23.09.2011

Seminar für Waldorfpädagogik in Köln. Werbung!

Ich werde in diesem Blog unverfroren Werbung machen, und zwar für das Seminar für Waldorfpädagogik in Köln, dessen Leitung ich mitgestalte. Montag, 14. November 2011, fangen wir in Köln mit einem neuen Grundkurs an, der über zwei Jahre laufen und ganz sicher eine spannende Angelegenheit sein wird. Ich möchte meine Leserinnen und Leser darum bitten, so laut wie möglich allen Interessierten davon zu erzählen.

Der Grundkurs ist erstens für staatlich anerkannte ErzieherInnen gedacht, die gerne eine Zusatzqualifikation als WaldorferzieherIn erlangen möchten. Zweitens sind alle Menschen herzlich willkommen, die, warum auch immer, eine vertiefte Begegnung mit der anthroposophischen Pädagogik suchen. Uns ist es ein großes Anliegen, auf der Basis der Fragen und Erfahrungen der Einzelnen eine zeitgemäße Sicht auf die pädagogische Praxis zu entwickeln.

Die Waldorfpädagogik ist nicht fertig. Ganz im Gegenteil, die Umbrüche in der Gesellschaft machen klipp und klar deutlich, dass auch der anthroposophische Ansatz in Bezug auf Erziehung und Pädagogik um eine neue Orientierung fragt. Das Leben in der Familie ändert sich rasant, die persönlichen und beruflichen Beziehungen werden neu gestaltet, die religiösen und kulturellen Hintergründe vermischen sich, und vor allem eine Frage wird immer brennender: Wie bereiten wir die Kinder auf ein Leben vor, in dem immer mehr Offenheit, Beweglichkeit und Kreativität von Nöten ist?

Das Ziel der Waldorfpädagogik war und ist noch immer: Die Kinder auf eine Freiheit vorzubereiten. Kinder brauchen deswegen Erwachsene, die sich gerade in Bezug auf Freiheit einen bewussten Umgang zutrauen. Für das Seminar in Köln bedeutet dies, dass auf eines der Grundprinzipien der Erwachsenenbildung besonders Wert gelegt wird: Lernen beruht auf einer inneren Verwandlung, die von einer souveränen Person in die Hand genommen und selbst gestaltet wird. Dieses Prinzip entfernt uns definitiv von dem Gedanken, dass ein Erzieher oder eine Erzieherin lernen sollte, bestimmte Rezepte ordentlich „umzusetzen“.

Die Quelle der Waldorfpädagogik liegt nicht in Traditionen, Konventionen und Gepflogenheiten, sondern in einer freien Beziehung zwischen mir und mir, zwischen mir und dir, zwischen mir und euch... Sie ist eine Sache der Beziehung. Nun erleben wir im Moment gerade an dieser Stelle eine neue Aufgabe, weil das ganz kleine Kind sich in den Kindergärten meldet. Und wie eine Erzieherin noch letzte Woche sagte: „Die Kleinen sprengen alle Rahmen!“. Und so ist es: gerade die wunderbar „Ungeregelten“ stellen uns vor die Tatsache, dass Rezepte nicht weiterhelfen.

Wir haben uns in Köln dazu entschieden, einen Grundkurs anzubieten, der den ganzen Alters-Regenbogen von null bis sieben umfasst. Diese Entscheidung liegt in der anthroposophischen Pädagogik selber begründet: erst der Überblick über das ganze Kind ermöglicht einen Zugang zu altersbedingten spezifischen Eigenheiten. Wir werden uns also menschenkundlich mit vielen Welten beschäftigen: der Welt des Einjährigen, des Zweijährigen, und so weiter. Und ja, alleine die Welt des Einjährigen besteht aus zwölf Welten...

Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit dem Heilpädagogen und Autor Henning Köhler. An sechs Wochenenden pro Jahr wird er die TeilnehmerInnen vor allem in das Thema der Inklusion einführen. (Über seine Art und sein Anliegen lese man bitte meinen Blogtext über „Henning Köhler“. Den Link zu dem Text findet man in der Themenliste nebenan.) Was mir an seinem Ansatz so gefällt, ist seine Fähigkeit den souveränen Philosophen in seinen Zuhörern zu erwecken.

Die Arbeit wird in den nächsten zwei Jahren daraus bestehen, dass wir versuchen werden, einen Diskurs über Kindheit zu führen. Die intensive Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Deutschland ermöglicht es uns, am Ende der zwei Jahre ein Zertifikat zu überreichen, das den Erzieher und die Erzieherin für die Arbeit in Waldorfkindergärten qualifiziert. Mehr Infos folgen, wenn man eine Email an Yvonne Rausch vom Freien Bildungswerk in Köln schickt: rausch@fbw-rheinland.de

Ich freue mich, möglichst vielen Menschen im Seminar für Waldorfpädagogik in Köln zu begegnen!

10 Kommentare:

Melanie hat gesagt…

Liebster Jelle,
das Absolvieren meines Kurses liegt nun schon einige Jahre zurück und kann sagen, dass ich wirklich VIEL mitgenommen habe aus dieser Zeit. Nun gibt es eine Anregung/Bitte an Euch, die wirklich von Herzen kommt: Laßt uns eine Art Nachfolgekurs gestalten, in dem intensiv an dem "weitergeforscht" wird, was wir ja nur in Ansätzen beginnen konnten, ob der Fülle und entsprechend wenigen Zeit, die für ein jeweiliges Thema bleibt. Denn aus SchülerInnen werden Weitersuchende, die einen Ort finden möchten, an dem sie dies tun können auf der Basis, die sie bereits haben (grad wie an der Uni!!)
Herzlichst Melanie

Jelle van der Meulen hat gesagt…

Liebe Melanie, also, eine Art Nachfolgekurs... Vielleicht, wenn es gewollt wird? Was es allerdings am Seminar gibt ist eine Gruppe von ehemaligen Teilnehmerinnen, die sich einmal in der Monat treffen. Daran könnte man teilnehmen. Herzlich, Jelle

Anonym hat gesagt…

Schöne Werbung! Köln ist für mich allerdings weit weg. Wo gibt es sonst noch Seminare? Nitta, aus Berlin

Jelle van der Meulen hat gesagt…

Seminare für Waldorfpädagogik gibt es in Berlin, Dresden, München, Stuttgart, Mannheim, Köln, Dortmund, Hannover, Hamburg und Rendsburg. Wahrscheinlich wird es in 2012 und 1213 auch einen Grundkurs in Trier geben.

Henning hat gesagt…

Die Anthroposophie, sagte Steiner, ist wie ein kleines Kind, wie das Kind in der Krippe zu Bethlehem, ihre Geschichte liegt zu allergrößten Teilen noch vor ihr, es lässt sich gar nicht ermessen, was aus ihr wird in späteren Zeiten. Das gilt auch heute, 100 Jahre später, nun ist sie, die A., gerade mal dabei, sprechen zu lernen ... Wir müssen ihr Entwicklungsräume schaffen - FREIE Entwicklungsräume. Sie darf nicht in Ketten gelegt werden. Ich denke, dazu können wir im Bereich der Walforfpädagogik ein wenig beitragen.
Liebe Grüße
Henning

Andreas Lichte hat gesagt…

Prof. Dr. Stefan T. Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien, im Interview über Waldorfschule, Rudolf Steiner und die Anthroposophie:

"(...) Wir leben in einer freien Gesellschaft. Also hat jede/r das Recht, jeden Unfug zu glauben. Nur sollten sich Eltern, die ihr Kind einer Waldorfschule anvertrauen, darüber im klaren sein, dass sie dann einer Pädagogik vertrauen, die ein heilloses Gebräu esoterischer Glaubenssätze über Drüsen, Zahnentwicklung, astrologischen Einflüsse und ähnliches ist, das von der modernen Kinderpsychologie und der aktuellen Lehr-Lern-Forschung durchweg als durch nichts begründbarer Unsinn abgelehnt wird. Entschiedene Waldorfianer wird das nicht anfechten: Wie alle Sekten sind sie gegen widersprechende Wissenschaft immun (...)"

zum Interview „Man kann nicht nur ein 'bisschen' Waldorf sein“ beim blog "Ruhrbarone":

http://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-„man-kann-nicht-nur-ein-»bisschen«-waldorf-sein“/

Jelle van der Meulen hat gesagt…

Lieber Andreas Lichte, es lohnt sich manchmal, ein bisschen genauer hin zu schauen. Herzlich,

Andreas Lichte hat gesagt…

"es lohnt sich manchmal, ein bisschen genauer hin zu schauen."

Mehr fällt Ihnen nicht ein, um Ihre Arbeit für die Rudolf Steiner Sekte zu verteidigen?

Warum führe ich ein Interview mit Prof. Hopmann? Weil ich genauer hingeschaut habe:



Waldorflehrer werden! – am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“

Unser Gastautor Andreas Lichte war als Experte zur Waldorfschule beim Deutschlandradio Kultur zu Gast. In der „Zeitreisen“-Sendung „Die bessere Schule oder esoterischer Irrglaube?“ am 23.2.2011 berichtete er auch von seinen Erfahrungen während seiner Ausbildung zum Waldorflehrer am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“. Hier eine Extended Version (...)

weiter:

http://www.ruhrbarone.de/waldorflehrer-werden-–-am-„seminar-fur-waldorfpadagogik-berlin“/

Jelle van der Meulen hat gesagt…

Lieber Andreas Lichte, Sie haben wohl recht, ich hätte genauer hinschauen können. Ich werde das irgendwann in den kommenden Wochen tun und nochmals reagieren. Herzlich,

Andreas Lichte hat gesagt…

"Ich werde das irgendwann in den kommenden Wochen tun und nochmals reagieren."

Monate später ... und es gibt immer noch keine Reaktion: warum?