufen. Ich hätte jegliche mögliche und unmögliche Unterstützung seitens meines Vaters gekriegt, er wäre mit mir gestorben, in die Hölle gefahren, strahlend auferstanden. Als deutlich wurde, ich war heftig dreizehn, dass ich mit meinem Leben eigentlich gar nichts anfangen wollte, höchstens Gedichte schreiben und Jazzgitarre spielen, wendete mein Vater sich von mir ab. „Gott kann dich nicht gebrauchen“, sagte er. Und Jahre später meinte er: „Du bist leider ein Künstler.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Welt meines Vaters war bis in die kleinsten Details bekannt, überschaubar, bestimmt... Seine Geliebte, die meine Mutter war, flatterte wie ein naiver Schmetterling über alle Zäune hinweg, sie meinte nicht einmal, dass es die Beschränkungen nicht gäbe, sondern sie flatterte einfach ohne irgendetwas zu bemerken umher. Sie wurde jedoch hundert Mal, tausend Mal, zehntausend Mal eingefangen, und am Ende waren ihre dünnhäutigen Flügel kaputt. Sie saß in ihrem Wintergarten, neben ihrem blühenden Oleander, trank Tee und fragte: „Sammy, warum bin ich so müde?“ Und ich sagte: „Weil Du neun Kinder zur Welt gebracht hast“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Mutter... Ja, meine Mutter... In Arnhem war sie noch ein Schmetterling, ein duftig-farbig-unschuldiger Du-willst-mich-haben-kannst-mich-nicht-haben. Wenn ich abends stundenlang auf der Treppe saß und auf sie wartete – ich sehnte mich immer wieder nach Versöhnung – kam sie meistens nicht, und ich wusste: „Sie ist längst nicht mehr bei uns, sie hat sich in einen Nachtschmetterling verwandelt, ist in Mondlandschaften unterwegs, die ich nicht kennen darf, die mir verschlossen sind.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Mutter... Wir waren in Dieren, einer Kleinstadt bei Arnhem, und warteten am Bahnhof auf den Bus. Sie war wohl wieder schwanger. Sie stand neben mir, sagte: „Sammy, ich bin wieder so müde“, und sank zur Boden, ihre Flügel konnten sie nicht mehr tragen. Dort lag sie ausgestreckt, bewegungslos, wie tot – ich meinte tatsächlich, sie wäre tot – und mit meinem Adlerblick schaute ich auf ihren Körper weit da unten und stellte fest: „Irgendwie gehört sie nicht zu mir, weil sie immer wieder auf einmal verschwindet“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war nicht schwierig meine fremde Mutter zu lieben. Es war auch gar nicht schwierig, ihr zu verzeihen. Irgendwie war sie bereits von Anfang an meine Tochter, ich meine: Die Verantwortung lag bei mir, nicht weil sie das von mir verlangte, sondern weil ich es so wollte. Sie konnte nichts dafür, dass sie ohne je gefragt worden zu sein, in einer Verschwörung eingebunden war, die eher meine Verschwörung war. Schmetterlinge und Verschwörungen gehören nicht zusammen. (Schmetterlinge wollen keine Geschichte schreiben.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor fünf Jahren ist sie gestorben. Genau am Tag ihrer Beerdigung (in Utrecht) fing mein Herz an, sich zu wehren. Es konnte, wollte, durfte nicht mehr. Die medizinische Sprache sagt es so: Ein Herzinfarkt bahnte sich an, der Dichter in mir meint: Ich trauerte dem Schmetterling nach, trauerte allem nach, was nicht anders geht, als sich vergeblich wie ein Schmetterling zu verhalten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-2518771264538670109?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/2518771264538670109/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=2518771264538670109' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2518771264538670109'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2518771264538670109'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/08/samuel-ist-unterwegs-7-ein-naiver.html' title='Samuel ist unterwegs (7). Ein naiver Schmetterling'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-8007748703068910156</id><published>2011-08-06T07:42:00.001+02:00</published><updated>2011-08-06T07:44:53.248+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='samuel und sammy'/><title type='text'>Samuel ist unterwegs (6). Wir wollten nicht warten</title><content type='html'>Ja, die Zeit war reif. Warten war nicht mehr möglich. Worauf sollte ich warten? Wenn man bereits unten angekommen ist, wo Wendung und Entscheidung nicht länger transparent sind und der Zug des Lebens, der Verwandlung, der Geschichte spürbar ist, kann man ohne Orientierung nicht mehr warten. Die Wahl zur zweiten Wahl ist keine Wahl.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Menschen, die meine unmittelbaren Menschen waren, hatten eine Spur ostwärts und am Ende dieser Spur ein Loch bis ins Innere der Erde hinterlassen, das mich anzog. Als ich auf die dunkle Stelle schaute, drohte ich mich zu verlieren, als ob etwas mich dahin verführen, mich dahin verschwinden lassen wollte – wäre ich dahin gegangen, hätte ich mich aufgeben müssen. Ich hätte nicht die Kraft gehabt, mich in meinen Sehnsüchten, Vorsätzen und Entscheidungen aufrecht zu erhalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich wendete meinen Blick ab. Nein, ich spreche heute nicht von der Trauer, die bei mir einzog, nicht von diesem Schatten, die mich seitdem begleitet, von dieser zum Nachsterben geneigten Gestalt neben mit, dieser braun-gelb-roten Herbstfigur, die den Dichter in mir weckte. Mit dem Abwenden meines Blickes – war dies ein Verrat?  – rettete ich mich, traf ich eine Wahl, die mich betraf, mich bestimmte, mich neu erzeugte. In meinen Augenwinkeln ist das Loch allerdings noch immer da, muss meinen Kopf nur ein wenig wenden, um es zu sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit Elegien und Requien bin ich vertraut. Nein, ich möchte heute nicht von der Trauer sprechen, weil sie mir viel bedeutet – ohne sie, so meine ich manchmal, gibt es überhaupt keine Bedeutungen, keine Wahrzeichen, keinen Sinn. Die Trauer in mir ist wie eine alte Landschaft, in der mir die Pfade, Quellen, Kapellen, Hügel und Kreuzungen bekannt sind. Nur die Gesamtheit der Landschaft ist mir eine Frage, die Einzelheiten sind mir fraglos nahe. Gilt es heute nicht, mich von dieser Landschaft zu verabschieden?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damals wendete ich meinen Blick ab und sah den Fluss. Und über dem Fluss schien es Träume zu geben, Wolken-voller-Bilder, Wolken-voller-Beziehungen, Wolken-voller-Vorhaben, die sich in einem Gegenstrom über die breiten und ruhigen Wellen Richtung Südwesten hin bewegten, wie schwer beladene Schiffe, die andocken wollen. Die Ufer des Flusses waren jedoch leer und verlassen, ohne Ohren und Augen, hier und da standen großen Gebäude und Brücken, die kaputt waren, Häuser ohne spiegelnde Fenster. Und mir war klar: Die Träume gehörten zu einer ganzen Generation von Menschen, die nicht warten wollten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir wollten nicht warten. In den Wolken-voller-Bilder war von rechts nach links ein Ereignis eingeschrieben, das stattgefunden hatte, als wir nicht mehr so ganz oben waren, als wir die Nähe des Lebens in Raum und Zeit bereits spürten. Eine leuchtende Gestalt, die sich in der Mitte des bewegenden und webenden Zusammenseins zahlreicher Wesen aufhielt, wurde auf einmal verdunkelt, ich empfand es so, als ob eine Sonne verdeckt wurde. Irgendwie spürten alle Wesen, dass mit der Verdunkelung ein Opfer verbunden war, ein Verzicht der leuchtenden Gestalt gerade auf seine strahlende Kraft und seine tragende Macht. Was Kern und Mitte war, wurde aufgegeben, wurde abgegeben, wurde zersplittert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und an der Stelle der Sonne erschien ein schwarzes Kreuz, das neue Koordinaten kreierte, neue Richtungen öffnete, sich bin ins Unendliche ausdehnte, und sich in allen Erscheinungen zu wiederholen schien, alles zum Kreuz machte. In dieser Räumlichkeit des Kreuzes – ich kann es nicht beschreiben: ein Kreuz als Raum – wurde alles auf einmal in größere oder kleinere Kreuze verwandelt, nicht übersichtlich geordnet (wie auf den militärischen Friedhöfen in der Normandie), sondern wirr mäandernd durcheinander (wie in einem Tanz).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das große Kreuz ging in die Diaspora. Es setzte nicht mehr auf Kern und Mitte, sondern auf Umkreis und Peripherie. Es war bereit sich zu verlieren, um Einzelheiten und Nebensachen groß zu machen, um Tod und Auferstehung in allen Ecken des Lebens wirken zu lassen, um Wink und Wendung in jedem Detail zu ermöglichen. Und wir alle wussten irgendwie: Die Verwandlung konnte nur da unten vollendet werden, konnte nur in Raum und Zeit gelingen, nur dort, wo der Abgrund sich öffnet, und das große Schweben gelernt werden muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und als ich auf das kleine Kreuz schaute, das sich in mir aufgerichtet hatte, traf ich meine zweite Wahl. Ich schaute wieder nach unten und sah einen Soldaten in Indonesien, der für seine Geliebte in Holland verzweifelte Tagebücher schrieb. Er war, ohne es zu wissen, unterwegs zu mir. Und seine Geliebte wurde dann meine Mutter.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-8007748703068910156?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/8007748703068910156/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=8007748703068910156' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8007748703068910156'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8007748703068910156'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/08/samuel-ist-unterwegs-6.html' title='Samuel ist unterwegs (6). Wir wollten nicht warten'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-8262762670501323381</id><published>2011-07-30T10:32:00.004+02:00</published><updated>2011-10-26T11:01:40.399+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schenkgeld'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Werkstatt Soziales Leben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Stüttgen Johannes'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><title type='text'>Was ist am Menschen gemeinnützig? Über selbstlose Förderung</title><content type='html'>„Gemeinnützigkeit“, so besagt Wikipedia, „ist ein rein steuerrechtlicher Tatbestand“. Ich lese diesen Satz so, als hätte der Begriff der Gemeinnützigkeit nur im Rahmen des Steuerrechts eine Bedeutung. Laut deutschem Gesetz sind „Körperschaften“ gemeinnützig, „wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur „Körperschaften“ können gemeinnützig sein – sie werden definiert als „mitgliedschaftlich verfasste und unabhängig vom Wechsel der Mitglieder bestehende Organisationen, die ihre Rechtssubjektivität nicht der Privatautonomie, sondern einem Hoheitsakt verdankt. Ihre Verfassung ist öffentliches Recht“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn eine „Körperschaft“ im Sinne des Gesetzes selbstlos arbeitet, braucht sie keine Steuern zu zahlen und darf Spendenbescheinigungen, die vom Finanzamt anerkannt werden, ausstellen. Wenn ich also einer Körperschaft hundert Euro spende, darf ich den Betrag von der Gesamtsumme der Einnahmen in meiner Steuererklärung abziehen. (Meine Schenkung bringt mir also einen Vorteil, der übrigens wesentlich geringer ist als der Betrag, von dem ich mich verabschiede.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit „selbstlos“ ist gemeint, dass die betreffende Körperschaft keine (finanziellen) Gewinne nach sich zieht. Dass der Begriff „Selbstlosigkeit“ in moralphilosophischem Sinne weit über die finanzielle Ebene hinausgeht, spielt für das Steuerrecht keine Rolle. (Und weil das geschriebene Recht zurzeit das Denken in der Gesellschaft weitgehend beherrscht, hat der Begriff in der Öffentlichkeit kaum eine Wirkung.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einer Sitzung der Stiftung Soziale Zukunft (Treuhandstelle GLS) stellte mein Gesinnungsgenosse Johannes Stüttgen vor ein paar Wochen eine interessante Frage. Weil die Stiftung dringend Nachschub braucht – in manchen anthroposophischen und anthroposophisch angehauchten Kreisen scheint es nicht einfach zu sein, junge Menschen zu finden, die die Arbeit fortführen wollen. Ein Thema für sich...  –  waren wir gerade dabei, ein Treffen mit „jungen Leuten“ im Oktober vorzubereiten. Als Arbeitsthema für das Treffen schlug Johannes die Frage vor: „Was ist am Menschen gemeinnützig?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laut Steuerrecht kann es diese Frage gar nicht geben, weil sich Gemeinnützigkeit nur auf „Körperschaften“ bezieht, das heißt: Mit individuellen Personen kann und darf und soll sie gar nichts zu tun haben. In der öffentlichen Gesellschaft gilt allgemein, dass die „selbstlose“ Förderung von Personen den jeweiligen Familien, Freunden und Bekanntschaften überlassen wird. Um es präzise zu sagen: Als Bürger (als Subjekt des öffentlichen Rechts) kann ich eine Person nicht „selbstlos“ finanziell fördern, ich kann es nur als souveränes „Selbst“ (Laut Michel Foucault: eine Einheit, die nicht „subjektiviert“ ist).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für die genannte Stiftung ist die Frage von Johannes Stüttgen allerdings wesentlich, weil sie gerade das Ungewöhnliche will: Mit finanziellen Schenkungen freie Personen fördern. Und wenn man das will, stellt sich die Frage: Was ist am Menschen gemeinnützig? Oder anders gefragt: Was am Menschen soll fürs Wohl der ganzen Gemeinschaft frei gefördert werden? Oder noch anders gefragt: Wenn mir nur beschränkte Mittel zur Verfügung stehen (die Mittel sind immer beschränkt, auch wenn man Bill Gates heißt), wie komme ich dann dazu, den einen Menschen zu fördern, den anderen aber nicht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um meine Launen, meine Sympathien und meine religiösen oder ideologischen Präferenzen kann es dabei nicht gehen. Auch kann Nützlichkeit, das heißt, der konkrete Vorteil einer bestimmten Förderung für die Gesellschaft, kein Thema sein. Ich muss in den betreffenden Menschen „etwas“ wahrnehmen, dessen Bedeutung über Lust, Ideologie und Nützlichkeit hinausgeht. Was könnte das sein?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich würde sagen, dass selbstlose Förderung nicht das „Subjekt“, sondern das „Selbst“ eines Menschen betrifft. (Über den Unterschied siehe meine Blogs über „Selbst und Subjekt“). Je stärker eine Person aus ihrem Selbst lebt und ihre Subjekte (den Bürger, die Mutter, die Lehrerin, den Künstler) von ihrem Selbst aus in Freiheit eine Richtung gibt, umso deutlicher tritt die Einmaligkeit eines Menschen ans Tageslicht. Foucault sprach an dieser Stelle davon, dass auf diese Art und Weise aus der Biographie ein Kunstwerk gemacht werden könne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einer Kultur des Herzens geht es um die Aktivierung des Selbst, vor allem auch im öffentlichen Bereich. Die selbstlose Förderung unseres Selbst ist nicht eine rein private Sache.&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-8262762670501323381?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/8262762670501323381/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=8262762670501323381' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8262762670501323381'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8262762670501323381'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/07/was-ist-am-menschen-gemeinnutzig-uber.html' title='Was ist am Menschen gemeinnützig? Über selbstlose Förderung'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-2453815300883867150</id><published>2011-07-22T09:34:00.002+02:00</published><updated>2011-07-24T11:34:07.288+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='samuel und sammy'/><title type='text'>Samuel ist unterwegs (5). Eine Spur bis zum Ende der Welt</title><content type='html'>Ich habe damals, als ich noch nicht geboren war, die Errichtung des Hauses, in dem ich meine Kindheit und Jugend in Arnhem verbringen würde, nicht bemerkt. Ich war auf einen anderen Ort orientiert, am gleichen Fluss auf eine andere Stadt, die in den Annalen wohl Colonia genannt wurde, auf  einen Namen, der da oben nicht zur Sprache kam, weil es dort keine Wörter gab, und der nur Farbe war: grün und gelb und ein bisschen blau. Ich schaute ins Grün-Gelb-Blaue hinunter, suchte und suchte, fand aber kein Haus und keine Menschen, die meine Menschen waren, ich fand zwischen den Farben nur schwarze Löcher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Menschen, die meine Menschen waren, gab es nicht mehr. Sie waren weggezogen. Vage meinte ich eine Spur ostwärts wahrnehmen zu können, eine Bewegung, die ich viel später – ich war bereits fünfzig – als einen Zug verstand, eine eiserne Schlange, die in einer dunklen Nacht Richtung Polen kroch, über Gleise und Weichen, die in verlässlicheren Zeiten festgeschraubt waren. Es ist noch nicht so lange her, dass ich den Ort fand, wo die Menschen, die meine Menschen waren, zusammen mit vielen anderen Menschen in den Zug getrieben worden waren, dort, an einem Ort, der heute Messe genannt wird. Die Uniformen der Verbrecher kenne ich nur von Bildern, nichtsdestotrotz gehören sie zu meinem Leben. Ich weiß, wie die Nazis gerochen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und irgendwo verlief sich die Spur auf einmal, als ob die Welt dort aufhörte, die Gleise und Weichen tragen konnte und meine Menschen noch haben wollte, eine Welt, die sich in ihr Gegenteil verwandelt hatte und zum Abgrund geworden war, zu einem Nichts – ich konnte da oben nicht einmal ein Flimmern oder ein Flüstern erahnen, das verraten hätte, wohin meine Menschen verschwunden waren, und was mit ihnen geschehen war. Meine Menschen waren sauber ausgelöscht worden, vom Tisch geschoben, in der Säure der Geschichte aufgelöst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Haus meiner Jugend, in dem ich gelandet war, war nicht für mich gemeint. Es war eine zweite Wahl. Mein Leben fing mit einer Ausweisung an, die allerdings nicht dokumentiert war und ein unbeachtetes Ergebnis einer kalt durchgeführten Verschwörung bedeutete, eine Absage an mich und meine Menschen. Erst im Nachhinein habe ich verstanden, warum mich bereits als kleines Kind das Schicksal der „Juden“  –  alleine der Name dieses Volkes wirkte wie ein warnendes Signal an der Wand meiner Seele – immer wieder zur brennenden Frage wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Eltern konnten nichts dafür, dass sie die zweite Wahl waren; auch sie waren, ohne es zu wissen, in die Verschwörung eingebunden, wie gekrümmte Äste in einer Dornenkrone. Sie waren mir fremd, sie waren stachelig, ich konnte mich auf ihre Geschichte nicht einlassen, die Haut meines Vater war mir zu blass, seine Augen zu blau; und meine Mutter fasste mich nicht an, weil sie spürte, dass ich ein fremdes Küken war. Erst nach tausend Umwegen habe ich es verstanden: Meine Mutter war vom Rätsel ihres ersten Sohnes überfordert. Nicht, dass sie mich nicht geliebt hätte, sie konnte ihre Liebe nur nicht einordnen, weil sie immer mit einer ungreifbaren und schmerzvollen Frage einherging. Sie war jung, so jung, und nicht vorbereitet auf düstere Fragen. Ja, irgendwann in der Biographie muss es passieren: Deine Eltern werden deine eigenen Kinder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und mein Vater? Als er jung, so jung war, hat der Niederländische Staat ihn zu einem Soldaten gemacht und ihn nach Indonesien geschickt, ihn eingebunden in eine andere Verschwörung, die in meiner Jugend nie thematisiert werden durfte, weil die Lügen und Verbrechen offenbar waren. Soldat ist er immer geblieben, seine Treue hat nie nachgelassen; sein Gott durfte sich nie auf die Feinde ausweiten, liebevoll und großzügig sein, wie es doch unmissverständlich die Heilige Schrift vorschrieb. Mein Vater hatte sein Herz in Indonesien verloren. Und als er zurückkam und ich geboren wurde, hat er es sofort gespürt: Meine Loyalität galt nicht ihm, nicht seinem Gott, nicht seiner Geschichte, nur seinen Schriften. Ich habe fünfzig Jahre gebraucht, um ihn lieben zu lernen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-2453815300883867150?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/2453815300883867150/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=2453815300883867150' title='13 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2453815300883867150'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2453815300883867150'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/07/samuel-ist-interwegs-5-eine-spur-bis.html' title='Samuel ist unterwegs (5). Eine Spur bis zum Ende der Welt'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>13</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-1005544795340677706</id><published>2011-07-16T08:37:00.000+02:00</published><updated>2011-07-16T08:38:15.781+02:00</updated><title type='text'>Samuel ist unterwegs (4). In einer Wunde des Krieges</title><content type='html'>Arnhem – Utrecht – Amsterdam: Horizontale Trinität in meinem Leben, eine Bewegung von einem sich öffnenden Anfang über eine geschlossene Mitte bis zu einem sinkenden Ziel. Ich sage es heute: Amsterdam ist dabei zu versinken, entfaltet seine letzten Kräfte im Geschehen eines langsamen Verschwindens, versucht jedoch definitiv Schiff zu werden, sich von innen aus beständig zu machen, um irgendwann mal als Gesamtheit auszufahren, dorthin, wo ihre Gründer, die Wikinger, stolz auf festen Felsen lebten. Der Versuch dürfte allerdings scheitern, weil die Stadt – hat Rembrandt es uns nicht gezeigt?  – ihr Gold nur im Versinken findet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Arnhem bin ich aufgewachsen. Der Name bedeutet: Ort wo die Adler zu Hause sind. Und so ist es auch: eine Jugend in dieser Stadt führt dazu, dass man sich über die klaren Bäche, die sanften Hügel, die sandigen Pfade und die Lichtungen im Wald erhebt, einen in die Höhe gefestigten Blick entwickelt, der auf Überblick und Zusammenhang ausgerichtet ist. Nur der Adler ist in Arnhem wirklich zu Hause, alle anderen Tiere sind Gäste.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Adler sind jedoch längst verschwunden – aber wohin? – und haben den Menschen das Adlerbewusstsein überlassen, dieses In-Kreisen-Schweben, diesen Weitblick zu haben, um das Eine und Einmalige irgendwann einmal greifen zu können. Was es noch gibt, sind die Hügel und die Bäche, die Pfade und die Lichtungen, und auch die Geister, die ihr Verbleiben tief in der Veluwe haben, sich manchmal in die nördlichen Gegenden der Stadt wagen, und in den Menschen vage Sehnsüchte wecken, stille Gefühle, die mit den geräuschlosen Trolleybussen übereinstimmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Straße, in der ich lebte, ist etwa einen knappen Kilometer lang und läuft gerade von den sich im Stillstand bewegenden Hügeln im Norden bis zu der flachen und sich in der Weite verlierenden Rheinebene im Süden. In diesem Übergang tritt das Wasser ans Tageslicht, in Bächen, Teichen und Quellen, verlässt die verbergende Sauberkeit den Sand und bietet sich den Forellen, Karpfen und Schwänen an, den Millionen Stichlingen auch, die mühelos Generation auf Generation hervorbringen und irgendwie wissen: Für die Nachkommen müssen wir verlässlich da sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sauberes Wasser, das aus einem dunklen Untergrund an die Oberfläche sprudelt, um von einer hohen Warte heraus bemerkt zu werden: Hat Arnhem nicht dieses Grundbild in meine Seele eingeschrieben? Bin ich nicht immer noch dabei staunend und begierig auf das Klare zu schauen, das aus einer Tiefe himmelwärts hoch sickert, um letztendlich von dem großen Fluss, dem allmächtigen Strom mitgenommen zu werden, bis zum Ozean, wo alles Wasser wieder in sich kehrt, und sich in einer Unendlichkeit verliert?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arnhem vollzieht sich noch immer in mir. Und das gilt auch für die Schlacht, die sechs Jahre vor meiner Geburt in der Stadt wütete, als die Alliierten mit Fallschirmen kamen und – noch schwebend zwischen Himmel und Erde – von den deutschen Soldaten wie Rebhühner abgeschossen wurden. Die verzweifelten jungen Männer, die Jagenden und die Gejagten, tobten noch immer herum. Ich bin ihnen als Kind begegnet, gerade auch dort wo die Wohnung war, in der ich mit meinen Eltern und Geschwistern lebte. Gerade an dieser Stelle explodierte eine kräftige Bombe, und in diese Wunde wurde kurz vor meiner Geburt das Haus meiner Jugend gebaut.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-1005544795340677706?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/1005544795340677706/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=1005544795340677706' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1005544795340677706'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1005544795340677706'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/07/samuel-ist-unterwegs-4-in-einer-wunde.html' title='Samuel ist unterwegs (4). In einer Wunde des Krieges'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-2108486623602055670</id><published>2011-07-08T09:55:00.004+02:00</published><updated>2011-07-08T09:58:02.796+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Quantensprung des Bewusstseins'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Selbst und Subjekt'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Nietzsche Friedrich'/><title type='text'>Nochmals über das Selbstbewusstsein. Der Übermensch von Nietzsche</title><content type='html'>Unser Selbstbewusstsein scheint uns aus einem dunklen Untergrund hervor gegangen zu sein, den wir „Körper“ nennen könnten, oder „Materie“ oder „göttlichen Urgrund“ oder eben (wie Nietzsche gelegentlich meinte) „eine Krankheit“, oder einfach „Welt“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Selbstbewusstsein scheint einerseits in komplexe Vorgänge eingebettet zu sein, die wie ein ständiger Geburtsgrund zu verstehen sind, vollzieht aber andererseits sofort nach seiner Geburt eine negative Emanzipierung: Es dreht sich quasi hundertachtzig Grad um, schaut wie Orpheus in die Unterwelt, die er gerade hinter sich gelassen hat, und versucht sich davon adäquate Vorstellungen zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was das Selbstbewusstsein dann allerdings zu sehen bekommt, sieht aus wie ein sich zurückziehendes Gespenst: seine Geliebte Eurydike, die im Nebelhaften verschwindet. Gerade das, was ihm vertraut ist, versinkt im Dunkel. Und weil das Selbstbewusstsein in der Welt keinen Halt findet, durch das es hervorgerufen wird, gerät es in einen merkwürdigen Zustand. Es konstruiert ununterbrochen Gedanken, die es, wenn es ehrlich ist, ständig wieder dekonstruieren muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den EINEN Gedanken, der ihm seinen Platz in der Welt erklärt, findet er nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Positiv formuliert könnte man allerdings über den Menschen am Abgrund sagen: Er ist uns ein Rätsel. Dank Friedrich Nietzsche ist dieses Rätsel schon von Anfang an grundsätzlich von psychologischen Spekulationen und moralischen Ansprüchen frei, und damit paradoxerweise unantastbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bemerkenswert ist, dass Nietzsche in seinen Texten immer zwischen den beiden Positionen, der negativen und der positiven, hin und her schwankt. Er scheint zu wissen, dass es sinnlos ist, dem Leben einen gegebenen Sinn abzuverlangen, scheint aber zu wollen, dass er irgendwann einmal vom Gegenteil überzeugt wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und stärker noch wagt er zu denken: Wenn das Leben bis zum heutigen Tag angeblich sinnlos war, können wir ihm vielleicht noch heute dadurch einen Sinn verleihen, dass wir ihm von uns aus die Bedeutung zuschreiben, die wir ihm zuschreiben wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mensch, der dementsprechend tut was er will, heißt bei Nietzsche bekanntlich „der Übermensch“. Der Versuch – Kern des postmodernen Denkens – die Frage der Bedeutung des Lebens in den Bereich des menschlichen Wollens zu verlagern, prägt das wollende Denken oder das denkende Wollen Nietzsches.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-2108486623602055670?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/2108486623602055670/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=2108486623602055670' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2108486623602055670'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2108486623602055670'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/07/nochmals-uber-das-selbstbewusstsein-der.html' title='Nochmals über das Selbstbewusstsein. Der Übermensch von Nietzsche'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-1898415245474173535</id><published>2011-07-02T14:50:00.004+02:00</published><updated>2011-07-02T14:52:36.315+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Quantensprung des Bewusstseins'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Selbst und Subjekt'/><title type='text'>Quantensprung des Bewusstseins. Nicht reflektieren, sondern initiieren</title><content type='html'>Die direkte und unumgängliche Erfahrung, dass am Menschen so etwas wie Bewusstsein haftet, hat zu der weit verbreiteten Vorstellung des Unbewussten geführt. Unbewusst ist alles das, was nicht bewusst ist. Und bei fast allen modernen und postmodernen Philosophen herrscht der Gedanke, dass das Unbewusste den Grund für das Bewusstsein ausmacht: Erst gab es das Unbewusste, dann kam das Bewusste hinzu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gerade dasjenige, was wir nicht direkt erfahren, wird also als Geburtsgrund unseres Bewusstseins verstanden. Dieser Umstand lässt sich mit dem Wasser eines Baches vergleichen. Wir wissen, dass der Bach eine Quelle hat, die irgendwo unter der Erde verborgen sein mag. Wenn wir wollen, können wir uns aufmachen, um sie ausfindig zu machen, und irgendwo, zum Beispiel in den Bergen, werden wir die Stelle finden, wo das Wasser ins Tageslicht dringt. Und wir sagen dann: „Hier fängt der Bach an!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von der entdeckten Quelle des Baches als dessen Anfang zu sprechen, ist allerdings nur sehr beschränkt richtig. Es ist gar nicht festzustellen, woher das Wasser letztendlich kommt: Von unten als Quellwasser oder von oben als Regenwasser? Von links oder von rechts? Ist zum Beispiel der Ozean letztendlich als Anfangsreservoir oder als finales Sammelbecken zu betrachten? Das Wasser hält sich überall auf, hat keinen Anfang und kein Ende, strömt manchmal mächtig, verliert sich manchmal hilflos im Sande, sprudelt hier, ruht dort, fließt oder hält inne, schmeckt süß oder salzig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit dem Bewusstsein ist es nicht anders. Der hartnäckige Gedanke, dass das Bewusstsein aus den ungeheuerlichen (Nietzsche) Untergründen des Lebens hervorgeht, ist eine reine Annahme, eine Vorstellung des Bewusstseins, das offenbar meint, sich in seinem unvermeidlichen Zustand des Schwebens selbst nicht handhaben zu können. Der moderne Mensch ist deswegen als eine paradoxe Erscheinung zu beschreiben: Er traut sich nicht zu eine Verankerung darin zu finden, was ihn bestimmt, nämlich in seinem Selbstbewusstsein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das moderne Selbstbewusstsein ist als eine offene Wunde zu verstehen. Was allerdings weh tut, ist nicht das Bewusstsein selber, sondern der Schatten – der Rand der Wunde – der durch das Licht des Bewusstseins sichtbar und spürbar wird. Das rätselhafte Anecken an das Dunkle, das Fremde, ja, das Ungeheuerliche-der-Welt, an alles das, was „Ich“ offenbar nicht bin, was irgendwie in meinem spontanen Akt der Selbstfindung ausgeklammert werden muss, erzeugt einen tiefen Schmerz (der übrigens, wenn wir ihm in uns nachgehen, sowohl salzig als auch süß schmeckt).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurzeit wird in spirituellen Kreisen davon gesprochen, dass die Menschheit in Bezug auf das Selbstbewusstsein vor einer Art „Quantensprung“ steht. Ich glaube, dass das stimmt. In unterschiedlichen Diskursen gibt es diesbezüglich unterschiedliche Sprachregelungen, die ich hier nicht diskutieren kann und will. In meiner Sprache sieht dieser Sprung jedoch wie die Heilung einer Wunde aus, die den Menschen zu einem freien Weltbürger gemacht hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sprung ereignet sich nicht dadurch, dass das Bewusstsein vom Ungeheuerlichen wegspringt, sich sozusagen umdreht und „in die Höhe“ weg katapultiert, sondern dadurch, dass es mit sich selber verschmilzt, sich mit seinem Zustand des Schwebens quasi „versöhnt“. Der Sprung scheint mir darin zu liegen, dass das Bewusstsein sich als eine frei schwebende Verankerung versteht, gleichzeitig als Nullpunkt und als Umkreis, als eine Erscheinung, MEINE Erscheinung, die wie das Wasser tausend Gesichter hat. Das neue Bewusstsein erlebt: Mit mir fängt die Welt an, egal wo ich mich befinde, egal wie ich mich verhalte, egal was ich „denke“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Bewusstsein springt in sich selbst, und somit in die ganze Welt, oder besser gesagt: springt in alles. Für das menschliche Bewusstsein wird die Erfahrung entscheidend, dass nichts „existiert“, ohne dass es „dabei“ ist. Eine Blume, eine Landschaft, eine Begegnung oder ein Geschehen wird erst dann als Blume, Landschaft, Begegnung oder Geschehen vollständig, wenn das Bewusstsein des Menschen sich dafür aufschließt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht das Unbewusste hat das Bewusste hervorgezaubert, das Bewusste hat das Unbewusste kreiert. Das neue Bewusstsein wird sich als eine Kraft verstehen, die stiftend in der Welt wirksam ist. Nicht nur, dass das Unbewusste aus seinem Schlaf erweckt wird, es wird darüber hinaus zu einer Bestimmung geführt, die noch nicht vorhanden war. Das menschliche Bewusstsein wird bestimmen, was Blumen, Landschaften, Begegnungen und Geschehnisse ausmachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es spiegelt oder repräsentiert nicht nur, sondern es gestaltet. In diesem Sinne ist auf Martin Heidegger zurückzugreifen, der vom Denken-als-Ereignis sprach. Das neue Bewusstsein verlegt sich von den geschlossenen Köpfen in die offenen und beteiligten Herzen der Menschen, was ja bedeutet, dass es sich als souveräner Erzeuger von Ereignissen ernst nimmt. Statt zu reflektieren macht ein Initiieren seine wesentliche Tätigkeit aus.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-1898415245474173535?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/1898415245474173535/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=1898415245474173535' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1898415245474173535'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1898415245474173535'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/07/quantensprung-des-bewusstseins-nicht.html' title='Quantensprung des Bewusstseins. Nicht reflektieren, sondern initiieren'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3199512334661460258</id><published>2011-06-25T11:57:00.002+02:00</published><updated>2011-06-25T11:59:03.578+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='samuel und sammy'/><title type='text'>Samuel ist unterwegs (3). Was Lehm war, wird Sand</title><content type='html'>Hinter Utrecht wird alles anders. Was Lehm war, wird Sand, der vor unvorstellbaren Ewigkeiten von Eismassen dorthin gedrängt wurde, wo ich mich gerade befinde. Von der damaligen Präsenz des Eises ist nicht einmal eine Erinnerung übriggeblieben, keine Legende, kein Name, nur eine Landschaft als Negativ, das sich durchgehend ins Positive bewegt. Der Sand ist wie eine offene Schale, in der altes-frisches Licht aus Vorzeiten hervorgezaubert wird. Die Hoheit des hohen Nordens hat die Landschaft nie verlassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Region heißt Veluwe, was „gelbe Aue“ bedeutet. Aus Sicht der Achse zwischen Amsterdam und Köln liegt sie links im Abseits, mehr als ein freilassender Hinweis auf Uraltes will sie nicht sein. In meinem Leben allerdings ist sie eine Hauptsache, geistige Gebärmutter, der Traum, aus dem ich aufgewacht bin. Sie war in meiner Jugend der Ort-der-echten-Dinge, die Bühne meiner wahren Empfindungen. Irgendwie ist aus ihr eine Gestalt hervorgekommen, die mir zum Gefährten geworden ist, und mir immer wieder hilft, mir eine Vergangenheit zu vergegenwärtigen, die ich nicht einmal denken kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Holland ist sichtbar dunkel und spürbar jung, kämpft um seine Existenz, jeden Tag wieder. Die gelbe Aue ist unsichtbar hell und unfassbar alt, braucht sich nicht zu beweisen, wartet einfach im Abseits, bis sie von erwachten Menschen als Hauptsache anerkannt wird. Ihre Sprache mag langsam sein, ihre Sanddünen schwer zu begehen, ihre Wasserquellen tief, ihre Götter in dunklen Wäldern versteckt, ihre Bewohner verschlossen, ihr Warten ist jedoch groß und unbeirrbar, wie das Warten des Nordens überhaupt. Mit der Veluwe fängt Hibernia an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ich damals als Kind gefunden habe – die grünen Steine, die Heideblumen, die toten Eidechsen, die Häute der Schlangen – das liegt alles noch immer in meiner Hand. Und die Gerüche sind noch in meiner Nase, reichen tief und stiftend im mich hinein, wecken mich zu etwas Unbestimmtem, erzeugen undenkbare Gedanken, eröffnen Felder der Sehnsüchte, machen alles groß und unbeirrbar. Und vor allem: Was unvorstellbare Vergangenheit ist, verschmilzt mit unvorstellbarer Zukunft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als der Zug an der Kleinstadt Ede vorbei rast, sitze ich wieder in dem Wohnwagen. Ich bin dreizehn Jahre in der Zeit zurückversetzt, es ist Herbst, das Leben scheint an einem Nullpunkt angekommen zu sein, mein Herz ist schwer, mein Körper erschöpft, meine Arbeit kommt mir sinnlos vor, das Warten ist unerträglich geworden. Und ich weiß im Nachhinein, während der Zug nicht mehr als eine halbe Minute braucht, um den Ort hinter sich zu lassen: Damals hat der Text, den ich gerade schreibe, angefangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das, was von rechts nach links läuft, was also im Kommen ist, wird von einer Sprache getragen, die langsam und gewaltig ist. Wahre Texte sind keine Nachrichten, auch keine Erzählungen oder Protokolle, sondern Ereignisse. Und Nullpunkte sind keine biographischen Krisen, sondern Durchgänge, geheime Passagen, Öffnungen außerhalb allem Vorstellbarem, Lichtungen jenseits bereits Bekanntem. Der kleine Wohnwagen in Ede, etwa vierzehn Quadratmeter Grabzimmer, ist in mir noch immer da. Es ist jedoch leer.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3199512334661460258?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3199512334661460258/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3199512334661460258' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3199512334661460258'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3199512334661460258'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/06/samuel-ist-unterwegs-3-was-lehm-war.html' title='Samuel ist unterwegs (3). Was Lehm war, wird Sand'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4940837347054930280</id><published>2011-06-18T09:19:00.001+02:00</published><updated>2011-10-12T09:18:10.276+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Conens Joshua'/><title type='text'>Berufswege. Ein Film von Caroline Schwarz und Joshua Conens</title><content type='html'>Ich mag Filme. Seit ich die wunderbaren Geheimnisse der sich bewegenden Bilder bei Cineasten wie Fellini, Antonioni, Kubrick und Tarkovski kennengelernt habe, hat meine Faszination für den Zauber des Filmes nicht mehr aufgehört. Die Art und Weise wie Fellini in seinem „Roma“ die Kamera nicht verbirgt, sondern in den Verlauf der Bilder mit einbezieht, hat mich gefesselt; und die erste Szene von Tarkovskis „The Sacrifice“ – die Kamera läuft etwa neun Minuten ohne Schnitt – hat mir den Atem genommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Filmkunst steigert sich das Spiel zwischen Illusionen und Wirklichkeiten bis ins Unmögliche. In guten Filmen – davon gibt es nicht ganz so viele – ist alles gleichzeitig grundsätzlich falsch und grundsätzlich wahr. Schein und Wesen werden auf eine unerträgliche Art und Weise aufeinander bezogen; sie werden in eine Spannung versetzt, die eine „ästhetische“ Erfahrung erweckt. Ohne unwahre Repräsentationen ist eine Annäherung an die Präsenz nicht möglich. Das Wesen des Schönen (und Hässlichen – Hässlichkeit gehört zur Schönheit) zeigt sich in der Lüge des Zaubers, oder anders gesagt: Die Göttin Maya wird nicht ausgeschlossen, sondern gerade liebevoll eingeladen. Ihr Wille zum Schein wird vom Willen zum Wesen umfasst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In dem Film „Berufswege“ von Caroline Schwarz und Joshua Conens liegt eine Kameraführung verborgen, die allerdings ständig sichtbar ist, weil sie in ganz bestimmten Händen liegt. Durch die Bewegungen dieser „Hände“ wird sichtbar, dass etwas ganz Bestimmtes gewollt wird. Rein äußerlich ist der Film, wie die beiden Filmemacher schreiben, „ein Filmporträt von drei Menschen mit individuellen Berufen und Berufswegen. Im Mittelpunkt steht für sie, etwas zu tun, was ihnen wirklich wichtig ist – dafür haben sie neue und ungewöhnliche Wege gefunden. Was sie verbindet, ist die Suche nach Selbstbestimmung“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sobald man sich von den Bildern mitnehmen lässt und den Schritten der drei „Menschen“ folgt – sie gehen zum Beispiel in Räumlichkeiten hinein, locker oder entschieden – kommt man in eine Art des Wahrnehmens, die filmisch nicht besonders stilisiert ist; es sieht manchmal einfach und selbstverständlich aus, der Blickwinkel der Kamera ist weder klug ausgedacht noch folgt sie einem ästhetischen Konzept. Die ruhigen Bewegungen der verborgenen Hände, das An- und wieder Aus-Zoomen und die rhythmischen Schnitte erzeugen die Illusion einer Nähe aus der Distanz, die eine Sehnsucht nach Nähe erzeugt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was gezeigt wird, ist schlicht und einfach liebenswert. Und stärker noch: Durch die Illusion der Nähe werden nicht nur drei Menschen „geliebt“, sondern auch die Zuschauer, die im Grunde genommen keine Zuschauer sind, sondern Beteiligte. Ich fühle mich als Wahrnehmender auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen, und dadurch, dass ich wahrgenommen werde, fange ich an, auf eine bestimmte Art und Weise wahrzunehmen. Die wunderbare Illusion kann nicht größer sein: Ich empfinde mich als verborgener Gegenstand des Filmes. Der Film ist gleichzeitig für mich gemacht und er handelt über mich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlicht und einfach ist nie schlicht und einfach. Schlicht und einfach ist immer das Ergebnis eines intuitiven Handelns, das nicht von schlauen Überlegungen gehindert wird, sondern ein direkter Ausdruck einer Liebesaufgabe ist. Am Anfang des Filmes wird ein Zitat von Goethe gebracht, ein Satz, der eigentlich nie im Hier und Jetzt ausgesprochen wird, weil er eine große Wahrheit beinhaltet. Von mir aus hätte der Film allerdings auch ohne die Aussage auskommen können, er braucht das Zitat nicht als Bestätigung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Zitat lautet: „In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt habe könnte. Was immer du kannst, beginne es. Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie. Beginne jetzt“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klar, ich hätte das Zitat auch gebracht. Es ist zu schön, um einfach im Bücherschrank zu verblassen. Es ist vielleicht die beste Umschreibung einer Kultur des Herzens, die ich je gelesen habe, weil es auf etwas setzt, was im Kommen ist. Der Film handelt nicht nur über drei Menschen, die sich endgültig einer Liebesaufgabe verschrieben haben, sondern auch von sich selber als Aufgabe, als Statement, als Ereignis. Und er handelt von allen Menschen, die sich auf die Aufgabe von Caroline Schwarz und Joshua Conens einlassen wollen, dass heißt: Vom Wahrnehmenden zum Beteiligten gemacht werden zu wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gute Filme entzünden, stiften, öffnen, verbinden, verknoten, verschränken, berühren, verführen, spielen das Spiel der wesentlichen Illusion...  Ich würde sagen: Bestellt bitte den Film! Schaut mal bei: www.berufswege.com&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4940837347054930280?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4940837347054930280/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4940837347054930280' title='8 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4940837347054930280'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4940837347054930280'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/06/berufswege-ein-film-von-caroline.html' title='Berufswege. Ein Film von Caroline Schwarz und Joshua Conens'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>8</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-8603421724772304451</id><published>2011-06-12T09:43:00.001+02:00</published><updated>2011-06-12T09:43:35.154+02:00</updated><title type='text'>Samuel ist unterwegs (2). Unter dem Wasserspiegel von Utrecht</title><content type='html'>Die Landschaften warten bereits in mir. Sie sind von Ost nach West in mir aufgezeichnet, der Bewegung meines Lebens entsprechend. Ich reise allerdings von West nach Ost, gegen den Strom der Zeit, die von der Vergangenheit bis in die Gegenwart läuft. Ich gehe also auf meine Vergangenheit zu, die bereits in mir vorhanden ist. Ich buchstabiere heute – kann es leider nicht anders – von links nach rechts, begebe mich jedoch in eine Bewegung, die mich an Altes erinnert: an ein Schreiben von rechts nach links. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reisen bedeutet: Altes in neuen Zusammenhängen wiederzufinden. Der Bahnhof von Utrecht ist als leere Mitte des Landes und meines Lebens gemeint, als Ort des notwendigen Aussteigens und des sofortigen Einsteigens. Dort verbleibt man eine kurze Weile, weil man gerade dort nicht bleiben will. In diesem Loch kauft man sich Zigaretten, englische Romane, Brötchen und Coffee-to-go – man nimmt sich, was man unterwegs zum Überleben braucht. Es gibt wenige Orte, wo ich so oft, so hastig und so dumpf war, so schläfrig im Vorübergehen, früh morgens, spät abends, umgeben von  lebendigen Gespenstern der Leere, die Gespenster sind, weil sie nicht bemerkt werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diesmal brauche ich nicht umzusteigen. Ich schaue aus dem Fenster, sehe meine fröhlichen Landsmänner und -frauen auf die Rolltreppen gehen, die Gratiszeitungen locker unter den Arm geklemmt. Und wieder kommt die Frage hoch: Was haben die Niederländer, was die Deutschen nicht haben? Sie scheinen im Gehen ein ganz kleines bisschen weniger Widerstand überwinden zu müssen, werden getragen von einem Hauch Luft, oder ist es Wasser-in-Luft? Bestehen ein paar Prozent des gehenden Bemühens nicht eigentlich aus einem Fliegen oder Schwimmen? Das Leben flattert ein bisschen vor sich hin, eine Grundlage scheint es nicht wirklich zu brauchen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Die Zeitungen in Deutschland sind nie gratis und dazu immer schwer mit Wahrheiten beladen; sie werden eher fest in Taschen gesteckt, am liebsten solide und unsichtbar eingebaut in Taschenfundamente.) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Utrecht. Ich habe etwa zehn Jahre in dieser Stadt gelebt. Sie ist in mein Inneres wie eine Mauerarbeit aus alten und nassen Backsteinen eingebaut, die gerade noch nicht auseinander fällt. Die Stadt hat mich als Jugendlichen und als jungen Erwachsenen erlebt, umgekehrt war sie für mich immer ein älterer Herr, der hauptsächlich damit beschäftigt war, nicht in seiner Vergangenheit zu ertrinken. Alles was an Utrecht fremd ist und mir vertraut, habe ich in dieser Stadt kennengelernt: die englischen romantischen Dichter, die deutschen Philosophen, den französischen Käse... Ich habe damals meine Seele wie einen Koffer mit auch mir unbekannten Geheimnissen in der Innenstadt herum geschleppt. Der ältere Herr wollte meine Grundlagen nicht erkennen, bot mir allerdings in  seiner verzweifelten Unachtsamkeit die dunklen Keller direkt am spiegelnden Wasser an, wo ich den Schlüssel fand: Blues.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Utrecht, es ist wahr: in deinen unsichtbaren Untergründen, in dem, was unter deinem Wasserspiegel wartete, lag unbemerkt meine Zukunft. Ich brauche nur die Kellertür zu öffnen, um die Poesie wieder zu hören, das leicht-schwermütige Singen des freien Wollens, des rhythmischen Schreibens von rechts nach links, den lockeren Aufbruch aus der Dunkelheit ins kommende Leben. Du bist mir fremd geblieben, hast mich jedoch in Ruhe gelassen und mir den Weg zu mir erlaubt. Und jetzt, wenn der Zug noch ein wenig wartet, nehme ich mir zum ersten Mal in meinem Leben die Freiheit, dir zu danken.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-8603421724772304451?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/8603421724772304451/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=8603421724772304451' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8603421724772304451'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8603421724772304451'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/06/samuel-ist-unterwegs-2-unter-dem.html' title='Samuel ist unterwegs (2). Unter dem Wasserspiegel von Utrecht'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4678557186476378292</id><published>2011-06-04T09:20:00.002+02:00</published><updated>2011-06-04T09:24:43.025+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Gedicht'/><title type='text'>Ein Vertikal</title><content type='html'>Ein Vertikal&lt;br /&gt;gebiert&lt;br /&gt;die Welt,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;den Leib&lt;br /&gt;fixiert;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;sich denkt&lt;br /&gt;und lenkt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;rechts links&lt;br /&gt;ergreift;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;vibriert&lt;br /&gt;und brennt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;den Raum&lt;br /&gt;nicht braucht;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;die Zeit&lt;br /&gt;aufhebt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;streng steht&lt;br /&gt;wie Ich;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;auch mich&lt;br /&gt;beschränkt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;sich breit&lt;br /&gt;verneint;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;kein Wort&lt;br /&gt;versteht;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wenn Vertikal&lt;br /&gt;erscheint&lt;br /&gt;als Gott,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;gebiert&lt;br /&gt;die Welt&lt;br /&gt;ein Vertikal.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4678557186476378292?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4678557186476378292/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4678557186476378292' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4678557186476378292'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4678557186476378292'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/06/ein-vertikal.html' title='Ein Vertikal'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4673039975409704552</id><published>2011-05-27T16:53:00.004+02:00</published><updated>2011-05-27T16:59:24.962+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='samuel und sammy'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Rembrandt van Rijn'/><title type='text'>Samuel ist unterwegs. (1) Und radiert ein Selbstporträt</title><content type='html'>Der Zug macht sich frei von der Stadt. Langsam gleitet er über die Gleise, schüttelnd und manchmal eben singend, bedachtsam auch, als ginge es um seine letzte Fahrt, bei der er die Kurven durch die alten Viertel noch einmal in sich aufnehmen will. Als kurz darauf links und rechts die großen Bürotürme und Einkaufshallen am Stadtrand erscheinen, lässt er sich auf die Geradlinigkeit ein, gewinnt an Geschwindigkeit und akzeptiert was er ist: ein Eilzug. Ich spüre, wie mein Rücken gegen den Sitz gepresst wird, als ob der Zug mir sagt: Ich weiß, dass du da bist, ich befördere dich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich schaue aus dem Fenster. Die Landschaft ist mir durch und durch bekannt, umschlingt nicht nur den Zug und meinen Körper, sondern auch mein Inneres, irgendwie eben mein ganzes Leben, das in meinen Erinnerungen aufbewahrt wird, ein grünes Leben in Wasser eingetaucht, von Kopfweiden und Holzbrücken und Fischreihern bevölkert. Und ich danke heute noch einmal dem großen Meister Rembrandt van Rijn, der mir den Blick geöffnet hat, für das, was im Sterben ist. Was das niedere Land einmal war, ist schon längst entschieden zur Seite geschoben worden, spricht allerdings noch in mir; und was da draußen spärlich übrig geblieben ist vom Alten, weckt die Sehnsucht zum Mitsterben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin unterwegs. In etwa drei Stunden werde ich in Köln eintreffen, der soliden Stadt meiner Zukunft, in der Stadt mit der noch immer heilenden Haut, der Stadt der biegsamen Geschmeidigkeit... Für die Dauer der Reise werde ich allerdings dort sein, wo ich tatsächlich bin, am Fenster im Zug, bei den Orten und Landschaften also, die an mir vorüber ziehen. Ich will sie befragen. Sie gehören zu mir, zu meinem Leben, zu diesem merkwürdigen Vorgang des Daseins, des Werdens, vor allem auch des Gewordenen, dieser Kette von Ereignissen die hinter mir liegen und im Nachhinein immer wieder anders aussehen, und deswegen noch immer vor mir liegen. Irgendetwas aus der Zukunft scheint sich in meine Vergangenheit einzumischen, jeden Tag wieder, wie ein manipulierendes Gegenüber, das sich hinter den Tausend kleinen Dingen des Alltags verbirgt. Es macht alles zur Frage, auch die Orte und Landschaften, die zu mir gehören und gerade auf mich warten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich heiße Samuel und mag es sehr, an einem Fenster zu sitzen. Ich bin ein Fenstermensch. Die Öffnungen für Licht und Luft sind in Vertrautes und Inneres eingebaut, gehen aus schützenden Wänden hervor, und bewirken etwas Doppeltes: Sie erlauben, dass ich bei und mit und in mir bleibe, dass ich ungestört bei mir nachfragen kann, mit mir selbst unterwegs, und wenn ich will, in mir versinken kann; und sie bieten Ausschau auf Fremdes, auf Leute und Straßen und Lastwägen und Wiesen und Esel (falls es welche gibt). Fenster ermöglichen eine sanfte Art des Tanzes, die zu mir passt, ein leises Schwenken von mir zu den Kopfweiden, Holzbrücken und Fischreihern. Der große Meister hat verstanden, was Fenster sind: Seine Radierungen sind gerade passende Ausschnitte, die ein Gleichgewicht zwischen Innerem und Äußerem herstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht werde ich heute noch öfters von Rembrandt erzählen. Sein Blick ist mein Blick geworden. Ein paar Kilometer außerhalb von Amsterdam, direkt am Fluss, steht eine alte Windmühle, eingeklemmt zwischen Ufer und Landstraße, an sonnigen Tagen wird ihrer Eigenheit laut durch gelbe Rennräder und rote Kinderwägen und orangen Hubschraubern widersprochen, allerdings noch immer angetrieben vom alten Westwind. Dass die Mühle nicht verloren geht, verdanken wir dem Blick des alten Meisters, der es auch im Nachhinein schafft,  das Wesentliche im Erscheinenden hervorzuheben. Sein Blick ist mein Blick geworden, vielleicht aber noch nicht ganz: Werde ich je im Stande sein, so auf mich zu schauen, wie er gnadenlos auf sich geschaut hat?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Fortsetzung folgt)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4673039975409704552?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4673039975409704552/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4673039975409704552' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4673039975409704552'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4673039975409704552'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/05/samuel-ist-unterwegs-1-und-radiert-ein.html' title='Samuel ist unterwegs. (1) Und radiert ein Selbstporträt'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-5614073282916850474</id><published>2011-05-20T15:06:00.001+02:00</published><updated>2011-05-20T15:08:05.235+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Gedicht'/><title type='text'>Semai</title><content type='html'>Ich sah Dich sitzen,&lt;br /&gt;plötzlich,&lt;br /&gt;eingesunken, &lt;br /&gt;vornübergebeugt&lt;br /&gt;und weinend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du warst ausgehöhlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gras war grün&lt;br /&gt;und Pferde schnaubten&lt;br /&gt;überall. Der Mann,&lt;br /&gt;den Du nicht kanntest,&lt;br /&gt;hatte um Deinen Hals &lt;br /&gt;ein Seil gelegt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal blickte er auf,&lt;br /&gt;zu Dir,&lt;br /&gt;sah aber nichts,&lt;br /&gt;denn Deine Augen&lt;br /&gt;waren von einem Vlies aus Schmerz &lt;br /&gt;verdeckt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich nenne Dich Semai,&lt;br /&gt;so sagt es der Zug,&lt;br /&gt;der sich langsam und singend&lt;br /&gt;von der Stadt löst.&lt;br /&gt;Ich höre die Stimme&lt;br /&gt;Deines Vaters, sie spricht:&lt;br /&gt;Du Traumkopf Semai,&lt;br /&gt;singe das Lied über das Land,&lt;br /&gt;das weit hinter den Dünen&lt;br /&gt;im Nebel verschwand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Du sangst. Und Dein Körper&lt;br /&gt;bewegte sich schaukelnd&lt;br /&gt;auf der Holzbank, hin&lt;br /&gt;und her, sanft wie ein Schiff,&lt;br /&gt;das ausgeladen wird. Hör!&lt;br /&gt;Ein goldenes Segel erscheint&lt;br /&gt;aus dem Nebel über dem Meer.&lt;br /&gt;Und ein rauer Westwind&lt;br /&gt;bringt alte Worte &lt;br /&gt;von damals, als ein Gott&lt;br /&gt;– er strahlte wie ein Mensch – &lt;br /&gt;in dem kleinen Hafen eintraf,&lt;br /&gt;die hohe Düne erklomm&lt;br /&gt;aufs Meer zurückblickte,&lt;br /&gt;schleppend, weinend sang und&lt;br /&gt;weiter in den Osten zog, dorthin,&lt;br /&gt;wo die leeren Orte warteten.&lt;br /&gt;Und Dein Vater weiß es&lt;br /&gt;wieder. Mit seinen Händen&lt;br /&gt;knotet er die schweren Netze,&lt;br /&gt;sieht die Schiffe wieder,&lt;br /&gt;die nicht versinken konnten.&lt;br /&gt;Sein Hafen ist wieder groß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gras war grün&lt;br /&gt;und Pferde schnaubten&lt;br /&gt;überall. Der Mann&lt;br /&gt;hatte Dich gekauft.&lt;br /&gt;Was wusste er vom Gold?&lt;br /&gt;Was wusste er vom Hafen&lt;br /&gt;und den schweren Netzen? Das Weinen &lt;br /&gt;des Meeres kannte er nicht, &lt;br /&gt;und sein Seil war grausam. &lt;br /&gt;Er kannte nur die Hügel, &lt;br /&gt;die nie schaukeln, das Gras &lt;br /&gt;das nie singt, das Messer&lt;br /&gt;das Brüder tötet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er kannte die Dämonen,&lt;br /&gt;grün und groß und schnaufend,&lt;br /&gt;die auf einmal erschienen,&lt;br /&gt;flüchtend vor dem Glanz,&lt;br /&gt;den er nicht sehen konnte.&lt;br /&gt;Er schmiedete Amulette,&lt;br /&gt;halbe, eiserne Monde,&lt;br /&gt;die er mit seinen Stiefeln&lt;br /&gt;im Boden zertrat.&lt;br /&gt;Mit seinen Brüdern sprach er nicht&lt;br /&gt;und seinem Pferd gab er&lt;br /&gt;nur noch bittere Befehle.&lt;br /&gt;Seine Angst war groß&lt;br /&gt;vor den Dämonen, aber größer noch &lt;br /&gt;die vor dem unsichtbaren Glanz,&lt;br /&gt;dem Goldglanz aus dem Westen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal blickte er auf, &lt;br /&gt;zu Dir,&lt;br /&gt;und sah auf Deinem Haar&lt;br /&gt;einen Glanz, den er berühren&lt;br /&gt;wollte, er tat es nie,&lt;br /&gt;weil er sich nicht getraute.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Köln kommt näher und&lt;br /&gt;ich habe es erfasst:&lt;br /&gt;mich trägt der Boden&lt;br /&gt;des Goldes, das Meer,&lt;br /&gt;das einst die Schiffe brachte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Semai: Goldkind. Küstenkind,&lt;br /&gt;Beute. In der Einsamkeit&lt;br /&gt;wurde Deine Seele tief. Hör&lt;br /&gt;doch die Stimme Deines Vaters!&lt;br /&gt;Er ruft Dich bei deinem Namen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-5614073282916850474?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/5614073282916850474/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=5614073282916850474' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5614073282916850474'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5614073282916850474'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/05/semai.html' title='Semai'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3006775394840860423</id><published>2011-05-14T22:12:00.001+02:00</published><updated>2011-05-21T09:51:14.637+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Köln'/><title type='text'>Eine Kraftquelle in Köln. Über den umgekehrten Blues des Herzens</title><content type='html'>Zwei Jahre habe ich mit meiner Freundin in einem Penthouse in der Altstadt von Köln gelebt, direkt am Rhein. Ich habe mich in den Gassen dort sehr wohl gefühlt, immer gab es in irgendeiner Ecke Musik aus Südamerika, Jazz oder Blues aus Amerika, Chansons aus Frankreich. Vor allem in den Nächten, wenn ich bei geöffnetem Fenster an meinem Buch „Herzwerk“ geschrieben habe, genoss ich die Geigen der Zigeuner, die mich von tief unten erreichten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was mich vor allem immer wieder berührte, war das Wissen, dass die ganze Altstadt, nach den verheerenden Bombardements des Zweiten Weltkrieges, von den Kölnern peinlich genau wieder aufgebaut wurde. Das heutige Viertel ist ein Scheingebilde: Kein Stein liegt an der Stelle, an der er vor dem Krieg gelegen hat, nichtsdestotrotz wirkt das Ganze mehr oder weniger authentisch. Nur wenn man gut hinschaut, sieht man, dass es sich um eine Rekonstruktion handelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine falsche Schönheit also, die gerade schön ist, weil sie so liebevoll falsch ist. Die Altstadt von Köln ist in einer Wunde wieder aufgebaut worden, und in den noch immer brennenden Narben werden Lieder gesungen, Gläser leer getrunken, Bücher geschrieben, Kinder geboren und kosmische Visionen ergriffen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ohne Wunde keine Kraft. In seinem Buch „Wege der Erdheilung“ beschreibt Marko Pogacnik, dass sich nach seinem Empfinden in der Altstadt von Köln das Epizentrum eines sich neu bildenden  Erd-Herz-Chakras befindet. Die genaue Stelle heißt „An Farina“ und liegt dem alten Rathaus gegenüber, etwa vierhundert Meter von meiner alten Wohnung entfernt. Die Erde „öffnet“ dort ein neues Kraftzentrum, das in der Zukunft einen Strahlungsumkreis von etwa 800 Kilometern haben wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An Farina ist ein stiller Innenhof, unter dem sich ein Parkhaus befindet. Ich kann bestätigen, dass dort etwas los ist. Immer wieder, wenn ich dort bin, mich hinsetzte und mich in die Stille hinein begebe, kommt es mir vor, als ob ich von einer goldenen Flut aufgenommen und getragen und geführt werde. Die Flut ist gleichzeitig leicht und kräftig, vergleichbar mit dem Gelb, das über einer Frühlingswiese schwebt. Sie zwingt zu nichts, ist allerdings sehr präsent.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der heiter-ernsten Flut erscheine ich mir als ein Mensch, der – nur wenn er das will – mit seinen kantigen Widersprüchen ganz sachte in ein rhythmisches Fließen gebracht wird. Es ist nicht so, dass meine Widersprüche dort aufgehoben würden, nein, gerade nicht, sie werden sogar eher bestätigt, allerdings in Farben gehüllt, die sanft und freundlich sind. Ein inneres sanft-weiß-gelbes Licht beleuchtet die dunklen Ecken meiner Seele, und befreit dort Tausend leise fröhlich-traurige Melodien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Flut wirkt wie ein Paradox. Einerseits ist sie groß und tief und mächtig, andererseits schüchtern und fein und heiter. Und wenn Du die Frühlingsflut einmal in Dir zugelassen hast, bleibt sie bei Dir, begleitet sie Dich, wohin Du auch gehst. Du brauchst nur die Stille in Dir aufzusuchen, um sie zu finden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durch die Flut wird eine Wunde geheilt, oder vielleicht besser gesagt: In ihr wird ein unbewusstes Weinen befreit und in eine leichte Musik verwandelt, die sich wie ein umgekehrter Blues verhält: Die Melodien tragen die tiefen Bässe. Die Melodien sind unerschöpflich, meine Aufmerksamkeit für sie ist noch im Kommen. Jedes Mal, wenn es mir gelingt, eine Melodie wirklich zu hören, dröhnen quasi von oben die Bässe, die die Instrumente der kosmischen Mächte sind. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich möchte an dieser Stelle Marko Pogacnik danken, dass er mich auf das Herz von Köln aufmerksam gemacht hat. Im Nachhinein verstehe ich, warum ich damals das Leben in der Altstadt gerade brauchte, um in einer Penthouse-Wohnung mein Buch „Herzwerk“ zu schreiben. Und meinen Lesern würde ich empfehlen: Geht mal an An Farina vorbei... Und stellt euch dann nebenbei auch noch die Frage, warum gerade dort die wunderschöne Statue „Frauen von Köln“ aufgestellt wurde.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3006775394840860423?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3006775394840860423/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3006775394840860423' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3006775394840860423'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3006775394840860423'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/05/eine-kraftquelle-in-koln-uber-den.html' title='Eine Kraftquelle in Köln. Über den umgekehrten Blues des Herzens'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4313393179315051310</id><published>2011-05-06T14:51:00.001+02:00</published><updated>2011-05-06T14:52:41.374+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Deutsche Leitkultur'/><title type='text'>Brennende Reisepässe. Über die Aufgabe Deutschlands in veränderten Zeiten</title><content type='html'>Letzte Woche sagte mir ein Freund: „Innerlich habe ich meinen deutschen Reisepass schon längst verbrannt. Vom staatlichen Gebilde der deutschen Republik erwarte ich nichts mehr. Ich bin überzeugt, dass Deutschland als Nation seine Aufgabe verpasst hat.“ Als ich nachfragte, machte mein Freund einen Unterschied zwischen dem Staat und dem Kulturkreis Deutschlands. „Wenn es zum Beispiel um den deutschen Idealismus geht“, so meinte er, „bin ich noch immer voll dabei.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie kam mein Freund zu dieser heftigen Aussage? Ich hatte von der historischen Entwicklung Europas gesprochen, und dabei vor allem auf die Süd-Nord-Achse hingewiesen: Im Süden gab es die alten Griechen, die die philosophische Reflexion, die zu den tragenden Ideen Europas führte, gebracht hatten. Diese Bewegung vom Süden aus, gipfelte in der Renaissance und der Aufklärung. Manchmal wird das moderne Europa als ein Ergebnis dieser historischen Entwicklung verstanden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gab allerdings auch eine Bewegung, die vom Norden ausging. Sie drückte sich zum Beispiel in der schwindelerregenden Wirkung der Wikinger aus, die – anders als die Griechen – nie eine große Philosophie hervor zauberten. Die alten nordischen Mysterien, die übrigens relativ spät ihre Götterdämmerung erlebten, waren komplett anders gepolt. Dort ging es vor allen um die Verwandlung von Wut in Zorn, und um ein dementsprechendes Handeln. Ohne die Wikinger, so sagte ich, wäre das heutige Europa nicht entstanden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und so kam ich auf Deutschland zu sprechen, das zum Herzen Europas gehört. In der Spannung zwischen dem Norden und dem Süden hat aus meiner Sicht, der deutsche Kulturkreis eine ausgleichende Aufgabe, die im Grunde genommen beide Pole vereinigt. Und ich denke, dass diese Aufgabe bis heute aktuell ist: Nur augenscheinlich liegt die Spannung zwischen Nord und Süd in einer historischen Vergangenheit. Unter der Decke der Geschichte ist sie aber noch immer wirksam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sagte in dem Gespräch, dass Deutschland und die Deutschen in Bezug auf die ausgleichende Aufgabe vor allem seit dem Holocaust stark verunsichert sind. Mit dieser Verunsicherung geht allerdings eine Stimmung einher, „a mood of the country“, die ich – gerade weil ich Holländer bin?  –  immer wieder spüre, und die für mein Empfinden auch eine Hoffnung in sich birgt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich würde diese Stimmung als ernsthaft, betroffen und nachdenklich beschreiben. Was die ganze Welt im Moment als „German Angst“ wahrnimmt, bedeutet nicht nur Lähmung, sondern auch ein positives Innehalten, eine Art innere Neuorientierung, die sich allerdings in den tieferen Schichten des Bewusstseins vollzieht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das postmoderne Europa ringt zurzeit mit großen Fragen, die direkt mit „aufgeklärten“ Kernideen zusammenhängen, die gerade nicht geklärt sind. Das ideelle Gefüge von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (mein Freund sprach von „Geschwisterlichkeit“) droht auseinander zu fallen, weil die widersprüchlichen Lügen mittlerweile unerträglich geworden sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich behaupte, dass von allen Ländern in Europa gerade Deutschland sich weigert, ich müsste natürlich schreiben: noch verweigert, sich dem Populismus zuzuwenden. Um ein Wort zu benützen, das Nietzsche so gerne mochte: „vielleicht“ findet Deutschland in seinem Innehalten eine Tür ins Innere und Offene... Die Flammen der Reisepässe würden dann die Überschreitung einer neuen Schwelle ermöglichen. Es ist spannend in Deutschland zu leben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4313393179315051310?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4313393179315051310/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4313393179315051310' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4313393179315051310'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4313393179315051310'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/05/brennende-reisepasse-uber-die-aufgabe.html' title='Brennende Reisepässe. Über die Aufgabe Deutschlands in veränderten Zeiten'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-2631031904409273842</id><published>2011-04-30T07:42:00.003+02:00</published><updated>2011-05-01T09:52:31.268+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Sprache'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Versuch zu einer adamitischen Sprache. Über eine Freundin</title><content type='html'>Sie ist eine Freundin. Ihre ganze Art ist fest und gleichzeitig weich. Ihre Natur ist von einer Qualität geprägt, die Joseph Beuys dem Fett zuschreibt: Sie bewahrt, ruht in sich selber, ist nicht so sehr an einer Form interessiert, sondern an Masse und Tiefe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Dauer der Zeit liegt ihr offen in ihrer Langsamkeit. Für Gespräche nimmt sie sich Zeit, viel Zeit, die sie auch hat. Sie sitzt dann fast unbeweglich auf einem Sofa, hört mit großen Ohren zu, spricht eine Sprache ohne Hast und Druck, ist bei jedem Wort, bei jedem Gedanken voll dabei, bewegt sich innerlich wie der große Saturn in weiten Kreisen, alles umfassend, alles tragend, alles in eine Breite und eine Tiefe ziehend. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stille Momente, auch wenn sie länger dauern, sind ihr nicht unangenehm, ganz im Gegenteil: Sie meint, dass es so etwas wie eine sinnlose Leere nicht gibt oder eben überhaupt nicht geben könnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihr Wohnzimmer ist ein Ort-zum-Sein. Alle Gegenstände stehen an der richtigen Stelle, kommen einander nicht zu nah, stören nicht, sprechen nicht zu laut, sind nicht zum Schweigen verdammt. Für die Blumenvasen (die es immer reichlich gibt), die Kerzenständer, die sanften Kissen und eben die Bücher, die sie gerade liest – sie liest immer etwas, ist immer in ein Thema versunken – findet sie die richtige Stelle, ohne darüber nachdenken zu müssen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie mag Fragen, weil sie Antworten mag. Um die Frage zu stellen, mit der sie gerade lebt, nimmt sie sich viel Zeit. Sie führt aus, bezieht sich auf die Vergangenheit, erwähnt vielleicht relevante Autoren, ohne sie zu zitieren, weil sie immer in umfassenden Zusammenhängen denkt, bewegt sich tastend vorwärts, bis die Frage-als-Frage einwandfrei im Raum erscheint. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich stellt sie die Frage nicht, sie kreiert eine stimmige Umgebung, die EINE stimmige Umgebung. Sie nimmt sich die Zeit, um die Frage im Hier und Jetzt entstehen zu lassen. Auch wenn sie dazu Sachen erzählen muss, die schon längst bekannt sind, wiederholt sie in aller Ruhe die Details, als ob sie noch nicht bekannt gewesen wären. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wenn die Frage letztendlich erscheint, sieht sie wie ein weißer Schwan aus. (Ist der lange Hals des Schwans nicht reine Frage?) Und interessant: Wenn umgekehrt ihr jemand eine Frage stellt, hält sie inne, schaut auf die Regungen, die spiegelnd in ihrem Innersten erscheinen, wartet und wartet, bestimmt also das Tempo der Zeit, und versucht dann langsam die Frage in ihren Worten zu formulieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie will eine Meisterin der tragenden Tiefe sein. Nicht, dass sie keine Wut kennt. Ein aufkommender Ärger wird allerdings in ihrer Welt „verbuttert“, sie breitet sich verhalten in der inneren Masse aus, wirkt deswegen immer indirekt und wird gemäßigt aus allen Poren ihrer Seele fast anonym und atmosphärisch ausgeatmet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wäre ein Fehler zu denken, dass dadurch ihr Ärger und ihre Wut weniger massiv wirken würden, ganz im Gegenteil, die mächtige Verhaltenheit erzeugt einen Schatten von einem enormen Kaliber. Selber merkt sie allerdings nicht, dass sie von dieser machtvollen Gestalt begleitet wird, die auf ihre Vertrauten und Kollegen manchmal erschreckend wirkt. Alle wissen: An dieser Stelle muss man bei ihr ein bisschen aufpassen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-2631031904409273842?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/2631031904409273842/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=2631031904409273842' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2631031904409273842'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/2631031904409273842'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/04/versuch-zu-einer-adamitische-sprache.html' title='Versuch zu einer adamitischen Sprache. Über eine Freundin'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-8944702082012125402</id><published>2011-04-22T10:07:00.004+02:00</published><updated>2011-04-22T10:08:32.110+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><title type='text'>Ostern erleben. Über: Wie das Herz denkt</title><content type='html'>Solange wir bewusst oder unbewusst das alltägliche Denken als Vorbild für die übersinnliche Art des Erkennens nehmen, bleiben wir – vom Tagesbewusstsein aus gesehen – vor einer Schwelle stehen. Was wir „verstehen“ nennen, heißt für unsere Köpfe etwa: Aus einer Distanz eine Gegebenheit in größere Zusammenhänge einordnen zu können. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir meinen zum Beispiel zu verstehen, warum ein Jugendlicher sich so oder so verhält, sagen wir: „aggressiv“, wenn wir mitkriegen, dass seine Eltern sich trennen wollen, seine Klassenkameraden ihn mobben, und dazu noch die Schule kein Verständnis dafür hat, dass er sich im Moment nicht auf Mathematik konzentrieren kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir holen also in unserem Denken naheliegende Erkenntnisse herbei, die das Verhalten des Jugendlichen „erklären“. Das Ergebnis des Kopfdenkens ist ein Urteil, das in medizinischen und immer mehr auch in (heil)pädagogischen Zusammenhängen „Diagnose“ genannt wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Denken des Herzens geht ganz anders vor. Weil es mit Gefühlen arbeitet, und Gefühle immer etwas über Beziehungen aussagen, stellt das Herz erst die Frage der Verbindung. Was lebt zwischen mir und dem Jugendlichen? Welche Berührungen und Schnittpunkte sind dort vorhanden, welche Quelle öffnet sich „zwischen uns“? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Herz kreiert eben gerade keine Distanz, um zu einem Urteil zu gelangen, sondern kreiert eine Nähe, um die heilsamen Potenziale in der konkret vorhandenen Beziehung zu finden und zu aktivieren. Das Herz versteht sich also nicht als ein Beobachter, sondern als ein Beteiligter. Es spürt die gestaltenden Möglichkeiten in der Beziehung und bringt sich als Mitspieler ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Herz kennt eigentlich keine menschlichen Verbindungen, die rein funktional zu definieren wären. Das geöffnete Herz nimmt keine Rollen wahr, schaut zunächst nicht auf Beruf, Geschlecht und Herkunft, erlebt hingegen in jedem Menschen ein „Wesen“, das mit heiligen und geheimen und manchmal ungewöhnlichen Vorhaben in der Welt erscheint.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Bestrebung, heiligen und geheimen und manchmal ungewöhnlichen Sehnsüchten zu folgen, sind die Herzen miteinander verwandt. Sie brauchen einander, weil sich Sehnsüchte nie isoliert, etwa wie aufzudeckende Schätze, in einer einzelnen Seele befinden. Sie laufen wie Metalladern durch die seelische Landschaft, gehen von meiner Seele in deine Seele über.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für das geöffnete Herz liegt das Urbild der sozialen Verbindung in der Liebesbeziehung. Es sucht die Fortsetzung meines verborgenen Vorhabens in deinem verborgenen Vorhaben, kennt sich bewusst oder unbewusst in einer Welt aus, in der sich die fließenden Gegebenheiten über einzelne Menschen verteilen. Das Denken des Herzens versteht das Fremde als zu sich gehörig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fremd ist nur dasjenige, worauf ich mich noch nicht eingelassen habe. Neu geboren wird man nur im Fremden. Das offene Herz sucht ständig das individuelle Sterben, um sich in anderen Menschen wiederzufinden. Tod und Auferstehung sind in diesem Sinne vor allem als soziale Vorgänge zu verstehen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-8944702082012125402?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/8944702082012125402/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=8944702082012125402' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8944702082012125402'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8944702082012125402'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/04/ostern-erleben-uber-wie-das-herz-denkt.html' title='Ostern erleben. Über: Wie das Herz denkt'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-5401944118582097629</id><published>2011-04-15T23:20:00.001+02:00</published><updated>2011-04-22T10:10:41.777+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Behinderung'/><title type='text'>Behinderung als Schicksal (4). Über: einfach herum brüllen</title><content type='html'>Er setzt sich entschieden neben mir auf. „Sie haben einen guten Vortrag gehalten“, schickt er direkt vorweg. Dann schweigt er. Mir ist klar, dass er keine unnötigen Missverständnisse wecken und mir nicht zu nahe treten will. Von der Seite her schaut er mich verstohlen an. Und ich denke: Er will mir etwas sagen, ist sich allerdings nicht sicher, ob ich bereit oder reif bin, mir seine Sicht auf die Sache anzuhören.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er ist groß und lang. Auch im Sitzen ragt er weit über mich hinaus. Seine langen Arme liegen auf seinen langen Beinen, die eigentlich nicht fürs Sitzen gemeint sind. Auch wenn er sitzt, scheint er zu stehen und zu gehen, und auch wenn er schweigt, scheint er zu sprechen. Seine Augen schicken einen brennend-fragenden Blick in die Welt. Die von ihm getroffenen und betroffenen Dinge bewegen sich. Er bewegt mich. Und ich denke: „Er verhält sich wie ein Wikinger“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Wie heißt du?“, frage ich verunsichert. „Michael“, antwortet er. „Ich heiße Jelle“, sage ich. „Das weiß ich schon“, teilt er mir mit. Ich zünde mir eine Zigarette an und schweige. Dann sagt er stockend: „Das große Problem ist, dass die Menschen einfach herum brüllen. Sie brüllen einfach herum. Und sie verstehen nicht, dass das nicht geht, einfach herum zu brüllen.“ Während seines Sprechens bewegt er seinen Körper kräftig nach vorne und wieder zurück, so, als ob er die Worte mit Kraft aus sich heraus schieben muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Sie brüllen und brüllen und brüllen“, wiederholt er. Seine Worte scheinen mir wie Brocken trockenen Tons auf den Boden zu fallen. Er scheint auf diesen Brocken gehen zu wollen. „Was meinst du“, frage ich, „gibt es bei dir in der Gruppe Leute, die ständig brüllen?“ Er bewegt sich einmal nach vorne, eine Art des bestätigenden Nickens, die ich noch nicht kannte. „Alle Menschen brüllen!“, meint er dann. Mit „alle“ meint er offenbar „alle“, nicht nur ein paar Leute in seiner Gruppe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Die Menschen sollen nicht brüllen“, fährt er fort, „sie sollen zuhören, einfach die Klappe halten und zuhören. Anders wird es nichts. Anders kommt nichts Gutes dabei heraus. Herum gehen und brüllen, bringt gar nichts“. Mir scheint es, als ob Michael bald platzen wird, als ob die trockenen Brocken warnende Vorboten einer Explosion sind. Dann hebt er auf einmal seinen Kopf, steht energisch auf und verschwindet, ohne sich zu verabschieden. Aus irgendeinem Grund scheint er sein Vorhaben, keine Missverständnisse wecken zu wollen, nicht handhaben zu können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst Stunden später, auf dem Bahnsteig in Fulda, während des Wartens auf den Zug nach Frankfurt, gelingt es mir, die Begegnung mit Michael zumindest halbwegs einzuordnen. Die Veranstaltung der letzten zwei Tage in der Gemeinschaft Altenschlirf liegt hinter mir; ich sehe die etwa vierhundert Leute noch vor mir: Menschen „mit Hilfebedarf“, ihre Eltern und Angehörigen, die Betreuer und Mitarbeiter der Einrichtung. Meine Aufgabe in Altenschlirf war es, die Beteiligten miteinander ins Gespräch zu bringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutlich wurde, dass das soziale Dreieck zwischen Behinderten, Eltern und (professionellen) Betreuern unter Spannung steht. Ganz große Fragen standen dabei im Raum. Die Eltern rangen mit ihren Gefühlen, die manchmal von Schuld und Sorge geprägt sind. Und auch wenn ihre behinderten Kinder schon längst erwachsen sind, können die Eltern sich verständlicherweise von der Sorge nicht immer frei machen. Wie eine Mutter mir in der Pause sagte: „Mich bedrängt, dass die Betreuer mir öfters sagen, dass meine Beziehung zu meinem Sohn symbiotisch sei. Ich fühle mich als Mutter manchmal nicht ernst genommen“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Betreuer fühlen sich bedrängt. „Wir leben tagtäglich mit den Menschen mit Hilfebedarf“, sagte einer, „wir haben allerdings immer wieder das Empfinden, dass die Schatten der Eltern ständig präsent sind“. Zwischen Eltern und Betreuern ragt also ein Fragezeichen, das sich auf ein gegenseitiges Vertrauen bezieht. Die Tatsache der „Behinderung“ führt offenbar zu schmerzvollen Erfahrungen, die im sozialen Miteinander nicht so einfach anzusprechen sind. Und gegenseitige Verletzungen liegen ständig auf der Lauer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und die sogenannten „Behinderten“? Sie sind manchmal sprachlos. Sie schweigen einfach, oder  reden stockend vor sich hin, wie der Wikinger Michael. Er hat es mir allerdings klipp und klar gesagt: „Das große Problem ist, dass die Menschen einfach herum brüllen“. In gewissem Sinne hat er natürlich nicht Recht, denn keiner der vierhundert Menschen im Saal hat wirklich gebrüllt. Ein Brüllen war einfach nicht dabei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf einer anderen Ebene stimmt es allerdings vielleicht doch, was er sagte. Innerlich haben wir alle ein bisschen gebrüllt, oder vielleicht nicht nur ein bisschen... Wir alle haben eine Not gespürt, die uns Schmerzen bereitet, und die uns wie verwundete Löwen innerlich brüllen lässt. In der Stille gab es vielleicht hier und da doch ein Brüllen – und was, wenn Michael gerade dort zu Hause ist: in der Stille unseres Brüllens?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-5401944118582097629?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/5401944118582097629/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=5401944118582097629' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5401944118582097629'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5401944118582097629'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/04/behinderung-als-schicksal-4-uber.html' title='Behinderung als Schicksal (4). Über: einfach herum brüllen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-1042662125486449625</id><published>2011-04-08T09:54:00.000+02:00</published><updated>2011-04-08T09:56:07.674+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lievegoed Bernard'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><title type='text'>Bernard Lievegoed College. Über soziale Trampolins und mutige Sprünge</title><content type='html'>Letzte Woche hatte ich in Driebergen in den Niederlanden ein Gespräch mit Mitarbeitern des Bernard Lievegoed College for liberal Arts. Die Unterhaltung fiel mit der Tatsache zusammen, dass, wie Clarine van Lookeren Campagne es ausdrückte, der Todestag Lievegoeds (12. Dezember 1992) im Laufe des Jahres 2011, „seinen ersten Mondknoten erreichen wird“. Und weil Mondknoten immer Umschlags- und Wendepunkte sind, bewegte uns die Frage: Wie steht es heute mit den Impulsen Lievegoeds?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun kann man sich auf zwei Arten und Weisen mit dieser Frage beschäftigen. Erstens kann man auf die vielen Initiativen schauen, die Bernard Lievegoed ergriffen und initiiert hat. Wo stehen im Moment die Lievegoed'schen Institute, wie Zonnehuizen (eine heilpädagogische Einrichtung), das NPI (ein Büro für Organisationsentwicklung) und die Vrije Hogeschool (heute Bernard Lievegoed College for liberal Arts)?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und zweitens kann man auf die innere Dynamik oder die „immanente“ Entfaltung seines Impulses blicken. Dabei geht es eher um Fragen, die weit über die genannten Institute hinaus gehen und generell die Lage unserer Zeit betreffen. In meiner Zusammenfassung des Gespräches von letzter Woche werde ich diesen zweiten Weg gehen. Es wird sich dann zeigen, dass die Willensrichtung von Bernard Lievegoed erstaunlich aktuell ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lievegoed war ein Mensch, der aus kräftigen Intuitionen heraus arbeitete. Manchmal hatte er Mühe damit, seine Intuitionen rückwirkend über die Inspiration, die Imagination und die (wissenschaftlichen) Begrifflichkeiten so zu benennen, dass sie für das heutige Denken zugänglich und verständlich wurden. Aus diesem Grund war und ist seine Arbeit verletzbar. Manchmal muss man (zum Beispiel in seinen Büchern) durch eine Menge Unterholz kriechen, um die Lichtung im Wald zu entdecken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allerdings führt dieser Umstand dazu, dass man gezwungen wird, die eigenen Kräfte zur Aufnahme der Intuitionen zu stärken. Die Hindernisse in den Lievegoed'schen Darstellungen, vorausgesetzt, dass man ihnen souverän entgegen tritt, sind eine Hilfe, die Sphäre der lichtenden Intuitionen zu erreichen. Anders gesagt: Lievegoeds Stärke lag nicht darin, bestimmte Inhalte sprachlich unmittelbar zu vermitteln, sondern darin, auf einen Weg hinzuweisen – er sprach diesbezüglich vom „Saturnweg“ – den jeder Mensch eigenständig gehen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich würde sagen, dass seine Impulse von drei großen Intuitionen geprägt worden sind. Die erste ist, dass es in der heutigen Zeit vor allem darum geht, die schlummernden „Missionen“ in den  Biographien der Einzelnen frei zu setzen. Ausbildung, Fortbildung, Schulung, ja überhaupt das Leben als solches, müsste darauf gerichtet sein, die Menschen als freie Initiatoren zu erwecken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die zweite Intuition bezieht sich auf das soziale Leben. Nur im offenen und wohlwollenden Zusammenleben und Zusammenarbeiten der Menschen werden die geistigen Quellen des Einzelnen gefunden und geöffnet. „Statt die anderen klein zu machen, können wir lernen, einander größer zu sehen“, meinte Lievegoed in seinem Buch „Über die Rettung der Seele“. An dieser Stelle ist auch eine Notiz von Rudolf Steiner sehr hilfreich: „[...] auch die Furcht darf davon nicht abhalten, dass man in den Abgrund des Individuellen fällt, denn man steigt aus diesem Abgrund im Verein mit vielen Geistern auf und erlebt sich mit ihnen in Verwandtschaft; dadurch wird man aus der geistigen Welt geboren [...]“. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die dritte Intuition hängt damit zusammen, dass – ich sage es in meinen Worten – das heutige Bestreben soziale Netze zu bilden, erweitert werden könnte durch die Einsicht, dass die Netze sich in Trampolins verwandeln können. Der Sturz in der individuellen Abgrund macht eine Kraft frei, die im Grunde genommen den befreienden Sprung nach oben ermöglicht. Diese Erkenntnis, so meine Lievegoed, müsste allen therapeutischen, pädagogischen, sozialen und sonstigen Bestrebungen eine neue Richtung geben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entscheidend ist, wie die „Institutionen“ sich auf diese Bewegung-der-Initiation einstellen. Mir scheint es so zu sein, dass gerade diese Frage im Moment am meisten brennt und lodert. Wie kann sich zum Beispiel ein Kindergarten oder eine Schule diesbezüglich „fähig“ machen? Welche Formen oder „Rituale“ werden gebraucht, um gemeinsam ein soziales Trampolin zu bilden?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der erste Mondknoten (18 Jahre, 7 Monate und knapp 10 Tage nach der Geburt) hat einen stürmischen Charakter. Er ist geprägt von dem adoleszenten Verlangen, so richtig vorwärts zu gehen und zuzugreifen, auch wenn die nötigen Erkenntnisse noch fehlen. Am Ende des Gespräches in Driebergen wurde deutlich, dass alle einzelnen Mitarbeiter des College, aber auch das Team als Ganzes, diesbezüglich vor einer Schwelle stehen, die nur mit Mut überschritten werden kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das theoretische Wissen, dass am Abgrund die Masken fallen und die Selbstverständlichkeiten nicht mehr tragen, fragt um praktische Sprünge nach oben. Es war berührend zu bemerken, dass die Bereitschaft sich in unsichere Bereiche zu begeben, dorthin wo alles schwebt, stark vorhanden ist. Das Bernard Lievegoed College wird unter der Leitung von Jeroen Lutters seinen Weg finden&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-1042662125486449625?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/1042662125486449625/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=1042662125486449625' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1042662125486449625'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1042662125486449625'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/04/bernard-lievegoed-college-uber-soziale.html' title='Bernard Lievegoed College. Über soziale Trampolins und mutige Sprünge'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-1228550474963769953</id><published>2011-04-03T11:46:00.001+02:00</published><updated>2011-04-03T11:47:46.481+02:00</updated><title type='text'>Mein Laptop wurde gestohlen</title><content type='html'>Da mein Laptop gestohlen wurde, werde ich erst in den nächsten Tagen einen neuen Blogtext veröffentlichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jelle van der Meulen&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-1228550474963769953?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/1228550474963769953/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=1228550474963769953' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1228550474963769953'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1228550474963769953'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/04/mein-laptop-wurde-gestohlen.html' title='Mein Laptop wurde gestohlen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3394617370542072479</id><published>2011-03-27T10:04:00.000+02:00</published><updated>2011-03-27T10:06:26.815+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schenkgeld'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lievegoed Bernard'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Keye Lothar'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><title type='text'>Kaufgeld ist langweilig, Schenkgeld ist recht brisant</title><content type='html'>Wie kommt man ins Kommen? Man öffnet und bewegt sich, lässt sich von Ideen begeistern, von Vorsätzen und Entscheidungen tragen, und vor allem von Begegnungen entzünden. Man kommt ins Kommen wenn man initiiert, stiftet, sich als Subjekt einer Initiation versteht. Ins Kommen kommen bedeutet: Initiation als Zivilisationsprinzip verstehen und handhaben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt ein paar Bereiche im Leben, wo es manchen Menschen besonders schwer fällt, ins Kommen zu geraten. Sie denken, dass sie an diesen Stellen von Umständen umschlungen sind, verknotet und gefangen gehalten werden... Sie haben das Gefühl, wie ein Fisch an einem Haken zu hängen, merken allerdings nicht, dass der peinliche Stich ins Fleisch nicht eine äußerliche Gegebenheit, sondern reine Vorstellung ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Bereich, in dem Menschen manchmal Schwierigkeiten haben, sich in ein Fließen zu begeben, betrifft das Geld. Gerade in Deutschland sparen die Menschen gerne. Vor ein paar Jahren noch wies der Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt darauf hin, dass alle große Aufgaben in Deutschland (zum Beispiel die Bildung betreffend) sofort zu erledigen wären, wenn die Bürger sich aufraffen würden, einen Teil ihrer Ersparnisse aktiv einzusetzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus Sicht der Zukunft sind Ersparnisse wie kleine oder große gefrorene Seen, die nicht zu bewegen sind. Egal wie fröhlich oder ernsthaft oder begeisternd oder wild der Wind der Zukunft auf uns zu kommt, die gefrorenen Wassermassen bleiben unberührt das, was sie sind: verhärtete und statische Potenzen. Gefrorenes Geld bewegt sich nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Grund der Kälte liegt in einer Angst vor dem eigenen Schicksal. Ein guter Freund von mir, ein Steuerberater aus der fröhlichen Pfalz, sagte es einmal so: „Je stärker die Neigung, sein Vermögen fest zu halten, je größer die Angst vor dem Leben“. (Auf ganz Deutschland übertragen, stellt sich die Frage, wovor haben die Bürger eigentlich Angst?) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Bernard Lievegoed sagte einmal mit einem ironischen Unterton zu mir: „Wenn du arm bist, trotzdem aber etwas initiieren möchtest, solltest du damit anfangen, die Leute von ihren Ängsten und somit von ihrem Vermögen zu befreien. Ein doppelter Gewinn: die Leute werden frei und du hast das Geld, das du dringend brauchst!“ (Lievegoed war einer der tollsten realistischen Idealisten, denen ich in meinem Leben begegnet bin.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein bisschen sparen ist natürlich immer okay. Und jeder darf selbstverständlich souverän für sich selber ausmachen, wie viel Geld er oder sie auf einem Sparkonto haben möchte. (Die Menschen, die nicht zum Sparen im Stande sind, einfach weil sie monatlich nichts übrig haben, sind die Glückspilze, die von dieser Frage befreit sind.) So bald aber das Sparen über konkrete Ziele hinaus geht und eine Gewohnheit oder eben eine Pflicht geworden ist, stimmt etwas nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einer Kultur des Herzens ist Geld eine warme Angelegenheit. Erstens gilt dort die Erkenntnis, dass es so etwas wie „mein Geld“ gar nicht gibt. Den hartnäckigen Gedanken, dass man Geld besitzen kann, tut richtig weh, wie der oben genannte Angelhaken. Die Lage ist eher so: für „mein“ Geld habe ich eine Verantwortung, der ich allerdings dadurch aus dem Wege gehe, indem ich sage: das Geld gehört mir, ich muss mich deswegen vor niemandem verantworten. So bald ich das Geld jedoch als ein soziales und darüber hinaus abenteuerliches (Abenteuer – Adventura – das was auf mich zukommt!) Phänomen verstehe, wird es warm.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweitens gilt die Tatsache, die Pietro Archiati so schön und einleuchtend in seinem Buch „Geld ist gut, vertrauen ist besser“ vermittelt, nämlich, dass Menschen und ihre Fähigkeiten mehr gelten als Geld. Ohne menschliche Fähigkeiten und Potenzen gibt es gar kein Geld. Angehäuftes Geld freizumachen bedeutet also: Fähigkeiten und Potenzen frei zu setzen. Und darin liegt gerade das Herz einer Kultur des Herzens: den Menschen in ihrer Biographie das Blühen zu ermöglichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der berühmten Dreiheit von Kaufgeld, Leihgeld und Schenkgeld scheint das Schenkgeld eine Art softe Zugabe zu sein, eine schöne und „karitative“ Erscheinung, ein verletzbares und nicht ernst zu nehmendes Kind, das noch nicht auf eigenen Beinen stehen kann. Wenn das Schenken von Geld jedoch eine richtig persönliche Angelegenheit wird, die nicht auf Sicherheit, sondern auf ein konkret-gelebtes-Vertrauen-zwischen-uns setzt, wird es zu einer gestaltenden Macht in der Gesellschaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaufgeld ist eigentlich langweilig, Leihgeld schon ein bisschen abenteuerlicher, Schenkgeld von Person zu Person erst recht brisant. Es initiiert freie Beziehungen zwischen Menschen, die souverän tun, was sie wirklich wollen. Oder wie der Experte in herzlichen Angelegenheiten, Lothar Keye, es mir gelegentlich sagte: „Schenken und beschenkt werden bedeutet: unterwegs sein zu sich selbst und zu einer neuen Gesellschaft“. An dieser Stelle brauchen wir allerdings eine Art „Wissenschaft“, die als eine Initiationswissenschaft zu bezeichnen wäre.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3394617370542072479?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3394617370542072479/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3394617370542072479' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3394617370542072479'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3394617370542072479'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/03/kaufgeld-ist-langweilig-schenkgeld-ist.html' title='Kaufgeld ist langweilig, Schenkgeld ist recht brisant'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-540901721419701915</id><published>2011-03-20T14:51:00.002+01:00</published><updated>2011-06-07T14:20:22.899+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Gedicht'/><title type='text'>Je stond op...</title><content type='html'>Je stond op&lt;br /&gt;in het donker,&lt;br /&gt;nat en koud.&lt;br /&gt;Je was stil.&lt;br /&gt;Ik zag je wel,&lt;br /&gt;herkende je niet.&lt;br /&gt;Je bent een bloem&lt;br /&gt;uit de nacht.&lt;br /&gt;Ik heb je lief.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-540901721419701915?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/540901721419701915/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=540901721419701915' title='8 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/540901721419701915'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/540901721419701915'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/03/je-stond-op.html' title='Je stond op...'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>8</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3947347466933528529</id><published>2011-03-11T10:38:00.001+01:00</published><updated>2011-03-11T10:39:55.416+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Barfield Owen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><title type='text'>Fragmentarisches zu einer Kultur des Herzens. Über Gefühle</title><content type='html'>In einer Kultur des Herzens wird der Ausgangspunkt des Handelns in den Lebensfragen des Einzelnen gesucht. Und wie es so mit unserem Herzen ist: es ist auch das Organ der Sehnsüchte, will deswegen nie alleine sein, das heißt: es will berührt werden. Eine Berührung ist immer eine Berührung zwischen mir und „etwas“, sei es zwischen mir und einer Landschaft, einem Ort, einer Idee, einem Lebewesen, einem Kollegen, einem Freund. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Begegnungen und Beziehungen werden in einer Kultur des Herzens als Quellen, Bausteine und Werkstätten verstanden. Was zwischen Menschen lebt und webt ist nicht einem abstrakten Ziel untergeordnet, einem bereits formulierten Missions-Statement oder einer vernünftigen Strategie, sondern gilt als Ansatz zu einem Vorsatz. Im immer wieder aufs Neue verwirrenden Gewebe der Gegebenheiten des Lebens wird vor allem nach dem Punkt der inneren Berührung gesucht: was spricht das Herz? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltanschauungen, Ideologien und Religionen werden in einer Kultur des Herzens mit Vorsicht genossen. Die Frage, ob jemand sich für einen Christen, einen Marxisten, einen Konstruktivisten, eine Feministin, einen Anthroposophen oder einen Muslim hält, ist zweitrangig. Nicht was man meint, was eine Lehre beinhaltet, ist Ausgangspunkt des Handelns: Wahrheiten sind zum Navigieren da, um Bestimmungen zu erkennen und ins Auge zu fassen, nicht um sie festzulegen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Beschäftigung mit der Wahrheit ist in einer Kultur des Herzens eine sensible Angelegenheit, die nicht vorschreibt, was man in seinem Herzen spüren soll, sondern umgekehrt gerade dabei hilft, delikate Gefühle zu verstehen. Wahrheiten „repräsentieren“ etwas, das heißt: sie stellen vor, reflektieren, spiegeln; sie kreieren eine heilsame Distanz zu Gefühlen und ermöglichen deswegen etwas Doppeltes: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie befreien bestimmte Gefühle vom Ozean der Emotionen, erkennen sie an und verleihen ihnen das Recht auf Existenz, bekräftigen also, was vorher noch vage und unbestimmt war; und sie garantieren die Freiheit der Wahl, gerade weil sie die Gefühle halbwegs zu einem Gegenüber machen. Mit Hilfe der Wahrheit macht man sich von seinen Gefühlen frei, um sich ihnen dann souverän zu widmen – oder sich von ihnen abzuwenden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch wenn Gefühle in einer Kultur des Herzens die eigentlichen Phänomene der Aufmerksamkeit ausmachen, ist sie nicht romantisch im üblichen Sinne; in einer Kultur des Herzens wird Romantik „erwachsen“, wie es der englische Anthroposoph Owen Barfield in seinem Romanticism comes of age formulierte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schattenseite der Romantik – schwelgen in subjektiven Empfindungen – wird gerade in einer Kultur des Herzens erfolgreich überwunden, und zwar dadurch, dass Gefühle im Umgang von mir zu mir und in der Begegnung von mir zu Dir nicht nur geprüft, sondern auch „gereinigt“, oder vielleicht besser gesagt: als sauberes Gefühl befreit werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Nähe von mir zu mir und von mir zu Dir ist die innere Werkstatt einer Kultur des Herzens, dort können sich unsere Emotionen und Gefühle verwandeln. Das Lauschen auf delikate Regungen in unseren Herzen, auf die oft verborgenen Sehnsüchte und Ahnungen, die spontanen Berührungen, die sanft-süß-bitteren Stimmungen, die uns jeden Tag wieder erwischen – all das konstituiert und bestätigt eine Kultur des Herzens. Die inneren Regungen machen immer eine Aussage über meine Beziehung zur Welt, zu den Menschen, zu den Sachen, die zu mir gehören. Im Gefühl und nur im Gefühl wird die Welt zum Ereignis.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3947347466933528529?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3947347466933528529/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3947347466933528529' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3947347466933528529'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3947347466933528529'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/03/fragmentarisches-zu-einer-kultur-des.html' title='Fragmentarisches zu einer Kultur des Herzens. Über Gefühle'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-5214375154600881598</id><published>2011-03-06T10:00:00.001+01:00</published><updated>2011-03-06T10:00:56.725+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Steiner Rudolf'/><title type='text'>150 Jahre Rudolf Steiner. Was ich ihm verdanke</title><content type='html'>Als ich die Beiträge in den deutschen Zeitungen über Rudolf Steiner las, stellte ich mir die Frage: Was habe ich dem „großen Geistesforscher“ eigentlich zu verdanken? Und: Wie würde ich meine Beziehung zu ihm beschreiben? Ich werde versuchen, beide Fragen zu beantworten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe Rudolf Steiners Arbeit über die Drogen kennen gelernt. Ich war damals zwanzig Jahre alt, rauchte gerne Haschisch und Marihuana, experimentierte bescheiden mit LSD und anderen Halluzinogenen, und war generell an „außerordentlichen“ Erfahrungen interessiert. Mit meiner halluzinogenen Neugier ging eine Liebe vor allem für die englischen romantischen Dichter einher: Blake, Wordsworth, Coleridge, Shelley, Keats... Brennend interessierte mich die Biographie von Samuel Taylor Coleridge, der von Laudanum abhängig geworden war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einer meiner damaligen Lehrer sorgte sich um mich und schenkte mir ein Buch von Rudolf Steiner: „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“. Die Inhalte des Buches trafen mich tief. Der Autor sprach von geistigen Welten und dementsprechenden Erfahrungen, die ich sofort wiedererkannte. Steiner weckte in mir eine Frage und einen neuen Blickwinkel auf die Welt, die meinen weiteren Lebensweg entscheidend geprägt haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Frage lautete: Sind die „außerordentlichen“ Erfahrungen, die mich so stark beschäftigten, einfach als ‘durch „komische“ Substanzen hervor gezauberte Illusionen‘ zu betrachten, oder beziehen sie sich auf reale „geistige“ Vorgänge, auch wenn sie diese Vorgänge vielleicht verstellt darstellen? Die Frage ist eine SEHR große Frage, vor allem, wenn man sie von Drogen loslöst. Sie betrifft im Grunde genommen den Status unserer Vorstellungen, Phantasien und Imaginationen. Ich fand in Steiner einen Verwandten von Coleridge, der meinte, dass unsere imaginativen Kräfte eine Fortsetzung der göttlichen Schöpferkräfte auf Erden sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In seinem Buch macht Rudolf Steiner deutlich, dass in jedem Menschen die Fähigkeiten schlummern, sich souverän – also ohne Hilfe von außen, zum Beispiel ohne Drogen – in die geistige Welt hinein zu begeben. Diese Behauptung von Steiner hat mir damals die Kraft gegeben, mich von den Halluzinogenen zu verabschieden. Weil meine diesbezüglichen Sehnsüchte damals richtig groß waren, scheint es mir im Nachhinein nicht übertrieben zu sagen: Ich verdanke Rudolf Steiner mein Leben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und ich verdanke ihm einen Diskurs, der mich von damals an bis zum heutigen Tag, beschäftigt. Wenn ich auf die Vorstellung verzichte, dass die Bilder, die immer wieder in mir auftauchen, lauter Illusionen sind, stellt sich die Frage: Wie sieht das Leben aus, wenn ich diese Vorstellungen ernst nehme? Man könnte es auch anders sagen: Was bedeutet es eigentlich, Träume und Imaginationen ernst zu nehmen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach vierzig Jahren kann ich sagen: Rudolf Steiner hatte recht, als er schrieb, dass die von ihm genannte „geistige“ Welt, auf einer Art „Ordnung“ beruht – mir fällt im Moment kein besseres Wort ein – die man allmählich kennen lernen kann. Die Ordnung ist so überzeugend, dass der Gedanke, dass sie nur auf Illusionen beruhen könne, seine Kraft verliert. Es ist, als ob man in einem Regenwald umher geht, und immer wieder die gleichen Bäume, Pflanzen, Tiere und Insekten sieht, und dann zu hören bekommt: Der Regenwald existiert gar nicht!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann den Regenwald allerdings nur dann wirklich kennen lernen, wenn man sich in ihn hinein begibt. Die „Systematik“ überzeugt nur, wenn sie zur Erfahrung wird. Ich betrachte dieses „immer wieder suchen“, dieses „immer wieder einen Zugang finden“, dieses „mich immer wieder in der Sprachlosigkeit-des-Geistigen neu zu finden“, als eine entscheidende Bereicherung meines Lebens. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rudolf Steiner hat auch vieles gesagt und getan, was ich nicht verstehe, manchmal auch nicht nachvollziehen kann. Ich behaupte allerdings, nicht im Stande zu sein, seine Person und seine Arbeit in der Tiefe beurteilen zu können, nehme mir allerdings die Freiheit, mich von ein paar Dingen zu distanzieren. Seine Aussagen über die „gelben“, „roten“ und „schwarzen“ Rassen zum Beispiel, finde ich peinlich daneben. Und ja, auch finde ich, dass diese Äußerungen nicht als nebensächlich abzutun sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rudolf Steiner hat sich mit vollem Verstand und leidenschaftlich als Künstler-Forscher in die Welt des Unsagbaren gewagt, und er hat versucht, Worte für Sachen und Vorgänge zu finden, die sehr viele Menschen spüren, ohne sie greifen zu können. Die Art und Weise, wie er sich dieser Aufgabe gewidmet hat, ist mir ein großartiges Vorbild. Und die Art und Weise, wie er manchmal tragisch missverstanden worden ist, ist mir ein Schmerz, der mich freundschaftlich mit ihm verbindet.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-5214375154600881598?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/5214375154600881598/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=5214375154600881598' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5214375154600881598'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5214375154600881598'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/03/150-jahre-rudolf-steiner-was-ich-ihm.html' title='150 Jahre Rudolf Steiner. Was ich ihm verdanke'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4655699678931792230</id><published>2011-02-25T10:20:00.002+01:00</published><updated>2011-02-28T08:56:45.571+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Arabien Umbruch'/><title type='text'>Umbruch in Arabien. Die Bedeutung einer tiefen Verwandtschaft</title><content type='html'>Die arabische Welt bewegt sich, und stellt in ihrer Bewegung, in ihrem Vorsatz, sich auf Kommendes zu orientieren, die europäischen Länder vor eine Probe. Was in Europa seit langem stillschweigend als Widerspruch akzeptiert wurde, als Lüge wenn man will, wird durch den Aufbruch auf einmal deutlich ins Licht gehoben, und  aus diesem Grund ist die Ratlosigkeit in Europa groß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Widerspruch beherrscht das europäische Handeln in der Welt bereits seit dem sechzehnten Jahrhundert. Einerseits meinen die „erleuchteten“ Länder etwas in die Welt bringen zu müssen: die humanistisch-christliche Moral, die Freiheit, die Demokratie, die Trennung von Staat und Religion, die Würde des Menschen... Europa hatte und hat diesbezüglich ein eindeutiges Selbstverständnis: es ist weltweit zuständig für alles was „Aufklärung“ heißt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andererseits hat Europa sich unverschämt aus der Welt geholt, was es braucht: Sklaven, Gold, Silber, Diamanten, Kaffee, Tee, Pfeffer und zuletzt auch billige Arbeitskräfte und Unmengen an Öl. Nur wenige Europäer wissen zum Beispiel, dass die Industrialisierung in ihren Ländern damals mit dem Gold und dem Silber aus Peru, Kolumbien und Bolivien finanziert worden ist. Und heute ist Europa absolut abhängig von den Öl-Lieferungen aus den arabischen Ländern. (Ein Drittel des Öls, das in Deutschland täglich verbraucht wird, kommt aus Libyen.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Lieferung der Güter wurde und wird durch politische, diplomatische und militärische „Maßnahmen“ abgesichert, die nicht mit den aufgeklärten moralischen Botschaften zu vereinbaren sind. Mit der Botschaft der Freiheit kam gleichzeitig die Realität der Unterdrückung. Bereits 1860 veröffentlichte der Holländer Multatuli sein Buch „Max Havelaar“, in dem er an Hand der damaligen Situation in Indonesien den Widerspruch kristallklar aufdeckte. Und seitdem wissen die Europäer eigentlich auch, dass sie in einer Lüge leben, auch wenn sie dies meistens nicht zugeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die arabisch diktatorischen Herrscher haben den europäischen Belangen bis zum gestrigen oder eben heutigen Tag gedient, und zwar in doppelter Hinsicht. Erstens haben sie die Lieferungen von Öl und anderen Produkten an Europa sicher gestellt, wofür sie (nicht die Völker) reichlich belohnt wurden. Das Geld, das die diktatorischen Clans auf diese Art und Weise gesammelt haben, wird auf Konten von europäischen Banken, vor allem in der Schweiz, aufbewahrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweitens haben die arabischen Herrscher die Angst der Europäer vor „muslimischem Fundamentalismus“ nicht nur übernommen, sondern in der eigenen Bevölkerung systematisch angestachelt. Eine negative Darstellung des Islams wurde kreiert und immer wieder neu belebt. Vor kurz noch meinte Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi, dass er dafür gesorgt hätte, dass Typen wie Osama bin Laden in ihre Schranken verwiesen wurden. Die tragische Verschränkung der europäischen Ängste mit den Interessen der arabischen Alleinherrscher hat zur Geburt eines Islam- Doppelgängers geführt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und nun sind es die arabischen Schwestern und Brüder, die Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit verlangen. Sie erinnern die Europäer nicht nur daran, dass sie ihre Nachbarn sind, sondern auch daran, dass sie eine gemeinsame Geschichte haben, die uralt ist. Die Zeugnisse dieser Geschichte sind zum Beispiel in den Büchern der drei Religionen – Judentum, Christentum und Islam – zu finden, vor allem allerdings auch in den politischen, kulturellen und sozialen Idealen, die sich auf die Frage der Gemeinschaft beziehen. Was ist Gemeinschaft? Gerade in dieser Frage begegnen sich die Nachbarn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die arabischen Schwestern und Brüder stellen die europäischen Nachbarn auf eine Probe. Rein intellektuell, so könnte man sagen, geht es dabei um eine alte „philosophische“ Frage: Wie sind Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ZUSAMMEN zu denken? Oder anders gesagt: Wie kann der Widerspruch zwischen christlich-humanistischer Moral einerseits und wirtschaftlichem Handeln (in der Gestalt des Kapitalismus) überwunden werden? Die Frage ist allerdings nicht als eine rein intellektuelle Sache zu verstehen, sie ist eine soziale Angelegenheit geworden. Aus europäischer Sicht stellt sich die Frage so: Was ist Europa ohne Arabien? Die Antwort ist schlicht und einfach: nichts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arabien ist im Kommen. Es ist ein Missverständnis zu meinen, dass alles, was im Kommen ist, auch unbedingt angenehm ist. Wenn Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Bahrein, Jordanien, Palästina und all die anderen arabischen Staaten sich in Richtung Demokratie bewegen, ändern sich die existentiellen Voraussetzungen, nicht nur für Israel im Besonderen, sondern auch für Europa und die USA insgesamt. Die arabischen Völker werden den Schatten der Vergangenheit – sie beruhen auf einem Denken, das aktuell noch immer in Europa herrscht - ohne Ängste thematisieren. Auch das ist nämlich Freiheit: Handeln ohne Angst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um Europa zu erhalten, das heißt, um den großen Ideen treu zu bleiben, die den europäischen Diskurs ausmachen, auch wenn sie angeblich paradox sind, ist es notwendig, dass Europa sich an dem arabischen Diskurs, der im Grunde genommen auf den gleichen Idealen beruht, allerdings einen anderen Weg gegangen ist, beteiligt. Was sagt uns dieser andere Weg über die Ideen und Ideale, die beides sind: Ein Startpunkt aus der Vergangenheit und eine Bestimmung für die Zukunft? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als der große Europäer Friedrich Schiller so locker und selbstverständlich schrieb: „Alle Menschen werden Brüder!“, was schwebte ihm dabei vor Augen? Eine sichere Bestimmung? Oder war er einfach naiv idealistisch? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, inwieweit Europa seine Brüder als Brüder und seine Schwestern als Schwestern annimmt. Ein wunderbarer Aspekt der Umbrüche in den arabischen Ländern liegt darin, dass diesbezüglich ein Angebot gemacht wird. Manche Araber hassen die Europäer und suchen trotzdem Anerkennung auf Grund der tiefen Verwandtschaft.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4655699678931792230?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4655699678931792230/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4655699678931792230' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4655699678931792230'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4655699678931792230'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/02/umbruch-in-arabien-die-bedeutung-einer.html' title='Umbruch in Arabien. Die Bedeutung einer tiefen Verwandtschaft'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-1071669025531957560</id><published>2011-02-19T08:45:00.001+01:00</published><updated>2011-02-19T08:46:48.652+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Meine Freunde, die Ägypter und ich. Alte Fragen in neuen Kleidern</title><content type='html'>Immer wieder weisen die wunderbaren Fäden des Lebens auf Zusammenhänge hin, die sich schwer erklären und „denken“ lassen. Ich bin manchmal in Bezug auf die fein-feurig-farbigen Flechtwerke zwischen Menschen sprachlos, staune über diese fast leichtsinnig hin und her springenden Funken, die gemeinsamen musikalisch klingenden Lebensmotive und vor allem auch über die so genannten „Aufgaben“, die erst in Begegnungen eine Gestalt bekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Leben fügt sich, öffnet Türen, stellt Weichen. Im Moment befinde ich mich in einem gesteigerten Zustand der Sprachlosigkeit. Ich wäre nicht einmal halbwegs im Stande in einem Text zu beschreiben, wie die Schicksalsverbindungen, die Berührungen und Verkettungen, die Referenzen und Analogien sich gerade in den letzten Monaten in meinem Leben zeigen. Das Leben scheint mir im Moment ein Buch zu sein, dessen tausend Seiten sich gleichzeitig im Jetzt lesen lassen. Und ja, die Botschaften sind schwindelerregend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alte und fast vergessene – müsste ich sagen: abgehakte? – Verbindungen zu Menschen und Gruppen von Menschen werden auf einmal höchst aktuell. Sie drängen sich nicht auf, sondern erscheinen zögernd-schüchtern in meinem Blickfeld, stellen behutsame Fragen, knüpfen an Vergangenes an, orientieren sich allerdings auf Zukünftiges. Mir scheint es so zu sein, dass die alten und bekannten Themen neue Kleider gefunden haben und sich wieder auf den Boulevard St. Michel wagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und ich brauche sie nur zu begrüßen, was ich allerdings nicht MUSS. Ich kann es auch lassen und mich abwenden, was im Grunde genommen bedeutet: in meiner Stube (Rainer Maria Rilke: „drin du alles weißt“) bleiben. In dieser Stube, die ich erst in den letzten zehn Jahren gebaut und eingerichtet habe, bin ich sehr gerne, weil es dort eine Ruhe zum Reflektieren und die Nähe zur Poesie gibt. In dieser Stube bin ich so richtig bei mir.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es sind nicht nur alte Freunde, die sich melden, auch neue klopfen an die Tür meiner Stube, sagen etwa: „Hallo, ist jemand da? Habe gehört, dass hier jemand lebt...“ – und ich öffne dann die Tür und staune: Vor mir steht ein Mensch, den ich nicht kenne, dessen Blick mir aber sehr bekannt vorkommt, als ob er vertrauten Sternenstaub zu mir schickt. Nein, ich lasse die Menschen nicht in meine Stube hinein, setze mich aber mit ihnen auf eine Bank in meinem Garten und schaue auf die Schneeglöckchen, die gerade schüchtern anfangen zu blühen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und ich höre zu. Und rede. Und merke, dass offenbar etwas ganz Bestimmtes ansteht. Die Freunde scheinen sich im Moment eine bestimmte Frage zu stellen. Und diese Frage ist genau die Frage, die ich in den letzten zehn Jahren in meiner Stube versucht habe zu begreifen. Ich weiß leider nicht, wie diese Frage fest umrissen zu beschreiben wäre. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie scheint, wie die tausend Seiten des Lebensbuches, tausend Gesichter zu haben. Ich kann nur versuchen, die Frage annähernd zu beschreiben, in der Hoffnung, dass die Leser mich korrigieren, meine Worte ergänzen, neue Ebenen der Fragestellung erörtern, dringend nachfragen, Fragezeichen in Ausrufezeichen verwandeln... (Sprachlich übrigens eine interessante Angelegenheit: Diese Frage scheint nur als Performance in Erscheinung treten zu wollen.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Frage hat mit Beziehung zu tun, und mit organischem und elegantem Umbruch. Sie scheint irgendwie ein Licht auf konkrete Schicksalsbezüge werfen zu wollen, etwa auf die Möglichkeit FLIESSEND miteinander in ein Kommen zu geraten, ohne großartige Entscheidungen treffen zu müssen, Vereine zu gründen, Kongresse zu organisieren, Fonds einzurichten... Die Frage hat die Aura von Merkur: Sie kommt und geht, glänzt und rollt wie Quecksilber (klingt also wie die Stimme von Silvio Rodríguez: „En busca de un sueño“), ist immer nur als Tropfen da und rutscht weg, wenn das Gleichgewicht fehlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Frage versucht die Vorhaben und Aufgaben und Ziele (und was es sonst noch so gibt) gleichzeitig nach unten und nach oben zu verschieben, in gewissem Sinne zu spalten. Nach unten geht es dabei um die Frage: Was macht unsere Beziehung aus, was kann sie tragen, was kann sie bewirken, welche Weichen können wir auf die Basis unserer Verbindung stellen? What difference can we make, just the two or three or four of us?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und nach oben: Wie geraten wir in die Leichtigkeit des Fließens? Vielleicht ist diese Frage verkehrt formuliert, und sie müsste lauten: Wie kommen wir von der Schwere weg, von jeglichem „koordinieren“ und „planen“ und „umsetzen“ und „durchsetzen“ wollen, von „Projekten“ und „Konzepten“, von gewichtigen „Sitzungen“ und „Vereinbarungen“. Ich meine, gerade an dieser Stelle haben die Tunesier und die Ägypter uns in den letzten Wochen etwas gezeigt. Der Umbruch in diesen Ländern war (bis jetzt) gerade das: organisch und elegant, und Gott-sei-dank unaufhaltsam, genau wie Merkur auch.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-1071669025531957560?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/1071669025531957560/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=1071669025531957560' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1071669025531957560'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1071669025531957560'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/02/meine-freunde-die-agypter-und-ich-alte.html' title='Meine Freunde, die Ägypter und ich. Alte Fragen in neuen Kleidern'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4212086789468891209</id><published>2011-02-12T10:55:00.004+01:00</published><updated>2011-02-12T13:39:23.776+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lück Florian'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><title type='text'>Praktiken einer Kultur des Herzens (3). Florian Lück erzählt</title><content type='html'>Florian Lück beantwortet gerne meine Fragen, die ich allerdings in diesem Text weglasse. Der Leser braucht meine Fragen nicht, um zu verstehen, was Florian zu sagen hat. Also spricht Florian, ohne eine Einmischung meinerseits: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ganz offensichtlich wohne ich in einem alten Gutshaus, das zu einem großen Teil immer noch eine Baustelle ist. Mit mir wohnen noch zehn andere Menschen mehr oder weniger fest hier und dazu kommen immer wieder Gäste, die kürzer oder länger bleiben. Der Grund für das, was hier passiert, ist die Idee einiger Menschen, einen sozialen Freiraum zu schaffen. Es geht um den Versuch, ein Milieu zu kultivieren, das dem einzelnen Menschen gewidmet ist. ´Schone fremde Freiheit – und zeige deine eigene!` ein Zitat Schillers, das im Weiteren beides als unendlich schwierig beurteilt.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Dieses innere Geschehen spielt sich äußerlich auf einem, sich im Wiederaufbau befindlichen historischen Gut ab, in einem kleinen Dorf in Nordvorpommern. Ich selbst befinde mich hier als Hausmeister, Gärtner, Handwerker, als Verwalter, Feuerwehrmann und Gemeindevertreter, als Nachbar und Dorfbewohner, aber auch als Gesprächspartner, als Gegenüber, als Wahrnehmender und Spiegelnder, als Freund oder Gefährte, bald als Vater, aber vor allem als Mensch, als ich selbst. Der eigentliche Bau, die unsichtbare Architektur des Freiraums, setzt voraus, dass ich bei mir bin, dass ich, so gut ich kann, so authentisch und wahrhaftig wie möglich, mich selbst lebe – für andere.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„So geht es hier zuerst vielmehr darum, sich in Frieden zu lassen, zu üben, sich gegenseitig frei zu lassen; und auf der anderen Seite darum, das eigene Freiheitswesen, den eigenen Impuls zu finden und ihm Ausdruck zu verleihen. Mit dem Freiraum eröffnet sich ein offenes Feld das freilässt, was geschehen soll, was zu geschehen hat, was anstrebenswert wäre. Es geht einerseits um eine Balance zwischen dem Gefühl, ein absolut sinnloses Projekt zu machen, und andererseits der Ahnung, dass heute nichts wichtiger, notwendiger, fruchtbarer, ja schöner für eine zukünftige Gesellschaft ist, als diese Kultursubstanz.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ich stehe meistens so um acht Uhr auf – öfters auch früher, manchmal auch später. So gut wie immer ziehe ich meine Baustellenklamotten an, packe Laptop und Handy, gehe kurz ins Badezimmer und dann in die Küche. Ich mache mir einen Kaffee und gehe auf die Veranda, schaue in den verwilderten Gutspark direkt gegenüber, lasse das Wetter und die ganze Atmosphäre auf mich wirken und horche, was bei mir so los ist – was aus der Nacht oder dem gestrigen Tag noch nachklingt oder was vielleicht vor mir liegt.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ich will, dass das Haus bewohnbarer wird, mehr Gästezimmer entstehen, dass Park und Garten wieder glänzen. An einem normalen Tag – hm, normale Tage gibt es nicht!  – findet man mich in entsprechenden Tätigkeiten. Aber genauso arbeite ich, wenn ich zwei Stunden in ein Gespräch vertieft einem anderen Menschen begegne; oder wenn mir eine neue Facette des Freiraums bewusst wird. Eigentlich wache ich gerade erst an meinem Arbeitsplatz auf, an dieser unsichtbaren Baustelle einer menschlichen Gesellschaft.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Unser Versuch, einen Freiraum zu kultivieren, erforderte unserer Ansicht nach auch einen freien Arbeitszusammenschluss, und eben keine gemeinsame existentielle Bindung an eine Rechtsform die ein Einkommen verteilt. Die Entscheidung zur Zusammenarbeit sollte nicht aus der Not geboren werden, ein Einkommen zu bekommen. Darüber hinaus begeistert mich die Idee der Trennung von Arbeit und Einkommen im Hinblick auf eine Gesellschaft, in der ich gerne leben würde. In einer solchen richten die Menschen ihre Biografie mehr und mehr danach aus, was sie ihrem eigenen Impuls nach tun wollen und nicht, und nicht danach, wo es Geld zu verdienen gibt.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Mir scheint es, dass die in unserer Arbeitswelt durchaus vorhandene Brüderlichkeit im Wirtschaften nicht zum Bewusstsein und zum Erleben kommt, weil das egoistische Motiv Geld-für-sich-selber-verdienen viel zu stark ist. Wie soll ich eine Arbeit lieben, zu der mich die Notwendigkeit eines Einkommens zwingt? Was mich nicht frei lässt, kann ich nicht lieben. Die Arbeit von diesem Bleischleier irgendwie zu erleichtern, scheint mir angemessen, sowohl für den Einzelnen als auch für die Arbeit selbst.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Mein Einkommen kommt dadurch zustande, dass verschiedene Menschen mir im Monat einen größeren oder kleineren Betrag auf mein Konto überweisen, so dass ich zurzeit gute 500 Euro habe, mit denen ich einigermaßen auskomme. Unser Freiraum, der sich dazu noch bis heute dagegen wehrt, sich von einer juristischen Person fassen zu lassen, entzieht sich auch einer ´Verkaufbarkeit von Ergebnissen`, zum Beispiel Stiftungen gegenüber, die auch noch das Problem haben, nicht Menschen, sondern gemeinnützige juristische Personen mit Geld fördern zu dürfen oder im höchsten Fall Menschen für bestimmte Ergebnisse honorieren dürfen. Aber wirklich schenken, frei, bedingungslos, mit vollem Risiko, ergebnissoffen? Was soll daran steuerrechtlich gemeinnützig sein?“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4212086789468891209?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4212086789468891209/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4212086789468891209' title='7 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4212086789468891209'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4212086789468891209'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/02/praktiken-einer-kultur-des-herzens.html' title='Praktiken einer Kultur des Herzens (3). Florian Lück erzählt'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>7</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-7650874062642315519</id><published>2011-02-04T11:22:00.004+01:00</published><updated>2011-02-04T11:30:34.383+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Das offene Feld der Freundschaft. Über Ehrlichkeit und Treue</title><content type='html'>Ehrlichkeit und Treue gehören zu den Tugenden, die einer freundschaftlichen Beziehung dienlich sind. Sie machen allerdings im Grunde genommen eine Schere aus: Dort wo sie sich kreuzen, tut es manchmal richtig weh. Ehrlichkeit bezieht sich auf Wahrheit, und Wahrheit verstehen wir manchmal als Grundlage unserer Entscheidungen, was „scheiden“ und „trennen“ bedeutet. Mit einem Willen zur Wahrheit, mit Ehrlichkeit also, geht immer eine Gefahr einher: Mein Freund könnte mir etwas enthüllen oder verraten, (oder etwas tun), mit dem ich, warum auch immer, nicht leben könnte oder wollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ideal der Treue hingegen, hat mit Wahrheit gerade nichts zu tun; es verspricht eine Verbindung, die darauf beruht, dass Scheidungen und Trennungen gerade nicht anstehen. Die Bedeutung des Wortes Treue geht auf das indo-germanische "deru" zurück, was Eiche bedeutet; Treue heißt also etwa: fest sein wie eine gewichtige Eiche. Vollkommene Treue ist bedingungslos, hat also einen Kern, in dem trennende Überlegungen keine Wirkung oder keinen Einfluss haben. Dort wo Treue herrscht, sind die Verhältnisse gefügt, ist die Welt eindeutig konstituiert, werden unwandelbare und unbezweifelbare Voraussetzungen geschaffen und gehandhabt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Treue sucht man nicht, man übt sie höchstens aus. Wahrheiten hingegen müssen immer wieder gefunden werden. Wahrheiten nehme ich an, oder lehne ich ab. Die Feststellung, dass etwas „unwahr“ ist, gehört somit wesentlich zur Tätigkeit einer Wahrheitsfindung; anders gesagt: Die Idee der Wahrheit umfasst die Unwahrheit, eben auch die Lüge. Von seinem Wesen her ist Wahrheit vielfältig und differenziert, Treue hingegen erweist sich als einheitlich und geschlossen, was bedeutet, dass ein Akt der Untreue per definitionem das Ende von Treue bedeutet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Tätigkeit der Treue – kann man eigentlich diesbezüglich von einer Tätigkeit sprechen? – umfasst keine Untreue, im Gegensatz zum Willen der Wahrheit der die Unwahrheit mit einschließt. Nur der Wille zur Wahrheit ist im Stande begrifflich Treue und Untreue zu umfassen. Eine Verletzung der Treue läuft deswegen immer über die Wahrheit: Sie stellt fest, dass etwas nicht oder anders gesagt worden ist, eine „Lüge“ also ans Tageslicht gekommen ist, die zu einer Vertrauensfrage führt. Im Zustand des Vertrauens berühren sich Ehrlichkeit und Treue.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Treue ist eine Urgewalt. Sie ist der Wille zum Tragen. Sie ist der Untergrund des Lebens, Basis und Fundament, Masse und Substanz. Auf meine Treue-zu-Dir allerdings ein Licht zu werfen, ist schwierig, vielleicht eben unmöglich, vor allem paradox: Sobald sie beleuchtet wird, wird sie in Frage gestellt. Treue ist eine Sache des reinen Wollens, vergleichbar mit dem Tiefschlaf: Wir kommen mit unserem normalen Bewusstsein nicht an die Treue heran, können sie höchstens „erleben“, was – als Erkenntnis verstanden – ein Akt der Intuition ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Treue ist eine Wirkung der Liebe, die sich mit einer Art Tarnkappe in den dunklen Bereich des Wollens hineinbegibt, in untergründige Tunnel und Höhlen des Lebens, und dort Verbindungen stiftet. Im Gewand der Treue zeigt sich die Liebe als eine gewaltige Kraft, die nie in irgendeiner Vorstellung anschaulich gemacht, höchstens innerlich „gehört“ werden kann. Das Warum einer bestimmten Treue ist undenkbar, liegt im Bereich der Sprachlosigkeit, kann höchstens als Gefühl gespürt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wahrheit hingegen bedeutet immer ein Reflektieren, eine beleuchtende Distanzierung, eine Trennung zwischen mir und Dir, zwischen mir und „Es“; mit ihr geht ein Schritt nach hinten und eine Öffnung nach oben einher, dorthin, wo das Licht von gestern auf den heutigen Tag scheint, wo die in der aktuellen Gegenwart vorhandenen Gegebenheiten in einer breiten Landschaft gezeigt werden. (Um es in den Worten von Sammy zu sagen: Wahrheit wird von links nach rechts, Treue von rechts nach links geschrieben.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die beiden Pole zwischen Ehrlichkeit und Treue öffnen in menschlichen Beziehungen ein dynamisches Feld von Spannungen; sie erzeugen kontinuierliche Unsicherheiten, die einen Grund in der Art und Weise haben, wie der Mensch beschaffen ist. Weil der Mensch beides ist, ein denkendes Wesen und ein wollendes Wesen, geht er in jeder menschlichen Beziehung zwischen zwei Säulen hindurch: An der einen Seite steht die leuchtende Wahrheit, an der anderen Seite die verhüllte Liebe; und in der Mitte sein damit ringendes Gefühl.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-7650874062642315519?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/7650874062642315519/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=7650874062642315519' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/7650874062642315519'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/7650874062642315519'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/02/das-offene-feld-der-freundschaft-uber.html' title='Das offene Feld der Freundschaft. Über Ehrlichkeit und Treue'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-6880581139901838954</id><published>2011-01-30T13:56:00.000+01:00</published><updated>2011-01-30T13:57:35.172+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Sprache'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Derrida Jacques'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lauschen'/><title type='text'>Die Dämmerung der Philosophie. Über den Fluss der Sprache</title><content type='html'>Leider können wir nicht in die Zeit der alten Griechen zurück. Ich sage ‚leider‘, weil ich gestehen muss, dass ich mich manchmal nach der unbefangenen Frische im Denken der alten griechischen Philosophen sehne. Auch heute noch, mehr als zweitausend Jahre später, wirken ihre Texte wie Früchte, die gerade gepflückt wurden und noch nass vom Tau sind. Ihre Worte scheinen noch unbelastet zu sein, die Begriffe frei von Krieg, die Schönheit unmittelbar erotisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solon aus Athen (640 – ca. 560 v. Chr.) soll gesagt haben: „Die Rede sei durch Schweigen zu besiegen, das Schweigen aber durch die Zeit“. Auch heute noch zwingt uns diese Aussage dazu, frisch über die Phänomene des Redens, des Schweigens und der Zeit nachzusinnen. Irgendwie scheint das Rätsel eine Wahrheit zu beinhalten, die wir vielleicht nicht sofort denken können, trotzdem aber spüren. Eine Wahrheit macht sich bemerkbar, bevor wir sie wirklich begreifen.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Pittakos aus Mylene (ca. 650 - 570 v. Chr.) ist überliefert: „Bemaltes Holz ist der beste Schutz der Polis“, eine Aussage, die wie die von Solon als Rätsel gemeint war. Klar ist, dass der alte Weise über die Gesetze gesprochen hat, die in Athen auf Holztafeln verzeichnet und in den Straßen aufgestellt wurden. Rätselhaft ist allerdings, warum Pittakos nicht einfach von Gesetzen gesprochen, sondern auf das Holz verwiesen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann der Hammer von Thales aus Milet (erste Hälfte des 6. Jahrhunderts) : „Das älteste der Wesen sei Gott, der unerzeugte, das schönste sei die Welt, das Werk Gottes, das größte der Raum, der allumfassende, das schnellste der Geist, der alles durchdringe, das stärkste die Notwendigkeit, die alles beherrsche, das weiseste die Zeit, die alles erfinde“. Mit dieser Aussage, meinte Thales, wären alle möglichen Fragen über das Leben und die Welt beantwortet. Hinter den Worten ist allerdings ein Lächeln spürbar, vor allem auch, weil der letzte Teil der Aussage – „das weiseste ist die Zeit, die alles erfinde“  – rückwirkend das Ganze fast ironisch in Frage stellt. (Weil es nicht ganz ironisch ist, bleibt die Weisheit dabei.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von solchen Aussagen sind wir in der heutigen Zeit weit entfernt. Philosophen schreiben sehr komplizierte Bücher, Politiker machen geschmeidige Aussagen, Wissenschaftler überladen uns mit Ergebnissen von Untersuchungen, Journalisten veröffentlichen täglich Nachrichten und vor allem auch Kommentare, Wikileaks kreiert einen Stau von Dokumenten. Einen Überblick  in den Ozean der dringenden Meldungen hat kein Mensch.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der aktuellen sprachlich-kulturellen und „weltanschaulichen“ Vielfalt werden Worte und Begriffe immer wieder neu definiert, dass heißt erst „dekonstruiert“ und dann wieder neu „konstruiert“. Egal wovon man redet, in fast jedem Diskurs müssen die Worte von Altlasten befreit werden, bevor sie eingesetzt werden können. Meistens, so meine ich, gelingt das nicht nachhaltig, höchstens für die Dauer des entsprechenden Textes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt eine ganze Menge von Wörtern, die man nicht mehr benutzen kann, ohne mit Sicherheit Missverständnisse zu erzeugen. Alleine in dem Text, den ich jetzt gerade schreibe, wären als problematisch zu bezeichnen: Denken, Philosophen, Begriffe, Schönheit, erotisch, Leben, Welt, sprachlich, kulturell, weltanschaulich, dekonstruiert, (hat Jacques Derrida damit gerechnet, dass auch der Begriff Dekonstruktion ständig dekonstruiert werden würde?)... Und in jedem weiteren Satz werden Worte und Begriffe auftauchen, deren Bedeutungen (!) sich leicht in der Weite der Vielfalt verlieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieser Umstand, so scheint es mir, erzeugt zwei Bewegungen. Die erste Bewegung kennen wir alle, sie ist eigentlich gerade als eine Nicht-Bewegung zu beschreiben, weil sie Fixierung bedeutet: wir versuchen die Worte und Begriffe in bestimmten sprachlichen Zusammenhängen – man könnte auch sagen: in Diskursen – festzulegen. Um Missverständnissen vorzubeugen, versuchen wir krampfhaft den Worten eine steinige Eindeutigkeit zu verleihen. Das führt dazu, dass die Worte keine saftigen Früchte mehr sind, wie Pfirsiche, sondern nur noch Kerne ohne Fleisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die zweite Bewegung bemerken wir weniger, sie ist allerdings wichtiger. Sie bedeutet, dass wir uns gerade von den Eindeutigkeiten entfernen und ins sprachliche Spielen geraten. Vor allen in den Kneipen, Schlafzimmern, Küchen, Straßenbahnen und auf der Straße ist diese Tendenz zu beobachten. Sie beruht auf der inneren Haltung, dass es „egal“  sei, wie wir die Dinge benennen, die Hauptsache wäre, dass wir „uns verstehen“. Und diese Haltung steigert sich schwindelerregend, sobald wir uns ins Internet begeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man könnte es auch so sagen: in der Sprache wird immer wichtiger, dass Bedeutungen „intuitiv“ (!!!) ergriffen werden. Nicht das äußere Gewand der Sprache zählt, sondern ihre innere-spielende-verwandelnde Dynamik. Wir fangen langsam an, über die festgelegte Sprache hinaus zu lauschen, kommen somit von durchschaubaren Konzepten weg und finden Zugang zu einer ätherischen (excusez le mot!) Ebene, wo Gegenstände keine Gegenstände mehr sind, Worte keine Flaschen, Meldungen keine Nachrichten, Fußnoten keine semantischen Schrauben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und interessant: in der Dämmerung der Philosophie, die mit diesen beiden Bewegungen einher geht, kriegen die Aussagen von Solon, Pittakes und Thales – sie gehörten zu den sogenannten „Sieben Weisen“, die vor mehr als zweitausend Jahren die Philosophie angestachelt haben – eine unerwartete Wirkung. Sie wirken taufrisch, weil sie eine Nähe zum Fließen der ätherischen Welt haben. Um an ihre rätselhaften Bedeutungen heran zu kommen, verlangen sie etwas von uns, was wir gerade lernen wollen: uns dezentriert in der Vielfalt immer wieder neu erfinden.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-6880581139901838954?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/6880581139901838954/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=6880581139901838954' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6880581139901838954'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6880581139901838954'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/01/die-dammerung-der-philosophie-uber-den.html' title='Die Dämmerung der Philosophie. Über den Fluss der Sprache'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4957315496227243200</id><published>2011-01-22T11:57:00.004+01:00</published><updated>2011-01-22T12:08:49.575+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Sprache'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='samuel und sammy'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Rilke Rainer Maria'/><title type='text'>Sammy heute an Samuel. Auch über die dreiunddreißig Zaunkönige</title><content type='html'>Lieber Samuel, ich möchte Dir heute keine mitteilenden, sondern stiftende Worte schreiben, Worte also, die in der Schrift zwar von links nach rechts, im Innenraum zwischen uns allerdings von rechts nach links laufen, wie wir es damals, als wir noch auf der Suche waren und unsere Eltern nicht finden konnten, gelernt haben, da oben, wo der Rhein nicht von Süden nach Norden, sondern von Norden nach Süden fließt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir müssen, so meine ich, in unserer Sprache jeden festen Grund vermeiden, jede Architektur ausschließen – alles was perfekt quadratisch oder perfekt rund ist, in einen Wirbel bringen, in eine verwirrende Bewegung nach oben auflösen, wie dreiunddreißig Zaunkönige, die sich auf einer Fliese versammelt haben – das würden sie natürlich nie tun – und sich dann auf einmal in die Höhe verlieren wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir müssen also mit unserer Sprache aufsteigen, herum flattern, ungenau werden, oder vielleicht besser gesagt: eine neue Genauigkeit finden, die sich – wie die Würde des Menschen – nicht fotografieren lässt, nicht einmal in der Sprache selber dokumentiert werden kann, weil die Wörter und die Worte und die Redewendungen sich nur auf dasjenige beziehen wollen, was gerade nicht koordiniert ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun denkst Du vielleicht, dass die Redewendung „Bewegung von rechts nach links“ auch auf bestimmten Koordinaten beruht, und natürlich hast Du recht: unsere Sprache hat immer einen Bezug auf irdische Verhältnisse. Links ist auf der Erde nun einmal nicht rechts, rechts nicht links. Ich rede allerdings von einem Rechts, das gleichzeitig auch Links bedeutet, dass heißt: mein Rechts beinhaltet bereits von Anfang an auch ein Links. Und es wird Dir einleuchten: wenn man rechts lange genug weiter denkt, kommt man letztendlich von rechts zu rechts, was dann auf einmal links geworden ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja, Samuel, ich will Dich heute mit meiner Sprache verwirren, weil nur in der Verwirrung die großen Drei verborgen liegen: Anfang, Wink und Wandlung. Hat es nicht bereits Rainer Maria Rilke vom Dichter gesagt: „Da schufst du ihnen Tempel im Gehör“. Weißt Du – ja, jetzt wird es so richtig verwirrend – wer mit „ihnen“ gemeint war? Lies das einmal bei Rilke nach, und Du wirst finden: mit „ihnen“ sind die Tiere gemeint, die aufgehört haben zu brüllen und schreien, und „nicht aus Angst in sich so leise waren, sondern aus Hören“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was, wenn das Wilde auf einmal leise wird? Nein, dadurch, dass das Wilde auf einmal leise wird, ist es nicht gezähmt oder koordiniert oder auf einer Fliese übersichtlich zusammengebracht. Sind dreiunddreißig Zaunkönige auf einer Fliese „übersichtlich“? Nein, das sind sie nicht. Nichts ist so verwirrend und unmöglich und undenkbar wie dreiunddreißig Zaunkönige auf einer einzelnen Fliese. Wie gesagt: die kleinen-großen souveränen Hoheiten würden es nicht zulassen, so zusammen gepresst zu werden. Ich behaupte eben, dass es dies nicht ein einziges Mal in dem langen-langen-langen Werdegang unseres Planeten gegeben hat: dreiunddreißig Zaunkönige auf einer Fliese! (Nun ja, vielleicht einmal: in diesem Text.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was still wird, ist dadurch nicht quadratisch oder rund geworden. Stille mit Ordnung zu verwechseln, ist ein Fehler, groß genug für sieben mal sieben Jahre harter innerer Arbeit, Jahre die von rechts nach links verlaufen... So ist es mit Fehlern: sie beschäftigen uns immer wieder, leider von links nach rechts, und erst wenn wir uns auf die Verwirrungen einlassen, lösen sich die Knoten in uns.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da oben sind die Wörter und Worte und Redewendungen frei von Flaschen. Etiketten und Alkoholprozentangaben, und die Logik der Nur-drei-Farben, grün, weiß und braun, gibt es da oben nicht. Der Reichtum der Farben wäre nicht auf drei Löcher in riesigen Containern zu reduzieren, nicht „im Grunde genommen nicht“ (ich will heute nicht gründen, sondern stiften), sondern „in der Luft genommen“ nicht. Gibt es so etwas wie drei oder sieben oder eben zwölf Löcher in der Luft?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich nenne Dich heute Samuel und Jan und Louis und Hannelore und Jessica und Vanessa und Rainer und Sebastian und Annette und Rob und eben Angela. Ich möchte Dich bei deinen dreiunddreißig wahren Namen nennen, bis zu Sammy, deinem letzten Namen, ganz rechts am Ende der Auflistung, dort also, wo rechts auf einmal links geworden ist. Und mit dreiunddreißig Namen sind nicht dreiunddreißig Namen gemeint, sondern ALLE Namen, die keine Namen sind, sondern Stiftungen, die entzünden. Von allen Namen gehen stiftend alle Namen aus.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4957315496227243200?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4957315496227243200/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4957315496227243200' title='14 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4957315496227243200'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4957315496227243200'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/01/sammy-heute-samuel-uber-dreiunddreiig.html' title='Sammy heute an Samuel. Auch über die dreiunddreißig Zaunkönige'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>14</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4935362144308031240</id><published>2011-01-16T10:10:00.002+01:00</published><updated>2011-01-17T15:06:01.019+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Initiation'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lievegoed Bernard'/><title type='text'>Konzepte sind immer fertig. Über die Hoffnung der Initiation</title><content type='html'>Wie fertig ist die Welt? Wenn wir auf das gesellschaftliche Leben schauen, könnten wir meinen, dass bereits alles, was wir brauchen, vorhanden ist. Für alle möglichen Fragen und Probleme gibt es Spezialisten, Verfahren und Lösungen: Um Krankheiten zu heilen, gibt es Ärzte und Therapeuten; um Konflikte zu lösen, gibt es Richter und Schlichter; um die (manchmal schwierige) Zusammenarbeit zu verbessern, gibt es Supervisoren; um finanzielle Engpässe zu bewältigen, gibt es Schuldenberater; um Kindern mit Defiziten zu helfen, gibt es Heilpädagogen; und um zu seinem höheren Selbst zu gelangen, gibt es sogar dafür mittlerweile spirituelle Dienstleister.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor allem gibt es aber eine ganze Menge von „Konzepten“. So wird von „strategischen Plänen“, „Evaluations-Techniken“, „Krisenmanagement“, „Schicksalslernen“ und sogar „Trauermanagement“ gesprochen. Es geht dabei um bestimmte „Methoden“, die gedanklich klar zu greifen sind – sie sind überschaubar und beinhalten immer zumindest drei „Schritte“, manchmal eben zwölf – und deswegen in unterschiedlichen Situationen operabel sind. Kennt man sich mit dem entsprechenden Konzept aus, kann man es anwenden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon die Sprache verrät aber, auf welcher Ebene die Lösungen gesucht werden. Wörter wie Strategie, Management und Techniken haben zum Beispiel einen gemeinsamen Bedeutungskern – sie unterstellen, dass man das Leben im Griff haben KANN. Nun scheint es auch mir richtig zu sein, dass man sich Gedanken über das Leben macht und versucht, sich dementsprechend zu verhalten. Sobald man allerdings meint, dass damit alle Rätsel des Lebens gelöst werden können, erzeugt man ein noch größeres Problem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und das noch größere Problem könnte so beschrieben werden: Hoffnungen, die konzeptionell zu expliziten und evaluierbaren Erwartungen verdichtet werden, hören auf Hoffnungen zu sein. Das Wesen der Hoffnung ist offen, das Wesen der Erwartung geschlossen. Das berechtigte methodische Bedürfnis, gewisse Probleme über Konzepte in den Griff zu kriegen, hat einen Schatten, der manchmal von Supervisoren, Beratern oder Dienstleistern übersehen wird. Das konzeptionelle Denken, um es einfach zu sagen, ist immer ein Ergebnis des gestrigen Tages – es beruht einseitig auf etwas, was wir schon kennen, was also aus unseren Erfahrungen stammt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sachen und Dinge des Lebens die im Kommen sind, können prinzipiell nicht von Konzepten ergriffen werden. Sie sind immer neu. Und Neuigkeiten – man könnte an dieser Stelle auch von Ereignissen sprechen: etwas „ereignet“ sich – haben die wunderbare Wirkung, dass sie bestehende Konzepte sofort umkrempeln. Das Neue passt natürlich immer in das Alte, das ist keine Frage, aber nie in unsere Vorstellungen des Alten. Was wir DENKEN, was die Vergangenheit ausmacht, müsste sich nämlich ständig ändern, der Gegenwart entsprechend. Konzepte, vor allem wenn sie aus ideologischen Gründen nicht in Frage gestellt werden dürfen, sind hartnäckige Phänomene, die erstens die Laien verunsichern (sie blicken nicht durch) und zweitens den Profis einen bequemen Stuhl bieten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle Menschen haben Probleme. Ohne Probleme hätte das Leben keinen Sinn. Nun scheint es mir so zu sein, dass in der direkten Nähe eines Menschen-mit-Problemen, wenn man also von Angesicht zu Angesicht steht, dieser Mensch immer als einzigartig und einmalig erscheint. Bernard Lievegoed – er war auch Arzt – hat es mir einmal gesagt: „Menschen mit Krebs gibt es nicht, es gibt höchstens Menschen, die sich auf ihrer Art und Weise mit der Krankheit namens Krebs auseinandersetzen“. Und noch radikaler über Aids: „Aidspatienten sind eine gesellschaftliche Erfindung. Eine neue soziale Entwicklung wird über eine sogenannte individuelle Krankheit hinweg definiert. Das Neue wird gar nicht gesehen, weil das alte Denken im Wege steht“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was das Neue in Bezug auf Aids beinhaltet, kann an dieser Stelle nicht ausgeführt werden. Mir geht es darum, zu betonen, dass die direkte Nähe zu einem Menschen-mit-Problemen immer dazu führt, dass die bekannten Kategorien sich auf einmal als weniger relevant erweisen. Jedes Lebensproblem ist im Grunde genommen mit dem Weg eines konkreten Menschen verbunden, mit einer (nun ja, sagen wir: biographischen?) Fragestellung, die wie ein Rätsel, oder vielleicht schöner: ein Mysterium im Raum der Nähe erscheint. (Ja, man könnte von einer biographischen Frage sprechen, müsste allerdings daraus kein neues „Fach“ machen: Lebensprobleme sind in diesem Sinne immer fachübergreifend.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kenne eigentlich nur einen Begriff, der zumindest halbwegs andeutet, wie die hier gemeinten „biographischen“ Vorgänge zu verstehen sind. Rudolf Steiner hat davon gesprochen, dass es einmal eine Zeit geben könnte, in der die „Initiation zum Zivilisationsprinzip wird“. Also: Initiation... In seinen hoffnungsvollen Vorstellungen – von Konzept kann man an dieser Stelle wirklich nicht sprechen – könnte es so sein, dass Kindergärten, Banken, Unternehmungen, Krankenhäuser und Bahnhöfe zu Orten der Initiation werden. Um dies zu erreichen, müssten allerdings Freiräume-der-Nähe geschaffen werden, Räume also, in denen sensibel auf Konzepte verzichtet wird. In diesen Räumen ginge es eher darum, auf die delikaten Dinge des Herzens zu schauen, und auf das zu lauschen, was im Kommen ist.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4935362144308031240?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4935362144308031240/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4935362144308031240' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4935362144308031240'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4935362144308031240'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/01/konzepte-sind-immer-fertig-uber-die.html' title='Konzepte sind immer fertig. Über die Hoffnung der Initiation'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4322637772056814674</id><published>2011-01-07T12:42:00.001+01:00</published><updated>2011-01-09T15:47:52.954+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lauschen'/><title type='text'>Nochmals über das Lauschen. Hat die Konferenz schon angefangen?</title><content type='html'>Ich bleibe auch in dieser Woche beim Lauschen. Was höre ich im neuen Jahr? Welche Stimmen klingen in mir? Was steigt bei meinem Lauschen aus dem Ozean der Sehnsüchte hoch, was will verdichtet werden zum Vorsatz und zu einer Entscheidung? Welche Weichen wollen gestellt, welche Bestimmungen erreicht, welche Fäden geknüpft werden? Wohin geht die Reise im Morgenland?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf Spanisch spricht man von „Levante“, dem Osten, dem Bereich des Himmels, wo sich die Sonne „hebt“. Wenn man auf die Levante schaut, sich auf sie orientiert (Orient: der Osten) richtet man sich auf die Dinge, die im Kommen sind. Mit dem Ansteigen der Sonne werden die Schatten zwar kleiner, sie schrumpfen, ziehen sich quasi in die Gegenstände zurück, verschärfen und vertiefen sich allerdings auch. In den Osten zu blicken bedeutet innerlich: auf „Ostern“ zu zugehen, auf Tod und Auferstehung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was höre ich? Es gibt Stimmen in mir, die von der Vergangenheit sprechen. Sie erzählen von Ereignissen, an denen ich beteiligt war, und die aus irgendeinem Grund nicht ad acta gelegt werden können. Sie erscheinen allerdings traumhaft und in einem neuen Licht, das sie leichter und überschaubar macht. Die zarten Erzählungen betreffen zwar schmerzhafte Vorfälle, sind aber getragen von einem sanften Willen zur Versöhnung. Ihre behutsamen Beschreibungen wecken in mir ein Verlangen zum Verzeihen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gleichzeitig erzeugen sie Angst, Unsicherheit, Zweifel... Eine Stimme sagt mir, dass ich die Vergangenheit in Ruhe lassen soll, ich habe mich doch damals richtig bemüht, ja eben verausgabt, um den Ansprüchen gerecht zu werden, um mich mit den Beteiligten auseinanderzusetzten, um die hohen Ziele zumindest halbwegs zu erreichen? Mir im Nachhinein einen Vorwurf zu machen, so besagt die Stimme, würde heißen, dass ich mich selbst nicht respektiere.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich verstehe diese Stimme. Aber eine andere Stimme verstehe ich allerdings auch: Sie weist mich leise darauf hin, dass es gar nicht um mich geht, gar nicht um die Frage geht, ob ich „richtig“ gehandelt habe, sondern darum, ob ich heute, nach so vielen Jahren, einen neuen Blick auf die Vergangenheit werfen, neue Erkenntnisse haben, mich auf neue Stimmungen einlassen kann. Die Frage der Richtigkeit, sagt diese Stimme, bezieht sich nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die Gegenwart.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Stimme will nicht überzeugen. Sie sagt einfach, was sie zu sagen hat, und ist in eine freilassende Stimmung eingebettet, die vielleicht noch am besten mit dem Adjektiv „wohlwollend“ anzudeuten ist. Sie will zwar etwas von mir, überlässt mir allerdings das Wollen. Und seltsam: würde ich nicht wollen, was sie will, findet sie dies auch in Ordnung. Sie würde sich nicht einmal von mir abwenden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann gibt es in mir Stimmen, die sich auf heute und morgen und übermorgen und das ganze kommende Jahr richten. Sie verwirren mich, sind schwer einzuordnen, kommen nicht aus einem Zentrum, das ich lokalisieren könnte, sondern bewegen sich aus einer „levantischen“ Peripherie auf mich zu. Sie beziehen sich auf konkrete Sachen: auf Freunde und Feinde, auf versöhnende Worte und öffnende Aussagen, auf Treffen auch, irgendwann und irgendwo, die nur dann stattfinden werden, wenn ich das will.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht könnte ich es am besten so sagen: die Stimmen aus der Peripherie versuchen offenbar ein Licht auf die Möglichkeiten zu werfen. Was wäre, wenn ich Freund X, Feind Y und Weggefährte Z zu einem Gespräch einladen würde, um gemeinsam auf Vergangenes zu blicken? Was könnte ich dann, von Angesicht zu Angesicht, ihr oder ihm sagen? Wie könnte ich mich entschuldigen, wie könnte ich sie oder ihn erreichen, welche konkreten Worte könnten ausgesprochen werden?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und durch diese Annäherung findet das Treffen eigentlich schon statt, zwar in mir, – dort, wo ich bei mir und bei dir bin - vielleicht allerdings somit auch schon in dir? Vielleicht lauschst Du schon längst mit, in dieser inneren Welt der Stimmen? Vielleicht schaust du, genau wie ich, auf diese verwirrenden und verlockenden Möglichkeiten, auf diese potentiellen Annäherungen, die nicht mehr potentiell sind, sobald wir sie annehmen und aufnehmen und ernst nehmen? Hat die Konferenz, das Konzil, das Treffen schon begonnen? Vielleicht rede ich schon in dir und du in mir.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lebendige Vergangenheit bezieht sich immer auf lebendige Zukunft. Im inneren Lauschen gibt es keinen Unterschied zwischen Vergangenem und Kommendem. Im geistigen Raum der inneren Nähe gibt es nur eine Wirklichkeit, die der Gegenwart. Sich vertrauensvoll aus diesem aktuellen Lauschen zu Vorsätzen und Entscheidungen vorzutasten, bedeutet im Grunde genommen: Sich als souveräne Hoheit in das kommende Jahr hineinzubegeben. Das Jahr und ich: wir wollen auseinander hervorgehen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4322637772056814674?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4322637772056814674/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4322637772056814674' title='10 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4322637772056814674'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4322637772056814674'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/01/nochmals-uber-das-lauschen-hat-die.html' title='Nochmals über das Lauschen. Hat die Konferenz schon angefangen?'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>10</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3314471123375708931</id><published>2010-12-31T14:26:00.002+01:00</published><updated>2011-01-07T12:45:38.361+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kerze'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lauschen'/><title type='text'>In den zwölf heiligen Nächten (2). Über das Lauschen, Fragen und Wollen</title><content type='html'>In den heiligen Nächten steht das Lauschen an. Im Lauschen, so schrieb ich letzte Woche, werden wir still. „Wir hören auf das, was im Kommen ist, was Anfang, Wink und Wandlung bedeutet, was geboren werden will und unser Lauschen braucht, um in der Gegenwart ankommen zu können“. In den Kommentaren auf meinen Text entstand darauf eine interessante Wendung, die mich seitdem beschäftigt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wendung hat mit einer Frage zu tun, und zwar mit dieser: Liegt dem inneren Lauschen nicht immer eine – vielleicht verborgene – Frage zu Grunde? Kann man lauschen, ohne zu fragen? Bedeutet Lauschen nicht einfach: Eine Frage zu haben, die sich darin zeigt, dass wir etwas hören wollen? Oder vielleicht anders gesagt: Wenn ein Wollen vorliegt, in diesem Fall ein Wollen zum Lauschen, können wir dann sagen, dass somit in uns immer auch eine – vielleicht verborgene – Frage lebt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In dieser Wendung vom Lauschen zum Fragen öffnet sich ein ganz großes Thema, das nicht nur mit dem Lauschen, sondern überhaupt mit dem Wollen zu tun hat. Man könnte das Wollen als eine unbewusste seelische Tätigkeit verstehen – im Wollen schlafen wir, erst im Denken sind wir komplett wach – die überhaupt als die Quelle unserer Fragen zu definieren wäre. Die Wendung beinhaltet also drei Schritte: der erste Schritt führt zum Lauschen, der Zweite zum Lauschen-als- Frage, der Dritte zur Frage-als-Wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich will immer ETWAS hören. Wenn wir diesem Gedanken nachgehen, kommen wir zwangsläufig zu Platon, der meinte, dass wir uns nur nach etwas sehnen können, was wir schon kennen – wir haben es nur vergessen. Alles Wollen und somit alles Fragen geht aus Sicht des griechischen Philosophen darauf zurück, dass es einmal eine Verbindung gab, eine Art einheitliche und runde Beziehung, die allerdings verloren gegangen ist. Platon zufolge sind wir immer auf der Suche, das zu heilen, was zerbrochen ist. Diese Sichtweise gehört zu den Kerngedanken einer spirituellen Lebensauffassung, und sie bedeutet im Grunde genommen, dass mich nur dasjenige berührt, was (schon) zu mir gehört.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der (aristotelische) Einwand liegt nahe: In der platonischen Sichtweise kann es so etwas wie das „Neue“ nicht geben. Ich lasse die Spannung zwischen Altem und Neuem für heute einfach im Raum stehen. Um Platon allerdings nicht nackt dastehen zu lassen, diesbezüglich nur eine Bemerkung: das Neue liegt für Platon gerade in der Wiederkehr des Alten. Neu ist aus seiner Sicht, was wir aus dem Bereich des Verlustes bewusst zurück erobert haben.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ist aber eigentlich eine Frage? Spannend ist, was die Sprachwissenschaftler über das Verb „fragen“ zu sagen haben. Das Wort kommt so nur in der deutschen und niederländischen Sprache vor (vragen), und ist überraschenderweise mit „Furche“ (Ackerstrecke) verwandt. Die Grundbedeutung des Verbs ist also: „wühlen und aufreißen“, und damit sind wir in der Tat im Bereich des Wollens angekommen: erstens weil das unbewusste Wollen uns immer wieder aufwühlt, zweitens weil der Akt des Fragens zu etwas Aufgewühltem führt. Es ist wie mit einem Acker: Um neues Leben zu ermöglichen, muss er aufgewühlt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das innere und äußere Lauschen könnte also gleichzeitig in zwei Richtungen gehen: ich lausche auf „Etwas“ (eine zarte Stimmung in mir, das Singen einer Amsel beim Sonnenuntergang) und versuche mich so in meine Ohren hinein zu begeben, dass ich wirklich bei und mit und in diesem „Etwas“ bin. Um dies zu erreichen, muss ich mich irgendwie in etwas „Fremdem“ (was allerdings vielleicht gar nicht so fremd ist) verlieren. Und ich bewege mich gleichzeitig nach innen, zu diesem Ort, wo ich bei und mit und in mir bin, wo mein „sanfter Wille“ (Georg Kühlewind) sich bemerkbar macht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der vollkommene Akt des Zuhörens bedeutet so gesehen zweierlei: ich schlafe in „Etwas“ ein (verliere mich) und wache in einer Frage auf (finde mich wieder), die schon vorher meine unbewusste Frage war, im Aufwachen aber zur bewussten Frage wird. Wenn es zum Beispiel um das bezaubernde Singen einer Amsel geht, fällt mit sofort ein, was meine lebenslange Frage beinhaltet: Was macht die passionierte Mischung von Melancholie, Vertrauen und Dankbarkeit aus, diese herzzerreißende Hingabe zum Abschied? Und ich weiß, warum ich meine Freunde und Verwandten nicht gerne zum Bahnsteig begleite: Mit dieser leidenschaftlichen Art des Abschieds tue ich mich immer schwer. Ich sage lieber einfach: Tschüs!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit welcher Frage lebe ich aber in diesen heiligen Nächten? Ich sitze gerade in meiner Küche, schreibe diesen Text und höre auf Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertes Klavier“. Ich weiß nie, ob ich Bach hasse oder liebe, auf jeden Fall berührt er mich immer wieder. Und meine Frage ist auf einmal klar: Ich möchte so schreiben und leben, wie er Musik gemacht hat. Die unendlichen und vielseitigen Motive des Lebens trotz aller Dissonanzen transparent machen, das ist das, wonach ich mich heute sehne, da liegt meine Frage, das ist das, was ich will. Ich danke meinen Leserinnen und Lesern für diese schöne Wendung und hätte noch die Frage: was wollt ihr?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3314471123375708931?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3314471123375708931/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3314471123375708931' title='18 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3314471123375708931'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3314471123375708931'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/12/in-den-zwolf-heiligen-nachten-2-uber.html' title='In den zwölf heiligen Nächten (2). Über das Lauschen, Fragen und Wollen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>18</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-453530245668414114</id><published>2010-12-25T10:36:00.003+01:00</published><updated>2011-01-07T12:46:09.341+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kerze'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lauschen'/><title type='text'>In den zwölf heiligen Nächten. Die Entzündung einer Kultur des Herzens</title><content type='html'>In den zwölf heiligen Nächten, so besagt die Tradition, öffnen sich die Türen zur geistigen Welt. Die Schwelle zwischen Himmel und Erde, so heißt es, wird durchlässig. In der Verinnerlichung, die mit Weihnachten einher geht, wird ein gesteigerter Dialog zwischen mir und Mir, zwischen dir und Dir und – würde ich sagen – zwischen Dir und Mir möglich. Und weil es sich um einen geistigen Dialog handelt, der über die üblichen Erkenntnisse hinaus geht, steht die Tätigkeit des Lauschens an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lauschen gehört zu den schönsten Wörtern der deutschen Sprache. Lauschen ist eine Sache der Ohren, diese wunderbaren und eleganten Wölbungen an unseren Häuptern, die sanft das greifen, was eigentlich nicht zu ergreifen ist. Wenn man versucht die Laute des Wortes zu „schmecken“  – Wörter zu schmecken ist eine poetische Haute Cuisine – gerät man innerlich spontan in eine Bewegung, die irgendetwas mit schleifen und rauschen und tasten und auch mit fangen zu tun hat – einem Fangen allerdings, das eher passiv funktioniert, so, als ob es gelänge, Schmetterlinge dazu zu verführen, freiwillig ins Netz zu flattern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lauschen ist eine ganz leise und ganz zarte Implosion. Die Ohrmuscheln wölben sich nach außen, werden von Klängen berührt, die sie in sich aufnehmen und nach innen leiten, man könnte vielleicht besser sagen: nach innen begleiten, und dort – wo ich bei Mir bin – eine neue Form anbieten, eine wesentliche Existenz. Rainer Maria Rilke dichtete: „Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung!/ O Orpheus singt! O hoher Baum im Ohr!/ Und alles schwieg. Doch selbst in der Verschweigung/ ging neuer Anfang, Wink und Wandlung vor.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Lauschen werden wir still. Wir hören auf das, was im Kommen ist, was Anfang, Wink und Wandlung bedeutet, was geboren werden will und unser Lauschen braucht, um in der Gegenwart ankommen zu können. Ohne stilles Lauschen - keine Geburt. Das Bild ist uns ja vertraut: man setzt sich bei einer Kerze nieder, wird still wie die sanft flackernde Flamme, und lauscht... Und im Lauschen gelangt man in sich selber an eine Schwelle, wie im Winterwald: schüchtern wagen sich Rehe aus dem Dunkel auf die Lichtung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es geht beim Lauschen nicht um klare Gedanken, sondern um Gefühle, die wir manchmal ein bisschen unbeholfen mit Ahnungen, Sehnsüchten und Träumen gleichsetzten. Eigentlich müssen wir allerdings einräumen, dass uns die richtigen Worte fehlen. Die Stimmungen, die an der Schwelle zur geistigen Welt auf uns zu kommen, sind eher als Gestalten zu verstehen, mit denen man „sprechen“ kann – ein Sprechen, das eigentlich ein gegenseitiges Lauschen bedeutet. Gefühle – nicht Emotionen sind hier gemeint – sind tatsächlich wie Rehe: sie haben eine eigene Gestalt, einen eigenen Willen, eine eigene Domain.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den heiligen Nächten geht es also um Natalität, um das ständige und meistens unbewusste Geschehen in uns, das uns leise nach vorne bringt. In den ersten heiligen Nächten bieten sich die Ahnungen und Sehnsüchte an, die uns berühren und verführen, dann folgen die Vorsätze, die wie Navigationsinstrumente im Reich-des-im-Kommen-Seins wirken: ein Vorsatz ist genau das, was das Wort ausdrückt: ein Vor-Satz, man kann sich immer statt nach links doch noch nach rechts bewegen. Und wenn die heiligen Nächte durch den Jahreswechsel geschritten sind, taucht das Bedürfnis nach Entscheidungen auf. Die Gestaltung des kommenden Jahres beruht auf der Aktivierung dieser großen Drei: Sehnsucht, Vorsatz und Entscheidung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interessant: beim Lauschen werden Sehnsüchte, Ahnungen und Träume aktiv. Sie bekommen einen Raum, einen inneren Ort, in dem sie in Erscheinung treten können, in dem sie ihre eigene Geschichte erzählen können, eine Erzählung, die es nur gibt, wenn wir ihr lauschen. Erzählungen, die nicht gehört werden, gibt es nicht, (so wie es auch keine Texte gibt, die nicht gelesen werden). Wäre es nicht schön, die verborgenen Erzählungen der heiligen Nächte ins Licht zu heben? Mit unserem Versuch entzündet sich eine Kultur des Herzens.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-453530245668414114?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/453530245668414114/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=453530245668414114' title='15 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/453530245668414114'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/453530245668414114'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/12/in-den-zwolf-heiligen-nachte-die.html' title='In den zwölf heiligen Nächten. Die Entzündung einer Kultur des Herzens'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>15</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-470403050617510079</id><published>2010-12-18T23:44:00.001+01:00</published><updated>2010-12-18T23:47:11.054+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Unternehmung Sil'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Praktiken einer Kultur des Herzens (2). Über die Unternehmung Sil</title><content type='html'>In meinem vorletzten Weblog (05.12.2010) schrieb ich Folgendes über einen guten Freund, den ich als Schicksalsgefährten betrachte: „Sein Begabungsprofil besteht daraus, dass er konkret spüren kann, welche Potenziale zwischen den Menschen verborgen liegen. Man könnte nicht einmal sagen, dass er ein NETZWERKER ist, weil seine erweckenden Tätigkeiten weit darüber hinaus gehen. Ich betrachte ihn als einen SCHICKSALSWERKER“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der finanziellen Ebene, so berichtete ich weiter, kriegt er sein Leben allerdings nicht organisiert, was auch damit zu tun hat, dass die öffentliche Anerkennung für seine Begabung fehlt. Dazu schrieb ich: „Letztendlich müssen und können und dürfen es doch die „freien“ Bürger sein, die „Freunde“ also, die sich aus Freiheit dieser Verpflichtung stellen? Praktisch gesagt: zwanzig mal fünfzig Euro im Monat würden tausend Euro bringen. Und davon könnte ein erfahrener Schicksalswerker, der gewohnt ist, mit wenig Geld auszukommen, für eine Weile gut leben, sagen wir erst einmal: für ein Jahr?“ In den Kommentaren auf meinen Vorschlag entstand eine interessante Debatte – ich empfehle den Lesern, die neu dazu stoßen, die Beiträge nachzulesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich möchte an dieser Stelle von mir aus Folgendes sagen. Erstens sei gemeldet, dass viele Menschen per Email oder am Telefon auf den Vorschlag positiv reagiert haben. Es sieht so aus, dass Menschen aus drei Ländern – Belgien, Holland und Deutschland – sich an dem Projekt beteiligen werden. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: manche Menschen haben geahnt oder erkannt, um wen es hier konkret geht, und halten die Arbeit meines Freundes für wichtig. Andere meinen, dass die Zeit für solche Projekte reif sei. Warten auf „politische Entscheidungen“ (zum Beispiel in Bezug auf das Bedingungslose Grundeinkommen) würde nicht nur heißen, dass Chancen verpasst werden, sondern vor allem auch, dass an der persönlichen Verantwortung von freien Bürgern vorbei gegangen würde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich werde in der nächsten Zeit von diesem Projekt auf meinem Weblog weiter berichten. Ich nehme mir die Freiheit, dem Projekt einen Namen zu geben: „Unternehmung Sil“. Dieser Titel kommt von einem Strandgutsammler aus Terschelling namens Sil. Er hatte am Ende des neunzehnten Jahrhunderts den Mut, seinen Sehnsüchten zu folgen, entgegen den moralischen Gepflogenheiten seiner Zeit. Wie der Strandräuber Sil wandert mein Freund ständig zwischen sozialem Festland und dem Meer der Zukunft: die soziale Brandung ist sein weites Arbeitsfeld.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweitens möchte ich ein paar Missverständnisse wegräumen. In einer Kultur des Herzens wird nicht von „helfen“ gesprochen, sondern von „unterstützen“. Es geht ganz und gar NICHT darum, karitativ zu sein: von dem Gedanken, dass es „arme“ Menschen gibt, die von den Wohlhabenden Hilfe bekommen, ist eine Kultur des Herzens weit entfernt. Man sollte dazu an dieser Stelle auch verstehen, dass mein Vorschlag, 50 Euro pro Monat beizusteuern (was für manche Menschen viel Geld ist), nicht entscheidend ist. Einige Menschen haben dies auch erkannt, und sich auch mit einem geringeren Betrag gemeldet. Letztendlich könnte man auch EINEN Euro pro Monat beitragen – es geht nicht um die Menge, sondern um die Beteiligung. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob man diesbezüglich eigentlich – wie üblich – von „Schenkgeld“ sprechen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es geht um die Beteiligung an der Biographie eines anderen Menschen, und die geht ja nicht ausschließlich über eine finanzielle Ebene. Wenn wir von „neuen“ Gemeinschaften reden – und sehnen wir uns nicht danach? – bleibt alles Gerede nur Gerede, wenn der Ausgangspunkt nicht in den konkreten Beziehungen zu konkreten Menschen gefunden wird. Es sind die individuellen biographischen Fragestellungen, die zeigen wo es lang geht, nicht die gesellschaftlichen, ideologischen und politischen Ziele – die doch immer abstrakt sind – und den heutigen Diskurs beherrschen. Die Achsen neuer Gemeinschaften bestehen aus freien und gewollten Beziehungen, und aus entsprechenden Entscheidungen die von Angesicht zur Angesicht getroffen werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der französische Beziehungsphilosoph Emmanuel Lévinas beschrieb die aktuelle Lage in der europäischen Gesellschaft so: „Man möchte [in der heutigen Gesellschaft; JvdM] ein Verständnisprinzip, das den Menschen nicht mehr umfasst, dass das Subjekt ein Prinzip aufstelle, das nicht mehr von der Sorge um das Schicksal des Menschen umfasst werde.“ An die Stelle konkreter Beziehungen sind Staaten, Banken und karitative Stiftungen getreten, die – so besagt das Dogma – „objektiv“ urteilen können. In einer Kultur des Herzens existiert diese Objektivität nicht, weil Schicksal immer eine persönliche-überpersönliche Angelegenheit ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit konkreten Schicksalen sind konkrete Aufgaben, Anliegen und Vorsätze verbunden. Andere Aufgaben, Anliegen und Vorsätze gibt es nicht. Die Zeit, dass Menschen sich im Rahmen einer politischen Partei, einer Gewerkschaft oder einer wohlwollenden Stiftung auf abstrakte Ziele einigen konnten, ist längst vorbei. Die Knotenpunkte in einer Kultur des Herzens beruhen auf der gegenseitigen und freien Anerkennung der Begabungen und Intentionen von Menschen, die sich als Schicksalsgefährten verstehen. (Und es muss nicht einmal sein, dass man seine Schicksalsgefährten auch privat kennt.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine große Frage bleibt allerdings, wie solche Projekte gestaltet werden. Ich werde die „Unternehmung Sil“ in der nächsten Zeit als Anlass nehmen, auf die Frage des Geldes und seiner Existenz in einer Kultur des Herzens zu schauen. Ich würde mich über Beiträge, Kommentare und Vorschläge sehr freuen, weil in einer Kultur des Herzens der Weg nur gemeinsam gefunden wird. Ich würde sagen: was wir brauchen sind Konferenzen an der Brandung.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-470403050617510079?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/470403050617510079/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=470403050617510079' title='7 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/470403050617510079'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/470403050617510079'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/12/praktiken-einer-kultur-des-herzens-2.html' title='Praktiken einer Kultur des Herzens (2). Über die Unternehmung Sil'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>7</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-5284020979806644905</id><published>2010-12-12T11:05:00.001+01:00</published><updated>2010-12-12T11:08:26.679+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Komitee (unsichtbares)'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Ein unsichtbares Komitee. Der kommende Aufstand</title><content type='html'>Ich räume ein, der Text hat mich elektrisiert. Vor allem die ersten siebzig Seiten sind brillant geschrieben, die Analysen scharf und manchmal sehr überzeugend, die rhetorischen Flammen heiß, Ton und Inhalt souverän. Der Text nennt sich ein Manifest, die Autoren kommen aus Frankreich, bleiben allerdings anonym. Ein Aufstand wird nicht ausgerufen, sondern einfach angekündigt. „Wir befinden uns schon jetzt in der Untergangsbewegung einer Zivilisation. Das ist der Punkt, an dem man Partei ergreifen muss“, schreibt das Komitee, das aus strategischen Gründen „unsichtbar“ bleiben will…&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Probleme sind bekannt: Arbeitslosigkeit, Finanzkrisen, Umweltkatastrophen, Migration, das Auseinander fallen von Europa... Das unsichtbare Komitee meint allerdings, dass die eigentliche Krise eine andere ist. „Die Erhaltung des Ichs in einem Zustand des permanenten Halbverfalls, in einem chronischen Halbversagen, ist das am besten gehütete Geheimnis der aktuellen Ordnung der Dinge“, schreibt es.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und: „Das schwache, deprimierte, selbstkritische, virtuelle Ich ist wesensmäßig das unendlich anpassungsfähige Subjekt, das von einer Produktion erfordert wird, die sich auf Innovation, beschleunigten Verfall der Technologien, beständige Umwälzung der gesellschaftlichen Normen, verallgemeinerte Flexibilität begründet“. Hier wird also nicht auf die „anerkannten“ Probleme geschaut, sondern auf die Stelle des individuellen Menschen in einer Gesellschaft, die mit dem individuellen Menschen nicht rechnet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mensch, so meint das Komitee, ist von jeder Zugehörigkeit losgerissen: von seiner Familie, seinen Freunden, seinem Viertel, seiner Geschichte, seinem Beruf und seiner Berufung, nichts gehört ihm mehr. Durch die Zwänge der Wirtschaft ist er „enteignet“ von seinem Selbst: er soll nicht arbeiten um sein Leben zu leben, sondern sein Leben aufgeben, um zu arbeiten. Was sein Leben ausmacht, innerlich und äußerlich, ist schon längst nicht mehr relevant. Der Mensch ist sich selber fremd geworden, und „sein Hass gegen den Fremden verschmilzt mit dem Hass gegen sich selbst als Fremden“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das sind kräftige Sätze, die viel Wahrheit beinhalten. Ganz stark sind auch die folgenden: „Es gibt keine Umweltkatastrophe. Es gibt diese Katastrophe, die die Umwelt ist. Die Umwelt ist das, was dem Menschen übrig bleibt, wenn er alles verloren hat.“ Und: „Was als Umwelt erstarrt ist, das ist eine Beziehung zur Welt, die auf der Verwaltung aufbaut, das heißt auf der Fremdheit“. Rudolf Steiner würde an dieser Stelle sagen, dass die Katastrophe keine Katastrophe, sondern eine Chance der jungen Bewusstseinsseele ist. Die Katastrophe bestünde aus seiner Sicht eher daraus, dass sie nicht als Chance wahrgenommen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als letzter starker Satz: „Zu jedem Leben gehört eine Dosis Wahrheit, die das abendländische Konzept nicht kennt.“ Weniger stark scheinen mir allerdings die revolutionären Vorschläge zu sein, die auf den letzten dreißig Seiten des Manifestes gemacht werden. Die erste Empfehlung ist immer noch stark: fange bei deinen Wahrheiten an. „Eine Wahrheit ist nicht etwas, das man besitzt, sondern etwas, das einen trägt“. Auch die zweite Empfehlung trifft zu: nimm deine Freundschaften ernst. „Jede Begegnung ist Begegnung IN einer gemeinsamen Affirmation“. Das klingt nach einer Kultur des Herzens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit ein paar Aspekten habe ich allerdings Probleme. Das erste ist, dass in den Text immer wieder der „Partisan“ romantisiert wird. Der Kämpfer wird als eine Art Widerstandssoldat beschrieben, der machen darf, was er will, solange er der Sache dient und außerdem nicht erwischt wird. Schmerzen darf er den dummen oder gerade schlauen „Anderen“ offenbar zufügen, das ist man in revolutionären Bewegungen gewohnt. Wer mit den dummen Anderen gemeint ist, wird in dem Text klar: die sich anpassenden Bürger, (nicht WIR, die gerade das Manifest lesen!)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anonym bleibt der schlaue Andere, der Feind, der in dem Text immer wieder „man“ genannt wird, der mit Erfolg seine offenbar unwürdigen Ziele verschwörerisch durchsetzt. Er scheint sich unsichtbar auf den Chefetagen großer Unternehmungen aufzuhalten. Ich glaube, dass so ein „man“ nicht existiert. Wenn es einen Feind gibt, so meine ich, dann müsste er in uns selber gesucht werden. Revolutionen, in ihren Ausgang darin finden, dass die Anderen Schuld haben, brauchen wir nicht mehr…&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;“Wenn wir einmal in die Sichtbarkeit eingetreten sind, sind unsere Stunden gezählt“, schreibt das Komitee. Diese Haltung ist verständlich, bedeutet allerdings einen Schritt zurück. Was eher hilft, sind strahlende „Iche“, die sich souverän ins Lichte der Öffentlichkeit stellen. Ein unsichtbares Komitee macht sich selber zum Geschwür, den angeblichen Komplizenschaften der großen Unternehmungen nicht unähnlich. „Man“ macht sich auf diese Art und Weise zu einem Feind, den es nicht gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem Komitee zufolge müssen Gemeinschaften (in dem deutschen Text wird irreführend von „Kommunen“ gesprochen: romantisch-revolutionäre Rhetorik!) entstehen, die sich „nicht durch ein Drinnen und ein Draußen definieren, wie Kollektive es im Allgemeinen tun, sondern durch die Dichte der Verbindungen in ihrem Innern“. Das ist sehr richtig, eben entscheidend. Dieses Innen durch Anonymität zu schützen, führt allerdings zwangsläufig zu einer Trennung zwischen innen und außen. Und damit kreiert „man“ gerade das, was „man“ bekämpfen will: die Fremdheit.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-5284020979806644905?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/5284020979806644905/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=5284020979806644905' title='9 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5284020979806644905'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5284020979806644905'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/12/ein-unsichtbares-komitee-der-kommende.html' title='Ein unsichtbares Komitee. Der kommende Aufstand'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>9</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-9121537631279236567</id><published>2010-12-05T07:55:00.002+01:00</published><updated>2010-12-12T11:12:29.649+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schenkgeld'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur des Herzens'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Biographie'/><title type='text'>Praktiken einer Kultur des Herzens. Über die Finanzierung neuer Begabungsprofile</title><content type='html'>Wenn in der heutigen Gesellschaft von „Arbeit“ gesprochen wird, ist damit immer „bezahlte Arbeit“, eine Erwerbstätigkeit gemeint. Arbeiten bedeutet heute nicht mehr primär, etwas Sinnvolles zu tun, oder eben überhaupt etwas tun, was man von sich aus auch wirklich tun will, sondern, ein Einkommen zu generieren. In diesem Sinne ist arbeiten in unserer Gesellschaft eine heilige Pflicht: jeder mündige Bürger hat in dieser Hinsicht quasi eine souveräne Verantwortung für seine eigene Existenz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn jemand, warum auch immer, nicht im Stande ist, diese Verantwortung erfolgreich zu verwirklichen, dann kriegt er Geld vom Staat. In diesem Zusammenhang wird dann von so etwas wie „Solidarität“ gesprochen, was so viel heißt wie: In unserer aufgeklärten Gesellschaft lassen wir die Unglücklichen und Ungeschickten und „Arbeitsbehinderten“ nicht im Stich. Im Grunde genommen beruht diese Solidarität allerdings auf einer Angst: Zu viele Menschen mit gravierenden Existenznöten bringen Unruhe in die Gesellschaft, was letztendlich die aufgeklärte Ordnung der Dinge bedrohen könnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von dem Gedanken, dass „freie“ Menschen das tun müssten, was sie von sich aus – auf der Basis von „freien“ Entscheidungen – tun wollen, sind wir diesbezüglich weit entfernt. Um zu dieser Freiheit zu gelangen, gibt es in der heutigen Gesellschaft eigentlich nur einen Weg, nämlich, sich als freier Unternehmer zu definieren. Mit allen anderen Formen der bezahlten Arbeit geht eine Einbindung in unfreie Zusammenhänge einher: man arbeitet für McDonalds, für das Ministerium, für eine Waldorfschule oder für Greenpeace. Dass die konkreten oder abstrakten Ziele der einen Organisation vielleicht „gut“ und die der anderen vielleicht „weniger gut“ sind, ändert daran nichts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein freier Unternehmer zu werden, bedeutet allerdings nicht, dass man unbedingt das macht, was man machen will. Ich brauche an dieser Stelle nicht alle Faktoren zu beschreiben, die einen Unternehmer daran hindern, seine „Arbeit“ frei zu gestalten – sie sind bekannt. Dazu kommt noch die grundsätzliche Frage, ob die zu Grunde liegende Entscheidung wirklich frei war; der Impuls ein „freier“ Unternehmer zu werden, beruht manchmal auf unbemerkten Unfreiheiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mir geht es in diesem Text vor allem um die Tatsache, dass es eine ganze Menge von Menschen gibt, die etwas wollen, etwas wirklich WOLLEN, was als Arbeitsmotiv – vielleicht besser gesagt: als Tätigkeitsmotiv – von der öffentlichen Gesellschaft nicht verstanden und anerkannt wird. Um einen pädagogischen Begriff des Heilpädagogen Henning Köhler in einen sozialen zu modifizieren: es gibt „neue Begabungsprofile“, die nicht als solche wahrgenommen werden. Anders gesagt: Menschen KÖNNEN etwas, was allgemein nicht als sinnvolle Tätigkeit anerkannt ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Beispiel bietet ein guter Freund von mir. Es ist nicht leicht zu beschreiben, was er genau macht. Er ist ständig unterwegs, arbeitet an sogenannten „ökologischen“ und „sozialen“ Projekten, verbindet Menschen miteinander, kann „lesen“ was Menschen wollen, öffnet Türen, setzt erreichbar-unerreichbare Ziele, begeistert durch seine positive Lebenshaltung. Um es genauer zu sagen: sein Begabungsprofil besteht daraus, dass er konkret spüren kann (was nicht heißt, dass er es immer in Worte fassen kann), welche Potenziale zwischen den Beteiligten verborgen liegen. Man könnte nicht einmal sagen, dass er ein „Netzwerker“ ist, weil seine erweckenden Tätigkeiten weit darüber hinaus gehen. Ich betrachte ihn als einen „Schicksalswerker“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der finanziellen Ebene kriegt er sein Leben allerdings nicht organisiert. Er steht diesbezüglich vor einem Abgrund, den er übrigens mit einer gewissen Leichtigkeit akzeptiert. Trotzdem ist dieser Abgrund das, was ein Abgrund ist: ein Abgrund. Sich als „Arbeitsloser“ vom Staat durchfüttern zu lassen, das will er nicht, nicht weil er dann zu wenig Geld bekäme – er kommt mit ganz wenig aus – sondern weil mit dem Geld die Verpflichtung verbunden ist, sich für Jobs zu bewerben, die er nicht machen will. Er steht also vor einer Frage, die keine Frage ist: weitermachen mit dem, was er wirklich machen will, oder damit aufhören und sich beim Arbeitsamt melden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einem Blogtext kann man solchen biographischen Situationen nicht gerecht werden, weil immer  hundert Sachen auch noch eine Rolle spielen, für die hundert Seiten nötig sind. Ich meine allerdings, dass diesbezüglich eine dringende Frage vorliegt, die für die Entfaltung einer Kultur des Herzens entscheidend ist. Einfach darauf zu warten, bis das bedingungslose Einkommen eingeführt wird, geht nicht, stärker noch, um einmal so weit zu kommen, werden schon heute gerade die angedeuteten neuen Begabungsprofile gebraucht. Was heißt das?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das heißt meiner Meinung nach, dass die konkreten Schicksalsflechtwerke um den Beteiligten herum, eine Initiative ergreifen müssen. Letztendlich müssen und können und dürfen es doch die „freien“ Bürger sein, die „Freunde“ also, die sich aus Freiheit (man könnte auch sagen: auf Basis eines Verständnisses) zu einer Verpflichtung stellen? Praktisch gesagt: zwanzig mal fünfzig Euro im Monat würden tausend Euro bringen. Und davon könnte ein erfahrener Schicksalswerker, der gewohnt ist, mit wenig Geld auszukommen, für eine Weile gut leben, sagen wir erst einmal: für ein Jahr?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sich an der Biografie eines „Freundes“ zu beteiligen, ist ein wichtiger Aspekt einer Kultur des Herzens. Ohne diese praktische Beteiligung gibt es keine Kultur des Herzens. Zu der Entfaltung einer solchen Kultur gehört eben, dass diesbezüglich Erfahrungen und Vorstöße gemacht werden. Mit dem Einstieg in diese Beteiligung werden die sozialen Orte der Zukunft, die auf gegenseitiger, freier Anerkennung basieren, kreiert. Mit einer alten solidarischen Unterstützung hat das nichts zu tun.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-9121537631279236567?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/9121537631279236567/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=9121537631279236567' title='10 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/9121537631279236567'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/9121537631279236567'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/12/praktiken-einer-kultur-des-herzens-uber.html' title='Praktiken einer Kultur des Herzens. Über die Finanzierung neuer Begabungsprofile'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>10</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-6026884364882416914</id><published>2010-11-27T23:49:00.001+01:00</published><updated>2010-11-27T23:54:53.281+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Derrida Jacques'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Die Freundschaft als Gebet</title><content type='html'>Ich habe das Zitat von Jacques Derrida schon einmal als Motto rechts oben auf meinen Weblog gestellt. Und weil die zwei Sätze mich nicht loslassen, zitiere ich sie heute noch einmal. In seiner „Politik der Freundschaft“ schreibt Derrida: „Freundschaft ist nie eine gegenwärtige Gegebenheit, sie ist der Erfahrung des Wartens, des Versprechens oder der Verpflichtung anheimgegeben. Ihr Diskurs ist der des Gebets, er konstatiert nichts, er stiftet, er beruhigt sich nicht bei dem, was ist, er ist unterwegs zu jenem Ort, an dem eine bestimmte Verantwortung sich in der Zukunft öffnet“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der erste Satz beinhaltet ein Paradox. Erst wird gesagt, dass die Freundschaft „nie eine gegenwärtige Gegebenheit“ sei, dann jedoch, dass sie eine „Erfahrung“ sei, was darauf hin deutet, dass sie in der Gegenwart erlebt wird. Die Erfahrung bezieht sich auf das Warten, das Versprechen oder die Verpflichtung – solange wir in der Gegenwart (auf die Freundschaft? auf den Freund? auf meine Bereitschaft auch wirklich ein Freund zu sein?) warten können, solange wir an einem Versprechen festhalten, ist die Freundschaft als Erfahrung da.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihr Diskurs ist der des Gebets... Im Gebet richten wir uns auf etwas Größeres, etwas, dass über uns hinaus geht, auf etwas Göttliches. Wir glauben (nehmen an, ahnen, hoffen?), dass das Größere auch tatsächlich existiert, uns bemerkt, uns hört, auch wenn es nicht gegenständlich und handgreiflich in der Gegenwart vorhanden ist. Beten ist der Versuch einer Wiederverbindung, was das Wesen der Religion ausmacht: Im Gebet versuchen wir eine verloren gegangene Beziehung wieder herzustellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er (der Diskurs der Freundschaft) konstatiert nichts... Konstatieren bedeutet auf schönem Deutsch: feststellen, also FEST STELLEN, etwas fixieren, etwas eine eindeutige Bedeutung zuschreiben. Im Diskurs der Freundschaft bleibt alles in der Schwebe, einem Zustand, der manchmal schwer auszuhalten ist, weil er uns in unseren Unsicherheiten nicht gerade bestärkt. Wir sind immer wieder geneigt, uns mit Urteilen (über Freunde und Feinde) Sicherheiten zu verschaffen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er stiftet... Derrida sagt nicht: der Diskurs der Freundschaft „gründet“, sondern „stiftet“, was eher eine luftig-feurige Angelegenheit ist. Die etymologische Herkunft des Wortes ist laut Duden 7 unbekannt, verrät in alten Wörtern wie „Stiftskirche“ und Redewendungen wie „Unheil stiften“ allerdings noch die ursprüngliche Bedeutung. Stiften heißt so etwas wie „verursachen“  –  in der gegenwärtigen Erfahrung des Wartens wird etwas verursacht, das sich als Wirkung erst in der Zukunft entfaltet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er beruhigt sich nicht bei dem, was ist... Auch wenn man in Ruhe wartet – Gelassenheit ist eine hohe Tugend – bleibt man nicht bei dem, was ist, sondern bei dem, was noch nicht ist, anders gesagt: das was ist, wird als etwas Unvollkommenes vollkommen in seinem Im-Kommen-sein genommen. Das was ist, wird nicht genommen als etwas, das beruhigt, sondern es wird umgekehrt in Ruhe genommen als etwas, das in seiner Unvollständigkeit auf etwas Kommendes hinweist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er ist unterwegs zu jenem Ort, an dem eine bestimmte Verantwortung sich in die Zukunft hinein öffnet... In der Freundschaft (die eine nie gegenwärtige Gegebenheit ist) wird eine Verantwortung gespürt, die es noch nicht gibt, sondern sich erst in der Zukunft öffnet. Die Verantwortung, die es noch nicht gibt, so verstehe ich Derrida, bedeutet in der Gegenwart allerdings schon eine Verpflichtung. Noch ganz abgesehen von der wunderbaren Formulierung, dass Verantwortungen sich ÖFFNEN, überrascht an dieser Stelle der definitive Sprung Derridas in die Zukunft. Unbekannte Verantwortungen, die es in der Gegenwart noch nicht gibt, führen zu Verpflichtungen in der Gegenwart, einer Gegenwart jedoch, die es eigentlich nicht mehr gibt, sobald man „unterwegs“, das heißt: im Kommen ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sichtweise Derridas auf die Freundschaft öffnet eine Verantwortung, die es noch nicht gibt. Sie geht somit mit einer konkreten und höchst aktuellen Verpflichtung einher, die vor allem bedeutet: nicht festlegen wollen, nicht urteilen wollen, ja, stattdessen: warten wollen, versprechen wollen und beten wollen. In der Freundschaft wird über eine hartnäckige Differenz hinaus die offene Zukunft zelebriert. Und weil Derrida von einem Gebet spricht, verstehe ich ihn so, dass es dabei aus seiner Sicht erst einmal um eine innere Tätigkeit geht, erst einmal...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-6026884364882416914?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/6026884364882416914/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=6026884364882416914' title='11 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6026884364882416914'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6026884364882416914'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/11/die-freundschaft-als-gebet.html' title='Die Freundschaft als Gebet'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>11</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-9090401680346719619</id><published>2010-11-21T10:01:00.002+01:00</published><updated>2010-11-21T10:03:36.696+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Derrida Jacques'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Fragment über die Feindschaft. Das Schicksal von Kain und Abel</title><content type='html'>Waren Kain und Abel Feinde? Ja, sie waren genauso Feinde, wie sie Brüder waren. In nächster Nähe hat Kain auf Abel und Abel auf Kain gewartet, in der Vertrautheit der Familie, dort wo Jacques Derrida zufolge „einzig der Freund willkommen ist.“ Weil die berühmte biblische Erzählung gerade in ihren Details sehr aussagekräftig ist, zitiere ich aus Genesis 4: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes dar; auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß und sein Blick senkte sich. Der Herr sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß und warum senkt sich dein Blick? Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon. Auf dich hat er es abgesehen, doch du werde Herr über ihn! Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder an und erschlug ihn“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus dieser Erzählung geht nicht zwingend hervor, wie man vielleicht meinen könnte, dass die Feindschaft zwischen Kain und Abel asymmetrisch war, als ob Kain seinen Bruder Abel gehasst hätte, und nicht umgekehrt. Was in Abel vorging, wird in der Genesis nicht erzählt; in alten jüdischen Legenden wird allerdings berichtet, dass vor dem Mord ein Gespräch zwischen Kain und Abel stattgefunden hat, in dem Kain versucht hat, seinem Bruder Abel, seinen Schmerz-von-Gott-abgewiesen-zu-sein, zu vermitteln. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kain meint, dass Gott die Welt mit „willkürlicher Macht“ regiert, was aus seiner Sicht „nicht gut“ ist. Abel lässt sich auf die Argumente von Kain nicht ein und beharrt darauf, dass Kain offenbar „schlecht“ ist, sonst hätte Gott dessen Opfer doch nicht abgelehnt. Das Urteil Gottes, so wie er es versteht, ist Abel also wichtiger, als die Nähe zu seinem Bruder; ein Umstand, der Kain zusätzlich tief verletzt. Die Legende ist nur so zu verstehen: Aus Abels Sicht war Kain, wegen des Urteils Gottes, schon zum Feind geworden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was geschieht? Die Geschichte ist doppelt zu lesen. Einerseits ist deutlich, dass Kain nicht ertragen kann, dass seine „Möglichkeiten“ von der Seite Gottes und somit auch Abels, offenbar nicht anerkannt werden. Aus Neid – oder Enttäuschung? – tötet er Abel und wird dafür bestraft; andererseits scheint es gar nicht um eine Strafe zu gehen, sondern um eine große Aufgabe, die ihm zugeteilt wird: Herr über die Dämonen zu werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Geschichte zeigt, dass beide von Anfang an und jeder für sich, getrennte Wege gingen. Kain wollte Ackerbauer sein, was im Grunde genommen bedeutet, dass er aktiv in die natürlichen Gegebenheiten einzugreifen hatte; Äcker sind in der Natur nicht einfach so vorhanden, sie müssen aus der Natur erobert, jedes Jahr neu bereitet werden. Mit dem Ackerbau fängt in der Geschichte der Menschheit dasjenige an, was wir Kultur nennen: eine von Menschenhand gestaltete Kreation, in der von Gott gegebenen Wirklichkeit. Mit dem Ackerbau begibt sich der Mensch anfänglich aber grundsätzlich in den Bereich der Technik, die eine Instrumentalisierung der Schöpfung bedeutet. Mit dem Ackerbau ist eine Geisteshaltung verbunden, die als Emanzipation zu verstehen ist: der Mensch macht sich frei von einem unbewusst Eingebettet-Sein in Gottes Werk und kreiert von sich aus ein zusätzliches Werk.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kains Bruder Abel wollte jedoch ein Schafhirt sein, das heißt, in der Nähe zu Gott bleiben. Er hütete, was Gott den Menschen gegeben hatte, ohne in die Natur einzugreifen oder von sich aus etwas Eigenes gestalten zu wollen. Er wollte einfach bei den Schafen SEIN und in diesem Sein bei Gott sein. Das Wollen Abels und das Wollen Kains waren somit polar: wo der jüngere Brüder sich in einem vertikalen Einklang mit Gott befinden wollte, das man im Sinne von Martin Heidegger als Sein beschreiben könnte, suchte der Ältere eine horizontale Spannung zur gegebenen Welt, die eher als das Seiende zu deuten wäre. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der schicksalsträchtige Mord fand, laut den Legenden, gerade an dem Ort statt, wo später der Tempel von Salomo gebaut wurde, das Heiligtum also, das als sakraler Brennpunkt des jüdischen Volkes galt. In dem späteren Bau des Tempels wiederholte sich die Spannung zwischen Kain und Abel, was an der Tatsache sichtbar wurde, dass der König und Bauherr Salomo mit seiner religiösen Weisheit als ein Repräsentant Abels und der Architekt Hieram Abiff mit seinen technischen Fähigkeiten als ein Nachfahre Kains angesehen wurde. Das Herz der alten jüdische Kultur, so wurde es verstanden, lag also gerade in der Spannung zwischen den beiden Geisteshaltungen – der Weg des Volkes Israels ging aus dem Konflikt der beiden Brüder hervor, oder anders gesagt: Die Feindschaft, die eine Bruderschaft war, konstituierte die jüdische Gemeinschaft.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-9090401680346719619?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/9090401680346719619/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=9090401680346719619' title='8 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/9090401680346719619'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/9090401680346719619'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/11/fragment-uber-die-feindschaft-das.html' title='Fragment über die Feindschaft. Das Schicksal von Kain und Abel'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>8</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3925461195743659996</id><published>2010-11-14T09:06:00.001+01:00</published><updated>2010-11-16T20:09:18.582+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Elias Initiativ Gemeinschaft'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lievegoed Bernard'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Adventura'/><title type='text'>Ein zweites Fragment übers Scheitern. Nochmals zu Elias und Adventura</title><content type='html'>Scheitern ist nur dann erfolgreich, wenn rückblickend aufrecht versucht wird, die Gründe die dazu geführt haben zu verstehen. Und mit einem Verständnis steht es so: um über die eigenen Beschränkungen hinwegzukommen, vor allem, wenn man an einem BESTIMMTEN Scheitern direkt beteiligt war oder ist, wird eine Lichtung benötigt, in der auch die Positionen der anderen Beteiligten beleuchtet werden können. Gehen wir also in den Wald und suchen eine Lichtung, die groß genug für einen Kreis von vielen Menschen ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie viele Menschen waren eigentlich an der Elias-Initiativgemeinschaft und an Adventura beteiligt?  Das ist schwer zu sagen, weil sich zwischen Kern und Umkreis viele Übergänge befanden, viele intentionale Modalitäten, viele einzigartige und besondere Arten der Verbindung, die das Ganze recht vielfältig machten. Ich behaupte allerdings, dass der Kern – die Menschen also, die tatkräftig mit den Vorbereitungen der Treffen beschäftigt waren – aus etwa zwanzig Leuten bestand. Diese Menschen kamen aus Deutschland, Holland, Frankreich und der Schweiz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Umkreis wird allerdings etwa 500 Menschen umfasst haben, vielleicht eben noch ein bisschen mehr. Von diesen Beteiligten kann gesagt werden, dass sie in ihrem eigenen Leben ein Anliegen hatten, das mit den Zielen der Elias-Initiativgemeinschaft und von Adventura erkennbar korrespondierte. Alleine die Liste der Herkunftsländer der Beteiligten (wahrscheinlich unvollständig) macht deutlich, dass Umkreis und Kern nicht identisch waren. Neben den vier oben genannten Ländern wären zu nennen: die Vereinigten Staaten, Canada, England, Schottland, Schweden, Finnland, Tschechien, die Slowakei, Österreich, Italien, Luxemburg, Belgien, Peru...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Impuls der Treffen lag ohne Wenn und Aber in dem Buch „Über die Rettung der Seele“ von Bernard Lievegoed, den darin dargestellten Impuls genau zu beschreiben, ist allerdings nicht einfach. Ich würde sagen, dass die Inhalte des Buches eine große Idee transportierten, die sich vielleicht folgendermaßen in Worte fassen lässt: in jeder einzelnen Biographie gibt es Wunden, die zu geistigen, sozialen und künstlerischen Fähigkeiten verwandelt werden können. Das Ziel der beiden Gemeinschaften – Elias und Adventura – lag darin, in der Begegnung zwischen Menschen eine Nähe und ein Vertrauen zu ermöglichen, die diese Verwandlung mit bewirkt. Die Leitlinie war: deine Probleme sind Weltprobleme, die Weltprobleme sind deine Probleme.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist eine richtig GROßE Idee, die auf GROßE Gestalten der Geistesgeschichte zurückzuführen ist: Mani, Christian Rosenkreutz, Elias, Zarathustra, Rudolf Steiner – ich würde auch hinzufügen:  Mahatma Gandhi, Joseph Beuys und Nelson Mandela... Die „manichäische“ Idee ist allerdings nicht nur groß, sondern auch brisant, weil sie einen ungewöhnlichen Blick auf sogenannte menschliche Defizite wirft. Dieser Blick lässt sich vielleicht in dem Satz: „Ohne meine (deine) Wunden, wo bliebe meine (deine) Kraft?“ halbwegs andeuten. Gerade dort wo unsere Schwächen liegen, verbirgt sich offenbar Gestaltungspotenzial.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie man diese Idee über das Persönliche hinaus in einer Gemeinschaft lebt, ist nicht eine schwierige zusätzliche Frage, die sich auf irgendeine eventuelle praktische „Umsetzung“ bezieht, sondern die Hauptfrage schlechthin, man könnte auch sagen: die einzige Frage, die sich erst einmal gar nicht umsetzen lässt. Ein Sich-offen-und-frei-in-dieser-Frage-„Befinden“, sie aushalten zu können, macht die Hauptsache aus. Die Neigung an dieser Stelle, auf bestimmten Lösungen zu beharren, führt zwangsläufig dazu, dass die Gemeinschaft auseinanderfällt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man Treffen (Tagungen, Seminare, Vorträge) organisiert, fließt Geld – und wenn Geld fließt, wird auf der rechtlichen Ebene eine transparente Struktur gebraucht. Diesbezüglich gab es im Laufe der Jahre immer wieder zwei Positionen, die spontan als richtig empfunden wurden. Die erste Position war kommerziell-unternehmerisch ausgerichtet: ein paar Leute würden eine Unternehmung gründen, die die verschiedenen Treffen organisiert. Die Beteiligten könnten dann von den Gewinnen leben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die zweite Position gewann die Debatte. Sie war auf die ganze Gemeinschaft orientiert: es wurde ein Verein (die Elias-Initiativgemeinschaft e.V.) gegründet. Alle Beteiligten konnten Mitglied werden. Die Mitglieder wählten Vorstände, die im Namen der Mitglieder die tägliche Verantwortung für die Verwirklichung der Ziele übernahmen, so wie das in Vereinen üblich ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einmal im Jahr fand eine Mitgliederversammlung statt, in der über Richtung und Tätigkeiten abgestimmt wurde. An dieser Stelle ist allerdings wichtig zu bemerken, dass die Treffen von Adventura, die erst später entstanden, im Elias-Verein keine Einbettung fanden, einfach weil nicht alle Elias-Mitglieder sich bei der Arbeit von Adventura wohl fühlten. Nach einigen Jahren wurde deutlich, dass der Verein als Rechtsträger an ein Ende gekommen war – immer weniger Treffen wurden organisiert, es fand weniger statt, „die Sache“ lief aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mir scheinen heute beide Vorschläge zu schmal gewesen zu sein. Die sehr große „manichäische“ Idee braucht eine bewegliche Struktur, die von beidem etwas hat: unternehmerische Gesinnung und gemeinschaftliche Besinnung. Und mir ist es immer noch eine große Frage: wie sind Wirtschaft und Gemeinschaft im Rahmen eines geistigen Impulses sinnvoll und fruchtbar aufeinander zu beziehen? Ich behaupte, dass es noch immer keine konkrete Antwort auf diese Frage gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daran ist jedoch die Zusammenarbeit aus meiner Sicht nicht gescheitert. Der eigentliche Punkt lag darin, dass zu wenig Beteiligte, inklusive ich selber, den Blick auf der Lichtung der großen Idee aushalten, erwarten, ertragen und in sich halten konnten. Sich zumindest für eine Weile von den eigenen Vorstellungen und Erwartungen zu verabschieden, um einen offenen Raum zu kreieren für dasjenige, was im Kommen war, war nicht ausreichend möglich. Und das heißt letztendlich, dass die große Idee in all ihren Konsequenzen nicht hinreichend verstanden wurde.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3925461195743659996?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3925461195743659996/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3925461195743659996' title='17 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3925461195743659996'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3925461195743659996'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/11/ein-zweites-fragment-ubers-scheitern_14.html' title='Ein zweites Fragment übers Scheitern. Nochmals zu Elias und Adventura'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>17</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3701352059290405610</id><published>2010-11-07T01:04:00.005+01:00</published><updated>2010-11-16T20:10:05.146+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Elias Initiativ Gemeinschaft'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lievegoed Bernard'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Adventura'/><title type='text'>Ein Fragment übers Scheitern. Die Elias-Initiativgemeinschaft und Adventura</title><content type='html'>1993 weitete sich mein Leben schlagartig aus. Der Grund lag in der Veröffentlichung des letzten Buches von Bernard Lievegoed, erst in den Niederlanden – mit dem Titel "Over de redding van de ziel" – dann, noch im gleichen Jahr, in Deutschland: "Über die Rettung der Seele". Ich war am Schreiben des Textes beteiligt, weil Lievegoed krank auf dem Sterbebett lag und nur noch sprechen konnte. Er erzählte mir die Inhalte, die ich mit einem Tonband aufnahm und zu einem Manuskript verarbeitete. Auch bat er mich, eine Einleitung zu schreiben, um zu erklären, wie das Buch zustande gekommen sei. Als das Buch 1993 erschien, war Bernard Lievegoed bereits verstorben; er starb am 12. Dezember 1992.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In meinen Büchern "Mittendrin" und "Herzwerk" habe ich beschrieben, wohin die Publikation des Buches mich führte. Über die Inhalte brauche ich an dieser Stelle nichts zu sagen: wer interessiert ist, kann die Bücher lesen. Es reicht für heute zu schreiben, dass Lievegoed der Meinung war, dass die Anthroposophie im Laufe ihrer Entwicklung im zwanzigsten Jahrhundert in eine spirituelle Isolation geraten ist, die er mit seinen esoterischen Ausführungen in "Über die Rettung der Seele" versuchte zu durchbrechen. Er stellte die Anthroposophie als eine Bewegung mit einer spezifischen Aufgabe dar, die nur im Rahmen eines übergeordneten geistigen Impulses zu verstehen sei, nämlich dem manichäischen. Eine Orientierung auf diese Geistesströmung sei nötig, um die „untergeordneten“ Aufgaben der Anthroposophie besser zu verstehen und zu ergreifen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur zehn Tage bevor er starb, sagte Bernard Lievegoed mir noch, dass er sich viel von dem Buch verspreche. Und er hatte recht: Direkt nach dem Erscheinen des Buches erreichten mich Anfragen für Vorträge und Seminare in ganz Europa. In den Jahren die folgten, reiste ich fast jedes zweite Wochenende irgendwo hin, um über die Inhalte des Buches zu sprechen: in Holland, Belgien, Deutschland, Österreich, der Schweiz, England, Frankreich, Griechenland, Finnland... Die meisten Anfragen kamen allerdings aus Deutschland. Entscheidend waren jedoch die ersten Seminare, sieben insgesamt, jeweils eine Woche lang, die in Griechenland stattfanden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der griechischen Insel Santorini traf ich Menschen, die seitdem und bis heute zu meinen Weggefährten gehören. Die Seminare in Griechenland wurden von der Elias- Initiativgemeinschaft organisiert, einer Initiative von Cornelia Härtelt und Brigitte Rauth aus Stuttgart. Im Rahmen dieser Gemeinschaft wurde ein paar Jahre später ein Verein gegründet, der als Ziel hatte, die inhaltlichen und sozialen Konsequenzen des Buches "Über die Rettung der Seele" weiter zu verfolgen, zu vertiefen und zu gestalten. Freundschaften, Bekanntschaften und Verbindungen entstanden, die sich wie ein Flechtwerk über viele Länder verbreiteten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeit in der Elias-Initiativgemeinschaft richtete sich stark auf die persönlich-biographischen Bedürfnisse der Teilnehmer. Es ging darum, die Wunden in der eigenen Biographie zu heilen, ohne sich auf eine therapeutische Ebene begeben zu müssen. Der Ausgangspunkt lag in der von Bernard Lievegoed vermittelten manichäischen Sichtweise, dass das Böse und die Folgen des Bösen „durch Milde verwandelt werden können“. In den Treffen hatten Gesprächsformen und künstlerische Tätigkeiten, die eine Nähe zwischen den Teilnehmern ermöglichen, eine große Bedeutung. In einem Buch, 2005 von der Elias-Initiativgemeinschaft herausgegeben, wird von einem dieser Treffen (Juli 2002, in Neukirchen bei Flensburg) ein dynamisches Protokoll unter dem programmatischen Titel: Ohne meine Wunde, wo bliebe meine Kraft? gegeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach ein paar Jahren entstand innerhalb der Elias-Initiativgemeinschaft eine zweite Initiative, die sich weniger auf die persönlichen Nöte der Menschen richtete und eher die öffentlich-gesellschaftlichen Fragen ins Auge fasste. Nicht alle Beteiligten der Initiativgemeinschaft machten dabei aktiv mit, weil bei manchen das Empfinden vorherrschte, dass ein gesellschaftlicher Ansatz nicht mit der Atmosphäre eines persönlichen Vertrauens zu vereinbaren sei. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die zweite Initiative wurde „Adventura“ genannt, was bedeutet: „Was auf uns zukommt“. Ab 1997 fanden über Jahre hinweg größere Veranstaltungen statt, wo Menschen aus ganz Europa von ihrer sozial-gesellschaftlichen Arbeit berichteten. Der Beginn war in Bad Gandersheim auf einem Gelände, wo vor tausend Jahren Roswitha von Gandersheim gearbeitet und gewirkt hat und im Dritten Reich von den Nazis eine Außenstelle von Buchenwald betrieben wurde. Eine kleine Gruppe von Menschen bereitete die Treffen intensiv vor. Die großen Treffen wurden „umgekehrte Konferenzen“ genannt, das heißt: die Themen und Inhalte kamen von der Seite der Teilnehmer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach drei Veranstaltungen in Bad Gandersheim, einer vierten in Brügge und einer fünften in Aachen ging uns die Kraft aus. Die Anzahl der Teilnehmer nahm ab: waren es das erste Mal in Bad Gandersheim noch 180, in Aachen waren noch etwa 40 übrig geblieben. Mit der Abnahme der Teilnehmer nahmen allerdings die Spannungen in der Kerngruppe zu. Die Meinungsverschiedenheiten betrafen unter anderem die Finanzen; in der offenen und nicht festgeschriebenen Struktur von Adventura gelang es uns nicht, die Geldströme transparent zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach etwa sieben Jahren löste Adventura sich allmählich auf. Adventura war eine Initiative, die sich eine Biographie leistete: sie wurde geboren, lebte leidenschaftlich und starb. Die Landschaft meiner Beziehungen, Bekanntschaften und Freundschaften wurde wieder überschaubar. Dazu kam, dass ich mittlerweile müde geworden war, vom Reisen, von endlosen Gesprächen, von organisatorischen Sachzwängen... Ich hatte mich über Jahre verausgabt. In mir kam das Bedürfnis hoch, meine Erfahrungen zu reflektieren, die Elias-Initiativgemeinschaft und Adventura als Ereignis für mich zu bewerten. Ich stellte mir die Frage: ist Adventura gescheitert?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3701352059290405610?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3701352059290405610/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3701352059290405610' title='24 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3701352059290405610'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3701352059290405610'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/11/ein-fragment-ubers-scheitern-die-elias.html' title='Ein Fragment übers Scheitern. Die Elias-Initiativgemeinschaft und Adventura'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>24</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-8769979598015813794</id><published>2010-10-31T09:44:00.001+01:00</published><updated>2010-10-31T09:45:31.550+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Selbst und Subjekt'/><title type='text'>Das höhere Ich. Über die Hoheit des individuellen Menschen</title><content type='html'>Die jeweilige Hoheit eines Menschen verstehe ich als Bildhauer, der in der Gestaltung der Persönlichkeit ständig Entscheidungen trifft. Sie steht nicht nur für die positiven Ergebnisse ihrer Entscheidungen, sondern genauso für die negativen, was also bedeutet, dass sie die Urheberin der Möglichkeiten und Unmöglichkeiten eines Menschen ist, und damit auch von den grundlegenden Spannungen, die sich in einer Persönlichkeit ausleben wollen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Hoheit kreiert in jedem Lebensgang eine Art Knoten, man könnte auch sagen: eine Frage, die meistens nur unterschwellig wirkt, allerdings in allen Aspekten der Persönlichkeit und des Lebens präsent ist. Ihre Handschrift ist nicht zu übersehen, genauso, wie ein Bild von Pablo Picasso nicht mit einem von Marc Rothko zu verwechseln ist. Das Anliegen der Hoheit ist es NICHT nur eine Statue auf ein Podest zu heben, eine Persönlichkeit also, die mit lauter Fähigkeiten behaftet ist, sondern ihr Anliegen ist es, ein körperlich-seelisch-geistiges Gefüge in Raum und Zeit hervorzurufen, das sich auf die Welt, auf die anderen Menschen und auf sich selbst zubewegt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Hoheit eines Menschen hat also ein Anliegen. Sie will etwas ganz Bestimmtes, und sie will es so, dass dasjenige, was wir unsere widersprüchliche Persönlichkeit nennen, die Gesamtheit von Statue und Brocken etwa, sich nicht als ein fertiges Ergebnis versteht, als ein mehr oder weniger gelungenes in die Welt „Geworfen-sein“ im Sinne von Martin Heidegger, sondern als ein bestimmter-unbestimmter Vorgang im Raum und in der Zeit, der gestern schon im Gange war, heute im Gange ist und morgen im Gange sein wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sich unbefangen auf die Welt, andere Menschen und sich selbst zuzubewegen, bedeutet nichts anderes, als sich auf das Anliegen der eigenen Hoheit einzulassen. Der Akt der Bejahung vollzieht sich in der Persönlichkeit, die sich in der Bewusstseinsseele (Rudolf Steiner) von ihrer Hoheit emanzipiert hat. In der Bewusstseinsseele wird der Mensch ein „freier Bürger“ im Reich seiner eigenen Hoheit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die höhere Instanz, die wir das Selbst oder das höhere Ich nennen, braucht die freie Anerkennung von der Seite der Persönlichkeit, die durch sie hervorgerufen wurde. Wenn die Perspektive der Hoheit von der Persönlichkeit ausgeklammert wird, was leicht geschehen kann, bedeutet das unmittelbar, dass das Anliegen in dem Lebensgang nicht ergriffen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Hoheit ist – und hier liegt ein Paradox – zwar souverän, jedoch abhängig von den Taten und Untaten der eigenen Persönlichkeit. Ein Widerspruch ist das allerdings nicht: Auch die Hoheit eines politischen Souveräns, beispielsweise eines Königs, ist an das Wollen seiner Untertanen gebunden. Kein König kann lange gegen sein Volk regieren. Und auch: ein König ohne Untertanen ist kein König, das heißt: kann nicht werden, was er ist.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-8769979598015813794?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/8769979598015813794/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=8769979598015813794' title='17 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8769979598015813794'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8769979598015813794'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/10/das-hohere-ich-uber-die-hoheit-des.html' title='Das höhere Ich. Über die Hoheit des individuellen Menschen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>17</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-8534841064253238884</id><published>2010-10-23T17:21:00.003+02:00</published><updated>2010-10-24T10:54:37.325+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Foucault Michel'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Roter Text. Über Foucault und die Mission der Freundschaft</title><content type='html'>Drei Jahre vor seinem Tod, 1984, äußert sich Michel Foucault folgendermaßen über seine Beziehung zu seinem Freund Daniel Defert: „Ich lebe in einem Zustand der Leidenschaft zu jemandem. Vielleicht ist diese Leidenschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt in Liebe umgeschlagen. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Zustand der Leidenschaft bei uns beiden, einen permanenten Zustand, der keinen anderen Grund hat zu endigen als sich selbst und dem ich vollkommen verfallen bin, der durch mich hindurchgeht. Ich glaube, dass es nichts auf der Welt gibt, nichts, was immer es sei, das mich hindern würde, wenn es darum ginge, ihn wiederzusehen, mit ihm zu sprechen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Wortwahl ist für Foucault in den letzten Jahren seines Lebens bezeichnend: Er erwähnt die große Idee der Liebe, distanziert sich davon leise mit dem Wort „vielleicht“, evoziert in seinen Beschreibungen allerdings eine Intensität und Nähe, die keine Fragen bezüglich seiner Gefühle für Daniel Defert offen lässt. Sein Biograph Didier Eribon fasst schlicht und einfach zusammen: „Foucault hat ihn bis zum Ende geliebt“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Foucaults Denken über die Freundschaft wurde von dem Umstand geprägt, dass er homosexuell war. Für Foucault bedeutete dies vor allem, dass die Gestaltung der Beziehung gesellschaftlich nicht vorprogrammiert war; eine homosexuelle Beziehung befand sich in einem dunklen und düsteren Bereich, in dem einerseits Geheimnisse gepflegt werden mussten – wir sprechen von den frühen sechziger Jahren – und andererseits eine homosexuelle Beziehungsform noch nicht festgelegt war. Schwule und Lesben „müssen von A bis Z eine Beziehung erfinden, die noch formlos ist: die Freundschaft“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Foucault entwickelt eine Sichtweise auf Beziehungen, die im Grunde genommen eine hoffnungsvolle Prognose bedeutet: in seinen Augen dürften Beziehungen zwischen Menschen, zwischen zwei Menschen, immer mehr und mehr von dem Bedürfnis bestimmt werden, interne und externe Freiheiten zu erobern und zu pflegen. Foucault verallgemeinert die spezifische Position der homosexuellen Beziehung; für alle intimen Beziehungen, die sich auf der Basis einer persönlichen Nähe gestalten wollen, gilt, dass sie sich gesellschaftlich in einer besonderen Lage befinden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Francisco Ortega fasst diese Sichtweise folgendermaßen zusammen: „Foucault zufolge leben wir in einer Welt, in der die sozialen Institutionen dazu beigetragen haben, die Zahl der möglichen Beziehungen zu begrenzen. Der Grund dieser Beschränkung liegt darin, dass eine Gesellschaft, welche die Zunahme der möglichen Beziehungsformen zuließe, schwieriger zu verwalten und zu kontrollieren wäre“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zugreifen auf die Freundschaft bedeutet „Minoritäten entstehen zu lassen, die der Macht Widerstand leisten“. Inspirierend an dieser Erweiterung der Idee der Freundschaft ist, dass sie eine Brücke zwischen Privatem und Öffentlichem schlägt.  Sie verleiht der Freundschaft eine positive Würde, nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für das soziale Leben und die Gesellschaft. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Brücke wird für mein Verständnis von drei Pfeilern getragen: 1. Der Selbsterkenntnis und der „selbstbildenden Praxis“, das heißt: der souveränen und kreativen Beziehung von mir zu mir; 2. der Verbindung von mir zu dir, mit der eine gemeinsame Verantwortung für die souveräne Gestaltung der Beziehung einhergeht; 3. der Bedeutung der EINEN und der ANDEREN Freundschaft für das Leben von viel mehr Menschen, für die Menschen um die Freundschaftspaare herum, letztendlich für das öffentliche Leben mitsamt seinen Institutionen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-8534841064253238884?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/8534841064253238884/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=8534841064253238884' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8534841064253238884'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/8534841064253238884'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/10/roter-text-uber-foucault-und-die.html' title='Roter Text. Über Foucault und die Mission der Freundschaft'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3976260513190222335</id><published>2010-10-17T09:49:00.001+02:00</published><updated>2010-10-17T09:51:09.868+02:00</updated><title type='text'>Vögel als Freunde. Über die Elster, das Rotkehlchen und die Kohlmeise</title><content type='html'>Ich bin durch und durch ein Stadtmensch, und habe für mich festgestellt, dass ich damit auch gerne kokettiere. Mir geht es nach längerem Verweilen auf dem Land oder im Wald so, dass ich mich wieder nach der Großstadt sehne. Ich mag die Welt der Kioske, Kneipen, Straßenbahnen und Supermärkte. Die Nähe zu Bäumen, Pflanzen, Wiesen, Bächen und Tieren ist mir nicht gegeben; um eine innere Beziehung dazu herzustellen, muss ich in der Regel etwas tun. Um es auf einen Punkt zu bringen: Land und Wald wirken auf mich (leider) wie Museen: dort findet man schöne-aber-alte Sachen, die mit der Gegenwart nur wenig zu tun haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine klare Ausnahme sind die Vögel. Seit meiner Jugend pflege ich eine intensive Beziehung zu beispielsweise der Amsel (für mich heißt sie noch immer „merel“). Wenn ich als Kind abends am offenen Fenster saß und vor mich hin träumte, sang sie vom höchsten Punkt der Dächer aus ihren leicht melancholischen Gesang. Sie schien sich von demjenigen zu verabschieden, was auch mich ein bisschen traurig machte: dem Tag der hinter uns lag. Gleichzeitig sehnte sie sich nach etwas, was gerade im Kommen war: der Nacht. Mein Großvater nannte die Amsel, den „Singvogel der Stadt“. Es wäre denkbar, allerdings wahrscheinlich nicht ausführbar, mein Leben als eine Reihe von stillen „Sitzungen“ mit der Amsel zu beschreiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vögel... Vor ein paar Wochen schickte mir eine gute Freundin aus der Schweiz (Andrea, sei herzlich gegrüßt!) drei kleine Büchlein mit drei kleinen Titeln: „Das Rotkehlchen“, „Die Kohlmeise“ und „Die Elster“. Die Büchlein, nur ein wenig größer als Bierdeckel, beinhalten kurze Texte und kleine Zeichnungen, die allerdings Türen zu großen Welten öffnen. Als ich sie gelesen hatte, war ich nicht nur begeistert, sondern auch bereichert: ich hatte ein paar neue Freunde bekommen. Die Büchlein sind als „adamitische“ (Walter Benjamin) Beschreibungen von „Wesenheiten“ zu bezeichnen. Kleine Welten werden auf einmal groß, einfach dadurch, dass zwei Menschen (Text: Wolter Bos; Zeichnungen: Johanne Hoek) sich liebevoll um etwas kümmern, was meistens nicht beachtet wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur Elster hatte ich schon eine Beziehung, das wird im zwanzigsten Kapitel meines Buches Herzwerk beschrieben. Mir war schon bekannt, was in mir geschieht, wenn ich den stolzen und frechen Bewegungen und krächzenden Geräuschen der beiden Elstern – man sieht sie meistens in Paaren – in mir „wiederhole“: sie verknüpfen Ignoranz mit Souveränität, eine fast unmögliche Leistung... Die Elstern sind beides: scheu und brutal, und auch in den Farben ihrer Erscheinung verraten sie, dass sie Widersprüche vereinen: tiefes Schwarz und klares Weiß beziehen sich konfus auf einander.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Rotkehlchen war mir bislang noch nicht so richtig begegnet. Wolter Bos: „Eine Weile sitzt das Rotkehlchen fast regungslos da (auf einem herunterhängenden Ast einer Buche. JvdM), dann fliegt es plötzlich zielsicher zum nächsten Strauch, von dort zum Boden. Flink und gewandt durchquert es die im Bewuchs ausgesparten Zwischenräume. Aber immer legt es eine Bewegungspause ein. So geht es wach, aber ohne Hast und Lärm, seiner Beschäftigung nach“. [...] Während wir es dabei beobachten, zieht auch in uns Ruhe ein. Es ist, als wären wir in einen stillen, beseelten Raum eingetreten“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben diesem Text gibt es eine Zeichnung von Johanna Hoek: einen herunterhängenden Ast mit zartem Grün, wie aus dem Frühling des Himmels – und auf dem Ast sitzt (steht entschieden, müsste man eigentlich sagen) das Rotkehlchen, mit einem Raum um sich herum, der dadurch als Raum erlebt wird, weil das Vögelchen sich so klar und still als „Zentrum“ anbietet. Nein, die Zeichnungen sind keine Illustrationen zum Text: sie bieten eine Übung für die Augen. Mein Tipp an Leser: versenkt euch erst in die Zeichnungen, und lest dann erst den Text.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Das Rotkehlchen [...] macht, bei aller Beherrschung und Distanz, niemals einen kühlen Eindruck. Zwar lebt es in einem eigenen Raum, und ist darin sich selbst genug. Aber im Gegensatz zum Neuntöter schimmert bei ihm immer eine Art innere Beteiligung an seine Umgebung hindurch“. Und: „Der reichhaltige Gesang des Rotkehlchens [...] nimmt einen mit in eine innere Provinz, in der es Schweres und Dunkles gibt; aber das immer wieder aufgehoben wird in Leichte und Helligkeit“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Autor und die Künstlerin sind bescheiden. Sie stellen sich in den Dienst einer Sache, der Sache der Vögel nämlich, oder besser gesagt: der Sache der Beziehung zwischen uns und den Vögeln. Was sie erlebbar – und damit auch „denkbar“ – machen, ist die Nähe als ein Raum geistiger Natur. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was philosophisch ein schwieriges Thema ist, nämlich die Bedeutung unserer feinen Gefühle (ich meine nicht unsere Emotionen), ihren Status und ihre Aussagekraft zu zeigen, kurz: ihren „Wahrheitsgehalt“ zu beleuchten, kriegt in den einfachen aber treffenden Zeichnungen und Beschreibungen eine unmittelbare Evidenz. Es macht deswegen richtig Spaß, sich die Zeichnungen anzuschauen und die Texte zu lesen. Sie machen die Welt ganz schön weit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und die Kohlmeise? „Ein Mensch, der sich die Fähigkeit aneignen will, sich rasch im Raum umzustellen, muss zunächst alles Schwerfällige ablegen. [...] Vor allem muss er lernen, im Loslassen der bisherigen Bewegungsform bereits die nächste gegenwärtig zu haben. Das gelingt ohne Nervosität, wenn er innerlich schon vorher am Ziel ist. Gerade das ist die Präsenz im Umraum, welche für die Kohlmeise so bezeichnend ist. Es sind dies alles Fähigkeiten geistig-seelischer Art, die ein Mensch sich erüben müsste. Der Kohlmeise sind sie fertig gegeben. Sie fließen ihr aus der Zugehörigkeit ihrer Art zu. Ja, sie sind die Art“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Büchlein können unter wolterbos@zonnet.nl bestellt werden, es gibt sie auf Holländisch und auf Deutsch.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3976260513190222335?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3976260513190222335/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3976260513190222335' title='13 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3976260513190222335'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3976260513190222335'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/10/vogel-als-freunde-uber-die-elster-das.html' title='Vögel als Freunde. Über die Elster, das Rotkehlchen und die Kohlmeise'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>13</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-5603823885730381941</id><published>2010-10-09T23:43:00.000+02:00</published><updated>2010-10-09T23:45:02.095+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Altwindeck'/><title type='text'>Altwindeck: ein Dorf ohne Vergangenheit. Über Körbe und Texte</title><content type='html'>Ich war vor kurzem in Altwindeck, einem kleinen Dorf nicht weit von der Sieg. Entlang den schmalen windigen Straßen stehen dort Fachwerkhäuser, ganz große und ganz kleine, die sich ruhig und bescheiden verhalten, als wäre es nicht ihre Aufgabe, laut von einer Vergangenheit sprechen zu müssen. Die alte Mühle, das Bürgerhaus, der Dorfplatz und der Gasthof „Zur Linde“ bieten sich unaufdringlich an, sind für dich da, brauchen allerdings deine Aufmerksamkeit nicht, um das zu sein, was sie sind: in sich ruhende Erscheinungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vergangenheit von Altwindeck scheint nicht groß zu sein. Ich meine, bedeutende Dichter, Musiker, Philosophen, Staatsmänner oder Unternehmer sind dort nicht geboren worden. Und entscheidende Schlachten haben im hügeligen Abseits dieses Dorfes, soweit ich weiß, nicht stattgefunden – ja, soweit ich weiß: von Altwindeck gibt es offensichtlich nicht viel zu wissen. In einer Broschüre über das Dorf wird nur von der „Gegenwart“ und der „Zukunft“ des Örtchens gesprochen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute leben in diesem Dorf etwa 300 Menschen, nur wenige davon befinden sich an einem Samstagabend im Gasthof „Zur Linde“, trinken ein Bier, rauchen Zigaretten (das Rauchverbot hat Altwindeck noch nicht erreicht), und reden gelassen über die kleinen-großen Ereignisse der vergangenen Woche. Die Bewohner des Dorfes scheinen ganz gut miteinander auszukommen; drei Stunden lang verlaufen die Gespräche ohne Beschwerden oder Vorwürfe. So etwas wie „Politik“ scheint nicht zu existieren. Und die Schnitzel, die mit einem Haufen Zwiebeln und Bratkartoffeln serviert werden, schmecken vorzüglich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zusammen mit meiner Lebensgefährtin übernachte ich bei Karl und Annemie, zwei Windeckern, die eine ganze Etage für Gäste bereit halten. Unten im Keller des Hauses gibt es eine Bar mit  heftigen Flüssigkeiten aus der ganzen Welt: ich entdecke sogar eine Flasche Jonge Jenever aus Holland. Anderthalb Stunden reden wir zu viert über die ganze Welt: kein Kontinent wird ausgelassen. Karl war mal als Ingenieur tätig, ist heute in Rente und hat „ganz viel“ um die Ohren. Wenn ich mich richtig erinnere, steht demnächst eine Reise nach Brasilien an. Annemie genießt vor allem den Umstand, dass sie mit meiner Freundin spanisch reden kann: „quiero espagñol“, sagt sie ständig fröhlich.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann wird vom Leben gesprochen: von Verantwortungen, Anliegen, Krankheiten, Stress, familiären Angelegenheiten  – aber auch hier: keine Vorwürfe oder Beschwerden. Das Leben scheint grundsätzlich in Ordnung zu sein, man solle sich nur nicht verausgaben... Eine Art traditionelle Selbsterkenntnis prägt die Erzählungen, die nicht frei von Dramen sind, allerdings in einem „realistischen“ Rahmen betrachtet werden. Es ist eben so, dass das Leben manchmal weh tut, darüber solle man sich doch nicht wundern. Sind wir nicht alle „Menschen“?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Sonntagvormittag gibt es in Altwindeck einen traditionellen Handwerkermarkt. Mehr als zehntausend Besucher werden erwartet. Die Einfahrtstraßen des Dorfes werden von freundlichen Jugendlichen streng bewacht: kein fremdes Auto darf hinein fahren. Rund um das Bürgerhaus – dort kriegt man Kaffee, Bier, Reibekuchen und Süßigkeiten – sind Handwerker zu finden: Uhrmacher, Weber, Schmiede und Korbflechter, Besenbinder und Brotbäcker. Und: Ein Pferdchen ist beauftragt, die Mühle in Betrieb zu setzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Korbflechter, etwa vierzig Jahren alt, sitzt auf einem Hocker, hält in seinem Mundwinkel eine Zigarette, und befindet sich in einem langsamen Arbeitsrhythmus, den es nicht zu unterbrechen gilt. Um ihn herum liegen mindestens hundert wunderschöne Körbe die man kaufen könnte, wäre der Mann nicht gerade dabei zu flechten. Mir ist sofort klar welchen Korb ich kaufen will, ja kaufen muss, weil ohne ihn mein Leben leer und aussichtslos bliebe. Ich weiß auch bereits, wo ich den Korb hinstellen will, und zwar auf die breite Fensterbank direkt neben dem Küchentisch, wo ich immer meine Texte entstehen lasse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als seine Zigarette zu Ende ist, schaut der Korbflechter um sich her, bemerkt mich dann endlich, sagt nichts, bietet sich allerdings anscheinend irgendwie doch an, wie ein Fachwerkhaus, das unerwartet eines seiner winzig kleinen Fenstern öffnet... Ich darf also etwas fragen, zum Beispiel ob ich vielleicht einen Korb kaufen KÖNNTE. Als ich meine Frage schüchtern gestellt habe, nickt er mit seinem Kopf, was so viel bedeutet wie: na ja, wenn du magst... Ich kaufe also einen Korb, ich glaube aus Weidenruten (bin mir aber nicht sicher, traue mir allerdings auch nicht zu, das zu fragen – so etwas sollte man doch einfach wissen!) und lasse den Mann in Ruhe. Er hat kein Wort gesprochen. In seinem Mundwinkel steckt bereits eine nächste Zigarette und seine Hände haben den Rhythmus sofort wieder gefunden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt steht der Korb neben mir in der Küche. Und ich schreibe. Und ich denke: ich möchte mich auch mal als Handwerker auf einem Markt anbieten, ich nehme dann meinen Küchentisch, meinen Hocker von Ikea und meinen Laptop mit, setzte mich hin und flechte betagt Texte. Und falls jemand vorbei käme und für neunzehn Euro einen Text kaufen möchte, würde ich nichts sagen. Ich würde nicht einmal wissen wollen, auf welcher Fensterbank in seiner Seele der glückliche Käufer meinen Text zu würdigen gedenkt. Ich würde mir sagen: Jelle, du bist ein traditioneller Handwerker, mehr nicht. Das reicht doch, oder?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-5603823885730381941?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/5603823885730381941/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=5603823885730381941' title='19 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5603823885730381941'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5603823885730381941'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/10/altwindeck-ein-dorf-ohne-vergangenheit.html' title='Altwindeck: ein Dorf ohne Vergangenheit. Über Körbe und Texte'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>19</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-9071116057718927563</id><published>2010-10-03T15:50:00.002+02:00</published><updated>2010-10-03T15:52:20.625+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Station 4'/><title type='text'>Nochmals Station 4. Über Stimmen in einer finsteren Nacht</title><content type='html'>Station 4 neigt sich der Nacht entgegen. Auf den Fluren wird alles langsamer. Die Schritte der Krankenschwestern werden träger, die Stimmen gedämpfter, das Klingeln der Patienten seltener. Der lautlose Übergang ins Dunkle &amp; Unbestimmte &amp; Unbewusste erfüllt mich mit dem Verlangen, mich von meinen Gedanken zu befreien &amp; mich der unsichtbaren Hand Gottes anheimzugeben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute gibt es Gott aber nicht. Gott ist weit weg. Und dadurch, dass er mich entschieden alleine lässt, erscheint mein Leben zerstückelt. Ich sehe nur noch Brocken &amp; Fetzen &amp; Splitter. Und ich verstehe: für die Tätigkeit, aus meinem Leben eine Einheit zu gestalten, bin ich auf mich selbst angewiesen. Ich werde heute Nacht nicht einschlafen &amp; morgen nicht wieder neu aufstehen. Und vor allem: ich werde nicht begeistert sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gedanken brauche ich mir in dieser Nacht nicht zu machen – sie kommen von alleine, wie hungrige Wölfe. Sie stürzen sich auf mich, zerfetzen mich. Ich kann sie nicht leugnen, nicht elegant aus ihrer Bahn werfen, nicht ausblenden, nicht mit Argumenten ablenken oder gar stoppen. Sie hören nicht auf mich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kurz erscheint vor meinem geistigen Auge mein Freund Jan Frans, der vor mehr als zwanzig Jahren starb – er war gerade fünfunddreißig geworden – weil seine Aorta platzte. Einfach so. Eines Tages hatte er mir gesagt: „Wenn die Nacht kommt, sollst du besser schlafen gehen, sonst kommen die Dämonen.“ In Sachen Dämonen wusste  mein Freund Bescheid. „Unkontrollierbare Gedanken,“ so meinte er, „ferngesteuerte. Sie werden zu dir geschickt, um Ängste zu erwecken. Und weißt du warum? Weil deine Angst für die Dämonen Nahrung ist.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gedanken, die auf mich zukommen, sagen mir, dass das Leben eigentlich ganz einfach ist. Ich müsste einfach nur verstehen, dass es verantwortungslos ist zu rauchen, zu trinken, mich nicht sportlich zu bewegen, mich nicht auf die Rhythmen von Tag &amp; Nacht zu orientieren, Briefe &amp; Emails nicht zu beantworten, wichtige Post vom Finanzamt nicht zu öffnen, die Pflanzen in meiner Wohnung nicht zu wässern &amp; den Kühlschrank nicht zu reinigen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-9071116057718927563?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/9071116057718927563/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=9071116057718927563' title='8 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/9071116057718927563'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/9071116057718927563'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/10/nochmals-station-4-uber-stimmen-in.html' title='Nochmals Station 4. Über Stimmen in einer finsteren Nacht'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>8</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-5365621813971259979</id><published>2010-09-26T10:46:00.002+02:00</published><updated>2010-09-26T13:57:30.246+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Station 4'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Herzinfarkt'/><title type='text'>Station 4. Die doppelte Macht der praktischen Überlegung</title><content type='html'>Ich bin aus meinem Bett gestiegen &amp; stehe wie eine Säule auf dem Flur. Die Krankenschwestern halten sich hinter Glas auf, reden &amp; lachen, lesen Papiere &amp; gehen ans Telefon. Es beruhigt mich, dass Krankheiten für sie einfach ein Tagesgeschäft sind. Als Schwester Monika auf ihren Crocs vorbei kommt, sagt sie heiter: „Ach, Herr Moilen, sie sind wieder auf den Beinen?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich schaffe es nicht, zu reagieren. Ich schaue um mich her, wie durch ein Kaleidoskop. Alle Einzelheiten um mich herum sind mir vertraut: die Zeitschriften auf dem Tisch, die Van-Gogh-Sonnenblumen an der Wand, die Fenster, die Türen... Das Ganze aber, ich meine: das Krankenhaus als offensichtlich von Menschen gewollter Einrichtung, verwirrt mich. Was hat das alles auf sich? Wer ist wann und aus welchem Grund auf den Gedanken gekommen, ein Krankenhaus einzurichten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Krankenhäuser gab es nicht immer. Die Krankenschwestern &amp; Patienten &amp; Ärzte &amp; Therapeuten &amp; Putzfrauen verhalten sich aber so, als ob das Krankenhaus eine Selbstverständlichkeit wäre, eine natürliche Gegebenheit, die es nicht zu hinterfragen gälte. Sie scheinen nicht einmal zu spüren, dass sie sich in einem Krankenhaus befinden. Wie Vögel in Bäumen, Fische im Wasser &amp; Würmer in der Erde gehen sie in den Räumlichkeiten herum, ohne die Erkenntnis, dass sie in spezifische Bedeutungen eingebettet sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Krankenhäuser, so dürfte man meinen, werden gebaut, weil sie praktisch sind: Expertisen &amp; Geräte &amp; Medikamente werden an einem Ort zusammen gebracht, um nicht für jeden Kranken eine Lösung improvisieren zu müssen. Mir ist klar: ohne diesen praktischen Gedanken, hätte ich keine Katheter-Behandlung bekommen können. Und mir leuchtet auch ein, dass gerade dieser Gedanke vielem in der Gesellschaft zu Grunde liegt: Schulen, Fabriken, Autowerkstätten, Gefängnissen, Museen, Läden, Kneipen...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der praktische Gedanke, so scheint es mir, hat eine doppelte Macht. Einerseits ist gegen ihn nichts einzuwenden – er ist ja selbstverständlich, weil er einwandfrei fruchtbar ist; andererseits aber geht von ihm eine unterschwellige Suggestion aus, die dazu führt, dass die Beziehungen zwischen den Menschen wie Figuren auf einem Schachbrett festgelegt sind.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Krankenschwester Monika sagt: „Ach, Herr Moilen, sie sind wieder auf den Beinen?“, meint sie nicht was sie sagt, sondern sie versucht, mich zu beruhigen, was ja ihre Aufgabe ist. Sie hätte auch direkt sagen können: „Herr Moilen, wir haben hier alles im Griff!“ Diese unverblümte Aussage hätte in mir aber sofort die misstrauische Frage geweckt: „Warum sagt sie das? Gibt es ein Problem?“ Direkte Texte funktionieren manchmal nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Krankenschwestern werden dafür bezahlt, auf eine verhüllte Art &amp; Weise nur die Lichtungen nach oben zu betonen. Für Wahrheiten sind sie nicht zuständig. Als Schwester Monika ein paar Minuten später wieder an mir vorbei wirbelt, meint sie: „Herr Moilen, sie lesen bestimmt gerne eine Zeitung? Soll ich Ihnen eine bringen?“ Sie meint vermutlich: „Gehen Sie bitte wieder ins Bett!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Krankenhaus ist ein Ort des Lebens. Auf Station 4 wird gezweifelt, geheilt, geliebt, gesucht, aufgestanden, gedacht, ja vor allem auch: gedacht! Die Praxis des Lebens lässt sich von einem einzigen praktischen Gedanken nicht einschränken, wie mächtig er auch ist; um sein Leben zu führen, vor allem wenn man ernsthaft krank ist, braucht man mehrere mächtige Gedanken. Der Gedanke der Effizienz erschwert es aber, die Lichtungen &amp; Verdunklungen direkt zur Sprache zu bringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwester Monika wäre überfordert. Und Dr. Davids, mein Kardiologe, auch.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-5365621813971259979?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/5365621813971259979/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=5365621813971259979' title='8 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5365621813971259979'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5365621813971259979'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/09/station-4-die-doppelte-macht-der.html' title='Station 4. Die doppelte Macht der praktischen Überlegung'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>8</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-6289019595485836350</id><published>2010-09-19T09:59:00.001+02:00</published><updated>2010-09-19T10:00:39.480+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Die höchste Beziehungsform? Über eine sehr alte Frage</title><content type='html'>Es ist eine alte, vielleicht eben veraltete Frage: welche Beziehungsform darf als die höchste gelten? Diese Frage kann in einem Kreis von Menschen ein Streitgespräch, mit zwei sympathischen aber unhaltbaren Positionen, entzünden. Die eine Sichtweise besagt, dass die Liebesbeziehung an höchster Stelle steht, weil sie alle Facetten des Lebens umfasst. In der Liebe finden geistige, seelische und körperliche Berührungen statt, wird das Leben rund um die Uhr geteilt (natürlich nur, wenn man zusammenlebt) und man steht auch auf der existentiellen Ebene zueinander (was nicht alle Liebespaare unbedingt wollen und tun). Mit der Liebesbeziehung ist die Vorstellung verbunden, dass sie im Prinzip nichts ausschließt und deswegen komplett ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die andere Position stellt die Freundschaft an die höchste Stelle. In dieser Sichtweise wird betont, dass die Freundschaft eine freie Beziehungsform sein kann, gerade weil die sexuell-körperliche Ebene nicht einbezogen wird. Die Sexualität wird in dieser Sichtweise eher als ein Hindernis verstanden: ein weites Feld voller Probleme, von denen man nicht zu viele haben sollte. Mit der Sexualität werden Verstrickungen verbunden, die als eine Bedrohung der Souveränität gelten. Manchmal wird auch noch gemeint, dass auch die gegenseitige Beteiligung auf der existentiell-finanziellen Ebene die Handhabung der Freiheit zwischen den Partnern erschwert. Die Freundschaft müsse einen Freiraum bilden, der nur entstehen kann, wenn Abhängigkeiten vermieden werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man auf die postmoderne Landschaft menschlicher Beziehungen schaut, stellt man allerdings fest, dass in unserer Lebenspraxis diese Frage ihre Gültigkeit eigentlich schon längst verloren hat. Das Lebensgefühl der heutigen Zeit hat sich grundsätzlich von solchen absolut bewertenden Fragen verabschiedet: so etwas wie „das Höchste“ oder „das Beste“ gibt es nicht mehr. Wenn es um die menschlichen Verbindungen geht, herrscht eher das Gefühl vor, dass die unterschiedlichen Beziehungsformen sich im Grunde genommen ständig vermischen, also praktisch nicht voneinander getrennt werden können. Warum muss denn die Frage überhaupt beantwortet werden, welche Form an höchster Stelle steht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Fragen führen in eine Hexenküche. Einerseits wird jeder Mensch bestätigen, dass es in seinem Leben „ganz wichtige“, „wichtige“, „relativ wichtige“ und „unwichtige“ Beziehungen gibt. Auf der Ebene der realen sozialen Verbindungen handhabt jeder Mensch mehr oder weniger spontan konkrete Bewertungen, die zwar nicht unbedingt an begrifflichen Einordnungen festgemacht, allerdings schon  in der Sprache sichtbar werden. Wenn jemand sagt: „Hans ist ein richtiger Freund“, ist damit gemeint, dass die Beziehung einen hohen Stellenwert hat. Die Begründung scheint erst einmal eine rein subjektive Angelegenheit zu sein, etwa wie: „Ich mag Hans sehr“, oder eben: „Hans versteht mich!“ Wenn man aber nachfragt, erscheint am Ende eine Bewertung, die schon einen objektiven Anspruch beinhaltet, zum Beispiel: „Hans kann ich vertrauen“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Vertrauen ist eine hohe Qualität, die nicht in allen Beziehungsformen im Vordergrund steht. Vertrauen kann es natürlich auch zwischen Bekannten und Kollegen geben, sie steigert sich allerdings beträchtlich, wenn es um Freunde und Geliebte geht. Wenn zwischen mir und einem Kollegen ein Vertrauen wächst, das sich nicht nur auf die Fragen der funktionalen Zusammenarbeit bezieht, sondern darüber hinaus auch Persönlich-Privates betrifft, kommt unvermeidlich ein Moment, in dem ich ihn als Freund betrachte. In der Lebenspraxis ist es also wohl so, dass wir eine Art Rangordnung akzeptieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andererseits wehren wir uns dagegen, eine absolute Hierarchie festzulegen. Im Feld der Beziehungen scheint uns im Prinzip alles möglich zu sein. Noch vor kurzem sagte mir ein Erzieher, dass er seine Beziehung zu den Kindern, mit denen er „ist“ (er verweigerte sich zu sagen: mit denen er arbeitet oder die er betreut), als eine „freundschaftliche“ verstehen will. „Erst wenn ich mit einem Kind auf gleicher Augenhöhe stehe“, so meinte er, „öffnet sich ein Raum der Gemeinsamkeit. Es gibt keinen Grund in einem Kind keinen potenziellen Freund zu sehen“. Dem Erzieher war allerdings klar, dass er sich mit seiner Sichtweise zumindest rein sprachlich von der öffentlich-gesellschaftlichen Aufgabestellung eines Erziehers entfernt. In den relevanten gesetzlichen Texten wird diesbezüglich nicht von „Freundschaft“, sondern von „Betreuung“ gesprochen. Der Erzieher räumte auch ein, dass er die Eltern nicht unbedingt über seine Sichtweise informiert. „Mütter und Väter können das leicht missverstehen“, sagte er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir überschauen die Landschaft menschlicher Beziehungen nicht mehr, oder vielleicht besser gesagt: wir sind dabei, uns von eindeutigen Bewertungen zu verabschieden – die Kinder, die wir betreuen, können offenbar auch unsere Freunde sein. Diese Verschiebung in unseren Bewertungen – man könnte noch eine Menge anderer Beispiele nennen – ist etwas relativ neues. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Je weiter man in der Zeit zurückgeht, umso klarer werden die Bezüglichkeiten der Menschen zueinander. Bei den alten griechischen Philosophen fällt zum Beispiel auf, dass sie gar kein Problem damit hatten, die konkreten Verbindungen zwischen Menschen mit Hilfe der großen Ideen – Freundschaft war so eine Idee – eindeutig einzuordnen. Auf den Gedanken, dass es Freundschaften zwischen Kindern und Erwachsenen geben könnte, sind sie aber nicht gekommen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-6289019595485836350?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/6289019595485836350/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=6289019595485836350' title='18 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6289019595485836350'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6289019595485836350'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/09/die-hochste-beziehungsform-uber-eine.html' title='Die höchste Beziehungsform? Über eine sehr alte Frage'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>18</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-4636065720629956402</id><published>2010-09-12T09:41:00.001+02:00</published><updated>2010-09-12T09:44:07.174+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Steiner Rudolf'/><title type='text'>Wunderschöne Verwirrungen. Über konservative und liberale Sackgassen</title><content type='html'>Menschen die sich konservativ nennen, sind geneigt zu sagen, dass wir im sozialen Leben leider nicht mehr wissen, was richtig und was falsch ist. Aus konservativer Sicht ist etwas verloren gegangen, eine soziale Selbstverständlichkeit, die vor allem in ländlichen Dorfgemeinschaften noch lange standgehalten hat, mittlerweile aber auch dort zerbröckelt ist. Der konservative Geist versucht über Gesetze und moralische Predigten die alte Normen und Werte aufrechtzuerhalten, was längerfristig gesehen ein chancenloses Projekt ist. Der konservative Geist will eine Vergangenheit ohne Zukunft. Jemand wie Thilo Sarrazin versucht im Grunde genommen die Vergangenheit Deutschlands gegen eine prinzipiell unsichere Zukunft, die nur aus Schatten besteht, zu verteidigen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man sich progressiv nennt, meint man eher, dass die Begriffe nicht mehr taugen. Vorbildlich sind in dieser Hinsicht einige Philosophen, wie Foucault, Derrida und Sloterdijk, die einerseits mit offenen Augen auf die realen Tatsachen des sozialen Lebens schauen und andererseits die herkömmlichen Begriffe und Ideen dekonstruieren. Sie können und wollen nicht erzählen was „eigentlich“ los ist, weil es so etwas wie „eigentlich“ nicht mehr gibt, oder besser gesagt: nicht geben darf, weil alles „eigentliche“ Denken auf esoterischen oder metaphysischen Annahmen beruht, die letztendlich auf verborgene Machtverhältnisse zurückzuführen sind. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wo der konservative Geist noch immer bestimmte religiöse Offenbarungen oder moralische Selbstverständlichkeiten akzeptiert und ins Zentrum des Denkens und Handelns platziert, versucht die aufgeklärte Liberalität, sich von Ideen und Idealen, letztendlich von der Geschichte zu befreien. Sie will eine Zukunft ohne Vergangenheit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beide Sichtweisen führen in eine Sackgasse, weil die Beziehung zur Vergangenheit traumatisiert ist. Zwischen dem verkrampften Aufrechterhalten und der lieblosen Hinrichtung der Vergangenheit gibt es noch einen dritten Weg, der damit anfängt, dass man beide Gesichtspunkte gleichzeitig für sinnvoll hält: wir wissen nicht mehr was richtig und falsch ist UND die Begriffe taugen nicht mehr. In dieses Paradox einzutauchen, bedeutet so viel wie, sich von der einen oder der anderen Angst zu befreien: der Angst vor den Schatten der Vergangenheit oder der Angst vor den Schatten der Zukunft. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Grunde genommen KANN man auch nicht anders, weil die EINE Frage riesengroß im Raum steht: wie kann man überhaupt weiter „denken“, wenn einerseits die Vergangenheit abgehakt ist – ALLES was wir denken, hat seine Quelle in der Vergangenheit – und andererseits die Zukunft als sekundäre und gefährliche Hoheit, die man unbedingt im Griff haben soll, angesehen wird? Man braucht nicht „esoterisch“ zu denken, um einzusehen, dass die Kategorien Vergangenheit und Zukunft von einer höheren Kategorie umfasst werden: nämlich von der Gegenwart.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit einer Variante auf eine Äußerung von Goethe: „Vergangenheit und Zukunft, wir sind in der Gegenwart von Euch umschlungen“. Ich habe gerade gesagt, dass man nicht esoterisch denken muss, um die Richtigkeit dieser Aussage einzusehen. Und tatsächlich findet man diesen Gedanken auch öfters bei „nicht-esoterischen“ Philosophen aus dem zwanzigsten Jahrhundert formuliert, etwa bei Heidegger, Foucault und Derrida. Die Konsequenz des Gedankens ist allerdings, dass man anfängt esoterisches Denken ernst zu nehmen – dieser Gedanke ist einer der Türen zur Esoterik. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor allem Heidegger hat das auch verstanden, was aus seinem Buch „Beiträge zur Philosophie – Vom Ereignis“ klar hervorgeht. Dort schreibt er zum Beispiel in seiner typischen Sprache: „Die Seinsfrage ist der Sprung in das Seyn, den der Mensch als der Sucher des Seyns vollzieht, sofern er denkerisch Schaffender ist. Sucher des Seyns ist im eigensten Übermaß sucherischer Kraft der Dichter, der das Seyn `stiftet`.“ (S. 11.) Heidegger formuliert hier den Kern des esoterischen Denkens, trivialer und politisch korrekter gesagt: sich kreativ denkend am Leben beteiligen... Jemand wie Rudolf Steiner hätte es nicht besser formulieren können.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-4636065720629956402?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/4636065720629956402/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=4636065720629956402' title='9 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4636065720629956402'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/4636065720629956402'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/09/wunderschone-verwirrungen-uber.html' title='Wunderschöne Verwirrungen. Über konservative und liberale Sackgassen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>9</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-7306654204773649126</id><published>2010-09-05T12:58:00.001+02:00</published><updated>2010-09-05T12:59:44.190+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Nähe'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Rosen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Die Nähe als Ort der Verwandlung. Eine Rose werden wollen</title><content type='html'>Gefühle drücken auf diese oder jene Weise meine Beziehung zu den Dingen, Menschen, Begriffen, Erinnerungen, Umständen und Handlungen aus. In meinen Gefühlen lebe ich meine Beziehungen. Das Ausleben meiner Beziehungen in meinen Gefühlen ist allerdings keine statische Angelegenheit, die nur bemerkbar macht, was ist, sondern vor allem auch spüren lässt, was sein könnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gefühle neigen immer zur Verwandlung. Um ein einfaches Beispiel zu nennen: Wenn mir die Rosen in meinem Garten Freude bereiten, heißt das, dass ich mich gerne durch sie verändern lasse. Die Freude selber ist eine bestätigende Reaktion auf das großzügige Angebot der Rosen mit ihnen ein bisschen Rose zu sein, und damit der wiederholte Anfang einer „Verrosung“-in-mir.&lt;br /&gt;  &lt;br /&gt;Alle Gefühle die rein sind, haben die Neigung zur Verwandlung inne. Aber auch Gefühle, die nicht rein sind – wir sprechen dann von Emotionen – neigen zur Verwandlung, nicht aber mit einem sanften, sondern einem harten Willen (Georg Kühlewind). In Emotionen  („motion“ bedeutet „Bewegung“) haben sich die Positionen vertauscht: im Vordergrund steht nicht das Gefühl, sondern der Wille. Emotionen sind Gefühle, die von einem harten Willen besetzt sind. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An der Wut ist beispielsweise deutlich zu sehen, was an dieser Stelle gemeint ist: Wenn wir wütend sind, wollen wir in einer Situation, die uns bedrängt, mit verbaler oder eben physischer Gewalt eingreifen. Wir lauschen nicht mehr, sind nicht länger dialogisch auf das Gegenüber gerichtet, „tanzen“ nicht mehr, wollen uns selber nicht mehr verändern, sondern nur noch das Andere oder den Anderen unserem Wollen gefügig machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal werden Emotionen im Vergleich zu Gefühlen als minderwertig bewertet. Mit dem Wort „rein“ ist oben in diesem Text allerdings nicht eine moralische Bewertung gemeint, sondern wird nur auf die Tatsache hingewiesen, dass Gefühle als „reines“ Gefühl erscheinen können, das heißt: nicht mit bestimmten Gedanken oder Willensimpulsen vermischt sind. In der Intentionalität der Gefühle sprechen Sympathien und Antipathien zwar mit, sie werden aber nicht als solche bewertet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn mich ein Laubbaum, der seine Blätter verloren hat, im Winter traurig macht, bedeutet dies nicht unbedingt, dass er „verkehrt“ ist und eben aus der Welt geschaffen werden müsste. Ganz im Gegenteil, die Traurigkeit als Gefühl deutet auf eine innere Anteilnahme an einem objektiven Geschehen, das in mir Sympathien oder Antipathien weckt – vielleicht mag ich Traurigkeit nicht, oder vielleicht gerade doch – ohne dass in mir der Wunsch entsteht, sie zu beenden, zu verdammen oder auszuschalten. Trauer als reines Gefühl ist keine Emotion, auch nicht wenn sie sehr kräftig ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nähe wird oft mit Geborgenheit gleichgesetzt, was nur halbwegs stimmt. Über die Geborgenheit hinaus wirkt in der Nähe allerdings die Sehnsucht nach Verwandlung. In der Nähe ist man mit sich selber, mit anderen Menschen und mit der Welt unterwegs. Einerseits kann von der Nähe gesagt werden, dass sie uns erlaubt, so zu sein, wie wir sind – gerade in der Nähe gelten die Worte eines alten finnischen Liedes: „Du kannst kommen, wie du bist“. Bei einem Gefühl der Geborgenheit muss es aber nicht bleiben, weil sich in der Nähe Gefühle zeigen, die, wie gesagt, die Neigung zur Änderung inne haben. Die Nähe ist also auch als ein Bereich zu verstehen, in dem ich gerade nicht so bleiben will, wie ich bin.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-7306654204773649126?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/7306654204773649126/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=7306654204773649126' title='7 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/7306654204773649126'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/7306654204773649126'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/09/die-nahe-als-ort-der-verwandlung-eine.html' title='Die Nähe als Ort der Verwandlung. Eine Rose werden wollen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>7</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-1042967222640000675</id><published>2010-08-29T12:13:00.002+02:00</published><updated>2010-09-04T09:34:53.912+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Vorlesen zum'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fußball'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Poli'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kindheit'/><title type='text'>Zum Vorlesen. Wie Poli lernt, endlich mal ein Tor zu schießen</title><content type='html'>Seine Mutter steht in seinem Zimmer und ruft: „Poli, aufstehen! Der Tag hat begonnen!“ Poli will aber nicht aufstehen und tut so, als ob er noch schläft. Er hält seine Augen fest geschlossen. Er hatte gerade einen Traum. Ein Mann hat ihm gezeigt, wie man den Ball am besten ins Tor schießen kann. Und das war ihm im Moment am allerwichtigsten, wie man ein Tor macht. Jetzt aufzustehen, seine Zähne zu putzen, runter zu gehen und ein Brot zu essen, dazu hat Poli gar keine Lust. Seine Mutter lässt aber nicht locker. Sie zieht die warme Decke von seinem Bett und sagt: „Hopla Poli, komm, dein Vater wartet schon!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Poli hasst es, wenn seine Mutter ihn weckt. Sie macht das jeden Morgen so. Sie will immer Zähne putzen, runter gehen und Brot essen. Und dann mit dem Fahrrad in den Kindergarten fahren. Auch wenn es regnet oder schneit. Und Poli hasst es, wenn er im Regen Fahrrad fahren muss, weil er dann nass wird. Seiner Mutter ist das egal. Sie sagt dann: „Poli, manchmal ist es eben so, dass man nass werden muss!“ Poli sieht das aber anders. Er meint, wenn es regnet, dann kann er doch einfach zu Hause bleiben, oder?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch hält er seine Augen geschlossen. Der Mann mit dem Ball ist noch immer da. Er schaut lachend auf Poli und fragt: „Na, was machen wir jetzt? Hören wir auf?“ Und bevor seine Mutter weiterredet, sagt er zu dem Mann noch schnell: „Bitte, bitte, bitte, komm morgen wieder, dann können wir weiter machen!“ „Gut“, sagt der Mann, „dann bis morgen. Ich bringe den Ball mit.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Poli dreht sich um und öffnet seine Augen. Seine Mutter schiebt gerade die Gardinen zur Seite und öffnet das Fenster. Poli spürt die kalte Luft auf seiner Haut. Er hasst kalte Luft, vor allem früh am Morgen. Langsam bewegt er sich zum Rand seines Bettes, lässt seine nackten Füße runter fallen und streckt seine Beine aus. Jetzt steht er. „Komm“, sagt seine Mutter, „wir haben nicht viel Zeit“. Der Mann mit dem Fußball ist aber noch immer nicht verschwunden. Er steht jetzt neben dem Kleiderschrank und sagt: „Also, bis morgen!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ja, bis morgen“, antwortet Poli. „Was sagst du?“, fragt seine Mutter. „Nichts“, sagt Poli. Er schaut auf den Stuhl neben dem Schrank. Dort hat seine Mutter seine Kleider bereit gelegt. Ganz unten seine rote Hose, darauf sein blaues Shirt mit den springenden Delphinen, dann seine Unterhose, seine roten Socken und ganz oben seine schwarzen Schuhe. Er liebt seine schwarzen Schuhe, weil er damit ganz gut Fußball spielen kann. Er hasst es aber seine Kleider anzuziehen: erst die Unterhose, dann die Socken, dann das Shirt mit den Delphinen, dann seine Hose und dann seine Schuhe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mann mit dem Ball ist jetzt verschwunden. Poli fühlt sich ein bisschen alleine. „Ich will die Delphine nicht“, sagt er zu seiner Mutter. „Nein?“, antwortet sie, „und warum nicht? Deine Tante hat das Shirt für dich aus Griechenland mitgebracht!“ Aber Poli mag heute die Delphine nicht, und seine Tante und Griechenland sowieso nicht. In einem blauen Shirt mit Delphinen aus Griechenland werden keine Tore geschossen. Und ganz sicher nicht, wenn auch noch seine Tante dabei ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Dein Vater wartet noch immer“, sagt seine Mutter. Poli geht jetzt ins Badezimmer, wo die Zahnbürste wartet. Sie steht in einem Glas und riecht nach Pfefferminz. Neben dem Glas liegt eine Tube Zahnpasta. Auch sie riecht nach Pfefferminz. Alles im Badezimmer riecht nach Pfefferminz. Und Poli hasst heute den Geruch von Pfefferminz. Wie soll man mit dem Geruch von Pfefferminz in seiner Nase ein Tor schießen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine Mutter steht neben Poli und schaut zu. „Ich bin gespannt“, sagt sie. Poli weiß ganz genau, was seine Mutter damit meint. Wenn sie sagt, dass sie gespannt ist, muss Poli aufpassen. Er klettert auf den Hocker, will mit seiner rechten Hand nach der Zahnpasta greifen und hört schon, dass er falsch liegt. „Nein Poli“, sagt seine Mutter, „die Zahnpasta kannst du am besten in deiner linken Hand nehmen. Die rechte Hand ist für die Bürste. Das weißt du doch schon? Gestern hast du es richtig gemacht.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern? Gestern hat Poli Fußball gespielt. Mit Bruno und Vanessa und Kevin und Daniel. Und beinah hat Poli ein Tor geschossen! Poli erinnert sich noch deutlich daran. Daniel hatte den Ball von links gespielt. Vanessa stand im Tor. Und Poli hatte geschossen, mit seinem schwarzen linken Schuh. Oder mit dem rechten Schuh? Und den Ball voll getroffen. Pöff hatte der Ball gesagt. Richtig pöff! Vanessa hat den Ball leider mit ihrer linken Hand gestoppt. Oder war es mit ihrer rechten Hand? Und Bruno hatte gesagt: „Poh, poh, das war beinah ein Tor!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Poli steht auf dem Hocker. In seiner linken Hand hält er die Tube Zahnpasta, in seiner rechten Hand die Bürste. In den Spiegel kann er nicht schauen, weil er zu klein ist. Das macht ihm aber nichts. Er weiß doch, dass im Spiegel der Mann mit dem Ball wartet. „Ja, morgen“, sagt er, „morgen machen wir weiter“. „Was meinst du?“ fragt seine Mutter. „Nichts“, sagt Poli. Und er versucht die blaue Pasta auf die Bürste zu kriegen. Es gelingt! „Gut so“, sagt seine Mutter, „ein bisschen weniger hätte allerdings auch gereicht“.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-1042967222640000675?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/1042967222640000675/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=1042967222640000675' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1042967222640000675'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/1042967222640000675'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/08/zum-vorlesen-wie-poli-lernt-endlich-mal.html' title='Zum Vorlesen. Wie Poli lernt, endlich mal ein Tor zu schießen'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3199014413158232567</id><published>2010-08-22T15:51:00.000+02:00</published><updated>2010-08-22T15:53:53.993+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Pico della Mirandola'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Poliziano Angelo'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kindheit'/><title type='text'>Angelo Poliziano. Brief an seinen Freund Pico della Mirandola</title><content type='html'>Salve! Heute war ich im Garten unterhalb von Montepulciano, wo ich als Kind immer wieder gespielt habe. Weil ich schon so lange aus meiner Heimatstadt weg bin, und die Menschen mich nicht erkennen, konnte ich ungestört umher gehen. Es war heiß, unter dem Schatten der Obstbäume war es aber kühl. Die Erinnerungen die auftauchten, bestätigten mir nochmals, was ich schon wusste: ich lebte als Kind in einem Traum. So ist es lieber Freund: alles was ich in meinem Leben gedacht und geschrieben habe, ist eine Verarbeitung dieser kindlichen Träume. Ich habe nie etwas gedacht, was ich als Kind nicht schon geträumt hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am späten Nachmittag habe ich mich an die Stelle gewagt, wo damals der Leichnam meines Vaters gefunden wurde. Die kennst die Geschichte: er wurde – ich war zehn Jahre alt – wegen seiner Beziehung zu den Medicis in Firenze umgebracht. Wo seine Feinde ihn ermordet haben, ist nicht bekannt, die Stelle wo sie seinen Leichnam entsorgt haben, aber schon. Sie haben ihn unten bei der Stadtmauer in eine Quelle geworfen, gerade dort, wo ich als Kind immer wieder vorbei kam, wenn ich nach Hause wollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich hatte heute den Mut, mir die Stelle anzuschauen. Sie sah verlassen aus. Über dem quadratischen Loch, etwa zwei Mal zwei Meter, wachsen Buchse, die wie Arkaden über dem regungslosen Wasser stehen und es bedecken. Ich weiß noch, dass ich damals als Kind am Abend in das tiefe und dunkle Wasser schaute, um die ersten Sterne gespiegelt zu sehen. Heute wurde nichts gespiegelt – als ich mich nach vorne beugte – auch nicht mein Gesicht. Mir schien es so zu sein, dass die Quelle ihre Augen definitiv verschlossen hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du weißt, wie es damals weiter gegangen ist. Ich wurde nach Firenze geschickt und in der Familie von Lorenzo de Medici aufgenommen. Dort lernte ich die griechische Sprache kennen und übersetzte schon als Jugendlicher Fragmente aus den Werken von Homer. Marsilio Ficino und Christopher Landino wurden meine Lehrer. Sie führten mich in die Philosophie der Antike ein – vor allem in die Denkweise Platons, obwohl ich innerlich eher bei Aristoteles zu Hause war. Später wurde ich beauftragt, die Erziehung von Giulio, Piero und Giovanni, den Söhnen von Lorenzo und Clarissa, in die Hand zu nehmen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe damals die schrecklichen Ereignisse mit meinem Vater schnell vergessen, so, als ob sie gar nicht zu meinem Leben gehörten. Sein Tod wurde in mir zu einem Loch, das zugewachsen ist. Im Nachhinein muss ich aber feststellen, dass dieses Loch mein ganzes weiteres Leben, mein Denken und mein Dichten grundsätzlich bestimmt hat. Alleine meine Neigung zum aristotelischen Denken und meine Abwehr gegen die im Träumen verankerte Sichtweise von Platon – ach, wie sehr hat Marsilio sich immer wieder geärgert! – lag in der Tatsache begründet, dass für mich der Schreck des Todes immer und überall lauert. Ist Aristoteles letztendlich nicht der große Philosoph des Todes?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich wollte nie ein Philosoph sein. Ich wollte mich, ohne es zu wissen, durch den Tod meines Vaters zu den Träumen meiner Kindheit zurück arbeiten, aber so, dass die poetischen Bilder rückwärts durch das Nadelöhr des Todes reifen konnten. Ich wollte, lieber Pico, als Dichter die Träume meiner Jugend im Lichte des Todes überprüfen. Und so verstand ich auch die Werke Homers: sie stellen die Frage der Katastrophe. Wenn Troja gefallen ist und die Helden tot sind, welche Bedeutung haben die Ereignisse dann im Nachhinein?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich heute am frühen Abend an dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, vorbei ging und das Fenster meines Schlafzimmers sah, brach mein Herz. Jeden Morgen hing ich damals aufgeregt aus dem Fenster, danach verlangend, mich in den Tag hinein zu begeben. Wie unschuldig, hoffnungsvoll und unbefangen sind wir als Kinder! Und wie weit entfernen wir uns als Erwachsene von dieser spontanen Freude? Liegt in dieser Frage nicht die eigentliche Aufgabe der Poesie und der Philosophie: Was sagt die Kindheit eigentlich über die Natur des Menschen aus? Welche Bedeutung-für-sich, ich meine: nicht nur als „Vorbereitung“, sondern als „Zustand“, hat die Kindheit zwischen Geburt und Tod? Oder anders gesagt: was aus der Kindheit ist deutlich stärker als der Tod?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich war noch in Gedanken versunken, als die Seitentür des Hauses sich öffnete, dort, wo damals das Getreide in den Speicher gebracht wurde. Eine alte Frau erschien, ich erkannt sie sofort als unsere Köchin. Verwirrt drehte ich mich um, machte ein paar Schritte und hörte sie dann sagen: „Angelo? Angelo? Bist du es?“ Ich wendete mich zu ihr und sagte: „Ja, Lucia, ich bin es...“ Sie kam auf mich zu, schaute mir in die Augen und sagte: „Ja, du bist es! Ich sehe es in deinen traurigen Augen.“ Und sie wies auf die alte Bank an der anderen Seite der Straße und sagte: „Komm, erzähl mir von Firenze!“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3199014413158232567?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3199014413158232567/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3199014413158232567' title='8 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3199014413158232567'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3199014413158232567'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/08/angelo-poliziano-brief-seinen-freund.html' title='Angelo Poliziano. Brief an seinen Freund Pico della Mirandola'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>8</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3001641305599154109</id><published>2010-08-15T09:17:00.002+02:00</published><updated>2010-08-15T12:12:41.368+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Köln'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Marisch Anne'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Integration'/><title type='text'>Integration (3). Über Albertus Magnus und ein strahlendes Herz in Köln</title><content type='html'>In Köln gibt es eine Handvoll Leute, die ganz vorsichtig, so wie man das zurzeit ganz bescheiden macht, auf die natürlich unwahrscheinliche Möglichkeit schauen, ein „anthroposophisches“ Zentrum zu eröffnen. Die Urheberin der noch-nicht-oder-vielleicht-doch Initiative ist Anne Marisch, meine Kollegin im Seminar für Waldorfpädagogik. Sie wird in ein paar Jahren in Rente gehen, meint jedoch, dass für die Stadt Köln „noch mal etwas Gutes getan werden könnte“. Und damit ist die Frage gestellt: was gäbe es Gutes für die Metropole am Rhein? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst hat Anne Marisch gezögert, mir dann aber doch erlaubt, von ihrer Idee zu berichten. Es gibt Vorbilder: Basel-Mitte in Basel, Forum Kreuzberg in Berlin, Forum Drei in Stuttgart... So eine Einrichtung fehlt in Köln. Aus irgendeinem Grund ist die Präsenz der Anthroposophie in Köln immer mehr oder weniger versteckt geblieben, ich meine: es gibt natürlich eine Menge anthroposophischer Initiativen und Einrichtungen, wie Waldorfschulen, Waldorfkindergärten, zwei Gemeinden der Christengemeinschaft, Ärzte und Therapeuten, ein Seminar für Waldorfpädagogik, eine Buchhandlung und ein Bildungswerk, ein für alle Kölner erkennbarer und streitbarer „Kulturort“ ist in der Stadt aber nie entstanden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Rheinmetropole wird noch immer stark von der Katholischen Kirche geprägt. Direkt an der großen Kathedrale  befindet sich das Domforum, ein Ort der Katholiken, in dem die aktuellen Themen des Lebens in der Großstadt energisch angesprochen und diskutiert werden. Obwohl die geistige Führung in Köln, der Bischof und sein Stab also, eher dogmatisch orientiert sind, lebt im Domforum manchmal ein sprühender Geist, offen für die Fragen der Zeit. In Köln ist katholische Kirche nicht immer gleich katholische Kirche.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ohne Weiteres einfach ein „anthroposophisches“ Zentrum zu eröffnen, würde allerdings nicht funktionieren. Mir scheint die Zeit längst vorbei zu sein, in der die Anthroposophie-als-Weltanschauung in der Öffentlichkeit eine Wirkung hat. Nein, ein anthroposophisches Zentrum in Köln müsste eine erkennbare und spezifische Idee ausstrahlen, eine Sichtweise auf das Leben in der Stadt, die von allen Einwohnern sofort verstanden wird. Mir scheint diesbezüglich die Idee der Integration eine fruchtbare Quelle zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist schon erstaunlich zu sehen, wie wenig Anthroposophen sich in den öffentlichen Diskurs über die Fragen der Integration einbringen. Integration ist ein dringendes Thema in ganz vielen Bereichen des Lebens: im sozialen Leben, in der Pädagogik und der Bildung, im Bereich des Rechts, in der Religion, in der Wirtschaft... Und die anthroposophische Art des Erkennens wäre wohl im Stande, auf die Fragen der Integration ein neues Licht zu werfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Ort der Integration könnte eine Werkstatt des Schicksals sein. Man könnte sich zum Beispiel Kurse vorstellen, in denen die Biographien der Menschen im Lichte der Begegnung mit der (deutschen) Leitkultur angeschaut werden. Eine Frage an dieser Stelle wäre: warum sucht ein Mensch aus der Türkei das Leben in Deutschland? In welcher innerlichen und äußerlichen Lage befindet sich ein Mensch aus Iran, der sich vielleicht eher Perser nennt? Und umgekehrt: was bedeutet die Präsenz der Türken und Perser für Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch könnte man sich einen Rechtsbeistand vorstellen, um Menschen in Bezug auf die oft schwierigen Migrationsregeln zu beraten. Die juristische Beratung könnte sich mit der oben genannten biographischen Frage verbinden: sehr oft verstecken sich hinter rein sachlichen Problemen noch andere Fragestellungen, die eher sozialer oder kultureller Natur sind. Mit rechtlichen Fragen geht manchmal eine soziale Isolierung einher, die im Rahmen eines Ortes des Schicksals aufgehoben werden könnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Ort der Integration wäre ein Ort der Begegnung. Schriftsteller, Musiker, Wissenschaftler, Aktivisten und Vertreter der Religionen könnten eingeladen werden, um über brennende Themen zu sprechen: alles zwischen Burka-ja-oder-nein und die unterschiedlichen spirituellen oder gerade-nicht-spirituellen Weltbilder könnten in Vorlesungen, Podiumsgesprächen oder Workshops verarbeitet werden. Mich würde dabei vor allem auch interessieren, welchen Stellenwert das esoterisch-spirituelle Denken in den unterschiedlichen Religionen hat und wie der Weg der Verinnerlichung gedacht und praktiziert wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein wichtiges Feld würde die Pädagogik ausmachen. Die Waldorfpädagogik ist im „christlichen“ Diskurs in Europa entstanden und dort eingebunden, befindet sich allerdings glücklicher Weise weltweit in einer spannenden Lage: wie verbindet sich die christliche Tradition mit den islamischen, hinduistischen, buddhistischen und indianischen (wie in den Anden) Traditionen? Der eigentliche Diskurs ist längst eine integrative Angelegenheit geworden, ist aber in europäischen Städten wie in Köln noch nicht wirklich angekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Seminar für Waldorfpädagogik in Köln hatte im Laufe der letzten Jahre mit Menschen aus Peru, Kuba, der Türkei, Iran, Japan, Südkorea und den slawischen Ländern zu tun. Und immer wieder tauchten dadurch interessante Fragen auf: wie verhalten sich die alten Weisheiten von Zarathustra, die noch immer in Persien/Iran lebendig sind, zu den spirituellen Inhalten des esoterischen Christentums? Oder wie steht es diesbezüglich mit den mythischen Vorstellungen aus den Anden (wie in meinem Buch „Armut als Schicksal“ beschrieben)? Wenn die Anthroposophie sich als ein Angebot für die ganze Menschheit versteht, müssten die unterschiedlichen Traditionen integriert werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was wird aus Köln? Der spirituelle Forscher Marko Pogacnik meint, dass sich in Köln zurzeit ein neues „Herz-Chakra“ in der Erde öffnet. Und ich glaube, dass das stimmt: etwas in Köln fängt an zu leuchten – ich werde vielleicht irgendwann in den nächsten Wochen versuchen, das zu beschreiben... Das Herz ist überhaupt das Organ-der-Integration. Mit einer Variation auf eine bekannte Aussage des Kölner Helden Albertus Magnus: „Das Herz ist so groß, das alles hinein passt“.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3001641305599154109?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3001641305599154109/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3001641305599154109' title='12 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3001641305599154109'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3001641305599154109'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/08/integration-3.html' title='Integration (3). Über Albertus Magnus und ein strahlendes Herz in Köln'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>12</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-6227333556536061203</id><published>2010-08-08T09:18:00.000+02:00</published><updated>2010-08-08T09:21:33.839+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Abgrund'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Deutsche Leitkultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Integration'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Steiner Rudolf'/><title type='text'>Integration (2). Abgründe und Schatten in der deutschen Leitkultur</title><content type='html'>Das Empfinden, dass man nicht in Deutschland, Russland, Afghanistan, Japan oder Bolivien geboren worden ist, sondern auf einem Planeten namens Erde, irgendwo und irgendwann, könnte man mit den Worten Rudolf Steiners als „michaelisch“ bezeichnen. Den Erzengel Michael, der unterwegs ist um zu einer höheren Stufe in den göttlichen Hierarchien aufzusteigen, zu den Archai, könnte man auch den Begleiter der Mondialisierung nennen. In seiner Welt gibt es keine Völker und Nationalitäten mehr, nur noch Individuen, die sich im Spiegel der ganzen Menschheit sehen wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Spiegel findet man überall. Man braucht nicht in die Ferne zu reisen, um dem Fremden zu begegnen. In jeder Großstadt ist die ganze Welt vertreten. In meinem kleinen Viertel in Köln, in Anlehnung an Paris liebevoll „Kwartier Latäng“ genannt, trifft man Menschen aus Iran, dem Irak, Ägypten, Polen, Rumänien, der Türkei, Italien, Thailand, Argentinien, Peru und natürlich aus Holland... Mondialisierung heißt, dass die ganze Menschheit an jedem Fleck der Erde kulturell vertreten sein möchte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ist das für eine Tätigkeit, in den Spiegel der Menschheit zu schauen? Integration beinhaltet weitaus mehr, als sich an die Werte und Gepflogenheiten einer dominanten Kultur – man spricht wohl von Leitkultur – anzupassen. Das Lernen einer Sprache, in Deutschland Deutsch, in Frankreich Französisch, in Amerika Englisch, ist eine notwendige Voraussetzung für eine Annäherung an die jeweilige Leitkultur. Deutsch als Fremdsprache zu sprechen und zu schreiben ist allerdings mehr als eine rein sprachliche Angelegenheit – es bedeutet ein Eintauchen in eine bestimmte Art und Weise auf das Leben und die Welt zu schauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die deutsche Leitkultur spiegelt ein paar große Aspekte des Mensch-Seins. Ich bin nicht im Stande die Sichtweisen dieser Kultur adäquat zu beschreiben, dazu braucht man Erkenntnisse, die ich nicht habe. Was mir allerdings immer wieder an der deutschen Leitkultur auffällt, ist erstens eine intime Beziehung zu Begriffen. In Deutschland, wesentlich stärker als in Spanien oder England, werden Begriffe bis zu Ende gedacht. Zu den Deutschen scheinen mir die Neigung und die Fähigkeit zu gehören, Gedanken klar zu formulieren und von der Sphäre des Traumhaften zu befreien. Begriffe müssen „genau“ sein, fast „juristisch“ abgeklärt. Die eher intuitive Art und Weise auf Gedanken hinzuweisen, wie die Engländer das machen („Well, you know what I mean, don´t you?“), ist für manche Deutsche unerträglich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweitens fällt mir immer wieder auf, dass die Deutschen – anders als zum Beispiel die Franzosen –Begriffe nicht als persönliche Schöpfungen verstehen. In der deutschen Leitkultur haben Ideen eigentlich keinen Autor und werden auch nicht als Schmuckstücke verstanden, mit denen man die eigene Persönlichkeit ziert. Begriffe sind quasi objektive Gegebenheiten, die frei im Raum schweben und nicht an Personen gebunden sind. Ich habe öfters bemerkt, dass dies für manche Deutsche so selbstverständlich ist, dass sie nicht einmal verstehen, was ich hier meine.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drittens umfasst die deutsche Leitkultur einerseits die höchsten Ideale (Friedrich Schiller ist diesbezüglich das große Vorbild), andererseits die Banalität des Bösen (Hannah Arendt). Nicht, dass die Deutschen die enorme Spannweite auch immer denken könnten, nein, ich würde sagen: in gewissem Sinne gerade noch immer nicht, aber FÜHLEN können sie sie allerdings. Mit diesem Fühlen geht ein Ernst einher, der auf einer Ehrfurcht vor den Höhen und Tiefen („Stirb' und Werde“) des Lebens beruht. Manchmal wirkt der Ernst wie eine unterschwellige Schwere, die nicht locker lässt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Integration fängt mit Begegnung an, und zwar mit einer, die von mir aus gewollt wird. Erst wenn ich bereit bin, mich im Antlitz des anderen Menschen zu ändern, oder vielleicht besser gesagt: zu vervollständigen, findet Integration statt. Die Sache ist nicht nur, dass ich mich in eine fremde Kultur integriere, sondern vor allem auch, dass ich dem Fremden in mir einen Platz gebe. Letztendlich findet Integration in mir statt. Diesbezüglich scheint es mir allerdings so zu sein, dass der oben erwähnte Ernst der Deutschen manchen Fremdlingen richtig Schwierigkeiten bereitet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Türken, Perser, Latinos, ja, auch die Holländer, ärgern sich manchmal an der – als peinlich erlebten –  pünktlichen Genauigkeit der Deutschen. Und sie können manchmal die unterschwellige Schwere nicht nachvollziehen, das Misstrauen, die Distanz... Sie klagen zum Beispiel darüber, dass die Reisenden in den deutschen Zügen kaum mit einander plaudern: jeder verbirgt sich hinter seinem Laptop oder seiner Zeitung. Solange man allerdings als Fremdling vor dem Schatten des Ernstes stehen bleibt und sich nicht auf das Wesentliche einlässt, wird man nicht nur ausgeladen, sondern man lädt sich auch selber aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es scheint mir schon zu stimmen, dass die Deutschen sich seit dem Holocaust selber nicht mehr verstehen. Aber sie fühlen umso mehr. Im Lichte der Integration ist ein ganz bestimmter Gedanke entscheidend, nämlich dieser: der Ernst der Deutschen, inklusive ihrer Schatten, betrifft eine Angelegenheit, die alle Menschen auf dem Planeten namens Erde angehen: die Empfindung, dass das Leben Abgründe kennt. Sich in die deutsche Leitkultur hinein zu begeben, bedeutet auch, sich auf diese Abgründe einzulassen. Um es mit Rudolf Steiner zu sagen: in einer michaelischen Kultur schaut man dem Drachen, der aus dem Abgrund aufsteigt, voll bewusst in die Augen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-6227333556536061203?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/6227333556536061203/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=6227333556536061203' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6227333556536061203'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6227333556536061203'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/08/integration-2-abgrunde-und-schatten-in.html' title='Integration (2). Abgründe und Schatten in der deutschen Leitkultur'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-9196709430286660951</id><published>2010-08-01T10:23:00.002+02:00</published><updated>2010-08-01T10:27:47.038+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Islam'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Integration'/><title type='text'>Integration (1). Über den Diskurs zwischen Islam und Christentum</title><content type='html'>Mit Integration ist ein Geschehen gemeint, das sich weltweit vollzieht. Überall in der ganzen Welt gibt es kleinere Völker, Gruppen von Menschen und auch individuelle Personen, die sich mit einer vor Ort herrschenden dominanten Kultur und einem ihnen fremden Lebensstil abzufinden haben. Manchmal integrieren die kleineren Einheiten sich gerade nicht, sie zeigen Berührungsängste und haben die Neigung sich abzuschotten, meistens aber finden sie eine Balance zwischen Eigenheit und Gemeinsamkeit. Das gegenseitige Suchen nach dieser Balance könnte man Integration nennen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Integration ist eine uralte Angelegenheit. In allen großen, ehemaligen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentren dieser Welt – Uruk, Persepolis, Athen, Damaskus, Bagdad, Rom, Toledo, Paris, New York, Singapur –  lag und liegt das spannende Vibrieren-in-die-Zukunft-hinein in der Tatsache, dass unterschiedliche Kulturen sich trafen und treffen. Alleine Europa ist vom Zusammenkommen unterschiedlicher Kulturen geprägt, die in einem Blogtext vollständig aufzulisten nicht möglich wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus europäischer Sicht hat die Integration zwei Achsen. Die erste bewegt sich zwischen Ost und West, die zweite verbindet Nord und Süd. Die Ost-West Achse ist die ältere, sie ist schon in der Antike klar zu erkennen (Athen und Persepolis) und hat zum Beispiel zu den Eroberungszügen von Alexander dem Großen geführt. Zurzeit erleben wir eine Ausweitung dieser Achse: auch China – seit dem Besuch von Richard Nixon in Peking 1972 – lässt mittlerweile lautstark von sich hören. (Interessant ist übrigens, wie ich schon in meinem Blog über Singapur geschrieben habe, dass diese Achse sich verdoppelt hat: sie läuft einerseits noch immer über Europa, andererseits allerdings über den Stillen Ozean, anders gesagt: ohne die Beteiligung Europas.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Nord-Süd Achse ist grob mit dem Stichwort Kolonialisierung anzudeuten. Wie Eduardo Galeano in seinem Buch „Die offenen Adern Lateinamerikas“ deutlich gemacht hat, ist sie zu einer Beziehung zwischen Tätern und Opfern geworden. Was wir in Europa Aufklärung und Modernisierung nennen, ist mit den südamerikanischen Bodenschätzen (Gold, Silber, Wald) finanziert worden. Und wer sich zum Beispiel in Spanien auskennt, wo Millionen Immigranten aus den südamerikanischen Ländern leben, weiß, dass die Beziehungen noch immer peinlich asymmetrisch sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Integration findet ihren Grund in dem Umstand, dass die Zeit schon längst vorbei ist, in der man in Holland, Italien, Peru, Irak oder Indien geboren wird – denn man wird heute auf einem Planeten namens Erde geboren. Die (historische) Einteilung der Nationalstaaten als Rechtsprinzip stimmt mit dem allgemeinen Empfinden nicht mehr überein – auch eine Sache des Rechts! – dass jede Person frei sein müsste, genau dort zu leben, wo sie leben möchte. Moderne Biographien halten sich in ihrer Entfaltung nicht unbedingt an Landesgrenzen, die in der Vergangenheit immer wieder umkämpft worden sind. (Auch interessant: Gerade um Grenzen hat es oft Streit gegeben.) Das Recht hat einen Pferdefuß: es kommt mit dem freien Geist nicht mit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun wird meistens gemeint, dass sich Nationalstaaten hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen gegen Fremdlinge abschotten. Die westlichen Länder, so heißt es (und das meint auch Galeano), verteidigen ihren Reichtum gegen die Armut in östlichen und südlichen Ländern. Natürlich spielen wirtschaftliche Interessen eine große Rolle, entscheidend scheinen sie mir allerdings nicht zu sein. Ich glaube eher, dass die Abschottung in einer Angst vor anderen „Epistemen“, das heißt: vor anderen „Wahrheits- und Erkenntnissystemen“ begründet liegt. In westlichen Ländern fühlen sich manche Menschen in ihren intellektuellen, religiösen und moralischen Sichtweisen auf das Leben und die Welt bedroht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn zurzeit in der Öffentlichkeit Frankreichs, Belgiens, Hollands und Deutschlands von Integration gesprochen wird, handelt es sich allerdings immer um ganz bestimmte Gruppen von Menschen, vor allem um Türken, Kurden, Marokkaner (in Holland)  und um Araber. Mit Persern, Indern, Afrikanern, Chinesen oder Brasilianern scheint niemand ein Problem zu haben. Dieser Umstand beinhaltet natürlich erst einmal eine sehr gute Nachricht: ganz viel Integration macht offenbar auch Spaß. Die Frage ist allerdings, warum gerade Türken und Araber ins Visier gekommen sind. Welche „Aussagen“ machen sie über das Leben und die Welt, die gerade in so genannten aufgeklärten Ländern so viele Schwierigkeiten erzeugen? Dürfte man nicht meinen, dass gerade die aufgeklärten Kulturen im Stande sein müssten, das Fremde in sich aufzunehmen oder zumindest frei im Raum stehen zu lassen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor dreißig Jahren lernte ich Hamadi kennen, einen liberalen Muslim aus Tunesien, der in Amsterdam lebte. Mit seiner holländischen Frau Eva hatte er zwei Kinder aus seinem Heimatland adoptiert. Die Gespräche, die wir damals über den Islam und das „freie“ Leben in Amsterdam führten, waren richtig verzwickt. Wahrheiten prallten auf einander, Widersprüche gab es bei ihm und bei mir an allen Ecken. Und auch wenn Hamadi liberal war, vertrat er eine Sichtweise, die ich nur schwer akzeptieren konnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er meinte, dass die Menschen im Westen nur wirtschaftlich orientiert seien. Die Holländer nannte er „Kaufleute“, die in ihren Beziehungen zu anderen Völkern nur einen ökonomischen Mehrwert sähen, letztendlich um die eigenen „modernen Gelüste“ ausleben zu können. Die Holländer hätten Gott längst verloren, auch wenn sie vielleicht am Sonntag brav in die Kirche gingen. „Der aufgeklärte Protestantismus“, so meinte Hamadi, „ist die teuflische Kunst Lust und Moral bequem zu trennen“. Ich musste einräumen, dass ich gegen diese Sichtweise nichts einzuwenden hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umgekehrt fand ich allerdings seinen Gott SEHR streng. Allah überlässt die Moral nicht der freien Entscheidung der Einzelnen, bestimmt was Männer, vor allem auch Frauen und Kinder sollen oder gerade nicht sollen, und schreibt genau wie im Alten Testament vor, was richtig und falsch ist. „Der Islam“, meinte ich, „hat ein Problem mit dem, was wir im Westen zu Recht hoch halten: der Möglichkeit frei und unbefangen zu denken“. Um sich von den Vorschriften im Islam zu befreien, muss man nicht nur liberal, sondern SEHR liberal sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Diskurs zwischen Islam und Christentum scheint es mir um die sich spiegelnden Fragen zu gehen: muss man, wie Friedrich Nietzsche, Gott in sich selber töten (oder „einfrieren“ - der protestantische Gott ist bekanntlich ein kalter Gott!), um aufgeklärt und frei von Ihm zu sein? Und kann man umgekehrt eine Beziehung zu Gott (zu Allah) haben, ohne Seine schriftlichen Festlegungen ins Zentrum seines Denkens zu stellen? Beide Fragen scheinen mir richtig zu sein. Und beide Fragen bewegen sich in den Herzen beider Kulturen, die übrigens – mit dem Judentum – einen gemeinsamen Ursprung haben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-9196709430286660951?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/9196709430286660951/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=9196709430286660951' title='10 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/9196709430286660951'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/9196709430286660951'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/08/integration-1-uber-den-diskurs-zwischen.html' title='Integration (1). Über den Diskurs zwischen Islam und Christentum'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>10</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-7882872941037292848</id><published>2010-07-24T00:21:00.004+02:00</published><updated>2010-07-25T08:56:03.425+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Boorder Tjeerd de'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schulen'/><title type='text'>Dankbar Fragmentarisches. Über eine Reformschule in Utrecht</title><content type='html'>Weil ich damals als Schüler als hoffnungsloser Fall eingestuft wurde, untersuchte mich ein Psychologe. Er öffnete mit zwei wunderbaren Vorschlägen auf einmal in meinem Leben einen unerwarteten Raum. Erstens meinte er, dass ich in eine Reformschule geschickt werden solle, weil eine „normale“ Schule mir offensichtlich zu langweilig sei. Zweitens meinte er, dass ich mich mit dem Gedanken anfreunden solle, Journalist zu werden. Journalisten, so meinte er, seien ja immer unterwegs, irgendwie ungebunden und irgendwie doch nützlich. „Das Einzige was ihr Sohn kann“, so sagte er meinem Vater, „ist schreiben. Alles andere liegt außerhalb seiner Möglichkeiten“.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Irgendwie ungebunden und irgendwie doch nützlich... Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass diese Worte mich bis zum heutigen Tag begleiten... Das Gefühl, in nichts Normales hinein zu passen und doch auf eine unbestimmte Art und Weise mitmachen zu können, ist einer der Grundempfindungen meines Lebens. Und gerade diese Grundstimmung herrschte in der „Openbare IVO-School“, einer Reformschule in Utrecht, die von dem ehemaligen Journalisten Tjeerd de Boorder geleitet wurde. In dieser Schule hatten sich etwa zweihundert Lehrer und Schüler zusammengefunden, die irgendwie komplett daneben und doch irgendwie komplett mittendrin waren. Die Schule war eine Werkstatt des Ungewöhnlichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tjeerd de Boorder war ein Phänomen. Es konnte geschehen, nein: Es geschah tatsächlich immer wieder, dass er auf einmal alle Schüler und Lehrer in die Turnhalle rief, um unter Tränen ein Gedicht von Goethe oder Schiller vorzutragen, immer ein deutsches Gedicht... Er stand da ganz vorne, brauchte gar nicht um Stille zu bitten und fing gerührt und getragen an mit: „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind“, und als er beim letzten Satz angekommen war: „Das Kind war tot“, hatte sich eine sentimentale Betroffenheit unter allen Zuhörern breit gemacht. Tjeerd de Boorder schaffte es, mit einem Gedicht ein Ereignis zu erzeugen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einmal, seine Frau hatte Geburtstag, schickte er zwei ältere Schüler mit seinem schwarzen Mercedes in die Stadt, um zweihundert kleine Torten - gefüllt mit Schlagsahne - zu kaufen, die er dann in der Turnhalle persönlich verteilte. Nach dem Genuss der Torte hielt er eine kleine Rede über seine Frau, die auch Lehrerin an der Schule war, allerdings eine nicht so ganz beliebte. Ich kann mich an seine genauen Worte leider nicht mehr erinnern, weiß aber noch, dass ich für eine Weile seine Frau wieder ein bisschen mochte. Es war Tjeerd de Boorder richtig ein Anliegen: wir hatten einander zu mögen und zu respektieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An dieser Schule bekamen nicht nur Gedichte einen besonderen Platz, sondern auch Musik, Malen, Geschichte, Politik und Demokratie. Die Lehrer waren fast alle heftig links, pazifistisch, anarchistisch... Sie waren keine pädagogischen „Funktionäre“, sondern engagierte Persönlichkeiten, die so richtig etwas mit den Schülern und überhaupt der ganzen Welt vorhatten. Neben Tjeerd de Boorder ist noch der Maler, Dichter und Buchautor Hugo Wormgoor zu erwähnen, ein kleiner Mann mit einem langen Bart, der (damals noch) rauchte wie ein Schornstein und sich während seines Unterrichts mit allem Möglichen und Unmöglichen beschäftigte: Mathematik, Mythologie, Spiritualität, Sprache, Sterne und Planeten. Egal was geschah, malen oder nicht malen, Hugo Wormgoor erzählte uns quasi nebenbei von Sachen, wovon wir nicht einmal wussten, dass es sie überhaupt gab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Innerhalb von wenigen Wochen hatte ich auf einmal mehr als zwanzig „Freunde“ um mich herum. Ich war in einem Flechtwerk von auffälligen Zeitgenossen angekommen, die alle von sich aus ihr eigenes Ding machten: ehrgeizig Hockey spielen, Gedichte und Lieder schreiben, E-Gitarren bauen und spielen, Schlagzeug spielen, Skulpturen aus Kupfer gießen, große Wandbilder malen (zum Beispiel in den Jazz-Kellern in der Innenstadt) oder gerade kleine Miniaturen, Verstärker und sonstige soundmachines bauen, mit 16-Millimeter-Kameras Filme drehen (die nie zu Ende gedreht wurden), Trips nach Drenthe machen, um die Hünengräben zu fotografieren, Bücher lesen... In der Schule von Tjeerd de Boorder stellte ich für mich fest, dass das Leben dadurch Schwung kriegt, dass man aktiv ist und gemeinsam etwas unternimmt. Was bisher in meinem Leben eine strikt geheime Tätigkeit war, nämlich: von mir aus etwas „kreieren“, wurde auf einmal eine öffentliche und kollektive Angelegenheit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Freunde und Freundinnen hatten Eigennamen, die ich vom ersten Tag an innerlich greifen konnte. Ihre Namen – Lodewijk, Rob, Theo, Annette, Ina, Max, Paulus – gehörten zu mir, genau wie mein eigener Name, der erst durch die Namen meiner Kameraden und Freunde wirklich ein Name wurde. In der Bekanntschaft mit den Mitschülern wachte ich auf eine neue Art und Weise zu mir auf, ich bemerkte, dass ich „Jelle“ bin, eine vielschichtige Person, die kaleidoskopisch in den Spiegeln der anderen in Erscheinung tritt. Ich war ein Eigenname, das heißt: Kern und Peripherie zu gleich – ich nannte mich selbst so und wurde von anderen um mich herum auch so genannt und  gemeint. Ich war aus einer Isolierung befreit und bis in mein Innerstes berührt worden.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-7882872941037292848?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/7882872941037292848/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=7882872941037292848' title='17 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/7882872941037292848'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/7882872941037292848'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/07/dankbares-fragmentarisches-uber-eine.html' title='Dankbar Fragmentarisches. Über eine Reformschule in Utrecht'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>17</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3485473957720795842</id><published>2010-07-17T10:17:00.000+02:00</published><updated>2010-07-17T10:19:40.931+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='samuel und sammy'/><title type='text'>Sammy heute zu Samuel. Über die neuen Sternenwege</title><content type='html'>Lieber Samuel, es geschah auf einmal. Entscheidend war die Erkenntnis: unsere Gefängnisse bauen wir selbst. Erwartungen, Enttäuschungen, Überzeugungen haben immer zwei Gesichter: sie bewegen uns oder sie fixieren uns. Ohne Erwartungen läuft nichts, ja wir sind nicht einmal unterwegs, gleichzeitig aber schränken sie die Fülle der Erscheinungen auf Eindeutiges ein. Ein guter Freund von dir hat es einmal so gesagt: Wenn man unbedingt meint, Santiago de Compostella erreichen zu müssen, findet man den Gral nicht; aber ohne ein erkennbares Ziel würde man auch sich nie auf den Weg begeben...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Samuel, dein Freund ist schon vor längerem gestorben. Er hat hier oben gerade eine große Arbeit angefangen, er versucht die irdischen Bedingungen der Sternenwege auszuweiten, das heißt: sie bis in die Herzen der Großstädte zu verlegen, dort, wo die Schicksale der Menschen vibrieren. Er sagt, dass die Wanderwege nicht mehr von Nord nach Süd und dann von Ost nach West gehen, sondern von unten nach oben. Er meint: Schaue auf die Sterne und bleibe wo du BIST.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Samuel, du sitzt mit deinem Laptop an deinem Gartentisch und schreibst. Du hörst wie die Züge vorbei fahren. Hier oben sind die Züge da unten nur ganz schwer wahrzunehmen, sie sehen wie ein Vakuum aus, in das Menschen hineingehen und verschwinden, um irgendwo anders wieder aufzutauchen. Ja, die Menschen selber können wir immer noch spüren, versunken in sich selbst, ohne wirklich bei sich zu sein. Sie scheinen unterwegs zu sein, ohne unterwegs zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bewege mich auf dich zu. Auf einmal stellte ich fest bereits unterwegs zu sein. Ich bin natürlich noch immer der Junge, der im Wohnzimmer seiner Eltern stecken geblieben ist, damals, als mir die Welt nach meiner Krankheit leer und öde schien, als ich die Haut meines Vaters nicht ertragen konnte, weil sie so fremd und aufdringlich war... Es macht keinen Sinn, so zu tun, als ob man auf einmal ein anderer Mensch werden könne, eine Neugeburt-ohne-Vergangenheit. Wenn man das versucht, baut man ein neues Gefängnis, das aus neuen unerfüllbaren Erwartungen besteht.    &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann aber die Zukunft in seiner Vergangenheit zulassen. Als ich auf einmal unterwegs zu dir war – es geschah einfach – verwandelte sich das Wohnzimmer meiner Eltern in einen Ort, in dem einmal etwas geschehen war, in ein Denkmal einer spezifischen Vergangenheit, die sich allerdings neu arrangieren wollte. So ist das mit Denkmalen: sie rechnen mit der Zukunft. Weißt du warum Züge nie zum Denkmal werden können? Weil sie nicht auf die Zukunft ausgerichtet sind. Du wirst vielleicht sagen, dass Züge immer unterwegs sind – ich sage dir: Züge kommen nie vom Fleck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dein Freund arbeitet hier oben daran, dass die irdischen Wanderwege wieder als Sternenwege erkannt werden können. Von Sternen gibt es, wie du weißt, eine ganze Menge. Sie sind nicht nur vielfältig, sondern sie machen die unendliche Vielfältigkeit aus. Die Sterne SIND die Vielfalt. Mit den Sternen ist es so: man kann von einzelnen Sternen reden, ihnen einen Namen oder eine Nummer geben, sie eben in einem Raum, der allerdings nicht existiert, lokalisieren. Und man kann die Sterne auch in Paaren und Konstellationen darstellen, in Bildern also, die auf große und unbegreifliche Zusammenhänge hinweisen, die man spüren, aber eigentlich nicht verstehen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was jedoch bleibt, ist die erschütternde Tatsache, dass die Vielfalt die Auswahl überragt. Die Vielfalt der Sterne ist nicht klein zu kriegen, nicht einzuordnen, nicht in eine Historie einzubetten, nicht einer Weltanschauung oder einer Ideologie zu unterwerfen. Alle menschlichen Ansprüche können deswegen nur Angebote sein, dass heißt: offene Vorschläge von unten nach oben. Und es ist deinem Freund klar geworden: nur das Herz des Menschen kennt sich mit der Vielfalt aus, ist deswegen im Stande, der Weite gerecht zu werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die neuen Sternenwege machen aus kleinen Orten große Orte. Die neuen Orte entstehen allerdings nur dann, wenn sich Menschen von unten auf den Weg nach oben begeben, also bleiben wo sie SIND. Ja, natürlich, lieber Samuel, es bleibt erlaubt sich ein neues Fahrrad zu kaufen, mit dem Auto nach Santiago zu fahren (wie dein Freund das damals gemacht hat, als er noch lebte – er wollte nicht zu Fuß) oder mit dem Zug nach Tintagel. Die neuen Orte liegen allerdings auf einer unsichtbaren Ebene, die nicht mit physischen Vehikeln zu erreichen ist. Sie befinden sich dort, wohin die Nähe zur Welt uns führt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin fast bei dir angekommen. Dein Garten, deine Wohnung und deine Stadt machen einen kleinen Ort aus, der groß genug ist, um das Wohnzimmer meiner Eltern zu umfassen. Und noch wichtiger: Bei dir werden meine Eltern zu deinen Eltern, und ich werde zu dir. Wollen wir der Vielfalt der Sterne diese winzig-kleine Konstellation als Angebot machen? Vielleicht sind eben die Sterne überrascht, weil sie damit nicht rechnen konnten. So ist es doch mit Sternen: sie rechnen mit allem und damit mit nichts?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3485473957720795842?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3485473957720795842/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3485473957720795842' title='11 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3485473957720795842'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3485473957720795842'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/07/sammy-heute-zu-samuel-uber-die-neuen.html' title='Sammy heute zu Samuel. Über die neuen Sternenwege'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>11</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-6838745818227534395</id><published>2010-07-11T23:32:00.000+02:00</published><updated>2010-07-11T23:34:53.283+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fußball'/><title type='text'>Über den Ball als Geliebte</title><content type='html'>Spanien ist also Weltmeister geworden, verdient würde ich sagen. Die spanische Mannschaft ist wie eine Harmonika, die von zwei unsichtbaren Händen manchmal zart, manchmal wild, dann wieder cool oder verärgert bespielt wird. Die Mannschaft dehnt sich aus, zieht sich zusammen, neigt sich in die Länge, neigt sich in die Breite... Und der Ball ist eine gemeinsame und geteilte Geliebte, die gezielt dorthin gebracht werden soll, wo sie unbedingt hin soll, nämlich ins Tor der Gegner, das im Grunde genommen ein Bett ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich mag die spanische Mannschaft sehr. Aber auch die Deutschen haben mir Spaß gemacht. Podolski, Schweinsteiger, Özil, Müller und Klose haben über Wochen überzeugend bewiesen, eine intime Beziehung zum Ball zu haben. Vor allem Özil hat mich diesbezüglich beeindruckt. Wenn er den Ball an seinen Füßen hat, scheint das Ding sich in ein empfindsames Sinnesorgan zu verwandeln, so etwas wie ein rundum nacktes Auge, das gleichzeitig auf alle Mitspieler schaut und dem türkisch-deutschen Spieler telepathisch mitteilt, wohin der nächste Pass soll.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann Klose... Jemand aus der deutschen Abwehr hat den Ball wild und weit nach vorne geschossen, einfach um vom feindlichen Druck befreit zu werden. Der Ball ist also unbestimmt unterwegs, dreht sich hoch oben in der Luft verunsichert um die eigene Achse, weiß also nicht so ganz genau, was das alles soll, kann sich dann nicht länger da oben halten und senkt sich alsdann in einer nicht nachvollziehbaren Kurve genau an die Stelle, an der sich gerade der rechte Fuß von Klose befindet. Dieser Fuß küsst den Ball, macht dann eine winzig kleine Bewegung, eine zarte Drehung, die eher wie eine Liebkosung ist, und bringt das runde Ding wieder zu sich selbst und damit ins Spiel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wunderschön... Es gibt allerdings noch ein paar Fußballspieler mehr, die es zu würdigen gilt. Leider hat Messi aus Argentinien seine Liebe zum Ball in den letzten Wochen kaum zeigen können. Der Grund ist ziemlich einfach: seine Gegner hatten so viel Angst vor ihm, dass er von mindestens vier stämmigen Kerlen andauernd überwacht wurde. Er konnte nirgends hin, nicht in den Osten, nicht in den Westen, nicht in den Süden, nicht in den Norden. Und als er etwas dazwischen ausprobieren wollte, etwa NNW, stand da ein fünfter Kleiderschrank. Schade, schade, weil Messi ohne Zweifel der rührendste Fußballspieler der Welt ist. Sein Trainer Maradonna nennt ihn „mein Maradonna“, aber er hat sich auf der taktischen Ebene leider nichts einfallen lassen, um seinen Augapfel aus seiner unmöglichen Lage zu befreien. (Er hätte ihn zum Beispiel nicht als Stürmer, sondern als Rechtsverteidiger aufstellen können. Wäre genial gewesen...)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann Arjen Robben. Der Holländer spielt wie der Teufel mit seinem ganzen Körper, wie Gott mit seiner Stirn. Robben treibt auf rechts nach vorne, nimmt den Ball mit seinem ganzen Körper mit, als ob das Ding wie ein Testikel an seinem Bauch baumelt, dreht nach rechts, dreht dann nach links, hält kurz inne, und alle Mitspieler und Zuschauer wissen: jetzt wird es geschehen! In der teuflischen Verwirrung entsteht bei den Gegnern ein kurzes Staunen, fußball-technisch heißt das „Lücke“, und in diese Lücke schickt Robben mit seinem mächtigen linken Bein die Kugel, die rechts oben im Tor landet, dort, wo die Hände des staunenden Torwarts gerade nicht hinreichen. So macht Robben das. Und seine Stirn? Davon hat er ganz viel, wie ein Flachland, das sich vertikal aufgerichtet hat. Wenn er den Ball ins Tor köpft, meint man, dass er den Ball dorthin GEDACHT hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diego Forlán aus Uruguay. Er hat das erste Gegentor gegen die Holländer unerwartet-aber-sehr-elegant ins Netz gebracht. Forlán sieht ein bisschen aus wie ein Popsänger, der kurzfristig zu einer Party eingeladen worden ist, nicht so genau wusste, was er zu erwarten hatte, schnell seine Haare mit einem Haarband mehr oder weniger in Ordnung brachte und sich jetzt ohne Bedenken ins Feiern stürzt. Im herzlichen Ausnutzen von gebotenen Gelegenheiten ist Forlán ein Meister: er weiß eigentlich von nichts, ist an nichts beteiligt, schon gar nicht an solchen lästigen Vorgängen wie „Vorbereitungen“ und „Aufbau“ und „Aufräumen“, führt das Fest allerdings zu einem unvergesslichen Höhepunkt. Er macht das Fest zu einem Fest, weil er sich zu etwas eingeladen fühlt, was über das Fest hinaus geht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carles Puyol. Von dem Spieler aus Barcelona wird gesagt, dass er vielleicht nicht so ganz viel Talent hat, allerdings im Stande sei, eine ganze Mannschaft zusammen zu halten (als ob das kein Talent wäre). Als Fußballer scheint er mir reiner Wille zu sein. Meistens steht er ganz hinten, überblickt das ganze Spiel, greift aggressiv-aber-fair ein, schmeißt sich sozusagen in bedrohliche Situationen und löst sie mit Kraft und Intelligenz auf... Recht schön ist Puyol allerdings, wenn er in der Luft schwebt, was er oft und gerne auf unerklärliche Art und Weise macht: er sieht den Ball von rechts oben kommen, macht ein paar Schritte um Fahrt zu kriegen, löst sich rätselhaft ohne Flügel vom Erdboden, drängt mit seinem Kopf nach vorne, trifft  die Kugel (ich meine eigentlich: er begegnet ihr) und hilft ihr gezielt ins Bett. Die deutschen Fans verstehen was ich meine...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-6838745818227534395?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/6838745818227534395/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=6838745818227534395' title='11 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6838745818227534395'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/6838745818227534395'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/07/uber-den-ball-als-geliebte.html' title='Über den Ball als Geliebte'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>11</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-5845354936388694688</id><published>2010-07-05T13:36:00.002+02:00</published><updated>2010-07-05T21:50:25.319+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Dylan Bob'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='samuel und sammy'/><title type='text'>Samuel heute zu Sammy. Über die Stadt und Ballad in plain D</title><content type='html'>Lieber Sammy, es ist noch früh, die Strahlen der Sonne haben allerdings die höchsten Stockwerke der Häuser an der Eisenbahn schon erreicht. Sie leuchten auf, wie die Stirnen griechischer Philosophen. Als ich vor zehn Minuten in den Garten ging, um nach den Rosen zu sehen, war der Fuchs da. Er stand beim Teich, schaute mit seinem spitzen Blick kurz auf mich, und verschwand, erst hinter seinem Schwanz, dann mit seinem Schwanz zwischen den Brennnesseln. Er versteht noch immer nicht, dass er vor mir keine Angst zu haben braucht. Ich weiß leider nicht, wie ich die Kluft zwischen seiner Welt und meiner Welt überbrücken kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Stadt ist vom Sommer überflutet worden. Sogar die Geräusche der Züge klingen anders, als ob die Wärme von gestern, die die Nacht nicht vertrieben hat, das Reiben von Eisen auf Eisen sanft einbettet und in meinen Ohren verschmelzen lässt. Gerade kommt ein Güterzug vorbei, langsam, und wie es mir vorkommt: ohne ein Ziel, so, als ob Rotterdam oder Antwerpen oder Hamburg in der Hitze sowieso nicht zu lokalisieren sind. Wenn es warm ist, scheinen Ziele zu verschwinden. Füchse haben davon allerdings offenbar kein Wissen, sie bleiben immer wach.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lieber Sammy, ich habe es schon verstanden: du bist unterwegs zu mir. Die Stirnen der Häuser denken an dich, die Züge bringen einen Hauch von dir, die Lücken in den Vierteln flüstern von dir... Und vor allem die Vögel: sie berichten davon, dass du im Kommen bist, dass du dich von deinem Schreck losgelöst hast, nicht länger im Wohnzimmer deiner Eltern verbleibst, sondern in Luftbewegungen schwebst, nein, nicht frei „from the chains of the skyway“, sondern gerade von deren ziellosen Schwingungen getragen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Stadt ist eine vibrierende Schale. In ihrem Herzen quillt eine goldene Kraft, die aus dem Inneren der Erde heraufkommt, sich durch Tiefgaragen hocharbeitet, die großen Frauen der Geschichte in sich aufnimmt und ihnen endlich die richtigen Rollen gestattet, die Toten zum aktuellen Leben erweckt, die Lebenden auf den wahren Tod vorbereitet... Ich habe es schon verstanden: es ist diese Kraft, die dich sucht, dich von deiner Vergangenheit befreien will, dich anzieht – und umgekehrt: es ist dieser Zauber, den du suchst, den du in deinem Schweben da oben vor Augen hast.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deine Reise geht erst ostwärts und dann südwärts. Von dir aus gesehen sieht der große Fluss wie eine Ader für ganz Deutschland aus, die immer noch mächtige Intuitionen herunter holt und gegen den Wasserstrom über die vielen Nebenflüsse bis in die Großstädte und in die Kleinstädte und in die Dörfer und in die Weiler bringt, ja, weit an der Stadt vorbei, wo ich lebe (und der Fuchs) und wo die Menschen warten, ohne es zu wissen. Ostwärts gehen bedeutet für dich: von links nach rechts schreiben. Für mich bedeutet es allerdings, dass ich wieder lernen muss, von rechts nach links zu lesen. Und ich räume ein, dass dies mir manchmal nicht leicht fällt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Stadt erwartet dich. Manchmal leuchtet die Wiese in meinem Garten auf einmal ein bisschen auf, als ob sie im Kleinen macht, was im Großen geschieht: ein Aufwachen im Warten, dass aber kein Warten mehr ist, sondern ein Ankommen-im-Kommen. Irgendwie scheinen Wiesen, auch wenn sie klein sind, an großen Ereignissen beteiligt zu sein – sie können leuchten, auch wenn die Sonne sich hinter den Wolken verbirgt. Alles was sich zur Schale neigt, offenbart was Schale ist: aufnehmen und weiter schenken wollen. (Wenn eine Amsel morgens früh auf der Wiese hin und her hüpft – ja, um Würmer zu suchen – betont sie nur, dass die Wiese eine Schale ist.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich warte auf dich. Im Garten unter dem Efeu, direkt neben der Hausmauer wartet bereits eine kleine Bank, die nie benutzt wird, weil sie für dich und für mich gemeint ist. So wird das mit uns sein: wir werden nebeneinander sitzen, nicht einander gegenüber, weil wir nur so gleichzeitig schreiben und lesen können, von rechts nach links. Und ich werde dir von den großen Songs erzählen, die ich kennen gelernt habe, nachdem wir uns damals getrennt haben. Das erste Lied wird sein: Ballad in plain D. Ich werde es für dich auf der Gitarre spielen, gleichzeitig von links nach rechts und von rechts nach links. Ich bin schon dabei, das Lied zu üben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-5845354936388694688?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/5845354936388694688/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=5845354936388694688' title='10 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5845354936388694688'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/5845354936388694688'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/07/samuel-heute-zu-sammy-ballad-in-plain-d.html' title='Samuel heute zu Sammy. Über die Stadt und Ballad in plain D'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>10</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-9093082384794420070</id><published>2010-06-30T09:09:00.001+02:00</published><updated>2010-06-30T11:43:16.474+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Nähe'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Erotik'/><title type='text'>Noch eine Initiation. Über Erotik und Nähe als Raum geistiger Natur</title><content type='html'>Nicht lange nach meiner Erfahrung mit Katharina, ich war vierzehn Jahre alt geworden, traf ich mich mit Myriam. Ich weiß nicht mehr, wie ich sie kennen gelernt, auch nicht, warum ich sie bald wieder aus den Augen verloren habe. Vage erinnere ich mich, dass wir auf der Veluwe, nördlich von Arnhem, mit dem Fahrrad herum gefahren sind. Auf einer Lichtung im Wald hatten wir uns auf den Boden gesetzt, sie saß mit ihrem Rücken gegen einen Baumstamm, ich an ihren Füßen. Myriam war schüchtern: statt etwas in die Hand zu nehmen, wartete sie auf die Dinge, die kommen sollten, wollten. Mit ihren dunklen Augen schaute sie verunsichert auf mich und lächelte verlegen.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Auch ich war unentschlossen. Ich fühlte mich zu Myriam hingezogen, spürte das Verlangen, ihren Körper zu berühren, ihr rundes Gesicht, ihre halblangen dunkel glänzenden Haare, ihre Arme und Beine, ihre Lippen... Aber im Grunde genommen war ich verwirrt, nicht handlungsfähig, weil ihre Präsenz mich überwältigte. Vor allem überforderte mich die Tatsache komplett, dass ich irgendwie wusste, dass sie von mir berührt werden wollte. Myriam überstrahlte meine Souveränität, ihre Nähe kam mir zu nahe, ich konnte ihre Bereitschaft nicht „denken“, weil etwas in mir sagte: „Du darfst ihre Schönheit gar nicht berühren“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir saßen da und waren verwirrt. Irgendwann schaffte Myriam es, meine Hand in ihre Hand zu nehmen, fast, als ob sie nebenbei ein Blatt vom Boden nahm und anfing es sanft zu streicheln. Ich spürte die weiche Innenseiten ihrer Finger auf meiner Haut, und hatte sofort das Gefühl, nur noch Hand zu sein. Wir beiden schauten auf unsere Hände, sagten nichts – und langsam wurde es mir möglich, so dabei zu sein, dass ich ihre Bewegungen erwidern konnte. Wir waren für eine Weile in die kleine-große Welt unserer Hände versunken, alles andere war verschwunden. Wir teilten was da mit unseren Händen geschah, befanden uns in einem gemeinsamen Erleben, das sich zwischen uns ereignete.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich hatte nicht länger das Gefühl: hier bin ich und dort ist Myriam. Wir schauten nicht mehr aufeinander, sondern waren über unsere Hände irgendwo gemeinsam eingetroffen, wo sie und ich nicht mehr so klar zu trennen sind. Und obwohl ihre Präsenz fast noch überwältigender geworden war, saß Myriam nicht länger als ein strahlendes Gegenüber vor mir: ich schien in mir einen Raum zu haben, in den ich sie  in ihrer Größe aufnehmen und einen Platz geben konnte. Und als ich mir nach einer Weile zutraute, Myriam in die Augen zu schauen, traf ich auf einen Blick, der mich aufnahm, den ich aufnehmen konnte. Stärker noch als die Hände schienen unsere Blicke eine Innenwelt zu stiften, die wir betreten konnten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von diesem Moment an lief alles von alleine. Irgendetwas in ihr und irgendetwas in mir wussten spontan wo es lang ging. Wir brauchten uns nichts zu überlegen, Verwirrungen und Verunsicherungen gab es gar nicht mehr, es gab nur noch die Berührungen mit den Händen und Lippen, die suchenden und öffnenden Bewegungen, den Atem, die Gerüche...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erotik schaltet das Denken aus. Sie weckt eine spontane und fließende Handlungsfähigkeit, die nicht von bewussten Überlegungen und Entscheidungen geprägt wird. Was richtig oder falsch in einer erotischen Beziehung oder in einem erotischen Geschehen ist, wird direkt über Gefühle erkennbar – und die Handlung erfolgt sofort aus dem aktuellen Gefühl heraus. Ist man einmal über die Grenze der eigenen körperlichen und seelischen Haut gegangen, befindet man sich quasi frei in einem Bereich, wo die führenden „Prinzipien“ die des unbefangenen und fühlbaren Tastens, des Lauschens und des Berührens sind. In der Erotik begegnen und vermischen sich zwei Menschen vor allem als  fühlende Wesen, die ohne Gedanken auskommen können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Genau wie das Denken wird auch das Wollen in der Erotik zurückgestellt. Um an dieser Stelle einen Begriff von Georg Kühlewind zu verwenden: der harte Wille verschwindet und macht Platz für den „sanften Willen“, der ein Wille ist, der sich von Gefühlen leiten lässt. Man könnte es auch so sagen: in der Erotik opfern die gedanklichen Vorstellungen und der strebende Wille sich in das Meer der sich ständig verwandelnden Gefühle hinein und lassen sich von den hin und her gehenden Strömungen führen. Das Wollen und das Denken stehen sich in der Erotik – und damit auch in der Nähe – nicht als zwei Polaritäten gegenüber, sondern verschmelzen in der Einbettung der Gefühle. Eros kreiert einen Raum der Nähe, der Begegnung, der Verschmelzung, der Berührung...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-9093082384794420070?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/9093082384794420070/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=9093082384794420070' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/9093082384794420070'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/9093082384794420070'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/06/noch-eine-initiation-uber-erotik-und.html' title='Noch eine Initiation. Über Erotik und Nähe als Raum geistiger Natur'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-3394438973421466946</id><published>2010-06-21T13:38:00.000+02:00</published><updated>2010-06-21T13:39:51.689+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Nähe'/><title type='text'>Eine Initiation. Über Treue und die Illusion der Nähe</title><content type='html'>Es war Hochsommer und ich war tagtäglich mit meinem Kameraden Dirk unterwegs. Er hatte ein altes Fahrrad-mit-Motor gekauft, „geregelt“, wie er es gerne ausdrückte, mit dem wir begeistert über die sonnigen Arnheimer Alleen tuckerten. Das Vehikel war ein richtiger Hybrid, gleichzeitig Motorrad und Fahrrad, und wenn der Weg in die Höhe ging, musste man kräftig strampeln. Das Ding nannte sich „Vélosolex“, verkürzt „Solex“ – normalerweise sah man auf den Straßen nur ältere Herren damit, die alle Zeit der Welt hatten. Wie unsere Helden aus Liverpool trugen wir Bluejeans, weiße Hemden und dazu noch die entscheidenden schwarzen Westen, die Dirk aus dem Kleiderschrank seines Vater, der Pfarrer war, „geregelt“ hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines Tages hatten wir vor, an Häusern vorbei zu fahren, in denen Mädchen unserer Schule wohnten. Dirk hatte eine Art Fahrplan aufgestellt: ein paar Adressen aufgeschrieben und eine Reihenfolge bestimmt. Als er sie mir zeigte und ich sofort sah, dass ein bestimmtes Mädchen fehlte, stand ich vor einem dicken Problem: sollte und wollte ich Dirk darüber informieren, dass ich mittlerweile kräftige Gefühle gerade für das fehlende Mädchen entwickelt hatte, im Grunde genommen fortwährend an sie dachte? Und sollte und wollte ich eigentlich an ihrem Haus vorbei fahren?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich nenne sie Katharina. Sie hatte lange rötlich-blonde Haare, war groß aber gehalten, schien nie lachen und reden zu müssen und schaute mit ihren grauen Augen aufmerksam, aber auch ein bisschen traurig, auf das Getümmel um sie herum. Sie hatte eine Busenfreundin, Andrea, die nie von ihrer Seite wich, klein und schmal war, und für die beiden das Wort führte. Katharina war bestimmt ein Jahr älter als ich und wohnte oben auf dem Hügel Monnikenhuizen, wo ehedem – wie ich wusste – die Zisterzienser Mönche gelebt hatten. Irgendwie schien mir Katharina eine heilige Frau zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war schon einige Wochen her, dass Katharina in mir angekommen war. Ohne ein Wort mit ihr oder ihrer Freundin Andrea gewechselt zu haben, hatte ich sie in meine Phantasien einbezogen. Meine Gefühle für Katharina waren von Verehrung und Bewunderung geprägt: ich war mir sicher, dass sich hinter ihrer Schweigsamkeit eine unermessliche Tiefe mit großen Geheimnissen befand, die irgendwie mit „Heilen“ zu tun hatte. Und ich fand Katharina fast unerträglich schön: ich musste immer in ihr Gesicht blicken, und auf ihre Haare und Kleider, die frei hinter ihr her flatterten, wenn sie Fahrrad fuhr. Sie war allerdings unerreichbar und irgendwie war das auch gut so.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Ich teilte Dirk nur halbwegs meine Gefühle für Katharina mit. „Dann fahren wir sofort nach Monnikenhuizen“ meinte er entschieden. Als wir oben angekommen waren und die richtige Straße gefunden hatten, fuhren wir langsam an der Wohnung ihrer Familie vorbei. Die Fassade war hell weiß gefärbt, die Fenster spiegelten das Sonnenlicht, die Haustür war zu, sehr zu, und im Inneren des Hauses schien sich nichts zu bewegen, vor allem Katharina nicht. Mir war das Unternehmen mittlerweile sehr unangenehm geworden und ich wollte sofort weiter fahren. Dirk ließ allerdings nicht locker, kehrte das Vehikel am Ende der Straße um und fuhr ein zweites Mal an der Wohnung vorbei. „Mal schauen, was geschieht“, rief er laut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Solex mit zwei Jungs in weißen Hemden und schwarzen Westen war Anfang der sechziger Jahre in der gehobenen Stille von Monnikenhuizen eine bemerkenswerte Erscheinung. Als wir das dritte Mal durch die Straße fuhren, wurden hier und da Türen geöffnet und es kamen neugierige oder verärgerte Leute aus ihren Wohnungen. Und katastrophal genug: auch Katharina erschien, mit ihrer Mutter... Sie erkannte uns sofort, sagte etwas zu ihrer Mutter, drehte sich um und verschwand. Ihre Mutter kam allerdings auf uns zu und sagte freundlich aber entschlossen: „Geht doch lieber weg, ihr habt hier doch nichts zu suchen, oder?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich war erschüttert und von einer beißenden Scham erfüllt. Als ich abends in meinem Zimmer auf der Fensterbank saß und die Amsel singen hörte, stellte ich fest: Katharina war tatsächlich verschwunden. Sie war nicht mehr in mir vorhanden, hatte sich gegen mich entschieden, ich war mir sicher, dass das geschehen war, weil ich mit meinem Freund Dirk und der komischen Solex und meiner schwarzen Weste die Sphäre ihrer Heiligkeit verletzt hatte. Ich war untreu gewesen. Und dabei ist es auch geblieben: seitdem war ich in Katharinas grauen Augen nur noch Luft. Sie hat mir nie mehr den geringsten Hinweis gegeben, dass ich für sie überhaupt noch existiere oder eben existiert hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Nachhinein kann ich leider nicht einmal sagen, ob es überhaupt etwas Gemeinsames zwischen mir und Katharina gegeben hat. War die stille Nähe, die ich in mir spürte, nur eine phantasierte Vorstellung in mir, die sich ohne ihre Beteiligung in mir gebildet hatte? War sie in mir einfach ein Gespenst, eine Projektion, die alles über mich und meine Sehnsüchte, und gar nichts über sie aussagte? War die gespürte Nähe wirklich Nähe, ohne eine Illusion der Nähe? Wie gerne hätte ich auch heute noch, eine Antwort auf diese Frage! (Ich habe in späteren Jahren tatsächlich versucht Kontakt zu ihr aufzunehmen, konnte aber keine Spur von ihr finden.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Initiation betraf die Treue. Auch wenn die innere Nähe zu Katharina auf einer Illusion beruhte, was ich leider nicht mehr herausfinden kann, bleibt die Tatsache, dass die Aktion mit der Solex über eine Grenze führte, die ich – so wie ich Katharina für mich verstand – gerade zu beachten hatte. Einer heiligen Frau nähert man sich auf diese Art und Weise nicht. Entscheidend war der Moment, dass sie mich vor der Wohnung erkannte, ihrer Mutter etwas sagte und sich ohne die geringste Zögerung umdrehte und verschwand. Die Souveränität ihres Verschwindens war der harte Kern des Ereignisses. Und übrigens: nicht lange nach dem Geschehen auf dem Hügel von Monnikenhuizen erfuhr ich per Zufall, dass Katharina fest vorhatte, Krankenschwester zu werden – etwas mit dem Heilen war also dran.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3040091732979256593-3394438973421466946?l=jellevandermeulen.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/feeds/3394438973421466946/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3040091732979256593&amp;postID=3394438973421466946' title='9 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3394438973421466946'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3040091732979256593/posts/default/3394438973421466946'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://jellevandermeulen.blogspot.com/2010/06/eine-initiation-uber-treue-und-die.html' title='Eine Initiation. Über Treue und die Illusion der Nähe'/><author><name>Jelle van der Meulen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01057150351750965915</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>9</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3040091732979256593.post-109078568272541379</id><published>2010-06-14T10:08:00.002+02:00</published><updated>2010-06-14T10:10:08.913+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Michelangelo'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Nähe'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Freundschaft'/><title type='text'>Tastende Sätze. Über die Nähe zwischen zwei Menschen</title><content type='html'>Nähe bedeutet: nah sein. Wenn es allerdings um die Nähe zwischen zwei Menschen geht, ist damit nicht unbedingt ein räumliches Dicht-bei-einander-sein gemeint. Nähe kann es auch zwischen zwei Menschen geben, die geographisch oder eben zeitlich weit voneinander entfernt sind. Nähe ist ein innerer Zustand, der zwar stark von einer körperlichen Begegnung bestimmt sein kann, trotzdem darüber hinaus geht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mehr noch als an die Züge seines Gesichtes oder den Klang seiner Stimme, kann ich mich an die Nähe, die mein Großvater mütterlicherseits mir immer wieder entgegen brachte, erinnern. Eigentlich ist es an dieser Stelle auch nicht richtig von „erinnern“ zu sprechen, es ist eher so, dass die damals erlebte Nähe, noch immer in mir vorhanden ist, wie eine Stimmung, in die ich bis zum heutigen Tag eintreten kann. Und außerdem ist es nicht richtig zu sagen, dass mein Großvater mir diese Nähe entgegen gebracht hätte: Sie entstand zwischen uns, ging aus uns beiden hervor und lebte zwischen uns..&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durch dieses Gespür, das ich heute noch hervorrufen kann, lebt mein Großvater irgendwie noch immer weiter. Wäre ich ein Maler, könnte ich seine seelischen Farben hervorzaubern; und wäre ich ein Musiker, könnte ich seine Melodien spielen. Vor allem steigt sein Geruch – diese unbeschreibliche Mischung aus Schweiß, Atem, Tabak und ich weiß nicht was – in dieser Stimmung auf, wie aus einem alten Koffer, der geöffnet wird. Durch die Nähe lebt eine Vergangenheit bis in die Gegenwart weiter, aber nicht als Vorstellung, sondern als Gefühl.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nähe ist ein Zustand, der bewahrt und trägt, in seinem Beginn und in seiner ersten Wirkung aber eine Öffnung hervorruft. Wenn mein Großvater mir etwas über die Rosen in seinem Garten erzählte und dabei seine Hand auf meinen Arm legte, war es, als ob seine Haut und meine Haut auf einmal nicht mehr Häute waren, keine abgrenzenden Flächen mehr, sondern sich in vibrierende Räumlichkeiten verwandelte und warme Zwischenräume erzeugte, in denen sich etwas von meinem Großvater und etwas von mir vermischte und EINE gespürte Wirklichkeit kreierte. Diese Nähe öffnet einen Raum zwischen zwei Menschen, „zwischen uns“, und ermöglicht Empfindungen, die ohne sie verschlossen bleiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal sind es körperliche Berührungen, die Nähe erzeugen. Das Urbild der Nähe ist vielleicht die Vorstellung einer Mutter mit ihrem Kind in den Armen. Das kleine Kind ist in der Wärme der Mutter aufgenommen, wird von ihren sanften Bewegungen und vertrauten Gerüchen umflutet, befindet sich in einer Art hautlosem Zustand, einer Fortsetzung der Gebärmutter außerhalb des mütterlichen Körpers. Die Erfahrung der Nähe ist für das kleine Kind allerdings noch eine unbewusste Angelegenheit – es bemerkt sie noch nicht bewusst, genauso, wie sich ein Fisch des Wassers in dem er schwimmt nicht bewusst ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mit seiner wunderschönen Skulptur in der Kathedrale von Brügge zeigt Michelangelo eine Mutter (Maria), die ihr Kind (Jesus) bei seinen ersten Schritten-in-die-Welt begleitet. Das Kind ist von Armen und Beinen der Mutter noch umgeben, steht aber schon auf seinen eigenen Füßen und will sich in die Welt hinein begeben. Der Blick des Kindes richtet sich nach vorne, während die Mutter auf etwas Inneres in sich zu blicken scheint. Wenn man auf die Skulptur schaut, stellt man sich unwillkürlich die nächste Szene vor: das Kind hat sich von der Mutter losgelöst und ist fre
