Wie bist du eingestuft? Die Geheimnisse der Rating-Agenturen
Ich weiß nicht wie es mit euch steht, ich wurde in meinem Leben allerdings nie als AAA eingestuft. So etwas wie Solidität habe ich auf der finanziellen Ebene bislang nicht erreichen können, laut meinen Kindern, werde ich das auch nie, weil ich es nicht einmal ernsthaft in Erwägung gezogen habe. Solidität als Konzept hat sich mir leider nicht einverleibt. Meinem jüngsten Sohn war dies bereits klar, als er sechzehn Jahre alt war. Er bot damals an, mein „Geschäftsführer“ zu werden, „natürlich ehrenamtlich“ fügte er gnädig hinzu. Ich war so dumm, sein Angebot abzulehnen.
Ich bin von den Rating-Agenturen als AB+ eingestuft, hänge also gerade hinter Rumänien, der TAZ und Christian Wulff. Dass es überhaupt noch ein A in meinem Bonitätskode gibt, hängt wohl damit zusammen, dass ich als „kreativ“ gelte, ich kriege es jeden Monat über links oder über rechts immer wieder hin, meine Miete zu bezahlen. Einen Willen zur Verlässlichkeit gibt es also.
Das B steht für die Tatsache, dass ich zwar jeden Monat meine Gehälter (ich habe zwei Jobs) überwiesen kriege, feste und verlässliche Beträge also, worüber die Banken sich freuen, in meinen Ausgaben allerdings manchmal unvorhersehbar bin. Wenn ich mich zum Beispiel in einen Teppich verliebe, zögere ich nicht, egal was mein Konto mir sagt. Eine Sucht ist es nicht, das wäre C gewesen, solche Taten untergraben jedoch unbemerkt – von mir, nicht von den Agenturen – den Willen zur Verlässlichkeit.
Das + steht für Hoffnung. Die Agenturen meinen, dass ich verbesserungsfähig bin, weil ich über die Waldorfpädagogik das Prinzip der Selbsterziehung kennen gelernt habe. Ich erwecke den Eindruck, dass ich an mir arbeite, dass ich kritisch auf mich schaue, dass ich mich manchmal öffentlich ein bisschen prügele. Ich persönlich sehe das übrigens einen Tick anders. An dieser Stelle scheint mir meine Fähigkeit zu sein, immer wieder die richtigen Worte zu finden. Ich betrachte mich als ein Meister der Entschuldigung.
Ich blicke immer gerne auf die Listen der Agenturen, um zu schauen, welche Länder, Unternehmungen und Personen auch als AB+ eingestuft, also meine finanziellen Schicksalsgenossen sind. Ganz viele Künstler befinden sich in meiner Kategorie, Leute also, die bonitätsmäßig nicht so richtig einzuordnen sind. Fast alle Rapper haben AB+, und auch ganz viele Dichter und Vortragsredner. Irgendwie hat die Kategorie AB+ mit dem schönen Schein zu tun.
Auch die Stadt Köln hat AB+, was natürlich keine Überraschung ist. Alle richtigen Kölner sind nun einmal lockere Redner, die ihren Aussagen ständig mit einem + hier, da einem + und da noch einem + eine funkelnde Aura des geschmeidigen Versprechens verleihen. Ich meine, das + und das + und das + glitzern überall in der Domstadt wie kleine Sternchen zwischen den Worten, vor allem, wenn es sich um die Tragik des 1. FC handelt. Und egal wie tief die Manuskripte in der Grube gestürzt sind, überall blinken unverschämt die Sternchen der lockeren Entschuldigung.
Recht schön wird die Liste, wenn es noch weiter runter geht. Bei BB+ stehen zum Beispiel: Stuttgart (hat ein unlösbares Problem, wo nur +++ noch helfen würde, dieser Kode existiert allerdings nicht), Gregor Gysi (hat die verkehrte Partei gewählt, kann jedoch wie Gott daran vorbei reden) und die Vereinigung der Waldorfkindergärten (die sich gerade so hält, weil es immerhin die Kinder noch gibt, alle Erwachsenen haben bereits aufgegeben.).
Ganz eigenartig ist das Goetheanum in Dornach eingestuft. Die Agenturen haben einen Kode entwickelt, der widersprüchlicher nicht sein könnte: C+A. (Nein, hat nichts mit dem Klamotten-laden zu tun.) Das C steht klar für: nicht mehr zu helfen, abgründig verpeilt... Das A bedeutet: das Unmögliche versprechend, und zwar so, dass es die Experten für möglich halten, dass das Unmögliche tatsächlich einmal möglich wird (ist doch der Kern der Anthroposophie, oder?). Und das + steht natürlich für die Kneipe am Fuß des Dornacher Hügels, in der die Frühlingsrevolution bereits voll im Gange ist.
4 Kommentare:
Herrlich!!!
Liebe Grüße zum Sonntag+++
Liebe Grüße Dir! Herzlich, Jelle
Jelle,
was meine neue Schwester Sati http://zwillingssonne.blogspot.com/heute bei mir schrieb, das möchte ich Dir weiterreichen:
"Schon erstaunlich, lieber fremder Bruder, seit Du auftauchtest, begleitest Du mich. Vermutlich ein Göttergeschenk. Danke für Deine gute Gesellschaft ..."
Es macht einfach Freude, Dir zuzuhören.
Unsere Miete kommt zwar regelmäßig zustande, die zweimonatliche Weinrechnung aber und zweimal Brennholz im Jahr ... Jelle (fast) alle Künstler wohl und wir, und wenn diese Wunder nicht passieren würden, dann wären die himmlischen Verknüpfer
eingeschlafen.
Schöne Woche nach Köln
Mundanomaniac
Ach, das fehlt noch:
Ich bat dich um eine Löschung betreffend eine Frau, die Du nicht kennst, hier aber wenigstens ihr Fingerabdruck
http://christ1offer2us.wordpress.com/
Mundanomaniac
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