ÜBERS EMPÖREN HINAUS. Von Johanna Giovannini, Jelle van der Meulen und Johannes Stüttgen
Wir haben etwas vor. Ihr mögt uns vielleicht noch gar nicht kennen, vielleicht bereits ein bisschen oder eben ziemlich gut. Wir heißen Johanna Giovannini, Jelle van der Meulen und Johannes Stüttgen. Für die Zukunftsstiftung Soziales Leben in der GLS Treuhand (Bochum) haben wir uns zusammengesetzt, um für eine Weile an einer bestimmten Frage zu arbeiten.
Wir haben zu dritt eine Werkstatt aufgemacht. Einen geographischen Ort hat diese Werkstatt nicht, sie befindet sich überall, wo Menschen sich treffen und sich austauschen: Auf diesem Weblog, via E-Mails und Briefen, unterwegs auf Bahnhöfen, in Kneipen, Wohnzimmern und Küchen, auf größeren Veranstaltungen (die es noch zu organisieren gilt). Die Werkstatt ist also zu verstehen als ein bewegliches Flechtwerk von Begegnungen, ein unüberschaubares und hoffentlich inspirierendes Geschehen in der Zeit.
Wir wollen weg von deftigen Fixierungen, festgefahrenen Ideologien und vorgeschriebenen Bestimmungen. Wir wollen die konkreten Begegnungen der Menschen als Quellen einer noch nicht bekannten Zukunft verstehen. Wir suchen Wege, die sich öffnen, wenn die Beteiligten von Angesicht zu Angesicht stehen, wenn also die Präsenz des anderen – und vielleicht auch fremden – Menschen mit einbezogen wird.
Unsere Frage ist delikat. Sie lässt sich nicht in einem Satz festlegen, weil sie eine Frage des Herzens ist. Sie könnte so lauten: Was ist gemeinnützig an einem Menschen? Oder auch: Was ist gemeinnützig an den Menschen? Oder vielleicht besser: Was am Menschen braucht die bedingungslose Förderung einer Gemeinschaft? Oder wie wäre es mit: Wie können Menschen so gefördert werden, dass sie ihre Biographien als Kunstwerke gestalten können?
Diese Fragen sind nicht nur entscheidend für die Zukunft der Zukunftsstiftung Soziales Leben, sondern auch für die Zukunft unserer öffentlichen Gesellschaft. Die Gestaltung des individuellen Lebens wird immer einseitiger verstanden, nämlich als eine wirtschaftliche Angelegenheit. Deswegen wird die Entfaltung neuer „Begabungen“ immer mehr den Einzelnen überlassen, die damit oft überfordert sind. Die Zukunft ist jedoch eine ideelle Angelegenheit, die sich nicht „wirtschaftlich“ finanzieren lässt.
Die Stiftung möchte ein Ort sein, wo individuelle Menschen sich aus Freiheit an der Gestaltung einmaliger biographischer Kunstwerke engagieren. Wir wollen übers Empören hinausgehen, das große Warten (zum Beispiel auf ein bedingungsloses Einkommen) hinter uns lassen, und in konkret gelebten Beziehungen tätig werden.
Und wir fangen an der Stelle an, wo wir gerade stehen: Mit unseren offenen Fragen, und freilich mit der Hoffnung, dass ihr mitmacht! Auf unserem Weblog ist mehr zu finden: http://blog.zukunftsstiftung-soziales-leben.de/
Johanna Giovannini (Bodensee),
Jelle van der Meulen (Köln),
Johannes Stüttgen (Düsseldorf)
5 Kommentare:
Ja gerne mache ich mit bin noch in den nächsten mindestens zweiJahren mit den Weiterbildungs -Kursen in Steinbildhauen und dreidimensionalem Gestalten beschäftigt in Peccia- Maggiatal Tessin
Es wäre in der Tat schön, wenn Menschen, völlig freilassend, in ihrem sozialen und biographischen Tun gefördert werden könnten.
Bislang schien es mir so, dass die üblichen "Seilschaften" in der Zukunftsstiftung Soziales Leben den Ton angaben. So bat ich für zwei Buchprojekte um finanzielle Unterstützung - das wurde lapidar abgelehnt ("Da könnte ja jeder kommen").
Nun sind die beiden Werke doch erschienen - allerdings nicht in der Form und auch nicht in der Perfektion (Lektorat und Korrektorat fehlen), wie ich das eigentlich für nötig befände.
Für das Erscheinen dieser Bände bei www.bod.de musste ich alles selbst machen - von der Redaktion, über die Korrektur, die Gestaltung, bis hin zum Marketing. Fachliches "know-how" konne ich nur in weltanschaulicher und erkenntnistheoretischer Hinsicht einbringen. Die formale Gestaltung aber blieb unbefriedigend.
Es würde mich freuen, wenn die "Zukunftsstiftung" nun neue Fahrt aufnehmen könnte, denn um mit Beuys zu sprechen: Es ist "Jeder Mensch ein Künstler".
Herzlich,
Michael Heinen-Anders
GELDSPAREN Ist keine Tugend!
In Deutschland hat sich immer mehr ein Denken etabliert, dass Geldsparen eine Tugend sei, die gerade "Unseren Kindern" zugute kommt. Dieses Denken lebt wie eine allgemeingültige Wahrheit, ein Dogma, dass wenig in Frage gestellt wird in allen Bevölkerungsschichten. Mit diesem Denken schaden wir unseren Kindern am allermeisten!!! Das gesparte Geld liegt ja nicht in einem Schrank bereit, dass es für die Kinder verwendet werden kann, sondern mit der bloßen Zahl des Geldes wird auf dem Finanzmarkt operiert und in vielen Fällen anders, als wir es für die Zukunft unserer Kinder wünschen. Die beste Möglichkeit privat einen Gegenimpuls gegen das Gebaren der Geldmärkte zu setzen ist GELD ZU VERSCHENKEN an Menschen, die es für ihre Lebensinitiativen brauchen oder die es ganz einfach zum Leben brauchen. Dadurch gesundet das Geldwesen, weil das Geld ins Fließen kommt. Und es ist nicht unwesentlich, mit welcher Initiativkraft, mit welcher Liebeskraft Geld geschenkt wird, auch kleine Summen. Die meisten Menschen in Deutschland sind jetzt noch in der Lage Geld zu schenken. Es würde ein gewaltiger Zukunftsimpuls entstehen, wenn viele Menschen einfach den Menschen gegenüber,die ihnen nahe sind und in finanziellen Schwierigkeiten stecken auf unkomplizierte Weise Geld schenken könnten.
Lieber Jelle, Ich möchte sehr gerne dabei sein! Ich glaube und hoffe dass es genau etwas ist worauf Ich gewartet habe. Est gibt viele Ideeen und Ahnungen in meinem Kopf, die noch nicht so auskristallisiert sind. Dass ist auch gut, und ich empfinde eigentlich sehr viel Inspiration. (Habe diese Woche eine Spazierung gemacht im Wald bei Ede-Wageningen, und wir passierten ein Hügelgrab von 4000 Jahre alt! Liebe Grüsse, Caroly
Ich möchte schreiben. Sehne mich nach Freiraum zum Schreiben. Gezielt und auf kleinere Projekte bezogen schaffe ich das in meinem Alltag. So ich irgend kann verteidige ich diesen kleinen Freiraum, der dann zur Verfügung steht. Und schreibe - mehr oder weniger auf Knopfdruck.
Aber ich sehne mich nach mehr. Und nach einem freieren Freiraum.
Ich weiß nicht, was ich der Welt dafür versprechen, bieten kann. Aber ich glaube, es wird ein Text sein. Ein Buch. Eine große Erzählung, die von Menschen handelt, die in ihrem Leben ihren Weg suchen und gehen. Es wird eine Erzählung sein, die unsere Gesellschaft widerspiegelt, die unsere Wurzeln beleuchtet und zukünftige Möglichkeiten beschreibt.
Ich würde dieses Buch gerne schreiben. Dazu würde ich mit all den Menschen Kontakt aufnehmen, die an deinem beschriebenen Projekt teilnehmen.
Und dafür brauche ich Geld. Freies Geld.
Herzlich, S.
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